Liturgie
Ein gereinigter Gottesdienst in der heiligen Muttersprache
Das Zweite Vatikanum hat die Themen Religionsfreiheit, Ökumene und interreligiöser Dialog nicht „zentral“, sondern in theologisch zweitrangigen „Erklärungen“ abgehandelt.
Indische Mädchen führen zur Gabenbereitung einen hinduistischen Anbetungstanz auf.
Indische Mädchen führen zur Gabenbereitung einen hinduistischen Anbetungstanz auf.
© amioascension, CC
(kreuz.net) Vor vierzig Jahren – am 30. November 1969 – ließ Papst Paul VI. († 1978) die neue Meßordnung offiziell in Kraft treten.

Dazu publizierte die österreichische Nachrichtenagentur ‘kathpress’ am 27. November einen Artikel von Christoph Schmidt.

Schmidt erinnert daran, daß Paul VI. die neue Messe für „einen Schritt nach vorn“ hielt. Er erwähnt die „in die Mitte des Chorraums“ gerückten Altäre: „Der Zelebrant blickte den Gläubigen ins Gesicht“.

Daß diese wilde Änderung vom Neuen Ritus gar nicht vorgesehen war, läßt er unerwähnt.

Entfremdung statt aktive Teilnahme

Die Gläubigen seien „aktiv“ am Verlauf der Messe beteiligt worden – erklärt Schmidt weiter. Er meint damit die militärischen Sprechchöre, die den Neuen Ritus charakterisieren.

Diese Entwicklung hat – so Schmidt – Mitte des 19. Jahrhunderts, unter anderem in den Benediktinerklöstern Solesmes in Nordfrankreich und Beuron in Süddeutschland begonnen:

„Ihren Vordenkern ging es um eine tiefere Anteilnahme der Christen am Gottesdienst, um das, was später beim Zweiten Vatikanischen Konzil die „actuosa partecipatio“ – aktive Teilnahme – genannt wurde.“

In Wahrheit war die große Masse des Kirchenvolkes der Liturgie nie so entfremdet wie heute.

Eine Ausnahme bilden die Altgläubigen, die sich an die alte lateinische Liturgie halten.

Eine Folge des nationalistischen Deutschtums?

Schmidt erinnert daran, daß der Ruf nach einer „zeitgemäßen, volksnäheren“ Liturgie nach dem Ersten Weltkrieg vor allem „die“ deutschsprachigen Katholiken erfaßte.

Der Artikel nennt den deutschen Theologen, Hw. Romano Guardini, der die katholische Jugendbewegung der zwanziger und dreißiger Jahre prägte.

Von dieser gingen Impulse für den Klerus aus: „Dabei dominierte zusehends der Wunsch nach Verwendung der Muttersprache in der Liturgie.“

Davon, einen „gereinigten Gottesdienst“ in der heiligen Muttersprache abhalten zu dürfen, schwärmten in dieser Zeit auch noch andere.

Schmidt erwähnt auch den Augustiner-Chorherr Pius Parsch († 1954) aus dem Stift Klosterneuburg bei Wien.

Leider hatte auch er eine Schwäche fürs Völkische.

Kein Wunder also, daß er im Jahr 1922 Gemeinschaftsmessen in der Kirche Sankt Gertrud in Klosterneuburg feierte, bei denen Teile der Messe vom Volk in deutscher Sprache gesungen wurden.

Die Konzilsväter haben nicht über den Neuen Ritus abgestimmt

Schmidt schiebt den Neuen Ritus den Vätern des Zweiten Vatikanums in die Schuhe: „Der Wille des Konzils zu einem Wandel in der Liturgie war überwältigend“ – mystifiziert er:

„2.146 Konzilsväter stimmten am 4. Dezember 1963 – bei nur vier Gegenstimmen – für die Konstitution »Sacrosanctum Concilium«“.

Allerdings war die Frucht dieser Abstimmung das heute vergessene Meßbuch von 1965 – nicht der Novus Ordo von Paul VI.

