Orden
Johannesgemeinschaft: Es kracht ganz gehörig
In Frankreich steht eine noch vor kurzem blühende neokonservative Schwestern- gemeinschaft vor einem Scherbenhaufen.
Die Johannesschwestern in Rumänien - grauer Habit, weißer Schleier - zu Besuch in einem byzantinischem Kloster
Die Johannesschwestern in Rumänien – grauer Habit, weißer Schleier – zu Besuch in einem byzantinischem Kloster
© olahus, CC
(kreuz.net) Die kontemplativen Schwestern der Johannes- gemeinschaft bereiten sich auf ein Generalkapitel vor.

Das geht aus einer Meldung hervor, die am 22. Januar auf der französischsprachigen Webseite der Ordensgemeinschaft, Familie des Heiligen Johannes, publiziert wurde.

Die Gemeinschaft wurde im Jahr 1982 von dem französischen Dominikaner, Pater Marie Dominique Philippe († 2006), gegründet.

Pater Philippe war auch der Gründer der Brüder sowie der Apostolischen Schwestern des Heiligen Johannes.

Die drei Institute bilden gemeinsam die „Familie des Heiligen Johannes“.

Das Mutterhaus der kontemplativen Schwestern befindet sich in dem 630-Seelen-Dorf Saint-Jodard – 88 Kilometer nordwestlich von Lyon.

In der Mitteilung heißt es, daß „wichtige Fragen zur Leitung und unterschiedliche Ausrichtungen zur Berufung der kontemplativen Schwestern des Heiligen Johannes die Einheit der Gemeinschaft beeinträchtigen.“

Patres der Johannesgemeinschaft feiern für Jugendliche eine Strandmesse
Patres der Johannesgemeinschaft feiern für Jugendliche eine Strandmesse
© rdesoras, CC
In Absprache mit Kardinal Philippe Barbarin von Lyon – dem kirchlichen Oberen der Schwestern – bat die römische Ordenskongregation den emeritierten Bischof von Nizza, Mons. Jean Bonfils (79), die Gemeinschaft in dieser „schwierigen Wegstrecke“ zu begleiten und die Schwestern zum Frieden zu führen.

Mons. Bonfils wird darum ein Generalkapitel organisieren, das den Schwestern erlauben soll, sich zu versammeln, miteinander zu sprechen und das „Charisma ihrer Gemeinschaft“ zu vertiefen – so die Mitteilung

In dem Anliegen, den Weggang einer Gruppe von Schwestern zu vermeiden, hat Mons. Bonfils bereits die Priorate gebeten, das Generalkapitel mit Hilfe eines Arbeitsdokumentes vorzubereiten.

Nach Angaben der Mitteilung zählt die Kongregation der kontemplativen Schwestern des Heiligen Johannes 360 – vorwiegend junge – Schwestern, die in 33 Prioraten auf der ganzen Welt leben.

Die Leitung der Gemeinschaft wurde ausgewechselt

Nach Angabe der altliberalen französischen Wochenzeitung ‘Golias’ hat Kardinal Barbarin bei den Schwestern bereits eine Untersuchung durchführen lassen.

Das hat – so ‘Golias’ – zu einem „gesalzenen Bericht“ geführt, der an die römische Ordenskongregation weitergeleitet wurde.

Kardinal Barbarins Untersuchung soll „schwerwiegende“ Ergebnisse zutage gefördert haben, erklärt ‘Golias’ – zum Beispiel: das sehr junge Alter der Postulantinnen, private Lehren der ehemaligen Novizenmeisterin, eine angebliche Überaktivität der Schwestern oder Probleme mit der psychischen Gesundheit einzelner Schwestern.

Im Zusammenhang mit der Ausarbeitung des Berichtes ersetzte der Kardinal im Juni 2009 per Dekret die bisherige Generaloberin, Schwester Alix (85), mit der Niederländerin, Schwester Johanna.

Schwester Alix war seit der Gründung der Gemeinschaft im Amt und dem Gründer, Pater Philippe, sehr ergeben.

Dagegen gehörte Schwester Johanna bisher nicht zur Leitung der Gemeinschaft.

Sie stieß bei der Zusammenstellung der neuen Führungsgruppe schnell auf größte Schwierigkeiten.

Der Knackpunkt

Die Lage eskalierte, als Schwester Johanna die bisherige, langjährige Novizenmeisterin Schwester Marthe, die allmächtige De-facto-Oberin der Gemeinschaft, durch Schwester Christine ersetzte.

