14:45:02 | Sonntag, 1. November 2009
Die Diplomaten- Theologie hat die wunderbare Fähigkeit, gleichzeitig ja und nein zu sagen – damit die Wahrheit niemandem im Wege steht.

Nuntius Périsset im Gespräch mit der Nachrichtenseite ‘kathnews.de’.
(kreuz.net) „Ich zitiere selber sehr häufig den Heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort, da ich in
meiner Kindheit sehr viel über seine Lehren erfahren durfte.“
Das erklärte Erzbischof Jean-Claude Périsset
(70) – Apostolischer Nuntius in Deutschland – in einem Interview mit dem katholischen Portal
‘kathnews.de’,
das am 30. Oktober veröffentlicht wurde.
„Unser Pfarrer hatte damals über zwei oder drei Jahre hinweg
jeden Sonntag über das »Goldene Buch« des Heiligen Ludwig Maria gesprochen“ – erinnert sich Mons. Périsset.
Lieber kein neues MariendogmaÜber das vierte, noch nicht verkündigte Mariendogma über die Gnadenmittlerschaft
Mariens äußert sich der Nuntius mit diplomatischer Vorsicht. Es handle sich hier um ein „sehr schwieriges
Thema“ – unterstellt er:
„Wenn man dogmatisch definieren würde, daß Maria die Mittlerin der Gnaden
ist, so wie Christus uns die Gnaden schenkt, könnte das durchaus falsch verstanden werden.“
Ein Dogma
solle nur dann proklamiert werden, wenn es nötig sei, um eine dringend notwendige Klarheit zu schaffen:
„Ich glaube nicht, daß die Not in diesen Tagen so groß ist, als daß sie ein Dogma erfordern würde.“
Man müsse sich mit dieser Wahrheit auch vor dem Hintergrund beschäftigen, „was die anderen Christen
darüber denken.“
Der Nuntius erwähnt nicht nur die Protestanten, sondern auch die Orthodoxen und Altorientalen.
Für letztere sei die Gnadenmittlerschaft Mariens eine Tatsache:
„Vielleicht könnte also die Veröffentlichung
eines solchen Dogmas gerade diese Christen verwirren, da sie sicherlich davon überzeugt sind, daß ein
solches Dogma nicht notwendig gewesen wäre“ – konstruiert der Mons. Périsset.
Sie sind BrückenDer
Nuntius erinnert daran, daß die Reformatoren die altchristlichen Marien-Dogmen anerkannt haben: „Martin
Luther war ein sehr inniger Marienverehrer, was in seiner Auslegung des Magnificat zum Ausdruck kommt.“
Er kenne US-Lutheraner, die eine große und ausgeprägte Marienverehrung praktizieren würden:
„Unter
diesen Lutheranern sind sogar leitende Geistliche und Bischöfe ihrer Kirche, die es begrüßen und fördern,
wenn Protestanten den Rosenkranz beten.“
Man müsse aufpassen, den Protestantismus in diesem Zusammenhang
nicht allzusehr zu verallgemeinern.
Es gebe auch Protestanten, welche die Heiligen als Schirme betrachten
würden, die von Gott ablenken oder gar trennen würden.
Das sei aber falsch: „Die Heiligen sind Brücken.“
Ja und NeinAuf die Frage, wie deutsche Professoren grundlegende Mariendogmen leugnen dürfen, ohne
dafür zur Rechenschaft gezogen werden, bleibt Mons. Périsset erneut unverbindlich: „Es können verschiedene
Meinungen über Randprobleme der Theologie bestehen.“
Doch die Theologen müsse in ihrer Lehre die Lehre
der Kirche darstellen und nicht ihre eigene Meinung.
Sie hätten die Aufgabe, den Verantwortlichen im
kirchlichen Lehramt zur Seite zu stehen: „Das Magisterium selbst hat in seiner Verantwortung dafür zu
sorgen, daß diese Hilfe der Theologen tatsächlich auch eine Hilfe ist.“
Deshalb müßten die Bischöfen
abgewichene Theologen ansprechen und in Erfahrung bringen, „warum das eine oder andere, was sie als Theologen
sagen, nicht wortgetreu dem entspricht, was die Lehre der Kirche ist.“
Doch dann relativiert Mons. Périsset
sogleich das Gesagte: „Manchmal passiert es auch, daß die Aussage eines Theologen zunächst verwirrend
oder sonderbar klingt.“
Das sei der Fall, wenn ein Glaubenssatz in einem Zusammenhang betrachtet werde,
in dem man ihn bislang noch gar nicht gesehen habe: „Hier sei als Beispiel der
Limbus genannt.“
Mittlerweile
vertrete man hier „ganz offen eine andere Meinung“ als noch vor sechzig Jahren.
Die seltsame Folgerung
des Nuntius: „Hier hat man feststellen müssen, daß die Theologen, welche die heutige Auffassung schon
früher vertreten haben, zu Unrecht verurteilt wurden.“
Er habe persönlich „keine großen Probleme mit
neuen Äußerungen oder gewissen Neuformulierungen“, wenn sie als Dienst an der Kirche zu verstehen seien:
„Wenn sie aber als Vorwurf gegen die Lehre der Kirche kommen, dann ist dies ein schlimmes Zeichen.“
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