10:43:58 | Freitag, 29. Januar 2010
Der kirchliche Verantwortliche für die kontemplativen Johannesschwestern hat sich in einem Interview zu Wort gemeldet.

Webseite des Priorats der kontemplativen Johannesschwestern in Murat
(kreuz.net) Im Juni 2009 stellte Philippe Kardinal Barbarin von Lyon – der kirchliche Obere der ‘Familie
des Heiligen Johannes’ – bei den kontemplativen Johannessschwestern
schwere Leitungsprobleme fest.
Darum
enthob er Schwester Alix (85) ihres Amtes. Sie war eine enge Mitarbeiterin von
Pater Marie Dominique Philippe
bei der Gründung der Gemeinschaft im Jahr 1982 und Generaloberin seit dieser Zeit.
Gleichzeitig ernannte
Kardinal Barbarin in Übereinstimmung mit Rom eine neue Generaloberin.
Das berichtete der emeritierte
Bischof von Nizza, Mons. Jean Bonfils (79), am 26. Januar in einem Interview mit der katholischen Pariser
Tageszeitung ‘La Croix’.
Mons. Bonfils ist der Päpstliche Kommissar für die kontemplativen Johannesschwestern
und damit deren Generaloberer.
Wir müssen uns beeilenDer Bischof muß eingestehen, daß die durch
Kardinal Barbarin ergriffenen Maßnahmen „von einer gewissen Anzahl Schwestern“ nicht angenommen wurden.
Weil die Schwierigkeiten weitergingen, ernannte die vatikanische Ordenskongregation darum Mons. Bonfils
zum Päpstlichen Kommissar für die kontemplativen Johannesschwestern. Er wurde beauftragte, die Einheit
wiederherzustellen: „Ich habe die Machtbefugnisse der Generalpriorin.“
Im weiteren ordnete die Kongregation
an, daß vier Schwestern aus dem ehemaligen Generalrat sich distanzieren und keinen Einfluß mehr auf
den Rest der Gemeinschaft ausüben sollten.
Mons. Bonfils weiß, daß eine außerordentliche Leitung
der Gemeinschaft durch einen Fremden keine „gesunde Situation“ ist: „Wir müssen uns darum beeilen, um
aus dieser Situation herauszukommen.“
Zugleich fügt Mons. Bonfils zu: „Wir segeln auf Sicht“.
Ein Richtungsstreit
Er glaubt, daß die Gemeinschaft gerade eine „Wachstumskrise“ durchlebt: „Jedes Institut muß nach der
Gründungsperiode eine Phase der Institutionalisierung durchschreiten.“
Die Gemeinschaft sei jetzt an
diesem Punkt angelangt: „Schwester Alix ist in einem Alter, um ihr Amt abzugeben.“
Auch das Kirchenrecht
sieht vor, daß die Oberen „nicht zu lange und ohne Unterbrechung in ihren Leitungsämtern verbleiben“ –
erklärt Mons. Bonfils.
Er ist der Meinung, daß die Schwestern sich auch über die Identität ihres
Charismas einig werden müssen.
Dieses Charisma sei in den Konstitutionen der Gemeinschaft und in den
Schriften von Pater Philippe „ziemlich klar“ dargelegt: „Aber es kann verschiedene Weisen geben, es zu
leben.“
Wie in jeder Gemeinschaft müsse ein Ausgleich gefunden werden – „zum Beispiel zwischen der Zeit
für das Gebet, für biblische und theologische Studien, für die Einsamkeit, das liturgische und gemeinschaftliche
Leben, die Entspannung, die Handarbeit…“
Doch: „Gewisse Schwestern betonen eher das Leben in Einsamkeit,
andere die Studien, wieder andere das Gemeinschaftsleben.“
Man spricht nicht mehr miteinanderMons.
Bonfils ist gegenwärtig dabei, ein Generalkapitel zusammenzurufen.
Dadurch möchte er den von ihm ernannten
gegenwärtigen Generalrat der Schwestern ausweiten, „um zu versuchen, alle Richtungen einzubeziehen, die
es innerhalb der Gemeinschaft gibt.“
Dabei ist sich Mons. Bonfils im klaren, daß man nicht von „Richtungen“
ausgehen kann, um die Einheit zu schaffen und daß eine Ordensgemeinschaft keine demokratische Institution
im weltlichen Sinn ist.
Die Situation ist für den Bischof nicht einfach: „Gegenwärtig sind nicht alle
bereit zusammenzuarbeiten, aber wir werden sehen.“
Ein „bescheidener Versuch des Dialoges“ ist nach Angaben
von Mons. Bonfils in Gang gekommen.
Der Bischof beabsichtigt, in den kommenden Monaten zwei aufeinanderfolgende
Generalkapitel einzuberufen – „eines über das Charisma der Gemeinschaft und, zur gegebenen Stunde, ein
zweites für die Wahl der Generalpriorin.“
Offene FragenIn der Zwischenzeit ließ er den Schwestern
ein Arbeitspapier zukommen, über das sie nachdenken sollen.
In dem Dokument stellt Mons. Bonfils den
Schwestern mehrere Fragen, zum Beispiel über die konkrete Umsetzung des Ordenscharismas und über ihr
Verhältnis zur Ortskirche und zum Bischof.
Die Frage, ob die vier entfernten Schwestern, an dem Generalkapitel
teilnehmen werden, vereint Mons. Bonfils: „Das erlaubt ihnen ihre gegenwärtige provisorische kanonische
Situation nicht. Sie macht es für sie unmöglich zu wählen oder gewählt zu werden.“
Mons. Bonfils
ist in persönlichem Kontakt mit jeder von ihnen: „Ich richte es so ein, daß sie über unsere Anstrengungen,
aus der Krise herauszukommen, informiert sind.“
Der Bischof bemühe sich auch, daß ihre gegenwärtige
Entfernung aus der Gemeinschaft „nicht zu lange dauert“.
Auf die Frage, ob die Gefahr einer Spaltung
der Gemeinschaft besteht, antwortet Mons. Bonfils: „Ich habe meinen Auftrag nicht erhalten, um eine Spaltung
abzusegnen, sondern um die Einheit zu bewahren. Dafür arbeite ich.“
Zugleich schränkt er ein: „Aber
ich habe nicht alles unter Kontrolle“.
Auswirkungen auch auf die JohannesbrüderEin aktueller Plan
eines Großteils der Gemeinschaft, in die mexikanische Diözese Saltillo zu wechseln, wurde von Rom nicht
genehmigt.
Auf eine Frage nach den Auswirkungen der Krise auf die anderen Teile der Johannes-Familie
erklärt Mons. Bonfils zunächst: „Pater Marie-Dominique Philippe wollte enge Bande zwischen den drei
Teilen der Familie.“
Darum hat Bischof Bonfils einen engen Beraterkreis gebildet, zu dem der Generalprior
der Brüder und die Generalpriorin der apostolischen Schwestern gehören.
Teil dieses Gremiums sind auch
zwei emeritierte Äbtissinnen, die von Kardinal Barbarin ausgewählt und vom Heiligen Stuhl bestätigt
wurden.
Mons. Bonfils fügt hinzu: „Es scheint mir, daß die apostolischen Schwestern im Frieden sind.
Dagegen gibt es kleine Auswirkungen bei einigen Johannesbrüdern.“
„Es ist nicht meine Sache, darüber
zu urteilen, sondern meine Mission besteht darin, die Einheit des Ganzen zu fördern.“
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