Kirche in Not
Fischer aus dem trockenen Land
Eigentlich sind die Voraussetzungen gar nicht so schlecht: Denn bekanntlich geht ein Kamel eher durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel.
Pressebild 'Kirche in Not': Feierliche Prozession in Dniepropietrovsk anläßlich der Rückgabe einer katholischen Kirche aus Firmenbesitz.
Pressebild ‘Kirche in Not’: Feierliche Prozession in Dniepropietrovsk anläßlich der Rückgabe einer katholischen Kirche aus Firmenbesitz.
(kreuz.net) Die ukrainischen Katholiken erhoffen sich von der Präsidentschaftswahl am kommenden Sonntag eine tiefgreifende Reform des Landes.

Das erklärte die Länderreferentin des katholischen Hilfswerks ‘Kirche in Not’, Magda Kaczmarek, in einer Aussendung.

In der Ukraine leben etwa sechs Millionen Katholiken des byzantinischen und lateinischen Ritus.

Das Land trocknet aus

Bereits vor fünf Jahren erwartete man sich von der „orangenen Revolution“ des jetzigen Präsidenten Wiktor Juschtschenko vergeblich eine bessere Zukunft, sagte Kaczmarek.

Darum wird die Präsidentschaftswahl am kommenden Wochenende zwischen der angeblichen Reformerin und Milliardärin Julija Timoschenko und dem – den russischen Bevölkerungsteil vertretenden – Vorsitzenden der „Partei der Regionen“ Wiktor Janukowitsch entschieden.

Die Hauptprobleme der Ukraine sieht Kaczmarek in der Korruption sowie in der Abwanderung junger Menschen: „Hier findet immer noch eine regelrechte Völkerwanderung statt.“

Ostukrainer ziehen in den Westen des Landes oder in die Europäische Union.

Das hat zur Folge, daß der Osten des Landes wirtschaftlich und religiös austrocknet.

Die Abwanderung der jungen Bevölkerung hinterläßt vor allem auf dem Lande ausgedünnte Pfarreien, die nur noch mit Mühe am Leben erhalten werden können.

Naiver Weihbischof hofft auf EU-Beitritt

Hinzu kommt, daß die Katholiken im Osten der Ukraine zu Zeiten der Sowjetherrschaft besonders stark verfolgt wurden.

Jahrzehnte lang gab es dort keine Priester. Die Nachwirkungen dieser Umstände sind bis heute zu spüren.

Darum hofft Frau Kaczmarek, daß die kommende Regierung vor allem den strukturschwachen Teilen des Landes hilft.

Wenn solche Reformen wirklich gelängen, sieht der griechisch-katholische Weihbischof Bogdan Dzyurakh gute Voraussetzungen für einen Kurs der Ukraine in die EU.

Soziale Verwahrlosung

In der wohlhabenderen Westukraine herrscht nach wie vor eine hohe Arbeitslosigkeit.

Durch die schwierige soziale Situation werden die Familien stark belastet. Alkohol und Drogen sind ein ernstes Problem.

Eine Umfrage unter 15jährigen Jugendlichen ergab, daß bereits 91 Prozent der Befragten bereits exzessiv Alkohol getrunken haben.

63 Prozent sind regelmäßige Raucher. 14 Prozent haben bereits harte Drogen konsumiert.

Katholische Kirche noch immer enteignet

Im religiösen Bereich gibt es Verstimmungen zwischen den orthodoxen Gemeinschaften und der griechisch-katholischen sowie der römisch-katholischen Kirche. Sekten finden regen Zulauf.

Der Streit zwischen der orthodoxen Gemeinschaft und der Katholischen Kirche dreht sich vor allem um die Rückerstattung von katholischem Kirchenbesitz, das von den Kommunisten gestohlen wurde.

Es gibt keine Gesetze, die diese Rückerstattung regeln. Offiziell existiere die Kirche in der Ukraine erst wieder seit dem Jahr 1991. Vorher existierender Grundbesitz anerkennt der Staat nicht.

In Zeiten der Sowjetunion fand das kirchliche Leben vor allem im geheimen statt. Diese Tatsache wirkt nach Frau Kaczmarek bis heute nach.

So treffen sich die Gläubigen immer noch vor allem in Wohnungen, kleinen Kapellen und umgebauten Lagerhäusern.

Die katholischen Kirchen und Gebäude wurden von den kommunistischen Sowjets geraubt und als Kinos, Lagerhallen, Kasernen verwendet.

Immerhin kann sich die Ukraine nicht über einen Priestermangel beklagen.

