Kommunismus
Der Erzbischof war kein Kollaborateur
„Ich habe im Jahre 1988 ein Papier unterschrieben, in dem ich erkläre, daß ich meine Pflichten als Priester und Bischof erfüllen werde. Das ist alles.“ Kollaborationsvorwürfen säen in der Slowakei den Haß gegen die Kirche.
(kreuz.net, Bratislava) In der jüngsten Vergangenheit sind in der Slowakei Berichte über kommunistische Infiltrierungsversuche in der katholischen Kirche bekanntgeworden. Es ist kein Geheimnis, daß die Geheimpolizei häufig Druck auf Priester ausübte, um zu prüfen, wie eifrig die Geistlichen an Gott glaubten und wie widerstandsfähig sie gegen die „graue Religion“ – den Kommunismus – waren.

Als Mitarbeiter der Polizei wurde zum Beispiel der Name des Erzbischofs von Tirnau/Trnava, Ján Sokol, genannt. Doch dieser wehrt sich vehement. Der kommunistische Sicherheitsdienst habe auch Leute auf ihren Listen geführt, die gar nie kollaboriert hätten: „Das ist ein Angriff gegen die katholische Kirche“, erklärt Erzbischof Sokol: „Ich habe im Jahre 1988 ein Papier unterschrieben, indem ich erkläre, daß ich meine Pflichten als Priester und Bischof erfüllen werde. Das ist alles.“

„Wer die Angst, Einsamkeit und Brutalität der Kommunisten nie erfahren hat, wird niemals in der Lage sein, die Wahrheit über uns zu verstehen, die wir das durchgemacht haben“, erklärte der Priester Anton Srholets, der als Zwangsarbeiter zehn Jahre in einer Uranium-Mine schmachtete und sich jetzt auf einer angeblichen Liste von Kollaborateuren wiederfindet.

Auch der protestantische Generalbischof der Evangelischen Kirchen des Augsburger Bekenntnisses, Július Filo, und der griechisch-katholische Bischof Ján Hirka wurden als angebliche Spitzel der Kommunisten denunziert, wobei der Name von Bischof Hirka erst eine Woche nach der Samtrevolution am 24. November 1989 eingefügt worden war.

Eine Kollaboration von Bischof Hirka mit dem kommunistischen Regime ist aber höchst unwahrscheinlich. Er war vielmehr als „Staatsfeind“ bekannt.

Die Slowakische Bischofskonferenz leugnet nicht, daß einige Priester mit dem kommunistischen Geheimdienst zusammengearbeit haben könnten. Sie versucht auch nicht, die Taten dieser Geistlichen zu rechtfertigen.

Die Bischofskonferenz stellt aber klar, daß viele Priester ohne ihr Wissen in die Listen aufgenommen wurden und darum keine Spitzel der Geheimpolizei waren.

Die Dokumente mit den Namen wurden vom „Nationalen Institut der Erinnerung“ veröffentlicht. Sie haben viele Dämonen geweckt. Viele glauben, daß die Veröffentlichung zu spät kam und mehr zur Verwundung als zur Heilung der Gesellschaft beitrage.

Außerdem ist die Zuverlässigkeit und Echtheit der Dokumente sehr umstritten. Der Rechtsanwalt Ján Čarnogurský, der selber ein Opfer des Kommunistischen Regims war, vertritt gegenwärtig einen katholischen Priester vor Gericht. Dieser hatte eine Klage gegen das „Institut der Erinnerung“ eingebracht, weil sein Name in den Listen der Kollaborateure genannt war.

Čarnogurský erklärte, daß sein Mandat keinen Mitarbeitervertrag mit der Geheimpolizei unterschrieben habe und ihm auch sonst keine Informationen geliefert habe. Der Rechtsanwalt ist zuversichtlich, daß der Priester vor Gericht rehabilitiert wird und ermutigt andere, wenn notwendig, ebenfalls zu klagen.

Es gibt Hinweise darauf, daß die Sowjetunion vor dem Zweiten Weltkrieg Tausende von kommunistischen Agenten in die Priesterausbildung der katholischen Kirche eingeschleust hat.

Die kommunistischen Diktaturen versuchten, ein Netzwerk von Gegenpriestern aufzubauen, welches die Kirche unterwandern und beeinflussen sollte.
      
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