Alte Messe
Das Motu Proprio? Das ist für die anderen
In Polen sind die Altgläubigen eine winzige Minderheit. Aber sie sind – im Gegensatz zu vielen Katholiken – hochmotiviert und wachsen.
Die Alte Messe zieht besonders die junge Priestergeneration an.
Die Alte Messe zieht besonders die junge Priestergeneration an.
© Jim, the Photographer, CC
(kreuz.net) Von den vierzig Millionen Einwohnern Polens sind etwa neunzig Prozent katholisch.

Von diesen fühlen sich nach Angaben der französischen Organisation ‘Paix litugique’ nur zwischen 5000 und 10.000 der Alten Liturgie verbunden.

Dennoch hat die Zahl der Alten Messen im Land zwischen September 2008 und August 2009 um 15 Kapellen oder Kirchen zugenommen.

Insgesamt gibt es im Land etwa fünfzig Meßorte und fünfzig Priester, die im Alten Ritus zelebrieren. Sonntagsmessen werden allerdings nur knapp dreißig zelebriert.

Polnische Pfarrkirchen werden für die Alte Messe praktisch nie geöffnet. Darum tritt der gewöhnliche Gläubige mit der außerordentlichen Liturgie kaum in Kontakt.

Die polnischen Altgläubigen sind hochmotivierte Personen, die sich die Mühe machen, sich über die Möglichkeit des Besuchs der tridentinischen Messe zu informieren.

Sie stammen nach ‘Paix liturgique’ aus allen gesellschaftlichen Schichten, wobei zahlreiche als Studenten oder Professoren dem Universitätsmilieu angehören.

Wenn die Alte Messe in den Pfarreien zelebriert wird, ist die Reaktion der Gläubigen sehr positiv.

Unter den Priestern ist der Widerstand gegen die Alte Messe besonders in der Generation ausgeprägt, die in den 60er Jahren ausgebildet wurden.

Dagegen haben die junge Priester und die Seminaristen das Motu Proprio mit großem Interesse angenommen.

Unter den Bischöfen gibt es keinen offenen Widerstand. Allerdings hat die Bischofskonferenz im Oktober 2007 restriktive Bestimmungen zur Feier der Alten Messe erlassen.

Darum müssen Priester, die an der Feier der Alten Messe interessiert sind, eine große Entschlossenheit an den Tag legen. Wenn sie das tun, lassen die Bischöfe sie in der Regel gewähren.

Nach Angaben von ‘Paix liturgique’ beweisen höchstens Bischof Stanislaw Stefanek (73) von Łomża und Bischof Jan Bernard Szlaga (69) von Pelplin eine unterschwellige Feindschaft gegen die Anordnungen des Papstes in ‘Summorum Pontificum’.

Die polnischen Bischöfe sind nach Angaben von ‘Paix liturgique’ der Auffassung, daß die liturgische Reform im Land korrekt umgesetzt wurde. Sie glauben, daß das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ vor allem an die Länder des liturgischen Mißbrauchs gerichtet sei.

Die Petrusbruderschaft ist zwar in Krakau und das ‘Institut vom Guten Hirten’ in Breslau vertreten. Beide besitzen aber keine offizielle kirchenamtliche Anerkennung.

Die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. hat sich im Jahr 1993 in Polen niedergelassen und versorgt gegenwärtig zehn Zentren.

Sie ist mit sechs Priestern in Polen vertreten. Einer von ihnen ist ein polnischer Jesuit, der sich der Bruderschaft angeschlossen hat.

Nach Angaben von ‘Paix liturgique’ war es vor allem das Verdienst der Piusbruderschaft, die Alte Messe in Polen bewahrt zu haben.

Im vergangenen Jahr haben vier polnische Bischöfe eine Alte Messe zelebriert: Bischof Waclaw Depo (56) von Zamosc-Lubaczów, der emeritierte Sekretär der polnischen Bischofskonferenz, Weihbischof Tadeusz Pieronek (75), Weihbischof Grzegorz Balcerek (55) von Posen und Weihbischof Artur Miziński (44) von Lublin.

