Kirchenverkauf
„Für mich ist es unbegreiflich, wie man das Haus seines Gottes abreißen kann.“
Über der St. Marienkirche an der Humboltstraße in Bochum, in unmittelbarer Nähe zum Bermudadreieck gelegen, droht die Abrißbirne. Die Sorge um Lebende sei wichtiger als „tote Steine“.
(kreuz.net, Bochum) Die St. Marienkirche wurde 1872 erbaut und im Zweiten Weltkrieg nahezu komplett zerstört. Wenige Jahre nach dem Krieg wurde die Kirche in ihrer jetzigen, nüchterneren Form aus den Ruinen wieder aufgebaut. Bochum befindet sich 20 km westlich von Dortmund im Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Für viele Bochumer ist die St. Marienkirche ein Wahrzeichen der Innenstadt. Das Schicksal der vom Abriß bedrohten katholischen Kirche St. Marien liegt den Bochumern sehr am Herzen. Bei einer Internet-Umfrage der täglich erscheinenden „Westdeutschen Allgemeinen“ sprachen sich über 76 Prozent gegen einen Abriß dieser Innenstadt-Kirche aus.

Die Zeitungen sammelte per Internet auch die Ansichten der Menschen. Diese reichten von „weg mit dem Kasten“ bis zum „Was für ein Wahnsinn, diese wunderbare Kirche abzureißen“. Eine Muslimin: „Für mich ist es unbegreiflich, wie man das Haus seines Gottes abreißen kann.“ Eine ganze Reihe Vorschläge wurden gemacht, wie sich die Marienkirche, die seit drei Jahren leer steht, künftig nutzen ließe.

Die Kirche sei ein „Wahrzeichen unserer Stadt“, empfinden viele. Sie könnte „für kulturelle Zwecke wie Konzerte, Theateraufführungen oder Ausstellungen“ genutzt werden. Oder „als Begegnungszentrum der Kulturen und Religionen“. Oder als „ständiger Wochenmarkt mit Spezialitäten und Verkostung“. Die Lage am Bermuda-Dreieck, so ein Internet-Leser, sei ideal für einen jungen Geistlichen, auf junge Leute zuzugehen „und christliches Miteinander zu vermitteln“.

Weitere Anregungen: Eine Mischung aus Cafe, Ausstellungsraum, Beratung, Sozialstation oder Andachtsraum. Oder die Kirche für Wohnzwecke umbauen und den Chor dann als Betraum/Kapelle nutzen. Oder, falls sie als Kirche nicht erhalten wird, sie umbauen, „als Bedürftigenheim, Schlafstätte für Obdachlose“. Oder sie als „Veranstaltungskirche“ oder „Gotteshaus und Begegnungsstätte“ erhalten.

Abriß-Befürworter wiesen darauf hin, daß dem Abbruch der Kirche der Zusammenbruch des Glaubens im Bistum Essen vorausgegangen sei. Die Kassenlage der Diözese ist äußerst knapp. Wegen Geldmangel müssen dort bereits 2000 Stellen abgebaut werden. Sorge um Lebende sei wichtiger als „tote Steine“.

Für viele Bürger ist der Abriß einer Kirche aus wirtschaftlichen Gründen eine zwiespältige Angelegenheit. Selbst in Skandinavien, wo der Gottesdienstbesuch gegen Null stagniert, würden keine Kirchen abgerissen und die freiwerdenden Baugrundstücke meistbietend verscherbelt, sondern andere Nutzungsmöglichkeiten gefunden, die sich finanziell lohnen.

Man stelle sich vor – meinen viele Bürger – in der Türkei stände eine Moschee ähnlich wie die Marienkirche zur Disposition. Millionen von Moslems würden sich schützend vor das Gebäude stellen. Die geistigen Führer bliesen zum heiligen Krieg. Ein Volksaufstand bräche los. In Deutschland dahingegen schwingt der Bischof selbst den Vorschlaghammer.

Vielleicht das beeindruckenste Zeichen für den kulturellen und religiösen Niedergang des Abendlandes.
      
1 Lesermeinung
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#1   franco.felice   19:46:25 | Freitag, 22. April 2005
Haus Gottes abreißen?
In einem Land, in dem Emma Schwartzer den frisch angetretenen Papst ungestraft beleidigen und abgefeimt die Tatsachen auf den Kopf stellen kann – selbstverständlich ohne daß § 130 StGB prompt wie bei Kardinal Meisner angewandt wird –, er habe 100.000 Frauen weltweit auf dem Gewissen, ist doch bei hiesiger, lämgst millionenfacher Abtreibung das Abreißen nur eines göttlichen Tempels die leichteste Übung.
Und klar doch, nachdem die Grünen Papst Johannes Paul II. nicht von der Herausgabe seines Buches – in dem er es solchen wie ihnen ja auch reichlich gegeben hatte – abbringen konnten, muß nun wenigstens dem neuen Papst klar gemacht werden, in welche Richtung der Hase läuft und wo sich die Harken aufhalten.
Was derzeit in Deutschland läuft, mag der Leser aus einer Antwort der ARD auf eines meiner diesbezüglichen Schreiben sehen:
„Wir sind genau wie alle Mitglieder der Bundesregierung, der demokratischen Parteien in den Parlamenten und der gesellschaftlich relevanten Gruppen in unseren Rundfunkräten der Meinung…“ (unterzeichnet: Petra Putz, ARD)
Genau das meine ich.
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