Auch die Folgen der Einführung des Novus Ordo werden von Schmidt beschönigt:

„Weltweit akzeptierte die überwältigende Mehrheit der Katholiken die Reform, die mit der Übersetzung des »Missale Romanum« in die Volkssprachen bis 1977 überall durchgesetzt war.“

In Wahrheit ereignete sich zeitgleich mit den Einführung des Neuen Ritus ein epochaler Massenabfall von Gläubigen und Priester – wie ihn die Kirche seit ihrer Gründung durch Jesus Christus nie erlebt hatte.

Bescheidener Alter Ritus

Mit gezinkten Karten spielt Schmidt auch in seiner Darstellung der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. Ihr „Widerstand“ richte sich nicht nur gegen die neue Liturgie, „sondern darüber hinaus gegen viele zentrale Aussagen des Konzils – vom Bekenntnis zur Religionsfreiheit bis zum ökumenischen und interreligiösen Dialog“ – behauptet er.

In Wahrheit hat das Zweite Vatikanum die Themen Religionsfreiheit, Ökumene und interreligiöser Dialog nicht „zentral“, sondern in theologisch zweitrangigen „Erklärungen“ behandelt.

Abschließend erwähnt Schmidt die Zulassung der Alten Messe durch Benedikt XVI. und kommentiert: „Doch die Zahl der Meßfeiern in dieser Form blieb bescheiden.“

Das mag im Vergleich zur gegenwärtigen Anzahl der neugläubigen Eucharistiefeiern stimmen – aber wie lange wird es diese noch geben?
      
