11:03:06 | Montag, 28. Dezember 2009
In der Petersbasilika in Rom darf man natürlich die Messe aller Zeiten lesen. Inzwischen sollten auch die entsprechenden Meßbücher vorrätig sein.
(kreuz.net) Seit der Promulgierung des Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ zur Rehabilitierung der Alten
Messe haben sich viele Priester bemüht, den Ritus der Väter im ehrwürdigen römischen Petersdom zu
zelebrieren.
Das berichtete der italienische Blog ‘messainlatino.it’ am 18. Dezember:
„Doch ein praktisches
Hindernis von nicht geringer Bedeutung widersetzte sich diesem legitimen Bekehren: In der Sakristei von
Sankt Peter gab es kein einziges Altes Meßbuch.“
Der Blog kommentiert: „Das ist in der Tat seltsam.
Denn es gibt keine Landpfarrei, keine Vorstadtgemeinde und erst recht keine Kathedrale, in der sich über
die Jahrhunderte – neben Meßgewändern und liturgischen Geräten – nicht auch Meßbücher angesammelt
hätten.“
Und: „Stellen wir uns also Sankt Peter vor, wo es keinen durchreisenden Priester gab, der nicht
gewünscht hätte, die Heilige Messe auf einem der zahlreichen Seitenaltäre zu zelebrieren.“
Der Blog
folgert: „Welchen Reichtum an Meßbüchern, welche Ansammlung an geheiligten liturgischen Texten mußte
es dort geben! Doch – man staunt – plötzlich ist alles verschwunden.“
Der Blog vermutet, daß es in
der unmittelbaren Nachkonzils-Zeit im Vatikan möglicherweise zu einer Bücherverbrennung gekommen sei.
Zwei Priester und ein MeßbuchDie Webseite publizierte in diesem Zusammenhang ein Schreiben von Pater
Stefano Carusi vom Institut des Guten Hirten. Der Geistliche ist in Camerino zuhause – 110 Kilometer südöstlich
der Hafenstadt Ancona.
Er richtete sich in dieser Angelegenheit verschiedentlich brieflich an den Erzpriester
des Petersdoms, Angelo Kardinal Comastri (65), zuletzt im Oktober.
Bereits zuvor hatte ihm der Kardinal
versichert, daß es im Petersdom drei alte Meßbücher gebe und Priester im Petersdom jederzeit willkommen
seien, den außerordentlichen Ritus zu zelebrieren.
Aufgrund dieser Zusagen begab sich Pater Carusi am
Morgen des 17. Septembers mit einem Neupriester in den Petersdom. Er bat den dortigen Küster, Pater Enrico,
die Messe zelebrieren zu dürfen.
Der Küster war wie immer sehr freundlich. Doch als die Priester um
das Alte Meßbuch baten, antwortete er: „Priester, welche die lateinische Messe zelebrieren wollen, müssen
das Meßbuch selber mitbringen“.
Der Küster fügte hinzu: „Das Meßbuch kostet 25 Euro, warum kauft
ihr es euch nicht in der Via della Conciliazione.“
Erst nachdem Pater Carusi den vorgesetzten Erzpriester
und dessen Zusicherung erwähnte, lenkte der Küster ein. Er zog aus einem Schrank ein Altes Meßbuch
hervor.
Zugleich erklärte er, daß die Sakristei nur ein Exemplar besitze.
Als ihn Pater Carusi darauf
hinwies, daß er in Begleitung eines Mitbruders war, der auch gerne zelebriert hätte, antwortete der
Küster: „Dann müßt ihr nacheinander zelebrieren“.
Das war aber aus terminlichen Gründen nicht möglich.
Pater Carusi ließ seinem Mitbruder den Vortritt und mußte selber auf die Feier der Messe verzichten.
Das Problem ist im StaatssekretariatNach dem Ende der Messe stellte er den Küster noch einmal zur
Rede.
Er erklärte ihm, daß das Geschehen im offenen Widerspruch zu Kardinal Comastris Zusicherungen
stünden.
Der Küster antwortete: „Lassen Sie den Kardinal aus dem Spiel. Die Anweisungen gehen nicht
von ihm aus, sondern vom Staatssekretariat.“
Als Pater Carusi sein Erstaunen zum Ausdruck brachte, fügte
der Küster hinzu:
„Weil Paul VI. eine Reform durchgeführt hat, will man dort, daß man dessen Messe
liest.“
Schließlich gestand der ansonsten immer freundliche und zuvorkommende Pater Enrico, daß es
in der Sakristei des Petersdoms ein zweites Altes Meßbuch gebe.
Er lud die beiden altgläubigen Priester
bereitwillig ein, am nächsten Tag für die Meßzelebration zurückzukehren, präzisierte aber: „Nur zwei,
nicht drei, nicht mehr als zwei. Das ist so, bitte insistiert nicht.“
In seinem Oktober-Brief informierte
Pater Carusi den vatikanischen Erzpriester über diese Vorfälle.
Der Kardinal reagiert prompt auf das
Schreiben.
Er versicherte dem Geistlichen, sich persönlich dafür eingesetzt zu haben, daß jetzt in
der Sakristei des Petersdoms vier Alte Meßbücher verfügbar sind.
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