Schwester Marthe weigerte sich zunächst, ein neues Aufgabenfeld zu übernehmen.

Sie erhielt auch Unterstützung von einer Anzahl Eltern, deren Töchter das Noviziat nach den Änderungen der Ordensleitung offenbar verlassen haben:

„Die Lage der achtzig jungen Schwestern des Noviziates scheint uns besonders beunruhigend zu sein“ – schreiben diese Eltern in einem Brief an Kardinal Barbarin: „Sie sind durch den brutalen Abzug ihrer verantwortlichen Schwestern verwirrt. Die Ernennung einer neuen Novizenmeistern – im Widerspruch zu Schwester Alix – hat ihren Weggang provoziert.“

Doch Schwester Marthe bemühte sich, die Kontrolle über die Mitglieder der Gemeinschaft, die ihr ergeben sind, aufrechtzuerhalten.

So forderte sie die Postulantinnen auf, nicht ins Novizat einzutreten.

Kardinal Barbarin versuchte, die Lage zu beruhigen und traf sich in Saint-Jodard mit den dissidenten Schwestern.

Doch nach Angaben von ‘Golias’ legte dieses Treffen nur eine „Mauer des Unverständnisses“ offen.

Nach Angaben von ‘Golias’, haben die Unruhen bei den kontemplativen Schwestern auch Auswirkungen auf die Brüdergemeinschaft.

Der nächste Prälat probiert es

Nach dem Scheitern des Kardinals ernannte der Präfekt der Ordenskongregation, Franc Kardinal Rodé, zusammen mit Staatssekretär Tarcisio Kardinal Bertone den emeritierten Bischof von Nizza, Mons. Jean Bonfils, zum Päpstlichen Kommissar für die Schwestern.

Nach seiner Ankunft in Saint-Jodard bestätigt der Prälat die bisher getroffenen Entscheidungen.

Die alte Leitung der Gemeinschaft – die Schwestern Alix, Marthe, Agnès-Marie und Isabelle – wurden angewiesen, sich in Klöster außerhalb der Johannesgemeinschaft zu begeben.

Die sehr einflußreiche Schwester Marthe soll sich sogar ins Heilige Land zurückziehen.

Es wurde diesen Schwestern verboten, jeden Kontakt mit ihren Mitschwestern und den Novizinnen aufrecht zu erhalten.

Doch die Schwestern gehorchen nicht. Die ihnen ergebenen Novizinnen kehrten auf Anweisung der kirchlichen Oberen in ihre Familien zurück. Dort hielten sie Kontakt mit der alten Ordensleitung.

Gleichzeitig war die neue Generaloberin, Schwester Johanna, nicht in der Lage, die Gemeinschaft zu sammeln.

In dieser Situation bat der Vatikan Mons. Bonfils, auch das Amt des Oberen der Gemeinschaft zu übernehmen. Schwester Johanna wurde seine Delegierte.

Doch nach Angaben von ‘Golias’ geht die Rebellion weiter.

Die Schwestern von Cenves – siebzig Kilometer nördlich von Lyon, wo sich das Ausbildungspriorat für die kontemplativen Schwestern befindet – sowie ein Großteil der Schwestern des Mutterhauses und Noviziats in Saint-Jodard sollen um Exklaustration gebeten haben.

Zunächst wollten sie in die nordostmexikanische Diözese Saltillo wechseln, um dort eine neue Gemeinschaft zu errichten.

Der sogar von ‘Golias’ als „progessiv“ bezeichnete Bischof von Saltillo, Mons. Raul Vera Lopez, gewährte den flüchtigen Schwestern zunächst Aufnahme.

Die Abreise war für Ende Januar/Anfang Februar vorgesehen. Doch der Vatikan nahm auf den Bischof Einfluß und stoppte das Unternehmen.

Nach Angaben von ‘Golias’ planen die dissidenten Schwestern jetzt, nach Spanien auszuweichen, wo entsprechende Angebote von Diözesanbischöfen vorliegen sollen.

Mehr als 120 Schwestern sind – so ‘Golias’ – gegenwärtig abreisebereit. Dazu kommen die Schwestern des Priorates von Princeville in den Vereinigten Staaten.
      