13 Lesermeinungen
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#16   Marsilius Ficinus   15:38:23 | Mittwoch, 2. Dezember 2009
@Pascal123
Die angesprochene Emfremdung gibt es teilweise wirklich, wie ich aus diversen Unterrichtstätigkeiten weiß. Sie besteht aber mehr in Unkenntnis und ist ein Produkt einer verfehlten Katechese, die leider den Prinzipien moderner pädagogischer Entwürfe folgt. Ein solider Religionsunterricht, der schlicht und einfach solides Faktenwissen vermittelt, könnte hier Abhilfe schaffen. Aber solange der Religionsunterricht primär als Sozialkundeunterricht verstanden wird, wird das Wissen vieler Menschen über Liturgie immer weiter abnehmen.
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#15   Pascal123   17:38:53 | Montag, 30. November 2009
Belege
In Wahrheit war die große Masse des Kirchenvolkes der Liturgie nie so entfremdet wie heute.
Eine Ausnahme bilden die Altgläubigen, die sich an die alte lateinische Liturgie halten
Gibt es Belege für diese dreisten Behauptungen oder ist da der Wunsch Vater des Gedanken???
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#14   Janos-der-Finstere   15:16:12 | Montag, 30. November 2009
eigerhar: etliche
etliche Priester mit den Kardinälen Ottaviani und Bacci waren dagegen, doch nur wenige unternahmen etwas, was durchaus verständlich ist, denn wer wollte schon gegen Paul VI vorgehen. Ob man es will oder nicht: der Mensch ist ein Subjekt, das die Folgen seines Tun zu tragen hat. Mit der Wahl Roncallis auf den Stuhl Petri war die heutige Entwicklung gewissermassen vorgezeichnet. Dies ist kein Vorurteil sondern eine soziologische bezw. geschichtsphilosophische Feststellung
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#13   Mitten drin statt nur dabei   15:02:49 | Montag, 30. November 2009
Neuer Ritus?
Von welchem neuen Ritus spricht dieses Portal?
Der angeblich seit den 60ern neu in Kraft getretene Ritus ist so alt wie die Kirche selbst!
Jesus und die Apostel feierten gemeinsam Mahl (nicht nur untereinander, sondern miteinander und mit anderen), redeten miteinander, lobten Gott, stärkten sich gegenseitig im Glauben, hörten Gottes Wort, …
Wenn die kreuz.net-ler mal die Augen aufhielten und alle Stellen der Bibel lesen würden, dann wäre dieses Portal absolut sinnlos.
Naja: ist es ja sowieso, aber egal! Lustige Geschichten haben sie! :-D
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#12   Freinsberg   15:01:03 | Montag, 30. November 2009
@ eigerhar
Wie viele Priester? Welche? Bitte um Beweise!
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#11   eigerhar †   14:49:13 | Montag, 30. November 2009
Sehr viele Priester waren von NOM abgestossen!!!
Sehr viele Priester waren vom NOM abgestossen und wurden nur durch sehr perfiden Zwang dazu bewegt.
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#10   Janos-der-Finstere   14:13:51 | Montag, 30. November 2009
eines ist nicht zu bestreiten…
Paul VI ging äusserst ungeschickt vor. Hätte er Erzbischof Lefebvre in Ruhe gelassen, der grösste Teil der Gläubigen hätte dessen Abweichungen kaum wahrgenommen. Die meisten von ihnen waren nämlich von den V 2 Reformen sehr angetan und die Minderheit, die dagegen war wurde kaum beachtet.
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#8   eigerhar †   13:03:06 | Montag, 30. November 2009
Der hl. Apostel Andreas möge uns beschützen
Der hl.Apostel Andreas, im Gegensatz zu den heutigen Juden, ein wahrer alttestamentlicher Jude, der den einzigen Tempel des wahren Gottes auf Erden besuchte, möge uns besvhützen.
Er ist einer der Zwölf Pfeiler der Kirche und wird mit den übrigen Aposteln die zwölf Stämme Israels richten.
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#6   Sefirot   12:47:52 | Montag, 30. November 2009
Mit dem Gesicht zur Gemeinde
Daß diese wilde Änderung vom Neuen Ritus gar nicht vorgesehen war, läßt er unerwähnt.
So ein Schmarren. Der Berichterstatter berichtet über Dinge, die empirisch von allen Beteiligten wahrzunehmen sind und nicht über Sachen die nicht zwar vorgesehen sein mochten, aber doch festzustellen sind. Und wenn der Priester erstmals mit dem Gesicht zur Gemeinde, versus populum zelebrierte, war das doch was anderes als das langweilige Kratzbuckeln…
Mann beißt Hund ist d i e Meldung,
aber doch nicht Hund beißt Mann… :-! :-! :-!
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#4   noch ein Landorganist   12:06:20 | Montag, 30. November 2009
nicht mehr viel länger als zehn bis 15 Jahre
Das mag im Vergleich zur gegenwärtigen Anzahl der neugläubigen Eucharistiefeiern stimmen – aber wie lange wird es diese noch geben?
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#3   eigerhar †   11:57:22 | Montag, 30. November 2009
Die Konzilsväter waren angewidert von der „Missa normativa“
Die Konzilsväter waren angewidert von der „Missa normative“, einer etwas harmloseren Vorform des NOM.
Paul VI. hat ALLE Messbücher gegen ohne Zustimmung der Bischöfe durchgeboxt.
Pius Parsch und Romano Guardini waren Leute besten Geistes, von bestem Katholizismus und haben ihre aktive Teilnahme an der heiligen Messe aus Urkatholischem Denken, nicht aus dümmlicher „Deutschtümelei“ angebracht.
Schon Pius XI. wünschte eine aktive Teilnahme im Sinne der „Missa dialogata“ mit schärfsten Worten verurteilte er die passive Teilnahme an der Messe, wo die Gläubigen wie „Fremdlinge“ anwesend seien.
Es gab auch gute Erneuerungstendenzen.
Der NOM kommt aus einem ganz anderen Geist. Er kommt von den NOM-Bischöfen des Eisenhower-Antichristen.
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#2   Freinsberg   11:33:35 | Montag, 30. November 2009
Bitte
nicht schon wieder eine Debatte über Latein oder Muttersprache! :-|
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#1   engelhardt †   11:22:51 | Montag, 30. November 2009
Muttersprache
Ein gereinigter Gottesdienst in der heiligen Muttersprache
Oje…dann muessen alle Aramaeisch lernen.
Was soll eigentlich die Fixierung einiger Spinner auf Latein (die Sprache der Christusmoerder)?
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