11:01:52 | Donnerstag, 11. Februar 2010
Er war Erzbischof, Jesuit, Kardinal, bekannter Theologe und Peritus am Zweiten Vatikanischen Konzil. Als er starb, war der Skandal perfekt.

Kardinal Jean Daniélou auf der Webseite der Académie française
(kreuz.net) Pater Jean Daniélou war ein Jesuit, berühmter Theologe und Peritus beim Zweiten Vatikanum.
Im April 1969 ernannte ihn Papst Paul VI. († 1978) zum Erzbischof und Kardinal. Im Jahr 1972 wurde Kardinal
Daniélou in die Académie française aufgenommen.
Er starb 69jährig. Die Umstände seines Todes am
20. Mai 1974 in Paris produzierten einen riesigen Presseskandal.
Kardinal Daniélou starb nämlich an
einem Herzschlag im Treppenhaus eines Pariser Bordells – an der Schwelle der Wohnung der anmutigen aber
zweifelhaften Madame Santoni, genannt Mimi, die jahrelang als Showgirl in einem Pariser Etablissement
auftrat.
In der Folge unterstellte die Presse dem Kardinal ein unehrenswertes Leben.
Dazu veröffentlichte
Filippo Rizzi in der italienischen Tageszeitung ‘Avvenire’ einen Beitrag.
Rizzi erwähnt darin das postum
erschienene Buch „La fedeltà, trasgressione e follia per il mondo“ des katholischen Schriftstellers und
Journalisten Paolo Giuntella († 2008).
Giuntella schreibt in dem Buch: „Kardinal Daniélou von der Académie
française besuchte Magdalena und wurde vom Heiligen Geist niedergestreckt – in äußerlich offenbar zweideutigen
Umständen (in Wahrheit aber in Umständen der Heiligkeit und Liebe), weil er sein Leben um den Preis
seiner Ehre verlor und für uns alle ein Stück Himmel gewann, weil er uns zwingt, unseren dummen Moralismus
in den Kübel zu werfen.“
Nach dem Tode des Kardinals schoß sich besonders die satirische Wochenzeitung
‘Le Canard enchainé’ auf den Kardinal ein. Die Zeitung spann ein Netz von nie bewiesenen Unterstellungen
gegen die Person des Verstorbenen.
Unterstellungen kamen sogar von seiten einiger Jesuiten.
Dagegen
stellte sich die französische Bischofskonferenz und die Tageszeitungen ‘La Croix’ und ‘Le Figaro’ hinter
den Verstorbenen.
Dessen Ehre verteidigten auch der französische Kurienkardinal Gabriel-Marie Garrone
(† 1994), der Schweizer Theologe und Kardinal Charles Journet († 1975) und vor allem sein Mitbruder, Studienkollege
und späterer Kardinal, Pater Henri de Lubac († 1991).
Unter den Verteidigern von Pater Daniélou war
auch der Jesuit und Philosoph, Pater Xavier Tilliette (88):
„In der Zeit des gedemütigten Todes von
Kardinal Daniélou zerbrach etwas in mir“ – schrieb er: „Das war eine schmerzhafte Zeit. Ich eilte dem
Freund zu Hilfe, und man trug mir auf zu schweigen. Angeblich schuldig, hatte der große Apostel und Wissenschaftler
lange Zeit einen befleckten Ruf. Inzwischen haben die Verleumdungen aufgehört. Aber sie haben mich an
der Gesellschaft Jesu und an ihrem brüderlichen Geist zweifeln lassen.“
Es war bekannt, daß Kardinal
Daniélou viel Zeit für das Apostolat an kirchlich Fernstsehenden – Prostituierten, Künstlern, psychisch
Kranken oder Homosexuellen – verwendete.
Auch Madame Santoni bestätigte vor den französischen Medien,
daß ihre Beziehung zu dem Jesuiten völlig unschuldig war.
In seinen postum veröffentlichten Erinnerungen
beschreibt Kardinal Daniélou den Sinn seines „antikonformistischen“, „nicht klerikalen“ Apostolates an
den Fernstehenden.
Schon seinem Freund, dem Orientalisten und Theologen Louis Massignon († 1962), vertraute
er seine pastoralen Erfahrungen in den vergessenen Quartieren von Paris an.
Im Jahr 1938 schrieb Pater
Daniélou in seinem geistlichen Tagebuch, um Christi willen bereit zu sein, „entehrt zu werden, auch in
den Augen derer, die ich liebe, wenn Christus es zuläßt.“
Entsprechend schrieb sein Freund und Nachfolger
in der Académie française, der Dominikaner, Pater Ambroise-Marie-Robert Carré († 2004): „Er stab unter
Umständen, die von häßlichen Verleumdern ausgenützt wurden. Sein heroisches Gelübde wurde erhört.“
Der Jesuit und Studienkollege, Kardinal Henri de Lubac, erinnerte später an die große Schlichtheit
und Strenge „ohne jeden Pharisäismus“, in der Kardinal Daniélou in Paris lebte, „ohne Fahrzeug und Sekretärin“.
Kardinal de Lubac schreibt auch von einer „Diffamationskampagne von seiten seiner Mitbrüder“:
„Er blieb
lächelnd, brüderlich und dienstbereit. In ihm gab es keine Bitterkeit und keinen Groll. Darin war er
vor allem dem Evangelium nahe. Genau darum habe ich ihn am meisten geschätzt.“
Am 13. Juni 2007 erwähnte
Papst Benedikt XVI. während einer Katechese, die dem Eusebius von Cäsarea gewidmet war, Kardinal Daniélou
und nannte ihn einen „herausragenden Gelehrten der Väter“.
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