14 Lesermeinungen
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#19   Izmet Necist   00:42:00 | Sonntag, 31. Januar 2010
Johannesgemeinschaft: Es kracht ganz gehörig
geschieht konzervativen recht.
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#18   Prälat Hinter †   11:29:42 | Dienstag, 26. Januar 2010
Ohh jetzt haben die Nattern mich wieder auf der schwarzen oder roten Liste !!!
Meine Beiträge werden entfernt !!!
BRAVO !!!
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#17   SignumSalutis †   23:39:32 | Montag, 25. Januar 2010
nochmal Thuine
@ colonius: also: wenn soviel exklusives Erwählungsbewußtsein demonstriert wird, werde ich kritisch hellhörig, auch wenn ich den einzelnen Frauen zugestehen möchte, ehrliche Motive zu haben. Ich denke, dass ich einige von den Dissidentinnen kenne. Prolbematisch finde ich allerdings die Telefonkettenstrategie, die für den Kreis um Ex-Sr. Steph. und die Christusgemeinschaft kennzeichnend sein muss.
Derartiges Erwählungsbewußtsein scheint ja auch bei den erwähnten Johannes-Schwestern im Spiel zu sein. Da möchte man sich wirklich gut prüfen, um sicher zu sein, dass der Hl. Geist und nicht der eigene Vorgel am Werke ist!
@Caldo:
Wahrscheinlich ist es ihm zu blöööööööööd geworden, mit diesem grenzwertigen kreuz.net-Grüppchen von Nazikatholen zu kommunizieren. – könnte ich verstehen. Er hatte immer recht witzige und qualifizierte Bemerkungen auf Lager.
@MöchtegernLandi: :-S Du hast begonnen zu polemisieren, also lies ruhig, dass nicht alle deinen verdrehten Forumsorganistenzwirn billigen.
SignSal
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#16   colonius   23:30:54 | Montag, 25. Januar 2010
@ SignumSalutis
Ich stimme ihrer Analyse vollkommen zu. Auch bin ich jahrelang durch „Thuiner Hände“ gegangen. Was mir die Schwestern vermittelt haben, gehört zu den besten Erfahrungen meines Lebens.
Sie haben recht, wenn sie die Problematik um Sr. Stephanie ansprechen. Allerdings glaube ich schon, dass der Heilige Geist auch dort wehen kann.
Zumindest hoffe ich es. Leicht gemacht hat sich den Austritt aus der Kongregation keine der Schwestern. Ich habe viele gekannt.
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#14   noch ein Landorganist   22:53:23 | Montag, 25. Januar 2010
SignSal
oooh… was besser fällt dir net ein. Bist du jetzt auch schon beim Beleidigen überfordert? Jaja, das Alter hinterlässt seine Spuren eben auch bei dir :&)
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#13   SignumSalutis †   22:46:38 | Montag, 25. Januar 2010
Pfeife …
Du Pfeife bist doch mit jeder zweimanualigen Orgel überfordert – wenn du so miserabel spielst, wie du hier permanent die Halbleiter mit deinen unqualifizierten Kommentaren quälst! :-D :-D
Wo ist eigentlich der echte Landi?
SignSal
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#12   noch ein Landorganist   22:39:18 | Montag, 25. Januar 2010
SignSal
Signum Salutis: „Ich bin überfordert!“
wie lieblich, als ob das neu wäre :&)
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#11   SignumSalutis †   22:03:35 | Montag, 25. Januar 2010
Tabelle/Thuine
Ich bin überfordert! Ich erwarte auf der Stelle von berufenen hier eine klare tabellarische Zuordnung, was Altliberal, Neoliberal, Altkonservativ oder Neokonservativ ist. Und dass man die bei den demnächst stattfindenden ketz.net Bußexerzitien fett eingebrannt kommt, damit der Herr beim jüngsten Gericht auch weiß, wohin – ins Kröpfchen oder ins Töpfchen oder dazwischen! Bitte auch als Anhang ins Kirchenrecht!
