16:40:58 | Samstag, 16. April 2005
„Ich habe im Jahre 1988 ein Papier unterschrieben, in dem ich erkläre, daß ich meine Pflichten als Priester und Bischof erfüllen werde. Das ist alles.“ Kollaborationsvorwürfen säen in der Slowakei den Haß gegen die Kirche.
(kreuz.net, Bratislava) In der jüngsten Vergangenheit sind in der Slowakei Berichte über kommunistische
Infiltrierungsversuche in der katholischen Kirche bekanntgeworden. Es ist kein Geheimnis, daß die Geheimpolizei
häufig Druck auf Priester ausübte, um zu prüfen, wie eifrig die Geistlichen an Gott glaubten und wie
widerstandsfähig sie gegen die „graue Religion“ – den Kommunismus – waren.
Als Mitarbeiter der Polizei
wurde zum Beispiel
der Name des Erzbischofs von Tirnau/Trnava, Ján Sokol, genannt. Doch dieser wehrt
sich vehement. Der kommunistische Sicherheitsdienst habe auch Leute auf ihren Listen geführt, die gar
nie kollaboriert hätten: „Das ist ein Angriff gegen die katholische Kirche“, erklärt Erzbischof Sokol:
„Ich habe im Jahre 1988 ein Papier unterschrieben, indem ich erkläre, daß ich meine Pflichten als Priester
und Bischof erfüllen werde. Das ist alles.“
„Wer die Angst, Einsamkeit und Brutalität der Kommunisten
nie erfahren hat, wird niemals in der Lage sein, die Wahrheit über uns zu verstehen, die wir das durchgemacht
haben“, erklärte der Priester Anton Srholets, der als Zwangsarbeiter zehn Jahre in einer Uranium-Mine
schmachtete und sich jetzt auf einer angeblichen Liste von Kollaborateuren wiederfindet.
Auch der protestantische
Generalbischof der Evangelischen Kirchen des Augsburger Bekenntnisses, Július Filo, und der griechisch-katholische
Bischof Ján Hirka wurden als angebliche Spitzel der Kommunisten denunziert, wobei der Name von Bischof
Hirka erst eine Woche nach der Samtrevolution am 24. November 1989 eingefügt worden war.
Eine Kollaboration
von Bischof Hirka mit dem kommunistischen Regime ist aber höchst unwahrscheinlich. Er war vielmehr als
„Staatsfeind“ bekannt.
Die Slowakische Bischofskonferenz leugnet nicht, daß einige Priester mit dem
kommunistischen Geheimdienst zusammengearbeit haben könnten. Sie versucht auch nicht, die Taten dieser
Geistlichen zu rechtfertigen.
Die Bischofskonferenz stellt aber klar, daß viele Priester ohne ihr Wissen
in die Listen aufgenommen wurden und darum keine Spitzel der Geheimpolizei waren.
Die Dokumente mit den
Namen wurden vom „Nationalen Institut der Erinnerung“ veröffentlicht. Sie haben viele Dämonen geweckt.
Viele glauben, daß die Veröffentlichung zu spät kam und mehr zur Verwundung als zur Heilung der Gesellschaft
beitrage.
Außerdem ist die Zuverlässigkeit und Echtheit der Dokumente sehr umstritten. Der Rechtsanwalt
Ján Čarnogurský, der selber ein Opfer des Kommunistischen Regims war, vertritt gegenwärtig einen katholischen
Priester vor Gericht. Dieser hatte eine Klage gegen das „Institut der Erinnerung“ eingebracht, weil sein
Name in den Listen der Kollaborateure genannt war.
Čarnogurský erklärte, daß sein Mandat keinen Mitarbeitervertrag
mit der Geheimpolizei unterschrieben habe und ihm auch sonst keine Informationen geliefert habe. Der Rechtsanwalt
ist zuversichtlich, daß der Priester vor Gericht rehabilitiert wird und ermutigt andere, wenn notwendig,
ebenfalls zu klagen.
Es gibt Hinweise darauf, daß die Sowjetunion vor dem Zweiten Weltkrieg Tausende
von kommunistischen Agenten in die Priesterausbildung der katholischen Kirche eingeschleust hat.
Die
kommunistischen Diktaturen versuchten, ein Netzwerk von Gegenpriestern aufzubauen, welches die Kirche
unterwandern und beeinflussen sollte.
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