11:11:56 | Montag, 25. Januar 2010
In Frankreich steht eine noch vor kurzem blühende neokonservative Schwestern- gemeinschaft vor einem Scherbenhaufen.

Die Johannesschwestern in Rumänien – grauer Habit, weißer Schleier – zu Besuch in einem byzantinischem
Kloster
© olahus, CC(kreuz.net) Die kontemplativen Schwestern der Johannes- gemeinschaft bereiten sich auf ein Generalkapitel
vor.
Das geht aus einer Meldung hervor, die am 22. Januar auf der französischsprachigen Webseite der
Ordensgemeinschaft, Familie des Heiligen Johannes, publiziert wurde.
Die Gemeinschaft wurde im Jahr 1982
von dem französischen Dominikaner, Pater Marie Dominique Philippe († 2006), gegründet.
Pater Philippe
war auch der Gründer der Brüder sowie der Apostolischen Schwestern des Heiligen Johannes.
Die drei
Institute bilden gemeinsam die „Familie des Heiligen Johannes“.
Das Mutterhaus der kontemplativen Schwestern
befindet sich in dem 630-Seelen-Dorf Saint-Jodard – 88 Kilometer nordwestlich von Lyon.
In der Mitteilung
heißt es, daß „wichtige Fragen zur Leitung und unterschiedliche Ausrichtungen zur Berufung der kontemplativen
Schwestern des Heiligen Johannes die Einheit der Gemeinschaft beeinträchtigen.“

Patres der Johannesgemeinschaft feiern für Jugendliche eine Strandmesse
© rdesoras, CCIn Absprache mit Kardinal
Philippe Barbarin von Lyon – dem kirchlichen Oberen der Schwestern – bat die römische Ordenskongregation
den emeritierten Bischof von Nizza, Mons. Jean Bonfils (79), die Gemeinschaft in dieser „schwierigen Wegstrecke“
zu begleiten und die Schwestern zum Frieden zu führen.
Mons. Bonfils wird darum ein Generalkapitel organisieren,
das den Schwestern erlauben soll, sich zu versammeln, miteinander zu sprechen und das „Charisma ihrer
Gemeinschaft“ zu vertiefen – so die Mitteilung
In dem Anliegen, den Weggang einer Gruppe von Schwestern
zu vermeiden, hat Mons. Bonfils bereits die Priorate gebeten, das Generalkapitel mit Hilfe eines Arbeitsdokumentes
vorzubereiten.
Nach Angaben der Mitteilung zählt die Kongregation der kontemplativen Schwestern des
Heiligen Johannes 360 – vorwiegend junge – Schwestern, die in 33 Prioraten auf der ganzen Welt leben.
Die Leitung der Gemeinschaft wurde ausgewechseltNach Angabe der altliberalen französischen Wochenzeitung
‘Golias’ hat Kardinal Barbarin bei den Schwestern bereits eine Untersuchung durchführen lassen.
Das
hat – so ‘Golias’ – zu einem „gesalzenen Bericht“ geführt, der an die römische Ordenskongregation weitergeleitet
wurde.
Kardinal Barbarins Untersuchung soll „schwerwiegende“ Ergebnisse zutage gefördert haben, erklärt
‘Golias’ – zum Beispiel: das sehr junge Alter der Postulantinnen, private Lehren der ehemaligen Novizenmeisterin,
eine angebliche Überaktivität der Schwestern oder Probleme mit der psychischen Gesundheit einzelner
Schwestern.
Im Zusammenhang mit der Ausarbeitung des Berichtes ersetzte der Kardinal im Juni 2009 per
Dekret die bisherige Generaloberin, Schwester Alix (85), mit der Niederländerin, Schwester Johanna.
Schwester Alix war seit der Gründung der Gemeinschaft im Amt und dem Gründer, Pater Philippe, sehr ergeben.
Dagegen gehörte Schwester Johanna bisher nicht zur Leitung der Gemeinschaft.
Sie stieß bei der Zusammenstellung
der neuen Führungsgruppe schnell auf größte Schwierigkeiten.
Der KnackpunktDie Lage eskalierte,
als Schwester Johanna die bisherige, langjährige Novizenmeisterin Schwester Marthe, die allmächtige
De-facto-Oberin der Gemeinschaft, durch Schwester Christine ersetzte.
