Klerus
Doch kein Skandal
Er war Erzbischof, Jesuit, Kardinal, bekannter Theologe und Peritus am Zweiten Vatikanischen Konzil. Als er starb, war der Skandal perfekt.
Kardinal Jean Daniélou auf der Webseite der Académie française
Kardinal Jean Daniélou auf der Webseite der Académie française
(kreuz.net) Pater Jean Daniélou war ein Jesuit, berühmter Theologe und Peritus beim Zweiten Vatikanum.

Im April 1969 ernannte ihn Papst Paul VI. († 1978) zum Erzbischof und Kardinal. Im Jahr 1972 wurde Kardinal Daniélou in die Académie française aufgenommen.

Er starb 69jährig. Die Umstände seines Todes am 20. Mai 1974 in Paris produzierten einen riesigen Presseskandal.

Kardinal Daniélou starb nämlich an einem Herzschlag im Treppenhaus eines Pariser Bordells – an der Schwelle der Wohnung der anmutigen aber zweifelhaften Madame Santoni, genannt Mimi, die jahrelang als Showgirl in einem Pariser Etablissement auftrat.

In der Folge unterstellte die Presse dem Kardinal ein unehrenswertes Leben.

Dazu veröffentlichte Filippo Rizzi in der italienischen Tageszeitung ‘Avvenire’ einen Beitrag.

Rizzi erwähnt darin das postum erschienene Buch „La fedeltà, trasgressione e follia per il mondo“ des katholischen Schriftstellers und Journalisten Paolo Giuntella († 2008).

Giuntella schreibt in dem Buch: „Kardinal Daniélou von der Académie française besuchte Magdalena und wurde vom Heiligen Geist niedergestreckt – in äußerlich offenbar zweideutigen Umständen (in Wahrheit aber in Umständen der Heiligkeit und Liebe), weil er sein Leben um den Preis seiner Ehre verlor und für uns alle ein Stück Himmel gewann, weil er uns zwingt, unseren dummen Moralismus in den Kübel zu werfen.“

Nach dem Tode des Kardinals schoß sich besonders die satirische Wochenzeitung ‘Le Canard enchainé’ auf den Kardinal ein. Die Zeitung spann ein Netz von nie bewiesenen Unterstellungen gegen die Person des Verstorbenen.

Unterstellungen kamen sogar von seiten einiger Jesuiten.

Dagegen stellte sich die französische Bischofskonferenz und die Tageszeitungen ‘La Croix’ und ‘Le Figaro’ hinter den Verstorbenen.

Dessen Ehre verteidigten auch der französische Kurienkardinal Gabriel-Marie Garrone († 1994), der Schweizer Theologe und Kardinal Charles Journet († 1975) und vor allem sein Mitbruder, Studienkollege und späterer Kardinal, Pater Henri de Lubac († 1991).

Unter den Verteidigern von Pater Daniélou war auch der Jesuit und Philosoph, Pater Xavier Tilliette (88):

„In der Zeit des gedemütigten Todes von Kardinal Daniélou zerbrach etwas in mir“ – schrieb er: „Das war eine schmerzhafte Zeit. Ich eilte dem Freund zu Hilfe, und man trug mir auf zu schweigen. Angeblich schuldig, hatte der große Apostel und Wissenschaftler lange Zeit einen befleckten Ruf. Inzwischen haben die Verleumdungen aufgehört. Aber sie haben mich an der Gesellschaft Jesu und an ihrem brüderlichen Geist zweifeln lassen.“

Es war bekannt, daß Kardinal Daniélou viel Zeit für das Apostolat an kirchlich Fernstsehenden – Prostituierten, Künstlern, psychisch Kranken oder Homosexuellen – verwendete.

Auch Madame Santoni bestätigte vor den französischen Medien, daß ihre Beziehung zu dem Jesuiten völlig unschuldig war.

In seinen postum veröffentlichten Erinnerungen beschreibt Kardinal Daniélou den Sinn seines „antikonformistischen“, „nicht klerikalen“ Apostolates an den Fernstehenden.

Schon seinem Freund, dem Orientalisten und Theologen Louis Massignon († 1962), vertraute er seine pastoralen Erfahrungen in den vergessenen Quartieren von Paris an.

Im Jahr 1938 schrieb Pater Daniélou in seinem geistlichen Tagebuch, um Christi willen bereit zu sein, „entehrt zu werden, auch in den Augen derer, die ich liebe, wenn Christus es zuläßt.“

Entsprechend schrieb sein Freund und Nachfolger in der Académie française, der Dominikaner, Pater Ambroise-Marie-Robert Carré († 2004): „Er stab unter Umständen, die von häßlichen Verleumdern ausgenützt wurden. Sein heroisches Gelübde wurde erhört.“

Der Jesuit und Studienkollege, Kardinal Henri de Lubac, erinnerte später an die große Schlichtheit und Strenge „ohne jeden Pharisäismus“, in der Kardinal Daniélou in Paris lebte, „ohne Fahrzeug und Sekretärin“.

