Mit Schrecken denkt der Schneider des Papstes an die Wahl des seligen Johannes XXIII.
„Es sind jeweils nur wenige Tage, um alles fertig zu bekommen. Das ist natürlich ein großer Streß.“ Die päpstliche Hofschneiderei Gammarelli hat bis zum Wochenende die Soutanen für den nächsten Papst in drei verschiedenen Größen hergestellt – und hofft, daß eine davon dem neuen Papst passen wird.
(kreuz.net, Vatikan) Die klerikale Schneiderei Gammarelli hat inzwischen drei komplette Garnituren für
den nächsten Papst hergestellt. Die Größen sind Groß, Mittel und Klein. Heute Nachmittag beginnt bekanntlich
die Papstwahl.
Es sei ein ziemlicher Streß gewesen, meinte Filippo Gammarelli. Er führt gemeinsam mit
seinem Bruder Annibale und dem Neffen Massimiliano die Schneiderei, die den päpstlichen Hof beliefert.
Gegründet wurde die Schneiderei Gammarelli im Jahre des Herrn 1798. Sie ist die erste Adresse für Priestersoutanen
und Meßgewänder. Seit sechs Generationen ist Gammarelli auch der Exklusivlieferant für die päpstlichen
Gewänder. Nach Außen zeigt sich Gammarelli äußerst bescheiden. Er führt in einer Ecke unweit des
Pantheon und gegenüber des Französischen Seminars einen kleinen, sehr altmodisch eingerichteten Laden.
Wer nicht weiß, wird nichts vermuten: Gammarelli steht auf dem schlecht lesbaren Geschäftsschild. Und
darunter: „Sartoria per ecclesiastici“ – „Schneiderei für Geistliche“.
Auch die Auslage im Schaufenster
ist sehr unscheinbar: Manchmal ist ein unauffälliges goldgefaßtes Meßgewand zu sehen, ein Kardinalsbirett
oder ein Zingulum, um das weiße Untergewand für die Messe zu gürten. In den Tagen nach dem Tod von
Papst Johannes Paul II. sah man im Schaufenster als Zeichen der Trauer nur das weiße Soli Deo des Papstes
auf rotem Samt.
Nachdem das Konklave den neuen Papst gewählt hat, begibt sich dieser sofort in den sogenannten
„Raum der Tränen“. Das ist ein kleiner roter Raum in der Nähe der Sixtinischen Kapelle. Dort sind die
drei von Gammarelli vorbereiteten weißen Papstsoutanen in den drei Größen bereitgestellt.
Das kleinste
Gewand paßt einem Mann, der etwa 1,65 m groß ist. Das zweite ist für eine Körpergröße von 1,70 m
geschneidert und das dritte für 1,80 m.
Zur Papstsoutane gehört auch das weiße Soli Deo, mit dem der
Papst üblicherweise sein Haupt bedeckt. Dazu kommen der Umhang, das Zingulum, die roten Schuhe und noch
einige weitere Gegenstände.
Der Papst zieht sich alleine an. Dann kehrt er zum Konklave zurück, wo
der Kardinalkämmerer ihm den Papstring überstreift und jeder Kardinal dem neuen Papst, der auf einem
Schemel nahe des Altars sitzt, die Ehre erweist.
Gammarelli erinnert sich noch heute mit Schrecken an
die Wahl von Johannes XXIII. im Jahr 1958: Dem sehr beleibten Italiener sei das Gewand viel zu knapp gewesen.
Der neugewählt Papst habe seinen ersten Segen „Urbi et Orbi“ mit einer aufgetrennten Rückennaht geben
müssen. „Entscheidend ist nicht nur die Größe, sondern auch die Breite“, erklärt Filippo Gammarelli.
„Ich hoffe, sie nehmen die richtige Schachtel und geben einem kleinen Mann nicht Large“, sagt der päpstliche
Hofschneider. Oder noch schlimmer: umgekehrt.
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