Konklave
Hat Kardinal Ratzinger bei seiner Wahl zum Papst geweint?
Der Kardinal von Santiago de Chile hat sich am Mittwoch in Rom den Journalisten gestellt. Bei dieser Gelegenheit kamen auch einige Details über das Konklave zur Sprache.
(kreuz.net, Rom) „Ich weiß nicht, ob Kardinal Joseph Ratzinger geweint hat“, erklärte Kardinal Errázuriz von Santiago de Chile am Mittwoch vor der Presse auf die Frage, wie der neugewählte Papst auf seine Wahl reagiert haben.

„Ich brauche nämlich eine Brille, weil ich nicht mehr gut sehe“, meinte der chilenische Kardinal und Präsident der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz (CELAM) mit einem Lächeln.

Es gibt im Vatikan das berühmte Tränenzimmer. Dorthin wird der neugewählte Papst nach seiner Wahl hingeführt, um die weiße Soutane anzulegen. Das sei ein Augenblick, bei dem mancher neue Papst in Tränen ausbreche.

„Ich weiß nicht, ob das bei Ratzinger auch der Fall war“, meint Kardinal Errázuriz dazu: „Es gibt in diesem Zimmer zufälligerweise keine Fernsehkameras.“

Mit Nachdruck widersprach der als liberal geltende Kardinal der Behauptung, daß der neue Papst eine harte Persönlichkeit besitze: „Ich kenne ihn seit 25 Jahren. Er ist einfach, sehr herzlich, einer, der sich nicht wichtig nimmt. Er besitzt kein persönliches Fahrzeug, ist sehr intelligent, ein großer Theologe, ein Kulturphilosoph.“

Kardinal Errázuriz hat in seiner Zeit als Ordensmann jahrelang als Oberer der Schönstattpatres in Deutschland gelebt und spricht sehr gut Deutsch.

Er erzählte auch, daß es Kardinal Angelo Sodano als Vizedekan der Kardinäle zugefallen sei, dem Neugewählten seine Wahl mitzuteilen: „Eigentlich hätte Ratzinger diese Mitteilung machen müssen, wäre er nicht selber zum Papst gewählt worden.“

„Papst sein ist eine sehr schwere Last. Es gibt viele Erwartungen. Der Kardinal, der gewählt wird, ist arm dran. Er trägt eine gewaltige Verantwortung. Ich glaube nicht, daß es viele Kandidaten für das Papstamt gibt“, meinte der Erzbischof von Santiago.

Kardinal Errázuriz erwähnte auch, daß er in der chilenischen Presse als Papabile genannt worden sei: „Eine meiner Nichten, die in Santiago de Chile lebt, las einen entsprechenden Artikel und erzählte anschließend ihren Freundinnen, daß ihr Onkel zum Papst gewählt werde und daß sie selber die Absicht habe, nach Rom zu überzusiedeln.“

Viele lateinamerikanische Kardinäle wurden in der Presse als mögliche Papabili genannt. In den Abstimmungen während des Konklave sei das allerdings nicht zum Ausdruck gekommen.

Der Kardinal erklärte, daß es während der Wahl des neuen Papstes keine Allianzen oder Absprachen, dafür aber viel Gebet gegeben habe, „um Gott zu bitten, daß er uns den Namen des Papstes bekanntgebe.“

Die Schnelligkeit der Wahl lasse sich menschlich nicht erklären.
      
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