Buchbesprechung
Gert Scobel spricht unentwegt
„Wer das Tao hat, spricht nicht darüber, und wer darüber spricht, der hat es nicht“. Eine Rezension von Rudolf Steinmetz.
Das Buch 'Weisheit. Über das, was uns fehlt' von Gert Scobel
Das Buch ‘Weisheit. Über das, was uns fehlt’ von Gert Scobel
(kreuz.net) Der deutsche Kulturjournalist und Zeitdieb bei ‘3Sat’, Gert Scobel (50), hat seine Scobeleien in ein Buch verpackt.

Scobel ist ein deutscher Fernsehmoderator, der in der Vergangenheit katholische Theologie studiert hat.

Über 130 Quadratmeter bestes Papier, makellos gebunden – was hätte man Wunderbares darauf drucken können!

Statt dessen erschien letztes Jahr seine 480seitige Zumutung unter dem Titel „Weisheit. Über das, was uns fehlt“.

Wer Masochist ist, und zuviel Zeit hat, mag sein Buch ganz lesen.

Gefolterte Natur

Das Werk erinnert an die Gestalt von Father Joseph, dem der britische Schriftsteller Aldous Huxley († 1963) in seinem Essay ‘Grey Eminence’ im Jahr 1941 ein literarisches Denkmal gesetzt hat.

Father Joseph ist ein ebenfalls blitzgescheiter und gefürchteter Helfershelfer von Kardinal Richelieu. Er will sein Wirken in der Politik für Frankreich – unter anderem die Anfachung des Dreißigjährigen Krieges – durch Meditationen über das Kreuz heiligen.

Scobels Krieg richtet sich gegen die Natur, deren Geheimnisse ihr gemäß dem englischen Empiristen Francis Bacon († 1626) durch Folter entrissen werden sollen.

In dieser Folterwerkstatt kennt sich Scobel aus. Er war selber Max-Planck-Stipendiat und hat Umgang mit Nobelpreisträgern.

Wie für Father Joseph ist auch für Scobel alles gut und schön, was dem „Fortschritt“ dient. Auch er möchte das wie Pater Joseph durch Meditation und Weisheit heiligen.

Pater Joseph endete allerdings in Verzweiflung und schrie auf dem Totenbett nach der Generalbeichte.

Der schlaue Scobel möchte diesem Schicksal durch das Heraufbeschwören buddhistischer Einsichten entkommen.

Von der Religion zum Religiönchen

„Wer das Tao hat, spricht nicht darüber, und wer darüber spricht, hat es nicht“, lautet eine fernöstliche Maxime.

Doch Scobel spricht unentwegt. Er versucht, Hirnforschung, Chaostheorie und komplexe Systeme in seinen Hut zu stopfen. Das kommt dem Versuch nahe, den Ozean mit einem Eimer auszuleeren.

Darum ist Scobel gezwungen, das Meer des höheren Wissens auf eine Pfütze zu reduzieren, die in seine kleine Welt hineinpaßt.

Sein fundamentaler Denkfehler besteht darin, rationales mit spirituellem Wissen zu identifizieren. Dafür ruft er die Philosophen Immanuel Kant († 1804) und Georg Wilhelm Friedrich Hegel († 1831) als Zeugen auf.

Daß er den großen Platon in die Pfanne haut, zeugt von seiner profunden Unkenntnis der inneren Kohärenz der Weisheitstraditionen.

Scobel ist auch gegen jene Torheit nicht gefeit, die auf die Religion verzichtet und sich statt dessen aus diversen Versatzstücken ein Privat-Religiönchen zusammenschustert.

Da kann man nur sagen: Gott bewahre! Denn das rationale Wissen ist immanent, das spirituelle transzendent.

Um von hier nach dort zu kommen, bedarf es Schritte und Voraussetzungen, die im „Buddhismus-Light“ von Scobel nicht vorhanden sind.

Wie lesen?

Meditation alleine genügt nicht. Denn schon die Wüstenväter wußten, daß sich auch der Teufel – als verkleideter Engel – in das Herz des Frommen schleicht.

Aber bei Scobel gibt es kein Herz. Sein Zentralorgan ist das Gehirn mit dem Meterstab.

Dabei macht Scobel einen Denkfehler. Er glaubt, daß die islamischen Philosophen ihre Wissenschaft so betrieben, wie die angeblich aufgeklärten Denker des Abendlandes – im Widerspruch zum Glauben.

Doch diesen Fehler haben bedeutende Leute wie Averroes († 1198) oder Avicenna († 1037) nie gemacht. Für sie war die Wissenschaft ein Lesen im Buche der göttlichen Zeichen.