Mons. Balcerek ist Mitglied der liturgischen Kommission der Bischofskonferenz. Im Juni 2009 erklärte er in Posen vor polnischen Seminaristen der Petrusbruderschaft und des ‘Instituts vom Guten Hirten’:

„Es ist nicht gut, die Kirche in vorkonziliar und nachkonziliar einzuteilen, das Alte zu verwerfen und nur das Neue zu verherrlichen.“

Das Fazit von ‘Paix Liturgique’: „In Polen wie überall fasziniert die außerordentliche Form die neue Generation und die junge katholische Intelligenz.“
      
17 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#18   Mighty Counsellor †   02:10:52 | Donnerstag, 17. Dezember 2009
Wie bereits gesagt, ist am
„ausserordentlichen Ritus“ überhaupt nichts Böses.
Redaktion benachrichtigen
#17   Marsilius Ficinus   17:32:54 | Freitag, 11. Dezember 2009
Katholische Intelligenz
Dass nicht wenige Freunde des „usus antiquior“ dem Universitätsmilieu angehören, ist eine interessante Beobachtung. Es wäre interessant zu erfahren, wie dies in anderen Ländern aussieht. Nun ja, dass eine Messe im „unordentlichen Usus“ im „Discosound“ diese Klientel anziehen könnte, wäre auch eine etwas merkwürdige Vorstellung. Obgleich auch im heutigen akademischen Nachwuchs das Gespür für das Angemessene, das Schöne und Heilige leider manchmal etwas brachliegt, zumindest in Deutschland.
Interessant auch, dass die liturgischen Reformen in Polen „korrekter“ umgesetzt worden sind. Ich habe ähnliches schon einmal in anderen Kontexten gehört. Vielleicht sollten sich hier einige Teile der deutschen Kirche auch ein Vorbild nehmen. Denn bei aller Liebe zum außerordentlichen Usus ist auch der ordentliche eine sehr würdige liturgische Handlung, wenn er nicht bewußt verstümmelt oder entsakralisiert wird, weil einige meinen, so besser die Gläubigen erreichen zu können. Ein Trugschluss, wie ich aus vielen Gesprächen weiß…
Redaktion benachrichtigen
#16   Soramonas   15:32:03 | Freitag, 11. Dezember 2009
Sieg der Tradition
www.christliche-mitte.de/
Sieg der Tradition (4)
Montag, den 30. November 2009 um 23:33 Uhr
Erstmals seit 40 Jahren wurde am Sonntag, den 18. Oktober 2009, wieder im Petersdom, Rom, um 10 Uhr ein feierliches Pontifikalamt im klassischen Römischen Ritus gefeiert. Zelebrant war der Präfekt der Apostolischen Signatur (höchstes kirchliches Berufungsgericht), Erzbischof Raymond Leo Burke, der einige Tage zuvor von Papst Benedikt XVI. zum neuen Mitglied der Römischen Bischofskongregation ernannt worden war.
Redaktion benachrichtigen
#15   Franz Kappes   09:55:42 | Freitag, 11. Dezember 2009
Redaktion benachrichtigen
#14   siggi666 †   17:50:48 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
hass class,
tja… katholisch bedeutet eben „allumfassend“.
wers glaubt…
Redaktion benachrichtigen
#13   hass class †   17:48:50 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Tod den Antichristen und Unbekehrbaren!
Ja das ist eine wunderbare katholische Einstellung. Und natürlich: das „nicht“ in dem Gebot „Du sollst nicht töten!“ ist nachträglich erst eingebaut worden, um die Christen zu diskriminieren und von ihrer freien Religionsausübung abzuhalten.
Redaktion benachrichtigen
#12   JakobP1987   17:35:34 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Tod den Antichristen und Unbekehrbaren!
Wenn einer von der Hölle nicht loszureißen ist dann hat sein Leben keinen Sinn mehr.
Redaktion benachrichtigen
#11   Mighty Counsellor †   16:15:41 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Lieber siggi666,
gläubige Christen können gar nicht genug radikal sein. Und die Kirche wird bestehen, auch wenn ihr nur noch ein einziger Mensch hier auf Erden anhangt.
Redaktion benachrichtigen
#10   siggi666 †   15:16:45 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Pontifex: @Siggi
