Kinderverhütung
Frisch ernannter Erzbischof predigt über die Vorzüge des Kondoms
Kaum ernannt, predigte ein kenianischer Erzbischof über die Vorzüge des Kondoms: „Das Präservativ steht im Einklang mit der Lehre der Kirche, weil es das Leben schützt und es verlängert.“ Der Papst war gerade einen Tag tot und der Erzbischof erst vor zwei Wochen ernannt.
(kreuz.net, Mombasa) Mons. Boniface Lele (58), der Erzbischof von Mombasa, erklärte Anfang diesen Monats, daß die Änderung des eigenen Verhaltens grundsätzlich die wichtigste Strategie im Kampf gegen Aids sei. Ehepaare, bei denen ein Teil bereits vom Virus befallen ist, befänden sich aber in einer Sondersituation. Diese müsse mit besonderem Mitleid betrachtet werden. Im Klartext: In solchen Fällen dürften bei der ehelichen Vereinigung Kondome verwendet werden.

Solches erklärte der Erzbischof nach Angaben des afrikanischen Nachrichtendienstes ‘allAfrica.com’ am 3. April, einen Tag nach dem Tod des Papstes. Anlaß war ein Interview mit dem ‘katholischen Informationsdienst für Afrika’ CISA.

Erzbischof Boniface Lele (58) war erst am 19. März von Papst Johannes Paul II. – zwei Wochen vor dessen Tod – zum Erzbischof von Mombasa ernannt worden. Mombasa ist die zweite Stadt in Kenia. Sie liegt im Süden des Landes. Kenia befindet sich an der Ostküste Afrikas zwischen Äthiopien und Tansania.

Der Erzbischof sprach von Eheleuten, bei denen ein Partner mit dem HIV-Virus angesteckt ist: „Was sollen wir diesen Menschen sagen? Sollen wir vielleicht von ihnen verlangen, sich zu trennen?“ – fragt Mons. Lele: „Eine Trennung wäre gegen die Lehre der Kirche.“ Sie würde das Ehepaar nach der Meinung des Erzbischofs in eine weitere Notlage bringen und dem Ehebruch und einer weiteren Verbreitung des HIV-Virus Vorschub leisten.

Es dürfe nicht sein, daß Ehen wegen AIDS zerbrechen würden. Weil er als Erzbischof die Scheidung von gültig geschlossenen Ehen nicht erlauben könne, betrachte er die Verwendung von Kondomen zur Lebensverlängerung als ein geeignetes Mittel.

Erzbischof Lele erklärte weiter, daß er selber Verwandte und Mitarbeiter durch AIDS oder ähnliche Krankheiten verloren habe. Die Verwendung von Kondomen zur Lebensverlängerung entspreche der kirchlichen Lehre, „weil alles, was dem Schutz und der Verlängerung des Lebens dient, genützt werden sollte“, erklärte der Erzbischof etwas undifferenziert.

Ein römischer Moraltheologe hatte bereits Ende Januar bemerkt, daß ein durch Gummibarrieren abgeschirmter ehelicher Akt in Wirklichkeit kein solcher mehr ist. Es handle sich vielmehr um eine Form der Selbstbefriedigung, die moralisch zu verwerfen sei.

Das Kondom sei – so der Moraltheologe – keine Lösung, um die eheliche Vereinigung zu retten. Man könne Ehepartnern, bei denen ein Partner an Hepatitis leide, genauso wenig empfehlen, sich durch einen Plastiksack hindurch zu küssen, um eine Ansteckung mit der Krankheit zu verhindern. Es gebe körperliche Leiden, die den ehelichen Akt unmöglich machen. AIDS gehöre dazu.

Ein Virologe erklärte am Rande eines Treffens zum Thema AIDS in Paris, daß jeder Geschlechtsverkehr mit einem HIV-Träger ob mit oder ohne Kondom lebensgefährlich sei. Eine Ansteckung mit der unheilbaren Seuche müsse unter allen Umständen verhindert werden. Darum sei ein Totalverzicht auf die eheliche Vereinigung bei HIV eine Selbstverständlichkeit.
      
3 Lesermeinungen
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#4   Frank   08:57:10 | Sonntag, 8. Mai 2005
Der Erzbischof macht sich die Sache mal wieder sehr einfach
Daß Eheleute schwer gehandicapt sind, wenn sie nicht mehr verkehren dürfen, weil einer von ihnen eine ansteckende Krankheit hat, liegt auf der Hand. Aber auch für diese Last gilt das Wort der „Nachfolge Christ“: „Wenn Du Dein Kreuz willig trägst, so wird Dich das Kreuz hienieden tragen.“ Freilich: Heute den Menschen das Kreuz zu predigen, ist natürlich schwieriger als sich an den Zeitgeist anzubiedern, da hat der Herr Erzbischof schon recht.
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#3   Catholicus   07:10:54 | Samstag, 16. April 2005
Offen auftreten!
Nun, guter St Polterer, meinen Namen kennen Sie ja! Wie wär’s mit Ihrem Namen und den Namen der für kreuz.net – Verantwortlichen? Muss sich hier vielleicht jemand verstecken, weil er keine lauteren Absichten hat?
mfg
Dr. Josef Spindelböck
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#1   Catholicus   16:43:39 | Freitag, 15. April 2005
Namen sind gefragt!
Kann kreuz.net den Namen des römischen Moraltheologen nennen, der die besagte Stellungnahme abgegeben hat? Oder muss dieser anonym bleiben wie das kreuz.net – Team?
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