Dazu erklärt Frau Kaczmarek: „Gott beruft Fischer im trockenen Land.“
      
16 Lesermeinungen
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#16   Robert Ketelhohn   12:05:54 | Mittwoch, 13. Januar 2010
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Genau.
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#15   clarissa colonia   01:16:54 | Mittwoch, 13. Januar 2010
Würde man „erga“
nicht als Praep. c. Akk. auffassen müssen?
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#14   Robert Ketelhohn   01:13:39 | Mittwoch, 13. Januar 2010
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Clarissa: erga pontificem?
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#13   Jörg Guttenberger, Köln   00:29:28 | Mittwoch, 13. Januar 2010
Trennung
Papstz Martin IV (Papst seit 1281) hat die Kirchentrennung französischen Machtinteressen folgend verfügt. Dami t war de Union vom Konzil von Lugdunum/Lyon hinfällig.
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#12   Robert Ketelhohn   13:00:33 | Dienstag, 12. Januar 2010
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Zitat: »Ostukrainer ziehen in den Westen des Landes oder in die Europäische Union. Das hat zur Folge, daß der Osten des Landes wirtschaftlich und religiös austrocknet.«
Wenn man keine Ahnung hat … Da hat offenbar jemand Ost und West verwechselt. Sprachproblem?
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#11   clarissa colonia   12:45:45 | Dienstag, 12. Januar 2010
Nun für das Kirchesein
… genügtg die apostolische Sukzession und die gültige Spendung aller sieben Sakramente. Die oboedientia erga pontificum ist demgegenüber nur ein augmentum accidentiale.
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#10   Burgorus   12:24:50 | Dienstag, 12. Januar 2010
Die einfachen Leute des Ostens denken:
„Wenn wir in der EU sind, dann geht’s uns allen so gut wie Deutschland.“ Mehr wissen sie nicht.
Dass die Europäische Union samt dem Monster-Überwachungsapparat nichts weiter ist als eine weitere Versklavungs-Sowjet-Union, verstehen diese Leute noch nicht, weil sie noch wichtigere Probleme haben als sich zu informieren und wohl deswegen auch das Informationsangebot via Internet noch weit kleiner ist als bei uns. Vermutlich haben auch noch viel weniger Leute Internet. Und so glauben sie dem westlich beherrschten gleichgeschalteten Medien-Mainstream.
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#9   Das Kind   11:49:57 | Dienstag, 12. Januar 2010
Tymoschenko Superstar
Und dann können wir bald wieder erleben, wie unsere gleichgeschalteten Medien vollkommen einseitig eine gewisse Julija Tymoschenko obamagleich in den Himmel loben werden. Die Jubelperser-Journaille erkennt nicht, daß es sich bei JT um eine ganz üble Populistin handelt. Und nicht nur das. Warum ist diese Frau so unermeßlich reich? Fragen, die selten gestellt werden …
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#8   eigerhar †   11:40:09 | Dienstag, 12. Januar 2010
Nur die Kirche auf dem Felsen Petri ist die wahre
nur die ecclesia catholica ist in der Meinung des Vatikans „Vollkirche“.
So haben es auch die Orthodoxen verstanden, als sie sich von der katholischen Kirche getrennt haben.
Wovon sonst sollten sie sich getrennt haben?
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#7   Kairos †   11:20:06 | Dienstag, 12. Januar 2010
Aber die Redaktion
tut dies nicht und mit welcher Begründung? Ja ja wir wissen es ja, nur die ecclesia catholica ist in der Meinung des Vatikans „Vollkirche“. Und dies wird hier bewusst so eingesetzt.
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#6   Brandenburgis   11:01:38 | Dienstag, 12. Januar 2010
Man darf durchaus von
orthodoxer Kirche reden.
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#5   Kairos †   10:58:42 | Dienstag, 12. Januar 2010
Anmerkung
Der Streit zwischen der orthodoxen Gemeinschaft und der Katholischen Kirche dreht sich vor allem um die Rückerstattung von katholischem Kirchenbesitz, das von den Kommunisten gestohlen wurde.
Wie ist sich doch +-net treu und spricht den orthodoxen Christinnen und Christen die Bezeichnung Kirche ab. Super klasse, das fördert die Ökumene.
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#4   clarissa colonia   10:31:18 | Dienstag, 12. Januar 2010
Diebstahl?
„Der Streit … dreht sich … um … Kirchenbesitz, das [sic!] von den Kommunisten gestohlen wurde.“
Ob sich Diebstahl tatbestandlich nicht ausschließlich auf bewegliche Sachen bezieht?
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#3   Brandenburgis   10:20:37 | Dienstag, 12. Januar 2010
Völlig richtig!
Allerdings ist dieser Mißstand tatsächlich wesentlich für die Demokratie, die schon ganz andere Länder total ruiniert hat. Wie ich hörte gibt es übrigens nicht einmal eine definierte Grenze zwischen Rußland und Ukraine. Vom „Krim“-Problem ganz zu schweigen. Ich befürchte, daß es dort bald gewaltig „krachen“ wird.
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#2   Lorenz   09:54:38 | Dienstag, 12. Januar 2010
In der Tat ist die Ukraine fast ein Lehrbuchbeispiel
für ein wichtiges (es gibt viele wichtige) Demokratieproblem:
Die Zwei-Lager-Bildung.
Der Logik des demokratischen Wettbewerbs folgend versucht jedes Lager 51 Prozent der Bevölkerung Vorteile auf Kosten der übrigen 49 Prozent zuzuschanzen.
Nicht weil die Demokraten böse sind, sondern weil die Wettbwerbslogik es so einfordert. Dies ist überall so, nur in der Ukraine eben besonders deutlich.
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#1   Brandenburgis   09:38:44 | Dienstag, 12. Januar 2010
Die Ukraine leidet unter verschiedenen
Problemen. Eines der größten: Kriminelle Demokraten, die dieses Land im eisernen Würgegriff haben.
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