08:00:45 | Mittwoch, 13. April 2005
Gestern abend entschied die Kirchgemeinde Röschenz wie erwartet, ihren umstrittenen Pfarradministrator zu behalten. Zugleich fand man den Schuldigen für die gegenwärtige Misere: der Bischof.
(kreuz.net, Röschenz) Die versammelte Kirchgemeinde von Röschenz stellte sich wie erwartet hinter ihren
Pfarradministrator Franz Sabo. Man wird den Entzug der kirchlichen Sendung durch den Basler Bischof, Kurt
Koch, nicht akzeptieren. Dies berichteten verschiedene Schweizer Medien.
Ohne die kirchliche Sendung
kann kein Priester in einer Diözese eine offizielle Funktion ausüben. Wenigstens theoretisch.
Röschenz
befindet sich in der Nordschweiz bei Basel. Kirchlich gehört die Pfarrei zum Bistum Basel. Der Pfarradministrator
von Röschenz war in der Vergangenheit mit wüsten Beschimpfungen gegen die kirchliche Lehre und seinen
kirchlichen Vorgesetzten, den Bischof von Basel, an die Öffentlichkeit getreten.
Für Beobachter ist
klar, daß Pfarradministrator Sabo schon längst entlassen wäre, hätte er ähnliche Unflätigkeiten
zum Beispiel gegen seinen Pfarrgemeinderat verkündigt.
Zu befürchten hat Franz Sabo nichts. Da er zum
progressistischen Lager gehört, das nicht nur in der Schweizer Kirche allmächtig ist, wird es für ihn
trotz bischöflichem Säbelrasseln keine Konsequenzen geben. Seine Kirchgemeinde wird ihn nicht entlassen.
Er kann somit – ein Schönheitsfehler – ohne bischöfliche Beauftragung weitermachen.
Daß der Diözesanbischof
machtlos ist, war von Anfang an klar. Bischof Koch besitzt keine wirksamen Möglichkeiten, die gutgemeinte
Absetzung des rabiaten Pfarradministrators durchzusetzen. Pfarradministrator Sabo wird von der Kirchgemeinde
bezahlt. Dieser gehört auch das Pfarrhaus. Nicht einmal auf die Pfarrkirche hat der Diözesanbischof
einen direkten Zugriff. In Röschenz ist nicht der Bischof, sondern der Pfarrgemeinderat die letztentscheidende
Instanz.
Die zu einem guten Teil selbstverschuldete Machtlosigkeit der Schweizer Bischöfe ist schon
lange bekannt. Bischof Wolfgang Haas von Chur ist kein Einzelfall. Erst letzten August mußte Weihbischof
Pierre Bürcher von der Diözese Lausanne/Genf/Freiburg über die Klinge springen, weil er in einem Machtkampf
mit den staatskirchlichen Organen des Kantons Waadt den Kürzeren zog. Als Trostpreis ernannte ihn Papst
Johannes Paul II. zum Mitglied der vatikanischen Kongregation für die Ostkirchen.
Als sich eine Zürcher
Pfarrei vor wenigen Jahren entschloß, in Zukunft nur noch Laienseelsorger anzustellen, kam es nur darum
nicht zum Konflikt, weil der zuständige Bischof von Chur seinen Kopf aus der Schlinge zog, indem er kleinlaut
nachgab.
Jetzt ist Bischof Koch an der Reihe. In Röschenz war bei der außerordentlichen Versammlung
der Pfarrei angeblich rund die Hälfte der Katholiken – 415 Personen – anwesend. Die Zusammenkunft dauerte
75 Minuten. Der einstimmige Beschluß, den Pfarradministrator zu behalten, ist rechtlich nicht bindend,
aber mit Sicherheit endgültig.
Die Versammlung kam zum Schluß, daß der Priester keine Schuld auf sich
geladen habe. Sie beauftragte den Kirchgemeinderat, mit den verantwortlichen Stellen in Staat und Kirche
eine Lösung zu finden. Wie eine solche aussieht, liegt auf der Hand. Der Diözesanbischof wird nachgeben
müssen.
Der Kirchgemeinderatspräsident gibt die Schuld für die verfahrene Situation einzig dem Bischof
von Basel. Dieser habe seine Aufgabe, zwischen den Kirchen und Pfarreien für Frieden zu sorgen, nicht
erfüllt. Man könne Sabo nicht einfach „in die Wüste schicken“. Dem angeschuldigten Bischof wurde die
Möglichkeit verweigert, bei der außerordentlichen Versammlung der Pfarrei seinen Standpunkt darzulegen.
Letztmals benützte Pfarradministrator Sabo die
Predigt des vergangenen Sonntages, um seine kirchlichen
Vorgesetzten massiv und persönlich anzugreifen. Indirekt beschimpfte der tobende Pfarradministrator seinen
Bischof während der Predigt als Diktator, Moralapostel und Volksverhetzer. Der Generalvikar wurde von
Franz Sabo als „Hardliner“ attackiert.
In seiner Pfarrei stießen die Hetzpredigten des Franz Sabo offensichtlich
auf offene Ohren.
Bereits im Jahr 2003 attackierte Sabo den Bischof von Basel massiv. Zudem verdammte
er die katholische Lehre über die Homosexualität.
Den Schweizer Bischöfen und den römischen Stellen,
die ihre Hirtenpflichten in der Eidgenossenschaft seit Jahren vernachlässigen, stehen jetzt harte Zeiten
bevor.
Nach ihrer vernichtenden Niederlage in Röschenz ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich
die nächste Kirchgemeinde weigert, ihren Pfarrer, der in der Ehe oder im Homo-Konkubinat lebt, zu entlassen.
Die Bischöfe und Rom werden dann so machtlos sein wie heute.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#4
Peccator 16:28:07 | Mittwoch, 13. April 2005
#3
Marcel 09:53:58 | Mittwoch, 13. April 2005
#1
Marcel 08:39:10 | Mittwoch, 13. April 2005