Orden
„Wir segeln auf Sicht“
Der kirchliche Verantwortliche für die kontemplativen Johannesschwestern hat sich in einem Interview zu Wort gemeldet.
Webseite des Priorats der kontemplativen Johannesschwestern in Murat
Webseite des Priorats der kontemplativen Johannesschwestern in Murat
(kreuz.net) Im Juni 2009 stellte Philippe Kardinal Barbarin von Lyon – der kirchliche Obere der ‘Familie des Heiligen Johannes’ – bei den kontemplativen Johannessschwestern schwere Leitungsprobleme fest.

Darum enthob er Schwester Alix (85) ihres Amtes. Sie war eine enge Mitarbeiterin von Pater Marie Dominique Philippe bei der Gründung der Gemeinschaft im Jahr 1982 und Generaloberin seit dieser Zeit.

Gleichzeitig ernannte Kardinal Barbarin in Übereinstimmung mit Rom eine neue Generaloberin.

Das berichtete der emeritierte Bischof von Nizza, Mons. Jean Bonfils (79), am 26. Januar in einem Interview mit der katholischen Pariser Tageszeitung ‘La Croix’.

Mons. Bonfils ist der Päpstliche Kommissar für die kontemplativen Johannesschwestern und damit deren Generaloberer.

Wir müssen uns beeilen

Der Bischof muß eingestehen, daß die durch Kardinal Barbarin ergriffenen Maßnahmen „von einer gewissen Anzahl Schwestern“ nicht angenommen wurden.

Weil die Schwierigkeiten weitergingen, ernannte die vatikanische Ordenskongregation darum Mons. Bonfils zum Päpstlichen Kommissar für die kontemplativen Johannesschwestern. Er wurde beauftragte, die Einheit wiederherzustellen: „Ich habe die Machtbefugnisse der Generalpriorin.“

Im weiteren ordnete die Kongregation an, daß vier Schwestern aus dem ehemaligen Generalrat sich distanzieren und keinen Einfluß mehr auf den Rest der Gemeinschaft ausüben sollten.

Mons. Bonfils weiß, daß eine außerordentliche Leitung der Gemeinschaft durch einen Fremden keine „gesunde Situation“ ist: „Wir müssen uns darum beeilen, um aus dieser Situation herauszukommen.“

Zugleich fügt Mons. Bonfils zu: „Wir segeln auf Sicht“.

Ein Richtungsstreit

Er glaubt, daß die Gemeinschaft gerade eine „Wachstumskrise“ durchlebt: „Jedes Institut muß nach der Gründungsperiode eine Phase der Institutionalisierung durchschreiten.“

Die Gemeinschaft sei jetzt an diesem Punkt angelangt: „Schwester Alix ist in einem Alter, um ihr Amt abzugeben.“

Auch das Kirchenrecht sieht vor, daß die Oberen „nicht zu lange und ohne Unterbrechung in ihren Leitungsämtern verbleiben“ – erklärt Mons. Bonfils.

Er ist der Meinung, daß die Schwestern sich auch über die Identität ihres Charismas einig werden müssen.

Dieses Charisma sei in den Konstitutionen der Gemeinschaft und in den Schriften von Pater Philippe „ziemlich klar“ dargelegt: „Aber es kann verschiedene Weisen geben, es zu leben.“

Wie in jeder Gemeinschaft müsse ein Ausgleich gefunden werden – „zum Beispiel zwischen der Zeit für das Gebet, für biblische und theologische Studien, für die Einsamkeit, das liturgische und gemeinschaftliche Leben, die Entspannung, die Handarbeit…“

Doch: „Gewisse Schwestern betonen eher das Leben in Einsamkeit, andere die Studien, wieder andere das Gemeinschaftsleben.“

Man spricht nicht mehr miteinander

Mons. Bonfils ist gegenwärtig dabei, ein Generalkapitel zusammenzurufen.

Dadurch möchte er den von ihm ernannten gegenwärtigen Generalrat der Schwestern ausweiten, „um zu versuchen, alle Richtungen einzubeziehen, die es innerhalb der Gemeinschaft gibt.“

Dabei ist sich Mons. Bonfils im klaren, daß man nicht von „Richtungen“ ausgehen kann, um die Einheit zu schaffen und daß eine Ordensgemeinschaft keine demokratische Institution im weltlichen Sinn ist.

