10:31:12 | Freitag, 18. Dezember 2009
Was ist in den vielen Kisten mit Dokumenten enthalten, die ein Jesuit, der jahrelang im Vatikan tätig war, hinterlassen hat? Vielleicht nichts?

Pater Pierre Blet auf einem Bild der Seite ‘orbiscatholicus.blogspot.com’
(kreuz.net) Mitte September publizierte die Turiner Tageszeitung ‘La Stampa’ einen
Artikel über den in
Rom tätig gewesenen Jesuiten und Historiker, Pater Robert Graham († 1997).
Darin behauptete die Zeitung,
daß Pater Graham von Pius XII. († 1958) beauftragt worden sei, die Spionage-Tätigkeit der Weltmächte
im Vatikan abzuwehren und aufzudecken.
Pater Pierre Blet – ein langjähriger enger Mitarbeiter von Pater
Graham – kommentierte diese Meldung kurz vor seinem Tod in einem Interview mit der in Mailand erscheinenden
katholischen Tageszeitung ‘Avvenire’.
Das Interview erschien am 12. November. Pater Blet starb 91jährig
am 29. November.
Nach Angaben von ‘Avvenire’ zeigte sich der Pater über die Behauptungen von ‘La Stampa’
überrascht und unangenehm berührt.
Pater Blet arbeitete 17 Jahre mit Pater Graham im Herausgeber-Team,
das bisher unveröffentlichte Dokumente des Pontifikates von Pius XII. während des Zweiten Weltkrieges
publizierte.
Das Ergebnis dieser Arbeit waren die zwölf Bände der „Actes et documents du Saint Siège
relatifs à la Seconde Guerre Mondiale“, die insgesamt zwölftausend Seiten umfassen.
Zu den Spionage-Thesen
über Pater Graham erklärt der Geistliche:
„Der Gedanke bringt mich zum Lachen, daß der arme Pater
Graham ein Geheimagent gewesen sei, der sogar in der Lage war, einen Abschirmdienst gegen den KGB aufzubauen“ –
zitiert ‘Avvenire’ einen „belustigten“ Pater Blet.
Pater Graham habe es gefallen, mit solchen Erzählungen
anzugeben: „Er liebte Agentengeschichten, lachte darüber und liebte es, sie weiterzuspinnen.“
Doch seine
Arbeit habe sich ausschließlich auf die Geschichtswissenschaft beschränkt – stellt Pater Blet fest:
„Die Rekonstruktion einer Agententätigkeit entspricht nicht der Wirklichkeit und erinnert an einen Kriminalroman
von Dan Brown.“
Das italienische Magazin ‘Panorama’ berichtete auch, daß Pater Graham zufällig den
Entwurf der nie publizierten Enzyklika ‘Humani Generis Unitas’ gefunden habe, den der US-Jesuit John La
Farge († 1963) im Auftrag von Papst Pius XI. schrieb und die jede Form des Rassimus verurteilt hätte.
Auch hier widerspricht Pater Blet: „Es handelt sich um eine unwahren Bericht. Der erste Entwurf dieses
Textes wurde beim Tod von Pater la Farge in den USA entdeckt. Später tauchte eine Abschrift im vatikanischen
Geheimarchiv auf. Sie wurde mit Sicherheit nicht von Pater Graham gefunden.“
‘La Stampa’ sprach ferner
von mysteriösen Kisten, die jetzt im Archiv der Kurie der Gesellschaft Jesu aufbewahrt werden und Pater
Graham gehörten.
Auch hier erwartet Pater Blet keine Sensationen: „Ich glaube, daß diese Kisten, wenn
sie einmal durchgesehen und geordnet sind, nichts Explosives enthalten, sondern nur die Tagebücher von
Pater Graham und seine Eindrucke über ein in Rom verbrachtes Leben.“
Pater Blet stimmt mit den Aussagen
des Sprechers des Vatikans, Pater Federico Lombardi, überein:
„Diese Kisten enthalten in keiner Weise
den Schlüssel zu den Geheimnissen des Kalten Krieges und des Attentates auf Johannes Paul II.“
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St. Anton † 10:40:40 | Samstag, 19. Dezember 2009