Um dieses Zeichen richtig zu verstehen, ist das tägliche Gebet unerläßlich – und zwar unter Aufsicht eines Autorisierten. Erst dann öffnen sich die Pforten der Wahrnehmung.

Darüber wurde für Uneingeweihte wie Scobel nichts geschrieben. Denn wer das Tao hat, spricht nicht darüber.

Gert Scobel, „Weisheit, Über das, was uns fehlt“, DuMont Verlag, Köln 2008, ISBN-13 97838 32180164, Gebunden, 480 Seiten, Euro 24,90.
      
17 Lesermeinungen
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#18   Blaukohl   20:37:23 | Donnerstag, 19. November 2009
@eigerhar: … Konfuzianismus
es aber doch angemerkt, dass über den historischen Konfuzius kaum etwas bekannt ist. Ein authentisches Konfuzius-Bild zu zeichnen ist nahezu unmöglich.
Vermutlich verwendeten viele Autoren bzw. Kompilatoren die Figur „Konfuzius“ allein zur Untermauerung ihrer eigenen Lehren. Was Konfuzius nun wirklich sagte ist gar nicht so klar!
:-#
Wer im rechten Sinn einem Menschenherrscher hilft,
vergewaltigt nicht durch Waffen die Welt,
denn die Handlungen kommen auf das eigene Haupt zurück.
Wo die Heere geweilt haben, wachsen Disteln und Dornen.
Hinter den Kämpfen her kommen immer Hungerjahre.
Darum sucht der Tüchtige nur Entscheidung, nichts weiter;
er wagt nicht, durch Gewalt zu erobern.
Entscheidung, ohne sich zu brüsten,
Entscheidung, ohne sich zu rühmen,
Entscheidung, ohne stolz zu sein,
Entscheidung, weil’s nicht anders geht,
Entscheidung, ferne von Gewalt.
aus: Laotse, Tao te king
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#16   Franz Kappes   10:29:39 | Donnerstag, 19. November 2009
„Wahn“-sinnige Journalisten
Was ist davon nur zu halten?
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#15   SignumSalutis †   22:32:06 | Mittwoch, 18. November 2009
Dem ist nichts hinzuzufügen
Man kann von der umfassenden Wahrheit des katholischen Glaubens voll überzeugt sein und dennoch davon ausgehen, daß Gott sich auch anderen Kulturkreisen gegenüber nicht unbezeugt gelassen hat.
:)3 :)3 :)3 :)3 :)3 :)3 :)3
Sonst degradiert man den Schöpfer zu einem Sandkastenbengel der jammert „Mit dir spiel ich nicht, bei dir hab ich nicht offenbart!“
Ein seltsames Gottesbild …
SignSal
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#14   pneumat   12:45:45 | Mittwoch, 18. November 2009
sensus catholicus:19:45
…:(3
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#13   Sefirot   23:43:54 | Dienstag, 17. November 2009
clarissa colonia: Zuviel Noten…
soll einmal ein habsburgischer Kaiser zu einer Kompositionen von Mozart geurteilt haben…
Das waren wohl des Kaisers neue Kleider…?
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#12   clarissa colonia   23:35:35 | Dienstag, 17. November 2009
Ob eine „Rezension“ nicht vor einem Verriß
verlangen würde, das rezensierte Werk zunächst eingehend inhaltlich vorzustellen, bevor man seine eigene Wertung äußert (und begründet)?
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#11   eigerhar †   22:06:34 | Dienstag, 17. November 2009
Taoismus. Buddhismus und Konfuzianismus
Drei Weisheitslehren sind in China anerkannt:
Der moderne Taoismus (Laotse, vielleicht Zeitgenosse des Konfuzius).
Der noch modernere Buddhismus
und
der Konfuzianismus, der die alte chinesische Weisheitslehre aufgreift.
Der widerliche Buddhismus und Taoismus finden sich überall in den Medien.
Vom wunderbaren Altkonfuzianismus hört man beinahe gar nichts. Er war eine wunderbare Lehre, bevor seine dunkle Geschichte der Christenverfolgung im Neukonfuzianismus begann.
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#10   Theologulus   20:43:24 | Dienstag, 17. November 2009
Schmierfink …
… und Häretiker, der Schreiberling dieses Textes!
Um dieses Zeichen richtig zu verstehen, ist das tägliche Gebet unerlässlich – und zwar unter Aufsicht eines Autorisierten. Erst dann öffnen sich die Pforten der Wahrnehmung.
Im ERSTEN Vatikanum, als das Konzil, das dieser Hirnfurz noch miterlebt haben dürfte und über das er gedanklich sich nie hinausbewegt hat, steht, dass Gott aus dem Verstande heraus erkannt werden kann. Von einer klerikalen Aufsichtsperson, am besten in Form eines Pfaffen mit ranzigem Katechismus, steht dort kein Wort!!