Der Schwund wird natürlich anhalten, bes. in der kath. Priesterschaft.
Fürchten müsst ihr euch tatsächlich nicht, zumindest nicht in Europa, wo die Religionsfreiheit ziemlich ausgedehnt ist.
Das wird auch so bleiben.
Was sich weiter verändern wird, ist die Radikalität der „Gläubigen“, tendenziell sogar verschärfen.
Redaktion benachrichtigen
#9   Pontifex   15:07:31 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
@Siggi
Sie haben recht und der Schwund wird anhalten, aber der Herr sagt uns selber: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen“.
Deshalb steht es den Christen gut an, mit erlöstem heiteren Sinn in die Welt zu gehen. Wir müssen uns nicht fürchten.
Redaktion benachrichtigen
#8   siggi666 †   14:40:16 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Ihr Gläubigen Katholiken
seid ebenfalls in der Minderheit.
;-)
Und diese Fanatiker sind Ausstellungstücke im Museum.
Redaktion benachrichtigen
#7   Pontifex   14:37:45 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Wenn nun die
sog. „Redaktion“ noch anerkennt, dass die Altgläubigen (?) nicht nur in Polen eine winzige Minderheit darstellen, wäre schon was gewonnen. Ein Funke Wahrhaftigkeit auf dieser Seite, in diesem Forum!
Redaktion benachrichtigen
#6   Prälat Hinter †   13:26:12 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Heute gestohlen, morgen in Polen – na ja:
Ob alte oder neue Liturgie, die Polen haben oft andere „Interessen“, wie sich in tugendhaftem Glaubensleben zu bewähren und der Besuch der Gottesdienste ist dort so eine Art „Deckmäntelchen“, dafür kann man dann munter ins Ausland reisen, dort schwarz arbeiten, sich prostituieren, viel klauen und über die Deutschen und andern Gastländer herziehen. Danach geht man wieder zu Beichte und Messe – tolles lebendiges Christentum dort drüben, wirklich vorbildlich…
Was kümmert die die Piusbruderschaft ???
Redaktion benachrichtigen
#4   adlimina   12:25:29 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Selbstentlarvung?!?
„im Gegensatz zu den Katholiken“ …
Die Pius- (und Petrus-) Brüder sind also nicht katholisch!?!
Redaktion benachrichtigen
#3   Franz Kappes   12:05:01 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Ein Anfang
Nicht gleich schlechtreden. Es braucht Zeit.
Redaktion benachrichtigen
#2   Gotthard   11:26:54 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Faszination
Das Fazit von ‘Paix Liturgique’: „In Polen wie überall fasziniert die außerordentliceh Form die neue Generation und die junge katholische Intelligenz.“
die neue Generation umfasst in Polen also 5.000 bis 10.000 Menschen … eine sterbende Gesellschaft!
Redaktion benachrichtigen
#1   Franz Kappes   10:19:24 | Donnerstag, 10. Dezember 2009
Polen und die Mär vom Katholizismus
Advent – die Zeit der Weihnachtsmärchen „walg* o^/
Redaktion benachrichtigen
Es wurde eine Lesermeinung von der Redaktion entfernt
Weiterlesen:
Alte MesseKeine Veränderungen bei den altliberalen Liturgikern Alte MessePriesterseminar der Erzdiözese mit täglich Alter Messe Alte MesseEin Ritus mit zwei Formen, die sich gegenseitig ausschließen? Alte MesseBesser ins Bordell als zur Alten Messe? Alte MesseKeine Begeisterung für die Neue Messe Alte Messe‘Una Voce’ beim Papst Alte MesseKölner Weihbischof: Die Alte Messe verändert die Theologie Alte MesseDer neue Sekretär von Ecclesia Dei im Interview Alte MesseDie Gläubigen wollen die Alte Messe Alte MesseDie Luft der Glaubwürdigkeit wird dünn Alte MesseEin unglaublicher Aufwind Alte MesseDer Tsunami kam nach der Liturgiereform Alte MesseDamit wäre vielen Traditionalisten die Argumentationsgrundlage entzogen Alte MesseSchweizer Bischof zelebriert im Alten Ritus Alte MesseLiturgischer Mißbrauch im Alten Ritus
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net