@Colonius: Thuine: die geganen sind, waren nicht die schlechtest ausgebildeten, aber ob sie die besseren waren, wage ich zu bezweifeln. Die vielen braven älteren emsländischen Bauerntöchter, die seit Jahrzehnten in Treue dort lebt, hatten das nicht verdient, diesen organisierten Aufstand. V. a., weil die jungen Anhängerinnnen der (damaligen) Sr. Stephanie ihre Ideen nicht durchsetzen konnten. Die waren enthusiastisch gekommen, stellten fest, dass sie den Laden nicht in ihrem Sinne umgestalten konnten und fanden dann die Bindung an die Gemeinschaft, in die sie eingetreten waren, nicht mehr vorrangig. Und intern verliehen sie dem Weggang durch systematischen Telefonterror den nötigen Nachdruck. Ob dies vom Hl. Geist gewirkt ist, ist doch recht zweifelhaft. Denn übrig bleiben die älteren, 08/15 Schwestern, die auf die junge Generation um Sr. Stephanie viel Hoffnung gesetzt hatten, und auch finanziell in sie viel in sie investiert hatten. Nein – das haben die Thuiner Schwestern (die, das gebe ich zu, schon an meiner Wiege standen), nicht verdient!
SignSal
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#9   karljosef   15:50:19 | Montag, 25. Januar 2010
Altliberale
sitzen beim Messopfer.
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#8   noch ein Landorganist   15:48:05 | Montag, 25. Januar 2010
Bild von der Strandmesse
ist der Unterschied zwischen Neokonservativen und Altliberalen, dass die Altliberalen zwar die gleichen Gewänder verwenden würden, aber dass dann auch noch das kleine rote Kreuzchen fehlen würde?
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#6   colonius   13:54:18 | Montag, 25. Januar 2010
Thuine/Johannesgemeinschaft?
Zunächst einmal ist dieser Artikel hier mit Vorsicht zu genießen, da er lediglich aus einer Quelle stammt und andernorts bisher nicht verifiziert wurde.
Darüberhinaus sind solche Konsolidierungsbewegungen in jungen Gemeinschaften nicht ungewöhnlich, wie man die ganze Kirchengeschichte hindurch sehen kann. Es ist eben nicht leicht, in der momentanen kirchlichen Situation diesen Weg zu gehen.
Zu oft kann man nicht leben, wofür man eigentlich die Gelübde abgelegt hat. Geistliches Leben wird mitunter systematisch unterdrückt!
Eine Anmerkung zu Thuine: es waren nicht unbedingt die „Schlechteren“, die dort gegangen sind. Man muss das sehr differenziert sehen.
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#5   SignumSalutis †   13:48:33 | Montag, 25. Januar 2010
erinnert mich …
… erinnert alles ein wenig an das, was vor ein paar Jahren bei den Franziskanerinnen von Thuine passierte … da gab es dann auch den großen Exodus, die charismatisch besonders begabten :-P :-P sitzen jetzt im ehemaligen Benediktinerinnenkloster Hamicolt im Münsterland.
SignSal
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#4   Alois Bischof   13:37:06 | Montag, 25. Januar 2010
Neokonservativ
Hw. Pater Marie Dominique Philippe hat 1969 auch die Gründung der Priesterbruderschaft St. Pius X. mutig und trotz späteren Widerstandes mit vorangetrieben in dem er französische Seminaristen auf Erzbischof Marcel-François Lefebvre C.S.Sp. hinwies.
Die neokonservativen Johannes-Patres und -Schwestern werden nicht standhalten. Seit Jahrzehnten ist ihr Credo einfach dem jeweiligen Papst (vor allem Johannes-Paul II.) hinterherzulaufen ohne kritische Haltung. Die Bekämpfung der Alten Messe, die Ausgrenzung wirklich konservativer Katholiken und die neokonservative Verkündigung des II. Vatikanums ‘in gloria sua’ zählen zu der Identität dieser Gemeinschaften und ihrer Familien.
Viele gute Schwestern sind unter ihnen – der Kampf gegen Neomodernismus ist ihnen völlig fremd. Neue Messe, Handkommunion wenn erlaubt, Taizé-Lieder haben aus der Gemeinschaft eine Karikatur aus der neokonservativen Bewegung im Menschenhaus der II. Vatikanum-Religion gemacht.
Spaltung ist die logische Folge einer Gründung ohne römisch-katholische Tradition, ohne römische überlieferte Liturgie, in einer Zeit der Konzilskirche und ihrer endgültigen Existenzkrise seit 1965.
Man soll beten, daß der Herrgott und Seine allerseligste Mutter gute Postulantinnen und Schwestern sowie Patres aus diesen zersplitternden neokonservativen Gruppen hin zur römisch-katholischen Tradition und zu den Gemeinschaft der katholischen „Traditionalisten“ führt. Für unser und ihr eigenes Seelenheil!
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#1   Domenico Tuttisanti   11:17:55 | Montag, 25. Januar 2010
M.a.W. –
Nichts Genaues weiss man nicht!
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