Schwester Marthe weigerte sich
zunächst, ein neues Aufgabenfeld zu übernehmen.
Sie erhielt auch Unterstützung von einer Anzahl Eltern,
deren Töchter das Noviziat nach den Änderungen der Ordensleitung offenbar verlassen haben:
„Die Lage
der achtzig jungen Schwestern des Noviziates scheint uns besonders beunruhigend zu sein“ – schreiben diese
Eltern in einem Brief an Kardinal Barbarin: „Sie sind durch den brutalen Abzug ihrer verantwortlichen
Schwestern verwirrt. Die Ernennung einer neuen Novizenmeistern – im Widerspruch zu Schwester Alix – hat
ihren Weggang provoziert.“
Doch Schwester Marthe bemühte sich, die Kontrolle über die Mitglieder der
Gemeinschaft, die ihr ergeben sind, aufrechtzuerhalten.
So forderte sie die Postulantinnen auf, nicht
ins Novizat einzutreten.
Kardinal Barbarin versuchte, die Lage zu beruhigen und traf sich in Saint-Jodard
mit den dissidenten Schwestern.
Doch nach Angaben von ‘Golias’ legte dieses Treffen nur eine „Mauer des
Unverständnisses“ offen.
Nach Angaben von ‘Golias’, haben die Unruhen bei den kontemplativen Schwestern
auch Auswirkungen auf die Brüdergemeinschaft.
Der nächste Prälat probiert esNach dem Scheitern des
Kardinals ernannte der Präfekt der Ordenskongregation, Franc Kardinal Rodé, zusammen mit Staatssekretär
Tarcisio Kardinal Bertone den emeritierten Bischof von Nizza, Mons. Jean Bonfils, zum Päpstlichen Kommissar
für die Schwestern.
Nach seiner Ankunft in Saint-Jodard bestätigt der Prälat die bisher getroffenen
Entscheidungen.
Die alte Leitung der Gemeinschaft – die Schwestern Alix, Marthe, Agnès-Marie und Isabelle –
wurden angewiesen, sich in Klöster außerhalb der Johannesgemeinschaft zu begeben.
Die sehr einflußreiche
Schwester Marthe soll sich sogar ins Heilige Land zurückziehen.
Es wurde diesen Schwestern verboten,
jeden Kontakt mit ihren Mitschwestern und den Novizinnen aufrecht zu erhalten.
Doch die Schwestern gehorchen
nicht. Die ihnen ergebenen Novizinnen kehrten auf Anweisung der kirchlichen Oberen in ihre Familien zurück.
Dort hielten sie Kontakt mit der alten Ordensleitung.
Gleichzeitig war die neue Generaloberin, Schwester
Johanna, nicht in der Lage, die Gemeinschaft zu sammeln.
In dieser Situation bat der Vatikan Mons. Bonfils,
auch das Amt des Oberen der Gemeinschaft zu übernehmen. Schwester Johanna wurde seine Delegierte.
Doch
nach Angaben von ‘Golias’ geht die Rebellion weiter.
Die Schwestern von Cenves – siebzig Kilometer nördlich
von Lyon, wo sich das Ausbildungspriorat für die kontemplativen Schwestern befindet – sowie ein Großteil
der Schwestern des Mutterhauses und Noviziats in Saint-Jodard sollen um Exklaustration gebeten haben.
Zunächst wollten sie in die nordostmexikanische Diözese Saltillo wechseln, um dort eine neue Gemeinschaft
zu errichten.
Der sogar von ‘Golias’ als „progessiv“ bezeichnete Bischof von Saltillo, Mons. Raul Vera
Lopez, gewährte den flüchtigen Schwestern zunächst Aufnahme.
Die Abreise war für Ende Januar/Anfang
Februar vorgesehen. Doch der Vatikan nahm auf den Bischof Einfluß und stoppte das Unternehmen.
Nach
Angaben von ‘Golias’ planen die dissidenten Schwestern jetzt, nach Spanien auszuweichen, wo entsprechende
Angebote von Diözesanbischöfen vorliegen sollen.
Mehr als 120 Schwestern sind – so ‘Golias’ – gegenwärtig
abreisebereit. Dazu kommen die Schwestern des Priorates von Princeville in den Vereinigten Staaten.
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