Zimmerbezug der Kardinäle auf vatikanischem Boden. Das exklusivste Wahlgremium der Welt versammelt sich im Haus der heiligen Martha. Einer von ihnen wird den Ort, woher er gekommen ist, so schnell nicht wiedersehen.
(kreuz.net, Vatikan) Heute Nachmittag erreichen die Vorbereitungen zum Konklave einen weiteren Höhepunkt.
Die Kardinäle übersiedeln in den Vatikan. Bisher haben fast alle in ihren römischen Privatwohnungen
bzw. in Priesterseminarien oder anderen geistlichen Häusern der Stadt genächtigt.
Das Haus im Vatikan,
wo viele Zimmer für die Kirchenfürsten vorbereitet wurden, heißt „Domus Sanctae Marthae“. Es wurde
erst Ende der 80er Jahre errichtet und steht in der Nähe der großen Audienzhalle. Bezahlt hat damals
ein US-amerikanischer Millionär. In normalen Zeiten wird das „Domus Sanctae Marthae“ als Pilgerherberge
verwendet.
Die 115 Kardinäle aus 52 Ländern werden sich in ihrer neuen Herberge zum ersten Mal beim
heutigen Abendessen begegnen. Morgen wird das erste Konklave des dritten Jahrtausends beginnen. Man wird
den 264. Nachfolger des Hl Petrus wählen, also den 265. Papst der Kirchengeschichte.
Den Weg vom Gästehaus
auf der einen Seite des Vatikan zur Sixtinischen Kapelle können die Kardinäle per pedes apostolorum –
auf Deutsch: zu Fuß – oder mit einem bereitstehenden Bus zurücklegen. Eine ganze Reihe der alten Herren
wird mit Sicherheit von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Der Zutritt zur Verbindungsstraße wird für
alle Nichtkardinäle strikt gesperrt sein. Die vatikanischen Gärten werden während des Konklaves geschlossen.
Auch die Kuppel des Petersdoms wird nicht zugänglich sein.
Die Peterskirche bleibt dagegen geöffnet.
Auch das Grab von Papst Johannes Paul II. wird für Pilger zugänglich sein.
Morgen beginnt das Konklave
mit der „Missa pro eligendo Summo Pontifice“, die es im Meßbuch des Novus Ordo gar nicht mehr gibt. Kardinal
Joseph Ratzinger wird die Votivmesse für die Wahl des Römischen Papstes am Montag um 10.00 Uhr in der
Peterskirche lesen.
Am Montag nachmittag um 16.30 Uhr werden die wahlberechtigten Kardinäle von der
Sala delle Benedizioni in die Sixtinische Kapelle einziehen. Die Prozession wird im Fernsehen live übertragen.
In der Sixtinischen Kapelle angekommen werden die wählenden Kardinäle zuerst vereidigt. Kardinal Ratzinger
wird als Dekan des Kardinalskollegiums den Eid verlesen. Danach tritt jeder Kardinal einzeln vor das bereitgestellte
Evangeliar, nennt seinen Namen, legt seine Hand auf das Evangeliar und spricht die Formel: „Ich verspreche,
gelobe und schwöre.“
Es werden zwei Eide geschworen. Im ersten Eid schwören die Kardinäle, die Bestimmungen
zur Papstwahl, wie sie in der apostolischen Konstitution ‘Universi Dominici Gregis’ niedergelegt sind,
einzuhalten. Beim zweiten Eid schwören sie, im Falle einer Wahl das petrinische Amt des Hirten der universalen
Kirche getreu auszuüben.
Nach der Vereidigung der Kardinäle befiehlt der päpstliche Zeremonienmeister,
Erzbischof Piero Marini, jenen, die nicht zum Konklave gehören, die Sixstinische Kapelle zu verlassen.
Er tut das mit dem lateinischen Ausruf: „extra omnes“ – „alle hinaus“. Nur der Zeremonienmeister und Kardinal
Tomas Spidlik bleiben für das Gebet. Danach verlassen auch diesen beiden die Sixtinische Kapelle.
Kardinal
Spidlik ist ein über 80jähriger tschechischer Jesuit, der nie zum Bischof geweiht wurde. Er war sein
Leben lang Professor in Rom und wurde von Papst Johannes Paul II. wegen seiner Verdienste um die Theologie
der Ostkirche mit dem Kardinalshut geehrt. Kardinal Spidlik wird den wählenden Kardinälen vor Beginn
des Konklave eine Ansprache halten.
Während des Konklave folgen die Kardinäle folgendem Zeitplan:
Um 7.30 Uhr wird die Messe im Gästehaus ‘Domus Sanctae Marthae’ gelesen bzw. konzelebriert. Es wurde
nicht bekannt, ob zur privaten Zelebration der Messe ermutigt wird.
Gegen 9.00 Uhr begeben sich die Kardinäle
in die Sixtinische Kapelle. Dort rezitieren die Kirchenfürsten, so gut es geht, die Laudes in lateinischer
Sprache. Die Laudes sind das kirchliche Morgengebet. Anschließend wird zum ersten Mal gewählt. Es finden
täglich zwei Wahlgänge am Vormittag und zwei am Nachmittag statt. Aus Sicherheitsgründen sind in der
Sixtinischen Kapelle Störvorrichtungen für Mobiltelefone installiert.
Am Nachmittag treffen sich die
Kardinäle erneut um 16.00 Uhr für zwei weitere Wahlgänge. Am Ende des zweiten Wahlgangs wird die lateinische
Vesper rezitiert.
Nach jeweils zwei Wahlgängen werden die Wahlzettel verbrannt. Deshalb sind in der
Zeit um 12.00 Uhr und um 19.00 Uhr Rauchsignale aus dem Kamin der Sixstinischen Kapelle zu erwarten. Ist
der Wahlgang ergebnislos, werden die Wahlzettel mit nassem Stroh verbrannt – für die Außenwelt wird
dadurch schwarzer Rauch sichtbar. Bei einer erfolgreichen Wahl signalisiert aufsteigender weißer Rauch
die Wahl des neuen Pontifex Maximus.
Weil die Identifizierung der Farbe des Rauches in der Vergangenheit
immer wieder zu Rätselraten Anlaß gab, werden heute Chemikalen zugesetzt, um die gewünschte Wirkung
besser zu erreichen. Bei einer erfolgreichen Wahl des Papst werden außerdem die Glocken von St. Peter
läuten.
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