11:21:08 | Montag, 30. November 2009
Das Zweite Vatikanum hat die Themen Religionsfreiheit, Ökumene und interreligiöser Dialog nicht „zentral“, sondern in theologisch zweitrangigen „Erklärungen“ abgehandelt.

Indische Mädchen führen zur Gabenbereitung einen hinduistischen Anbetungstanz auf.
© amioascension,
CC(kreuz.net) Vor vierzig Jahren – am 30. November 1969 – ließ Papst Paul VI. († 1978) die neue Meßordnung
offiziell in Kraft treten.
Dazu publizierte die österreichische Nachrichtenagentur ‘kathpress’ am 27.
November einen Artikel von Christoph Schmidt.
Schmidt erinnert daran, daß Paul VI. die neue Messe für
„einen Schritt nach vorn“ hielt. Er erwähnt die „in die Mitte des Chorraums“ gerückten Altäre: „Der
Zelebrant blickte den Gläubigen ins Gesicht“.
Daß diese wilde Änderung vom Neuen Ritus gar nicht vorgesehen
war, läßt er unerwähnt.
Entfremdung statt aktive TeilnahmeDie Gläubigen seien „aktiv“ am Verlauf
der Messe beteiligt worden – erklärt Schmidt weiter. Er meint damit die militärischen Sprechchöre,
die den Neuen Ritus charakterisieren.
Diese Entwicklung hat – so Schmidt – Mitte des 19. Jahrhunderts,
unter anderem in den Benediktinerklöstern Solesmes in Nordfrankreich und Beuron in Süddeutschland begonnen:
„Ihren Vordenkern ging es um eine tiefere Anteilnahme der Christen am Gottesdienst, um das, was später
beim Zweiten Vatikanischen Konzil die „actuosa partecipatio“ – aktive Teilnahme – genannt wurde.“
In
Wahrheit war die große Masse des Kirchenvolkes der Liturgie nie so entfremdet wie heute.
Eine Ausnahme
bilden die Altgläubigen, die sich an die alte lateinische Liturgie halten.
Eine Folge des nationalistischen
Deutschtums?Schmidt erinnert daran, daß der Ruf nach einer „zeitgemäßen, volksnäheren“ Liturgie
nach dem Ersten Weltkrieg vor allem „die“ deutschsprachigen Katholiken erfaßte.
Der Artikel nennt den
deutschen Theologen, Hw. Romano Guardini, der die katholische Jugendbewegung der zwanziger und dreißiger
Jahre prägte.
Von dieser gingen Impulse für den Klerus aus: „Dabei dominierte zusehends der Wunsch
nach Verwendung der Muttersprache in der Liturgie.“
Davon, einen „gereinigten Gottesdienst“ in der heiligen
Muttersprache abhalten zu dürfen, schwärmten in dieser Zeit auch noch
andere.
Schmidt erwähnt auch
den Augustiner-Chorherr Pius Parsch († 1954) aus dem Stift Klosterneuburg bei Wien.
Leider hatte auch
er eine Schwäche
fürs Völkische.
Kein Wunder also, daß er im Jahr 1922 Gemeinschaftsmessen in der
Kirche Sankt Gertrud in Klosterneuburg feierte, bei denen Teile der Messe vom Volk in deutscher Sprache
gesungen wurden.
Die Konzilsväter haben nicht über den Neuen Ritus abgestimmtSchmidt schiebt den
Neuen Ritus den Vätern des Zweiten Vatikanums in die Schuhe: „Der Wille des Konzils zu einem Wandel in
der Liturgie war überwältigend“ – mystifiziert er:
„2.146 Konzilsväter stimmten am 4. Dezember 1963 –
bei nur vier Gegenstimmen – für die Konstitution »Sacrosanctum Concilium«“.
Allerdings war die Frucht
dieser Abstimmung das heute vergessene Meßbuch von 1965 – nicht der Novus Ordo von Paul VI.
Auch die
Folgen der Einführung des Novus Ordo werden von Schmidt beschönigt:
„Weltweit akzeptierte die überwältigende
Mehrheit der Katholiken die Reform, die mit der Übersetzung des »Missale Romanum« in die Volkssprachen
bis 1977 überall durchgesetzt war.“
In Wahrheit ereignete sich zeitgleich mit den Einführung des Neuen
Ritus ein epochaler Massenabfall von Gläubigen und Priester – wie ihn die Kirche seit ihrer Gründung
durch Jesus Christus nie erlebt hatte.
Bescheidener Alter RitusMit gezinkten Karten spielt Schmidt
auch in seiner Darstellung der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. Ihr „Widerstand“ richte sich nicht nur
gegen die neue Liturgie, „sondern darüber hinaus gegen viele zentrale Aussagen des Konzils – vom Bekenntnis
zur Religionsfreiheit bis zum ökumenischen und interreligiösen Dialog“ – behauptet er.
In Wahrheit
hat das Zweite Vatikanum die Themen Religionsfreiheit, Ökumene und interreligiöser Dialog nicht „zentral“,
sondern in theologisch zweitrangigen „Erklärungen“ behandelt.
Abschließend erwähnt Schmidt die Zulassung
der Alten Messe durch Benedikt XVI. und kommentiert: „Doch die Zahl der Meßfeiern in dieser Form blieb
bescheiden.“
Das mag im Vergleich zur gegenwärtigen Anzahl der neugläubigen Eucharistiefeiern stimmen –
aber wie lange wird es diese noch geben?
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Sefirot 12:47:52 | Montag, 30. November 2009