Die Situation ist für den Bischof nicht einfach: „Gegenwärtig sind nicht alle bereit zusammenzuarbeiten, aber wir werden sehen.“

Ein „bescheidener Versuch des Dialoges“ ist nach Angaben von Mons. Bonfils in Gang gekommen.

Der Bischof beabsichtigt, in den kommenden Monaten zwei aufeinanderfolgende Generalkapitel einzuberufen – „eines über das Charisma der Gemeinschaft und, zur gegebenen Stunde, ein zweites für die Wahl der Generalpriorin.“

Offene Fragen

In der Zwischenzeit ließ er den Schwestern ein Arbeitspapier zukommen, über das sie nachdenken sollen.

In dem Dokument stellt Mons. Bonfils den Schwestern mehrere Fragen, zum Beispiel über die konkrete Umsetzung des Ordenscharismas und über ihr Verhältnis zur Ortskirche und zum Bischof.

Die Frage, ob die vier entfernten Schwestern, an dem Generalkapitel teilnehmen werden, vereint Mons. Bonfils: „Das erlaubt ihnen ihre gegenwärtige provisorische kanonische Situation nicht. Sie macht es für sie unmöglich zu wählen oder gewählt zu werden.“

Mons. Bonfils ist in persönlichem Kontakt mit jeder von ihnen: „Ich richte es so ein, daß sie über unsere Anstrengungen, aus der Krise herauszukommen, informiert sind.“

Der Bischof bemühe sich auch, daß ihre gegenwärtige Entfernung aus der Gemeinschaft „nicht zu lange dauert“.

Auf die Frage, ob die Gefahr einer Spaltung der Gemeinschaft besteht, antwortet Mons. Bonfils: „Ich habe meinen Auftrag nicht erhalten, um eine Spaltung abzusegnen, sondern um die Einheit zu bewahren. Dafür arbeite ich.“

Zugleich schränkt er ein: „Aber ich habe nicht alles unter Kontrolle“.

Auswirkungen auch auf die Johannesbrüder

Ein aktueller Plan eines Großteils der Gemeinschaft, in die mexikanische Diözese Saltillo zu wechseln, wurde von Rom nicht genehmigt.

Auf eine Frage nach den Auswirkungen der Krise auf die anderen Teile der Johannes-Familie erklärt Mons. Bonfils zunächst: „Pater Marie-Dominique Philippe wollte enge Bande zwischen den drei Teilen der Familie.“

Darum hat Bischof Bonfils einen engen Beraterkreis gebildet, zu dem der Generalprior der Brüder und die Generalpriorin der apostolischen Schwestern gehören.

Teil dieses Gremiums sind auch zwei emeritierte Äbtissinnen, die von Kardinal Barbarin ausgewählt und vom Heiligen Stuhl bestätigt wurden.

Mons. Bonfils fügt hinzu: „Es scheint mir, daß die apostolischen Schwestern im Frieden sind. Dagegen gibt es kleine Auswirkungen bei einigen Johannesbrüdern.“

„Es ist nicht meine Sache, darüber zu urteilen, sondern meine Mission besteht darin, die Einheit des Ganzen zu fördern.“
      
