Frauenpriesterin vom Donaudampfer erleidet Schiffbruch
Feuer unter dem Dach der progressistischen Heterodoxie: Die exkommunizierten Frauenpriesterinnen vom Donauschiff wurden von ihren Gesinnungsfreunden von „Wir-sind-Kirche-Österreich“ ausgeladen – und sind sauer.
(kreuz.net, Wien) In ihrer April-Aussendung machen die Frauenpriesterinnen vom Donauschiff ihrem Ärger
Luft.
Bei den Frauenpriesterinnen handelt es sich um eine Gruppe von Damen, die sich am 29. Juni 2002
auf einem Donaudampfer von einem irregulären Bischof aus Lateinamerika, dessen Weihen nicht anerkannt
sind, zu Priesterinnen ordinieren ließen.
„Wir sind Kirche Österreich“ ist ein Verein, der sich an
den Ideen der 60er Jahre orientiert und für seine zweifelhaften Auslegungen der katholischen Glaubens-
und Morallehre bekannt ist.
Eigentlich sind die Frauenpriesterinnen und „Wir sind Kirche Österreich“
dicke Freunde.
Der Ärger entzündete sich an einer Podiumsdiskussion, die von „Wir sind Kirche Österreich“
Ende April in der Wiener Uno-City-Kirche stattfinden soll. Die Veranstaltung will des sogenannten „Kirchenvolksbegehrens“
aus dem letzten Jahrhundert gedenken.
Zum Anlaß lud der Verein auch eine exkommunizierte Frauenpriesterin
ein. Sie sollte in der Diskussion eine fünfminütige Stellungnahme abgeben: „Gerade weil wir glauben,
daß Sie uns zu diesem Thema etwas zu sagen haben, danken wir, daß Sie zugesagt haben, an dieser Veranstaltung
teilzunehmen“, schrieb „Wir sind Kirche Österreich“ an die eingeladene Frauenpriesterin.
Doch jetzt
mußte „Wir sind Kirche“ zur Kenntnis nehmen, daß es in der Kirche noch andere gibt. Der Erzbischof von
Wien, Kardinal Christoph Schönborn, erklärte, er wolle nicht, daß eine exkommunizierte Priesterin am
Podium einer Kirche einen Auftritt bekomme. „Wir sind Kirche Österreich“ teilte das den Frauenpriesterinnen
umgehend mit.
Da besannen sich die Frauenpriesterinnen auf die gute alte Kasuistik. Die Priesterdame
könnte sich statt „am“ Podium, vielleicht „neben“ ihm oder „unterhalb“ stellen und von dort aus sprechen.
Man überlegte auch, den Platz der Frauenpriesterin am Podium freizulassen und dort stattdessen ihr Namensschild
oder Bild hinzustellen.“
Doch der Kardinal wollte nicht.
Schließlich schlug „Wir sind Kirche Österreich“
vor, daß die Frauenpriesterin im Volk sitzen und ihre Meinung nach der Diskussion aus dem Publikum heraus
darlegen könnte.
Doch der Vorschlag war der Demütigung zuviel: „Das ist zwar nett gemeint, aber wie
Aschenputtel im Publikum warten, bis die kirchlichen Hofherren die Sprecherlaubnis geben, das ist für
eine hochqualifizierte Frau zutiefst diskriminierend“, erklärten die Frauenpriesterinnen in aller Bescheidenheit.
Im Augenblick sieht es so aus, daß „Wir sind Kirchen Österreich“ bei ihrer Podiumsdiskussion auf die –
Originalzitat der Frauenpriesterinnen – „beliebte, gebildete und bewundernswerte Priesterin“ wird verzichten
müssen.
Eine Frage, die in der Aussendung der Frauenpriesterinnen nicht angesprochen wird, ist allerdings
noch nicht beantwortet: Wie kommt es, daß eine umstrittene Gruppe wie „Wir sind Kirche Österreich“,
die den Frauenpriesterinnen vom Donauschiff mehr als wohlgesonnen ist, vom Wiener Kardinal die Erlaubnis
bekommt, in einer Kirche der Erzdiözese für ihre skurrilen Thesen zu werben?
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3 Lesermeinungen
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Cardinal Schönborns Wahlkampf geht weiter. Zitat aus dem Artikel: Der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph
Schönborn, erklärte, er wolle nicht, daß eine exkommunizierte Priesterin am Podium einer Kirche einen
Auftritt bekomme. Bei anderen Exkommunizierten ist der hwst. Herr Cardinal weniger zimperlich: Bei den
Orthodoxen, bei den Protestanten, bei den freimaurerischen Agnostikern etc. Das eigentliche Problem ist
nicht der Auftritt einer „Frauenpriesterin“ (die genauso im Wirtshaus gegenüber auftreten könnte), sondern
dass in einer geweihten Kirche derartige Veranstaltungen stattfinden. Warum hat „Wir sind Kirche“ mit
ihren abstrusen Vorstellungen überhaupt in kirchlichem Rahmen Auftrittserlaubnis (wahrscheinlich sind
von denen auch die meisten exkommuniziert)? In Erinnerung zu rufen ist die kürzliche Aussage Thomas Plankensteiners
von „Wir sind Kirche“. Dieser bezeichnet es als Verstoß gegen das Evangelium, wenn Frauen nicht an der
Papstwahl beteiligt sind und spricht davon, dass sich die dafür Schuldigen „beim Jüngsten Gericht verantworten
werden müssen“. Abgesehen davon, dass hier wohl das individuelle Gericht über die abgetrennte Seele
gemeint ist (falls Plankensteiner dessen Existenz nicht ohnehin bezweifelt), ist bemerkenswert, dass der
Kirchenmodernist hier zu einer von ihm doch abgelehnten „Drohbotschaft“ greift…(?)