Das ist es, was die Pius***** wollen: AUFSICHT, KONTROLLE, MACHT. Wenn es anders wäre, hätten sie sich längst demütig vor dem Heiligen Vater in den Staub geworfen!
Pfui!
Mei, kánnt i schbeim … :-!
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#9   sensus catholicus   19:45:26 | Dienstag, 17. November 2009
@ SignumSalutis @ Sefirot
Zu diesem Thema möchte ich (ausnahmsweise) ein trotz des Titels keineswegs synkretistisches Werk eines orthodoxen Mönchs empfehlen:
www.amazon.de/…cm_cr_pr_product_top
Hier und auf der amerikanischen Stammseite von Amazon finden sich dazu – je nach dem religiösen Hintergrund der Betrachter – sehr kontroverse, zum Teil aber lesenswerte Kurzrezensionen:
www.amazon.com/…cm_cr_pr_product_top
Man kann von der umfassenden Wahrheit des katholischen Glaubens voll überzeugt sein und dennoch davon ausgehen, daß Gott sich auch anderen Kulturkreisen gegenüber nicht unbezeugt gelassen hat.
Das war auch die Haltung frühchristlicher Apologeten wie des hl. Justins des Märtyrers, des Lactantius oder des Clemens von Alexandria.
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#8   peter von felsen †   18:33:47 | Dienstag, 17. November 2009
mr.cologne
Und den Rest aller anderen Bücher auf dieser Welt gewiss auch nicht!
Das ist bei ihnen deutlich erkennbar, sie hätten es uns nicht extra mitteilen müssen.
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#7   Thomasius   18:19:57 | Dienstag, 17. November 2009
Armes Kreuz.net
Wer so einen Unsinn publiziert muss schon mental arg dran sein. Man könnte meinen, der Scribent habe kaum Hauptschulabschluss. Als „Rezension“ kann man das beim besten Willen nicht anerkennen. Man müsste das verrissene Buch zunächst einemal kaufen und lesen, um so einigermaßen dahinterzukommen, was der „Autor“ sagen will.
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#6   Brandenburgis   18:17:26 | Dienstag, 17. November 2009
Scobel wird in
unserer Familie nur „Die Geißel der Menschheit“ genannt.
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#5   Sefirot   18:06:58 | Dienstag, 17. November 2009
Das Evangelium ist nicht das Tao
…und das Tao ist nicht das Evangelium…
&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&
Wahre Worte sind nicht schön,
schöne Worte sind nicht wahr.
Tüchtigkeit überredet nicht,
Überredung ist nicht tüchtig.
Der Weise ist nicht geleht,
der Gelehrte ist nicht weise.
Der Berufene häuft keinen Besitz auf.
Je mehr er für andere tut,
desto mehr besitzt er.
Je mehr er anderen gibt,
desto mehr hat er.
Des Himmels Tao ist zu fördern, ohne zu schaden.
Des Berufenen Tao ist wirken, ohne zu streiten.
Laotse: Tao te king
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#4   SignumSalutis †   18:05:34 | Dienstag, 17. November 2009
Tao ?
Tao und Daoismus ist also gleich zu setzen mit Buddhismus. :-S Interssant. Schön, dass der Rezensent sich in ostasiatischen Religionen fundiert auskennt, sodass er sich ein Urteil erlauben kann.
Aber wir lernen hier doch allenthalben, dass jenseits des Himalaya nur finstere blasphemische Meditationspraktiken vorherrschen, denen der Pius-Christ mit angemessenem Hochmut begegnet. Also: weiter vorwärts, das Konzilsübel der Religionsfreiheit ausmerzen?
:-( :-( :-( :-( :-(
Traurig, wie wenig die Schreiberlinge hier wissen von dem, was Gott im Hl. Geist zwischen Himmel und Erde auch außerhalb der sichtbaren Kirche wachsen lässt!
SignSal
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#3   mr. cologne †   17:14:35 | Dienstag, 17. November 2009
Naja zumindest
ist es im umgekehrten Fall für mich so: Bücher die diese Seite empfiehlt, würde ich nie lesen…
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#2   Waldemar Michael   17:12:46 | Dienstag, 17. November 2009
an die Vernüftigen
ist ein Verriß hier bei den braunkreuzlern schon eine Kaufempfehlung?
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#1   Sefirot   16:55:12 | Dienstag, 17. November 2009
Viel zu lang
Wer das Tao hat, spricht nicht darüber, und wer darüber spricht, hat es nicht“
Deshalb ist die Rezension viel zu lang…!
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