14 Lesermeinungen
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#14   rums   12:10:42 | Freitag, 29. Januar 2010
@lateiniheini
Doch,den hab ich doch direkt angesprochen…
Ja gut, dann wird der „Kreis“ der Freude größer.
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#13   Regina 1961   12:10:05 | Freitag, 29. Januar 2010
Lateiniheini
Paß doch mal ein wenig besser auf: Die Blömsche kamen von mir!!!!
Regina
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#12   lateiniheini   12:06:38 | Freitag, 29. Januar 2010
@rums
Doch,den hab ich doch direkt angesprochen… :-]
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#11   rums   12:05:06 | Freitag, 29. Januar 2010
@lateiniheini
Ähhh, danke für die blumen, aber was gibts denn an kairos auszusetzen?
Nichts, den hatten sie ja auch nicht explizit in der Aufzählung der Vernünftigen genannt.
Blumen?
Ich hatte meiner Freude nur einen Ausdruck verliehen.
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#10   lateiniheini   11:59:10 | Freitag, 29. Januar 2010
@rums
Ähhh, danke für die blumen, aber was gibts denn an kairos auszusetzen?
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#9   rums   11:57:20 | Freitag, 29. Januar 2010
@lateiniheini
(…)Ich denke jedoch, dass wir Vernünftigen hier (und dazu zähle ich Sie,mich, Leute wie regina, siggi, luteranerinu.v.a.)
(Hervorhebung von mir)
:-D :-D :-D
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#8   Regina 1961   11:55:31 | Freitag, 29. Januar 2010
@lateiniheini
:(3 :(3 :(3 :&)
Regina
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#7   Luteranerin †   11:52:53 | Freitag, 29. Januar 2010
lateiniheini
Ich denke jedoch, dass wir Vernünftigen hier (und dazu zähle ich Sie, mich, Leute wie regina, siggi, luteranerin u.v.a.) vom Grundsatz her argumentieren, dass Abtreibung möglichst verhindert werden sollte!
Erstmal danke für die :(3 :(3 . Das was du sagst ist 100% richtig.
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#6   lateiniheini   11:42:47 | Freitag, 29. Januar 2010
@regina @kairos
@regina
Ich will in ja prinzipiell auch in ruhe lassen! Aber das ewige Gejammere meines röm.-kath. Umfeldes geht mir langsam auf den S… :-] ;-)
Obwohl es dem Rheinländer ja eigentlich egal ist, wer unter ihm Erzbischof ist… ;-)
@kairos
In der Tat! Das Thema Abtreibung/Schwangerschaftsabbruch ist ein Thema, das könnte man tage- und wochenlang diskutieren! Wir würden uns weitestgehend im Kreis drehen! Allein schon bei der Frage, ab wann denn nun das Leben beginnt, wird es unterschiedliche Auffassungen geben. Ich denke jedoch, dass wir Vernünftigen hier (und dazu zähle ich Sie, mich, Leute wie regina, siggi, luteranerin u.v.a.) vom Grundsatz her argumentieren, dass Abtreibung möglichst verhindert werden sollte! Und wir reden hier gewiss nicht nur über das vollkommene Unding von sog. Spätabtreibungen. Regina hat völlig Recht, wenn sie schreibt, dass man sich viel zu wenig um die Problematiken besonders der Frauen kümmert! Die Frauen (häufig allein mit sich und der Welt) müssen das Kind schließlich nicht nur gebären, sondern auch großziehen, erziehen und für eine liebevolle und behütete Umgebung sorgen! Das Gebären ist das eine, was folgt ist das andere! Die sogenannten Lebensschützer erwecken den Eindruck „Hauptsache gebären, taufen, danach ist erstmal egal“! Ich muss mich aber mit den jeweiligen Frauen auseinandersetzen, um überhaupt helfen zu können! Nur so kann man Frauen überzeugen, ein Kind zur Welt zu bringen.
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#5   Regina 1961   11:30:40 | Freitag, 29. Januar 2010
Mensch, lateini
laß doch den armen Kardinal in Ruhe. Die paar Jährchen, die er noch hat…
Regina
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#4   lateiniheini   11:28:07 | Freitag, 29. Januar 2010
@kairos
Ich sehe schon, Sie wissen, wovon ich rede…! Wir sind halt Rheinländer! Können Sie denn auch mit meinem Posting an Dr. Heger was anfangen…?
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#3   John-Boy   11:23:56 | Freitag, 29. Januar 2010
Nun, was soll das
denn für ein bericht sein? Weder geht es um Pius-Brüder oder ähnlich lebende durchgeknallte Nonnen, noch um Homos oder Juden. Wo liegt hier der Unterhaltungswert?
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#2   Kairos †   11:10:01 | Freitag, 29. Januar 2010
@ lateiniheini
ich mache mit!!!
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#1   lateiniheini   10:50:57 | Freitag, 29. Januar 2010
Noch länger???
Auch das Kirchenrecht sieht vor, daß die Oberen „nicht zu lange und ohne Unterbrechung in ihren Leitungsämtern verbleiben“
Vielleicht können wir uns ja jetzt hier im Rheinland auf das Kirchenrecht berufen, um Meisner loszuwerden… :-] ;-)
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