10:58:48 | Montag, 26. Oktober 2009
Das Ziel des ökumenischen Dialogs ist nach Angaben des Pastoralkonzils, daß die nicht-katholischen Christen in die eine apostolische Kirche mit dem Papst an der Spitze eingegliedert werden. Von Hubert Hecker.

Religionsbuch „Wege des Glaubens“ von Werner Trutwin
(kreuz.net) Wie kommt ein
katholisches Schulreligionsbuch dazu, den deutschen Kirchenspalter Martin Luther
(† 1546) als neuen Evangelisten und Kirchenlehrer zu feiern?
Die Antwort geht auf das Jahr 1997 zurück.
Damals stilisierte Kardinal Karl Lehmann von Mainz Luther zum „Lehrer des Glaubens“ und „gemeinsamen Lehrer
der Kirchen“ hoch.
Bei einer Predigt am 31. Oktober 2008 in der lutherischen Kreuzkirche in Bonn behauptete
der Kardinal sogar, daß Luther „im Glauben der einen katholischen Kirche“ gestorben wäre, „um deren
katholische Reform es ihm“ gegangen sei.
Wenn Luther aber eine katholische Reform anstrebte, dann liegt
die Schuld an der protestantischen Abspaltung beim Papst und der Kirche.
Verdrehte TexteGenau diese
wirre These vertritt der katholische Schulbuchautor Werner Trutwin auf Seite 161 seines Religionsbuches
„Wege des Glaubens“.
Er unterstellt sogar, daß das Zweite Vatikanische Konzil die „Mitschuld der Kirche
an der Kirchenspaltung“ der Reformationszeit anerkannt habe.
In Wahrheit spricht das Dekret über den
Ökumenismus davon, daß die „Trennung recht großer Gemeinschaften von der vollen Gemeinschaft der katholischen
Kirche oft nicht ohne Schuld der Menschen auf beiden Seiten“ geschah.
Trutwin verdreht diese Konzilsaussage
von der Schuld einzelner Kirchenmitglieder und biegt sie auf eine angebliche Schuld der ganzen Kirche
um.
Auch das Schuldbekenntnis von Papst Johannes Paul II. vom 12. März 2000 manipuliert Trutwin.
Damals
sprach der Papst von einem mangelnden Einsatz der Gläubigen für die Einheit der Christen. Trutwin konstruiert
daraus eine „Schuld der Kirche gegen die Einheit der Kirche“.
Schließlich behauptet er sogar, das Zweite
Vatikanum hätte „andere christliche Gemeinschaften nun auch ‘Kirchen’ genannt“.
In Wahrheit unterscheidet
das Konzil sauber die Schwester- oder Teilkirchen des Orients von den „kirchlichen Gemeinschaften, die
aus der Reformation hervorgegangen sind“.
Das Schulbuch macht aus diesen „konfessionellen Gemeinschaften“
oder „Gemeinschaften der Christen“, wie das Ökumenismusdekret sie nennt, kurzerhand die „Kirchen der
Reformation“.
Mit solchen Aussagen steht das Schulbuch für katholische Religionslehre vielleicht an
der Seite von Kardinal Lehmann – aber nicht auf dem Boden des Konzils.
Geleugnetes KonzilDas Zweite
Vatikanum gründet den ökumenischen Dialog auf die Heilsgüter, die auch außerhalb der sichtbaren Katholischen
Kirche existieren können – also auf Taufe, Heilige Schrift sowie geistliches Leben in Glaube, Hoffnung
und Liebe.
Doch das dritte Kapitel des Dekrets zum Ökumenismus läßt keinen Zweifel, daß man „nur
durch die Katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, Zutritt zu der ganzen
Fülle der Heilsmittel haben kann.“
„Denn nur dem Apostelkollegium, an dessen Spitze Petrus steht, hat
der Herr alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu konstituieren,
dem alle völlig eingegliedert werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volk Gottes gehören.“
Somit ist das Ziel des ökumenischen Dialogs, die nicht-katholischen Christen und Konfessionen in die
eine apostolische Kirche mit Petrus an der Spitze einzugliedern.
Diesen Anspruch des Konzils leugnet
Trutwin kurzerhand. Eine Rückkehr der anderen Konfessionen zur Kirche lehnt er ab.
Ökumene ohne Wahrheit
Die verschiedenen kirchlichen Organisationsformen, Lebenswelten und Grundgefühle sollen nach Trutwins
Meinung in ihrer Unterschiedlichkeit anerkannt werden und somit kein Hindernis auf dem Weg zur Einheit
sein: „Ökumenische Vielfalt darf nicht länger als Mangel, sie muß als Reichtum angesehen werden.“
Der Schulbuchautor propagiert eine „Kirchengemeinschaft“, die „Einheit in versöhnter Verschiedenheit
lebt“.
Von einer konturenlosen „Einheit“ in Indifferenz und Beliebigkeit glaubt Trutwin, daß sie als
die „eine christliche Kirche in der pluralen Vielfalt ihrer Gemeinschaften ein Beispiel für die Menschheit
werden“ könnte.
Anglikanische und protestantische Experimente in diese Richtung haben längst bewiesen,
daß Trutwin mit diesem Glauben nicht weiter von der Wirklichkeit entfernt sein könnte: „Weil du lau
bist, spucke ich dich aus“ – sagt die Offenbarung des Johannes der Kirche von Laodizea.
Trutwin entpuppt
sich mit seinen Ausführungen als Anhänger einer theologiefeindlichen Pluralismus-Ideologie, welche die
Wahrheit und intellektuelle Redlichkeit leugnet und die verschiedenen Konfessionen als gleichgültig hinstellt.
Dagegen erinnerte der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, in der Schrift
„Dominus Jesus“ des Jahres 2000 an die Lehre des Konzils, nach der die von Christus gestiftete Kirche
allein in der Katholischen Kirche verwirklicht ist.
Diese Grundwahrheit leugnet der Schulbuchautor. Statt
dessen behauptet er, daß die „eine Kirche Christi“ als Art geistliche Überkirche in den vielfältigen
Widersprüchen der einzelnen „Kirchen“ existiere – offenbar nach dem explosiven Motto „Einheit in der
Unvereinbarkeit“.
Somit wird in dem Schulbuch „Wege des Glaubens“ den katholischen Schülern eine „Kirche“
vermittelt, die es nicht gibt und die mit der Wahrheit und dem sakramentalen Kirchenverständnis der Katholischen
Kirche nichts gemein hat.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.