Kardinal de Lubac schreibt auch von einer „Diffamationskampagne von seiten seiner Mitbrüder“:

„Er blieb lächelnd, brüderlich und dienstbereit. In ihm gab es keine Bitterkeit und keinen Groll. Darin war er vor allem dem Evangelium nahe. Genau darum habe ich ihn am meisten geschätzt.“

Am 13. Juni 2007 erwähnte Papst Benedikt XVI. während einer Katechese, die dem Eusebius von Cäsarea gewidmet war, Kardinal Daniélou und nannte ihn einen „herausragenden Gelehrten der Väter“.
      
16 Lesermeinungen
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#17   unbestechlicher   20:22:11 | Samstag, 13. Februar 2010
Danielou
Alte Kamelle. Nichts Neues. Gähn. Der Mann hat sich um sozial benachteiligte Menschen gekümmert. Das war auch einer seiner Jobs. Und pikant für einen Jesuiten in der gegenwärtigen Diskussion um Missbrauch von Kindern: Missbrauch dieser Art konnte man ihm nicht vorwerfen. Halleluhja.
Gruß und Gottes Segen vom Unbestechlichen :-D :-D :-D
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#16   karljosef   15:43:50 | Donnerstag, 11. Februar 2010
krawatten priester
und puff-kardinal :-D
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#15   Ottonis   14:36:24 | Donnerstag, 11. Februar 2010
1974 –
wofür man besondes schwärmt
wenn es wieder aufgewärmt
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#14   Lycobates   14:26:47 | Donnerstag, 11. Februar 2010
Daniélou @Janos
Nach anderen Quellen (Tagebücher zu 1972-1976 („La bouteille à la mer“) Julien Greens in der Pléiade, wenn ich mich recht entsinne, hier nicht zur Hand, muß ich nachprüfen) soll der Besuch des Paters Daniélou bei der zwielichtigen Dame mit einer Erpressungssache zusammenhängen, in der eine hochgestellte (politische) Persönlichkeit verwickelt war, die den Pater um seine diesbezügliche Hilfe gebeten hatte.
Das ist an sich glaubwürdig, ob es stimmt, weiß nur der Herrgott.
Schuldhafter Bordellbesuch oder nicht, jedenfalls stimmt leider auch, wie hier geschrieben wurde, daß Pater Daniélou einer der Herolde der nouvelle théologie war, trotz seiner hervorragenden Verdienste um die Patristik.
Er übersetzte 1927 auch das Libretto von Jean Cocteau für die Stravinsky-Oper „Oedipus Rex“ ins Lateinische.
Warum aber jetzt diese alte Bordellgeschichte hier aufgewärmt wird, ist mir ein Rätsel. Lassen wir den Pater in Frieden ruhen!
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#13   kammerjäger   14:12:53 | Donnerstag, 11. Februar 2010
Erfindung ist gut!
Sollte es mich einmal im Bordell erwischen (die Chancen dafür sind zwar denkbar gering), sagt doch bitte meiner Frau, dass ich gegen die bösen, bösen Freimaurer ermittelt habe. Oder ich im Geheimauftrag ihrer Majestät auf dem Weg war, das klingt auch gut! :-D
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#12   Janos-der-Finstere   13:35:36 | Donnerstag, 11. Februar 2010
möglicherweise eine Erfindung
so viel ich weiss war Kardinal Danielou im Begriffe das Wirken der Freimaurer aufzudecken. Deswegen wurde ihm der Besuch im Bordell unterschoben. Aber vielleicht weiss jemand mehr
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#11   timpressum †   11:55:54 | Donnerstag, 11. Februar 2010
Puff ist besser
Wenigstens ist er in einen Puff gegangen und nicht in ein katholisches Mädcheninternat…
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#10   Pius XII   11:44:27 | Donnerstag, 11. Februar 2010
Das Bordell ist nicht das Problem
eher die Theologie: Danielou war neben de Lubac und Congar einer der Herolde der nouvelle theologie.
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#8   Lorenz   11:31:34 | Donnerstag, 11. Februar 2010
An Sefirot
„Aber tot muss der Kardinal schon sein, sonst könnte
kein neues Leben entstehen.“
Sie meinen sicherlich, dass das übernatürliche Leben erst durch den Verlust des natürlichen Lebens gewonnen werden kann.
Ihr Kommentar liest sich so pantheistisch.
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#7   hiti   11:31:11 | Donnerstag, 11. Februar 2010
@Sefirot: Doch, wir wissen es,
es steht im Evangelium:
Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs ? Er ist doch nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden.
kurz vorher steht auch etwas von Engeln.
Ob dieser Kardinal gerettet ist oder nicht, das wissen wir nicht.
Ansonsten gibt es keinen Zweifel.
fg
Hiti
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#6   engelhardt †   11:23:01 | Donnerstag, 11. Februar 2010
Meine Guete
Er war nicht der erste Kleriker, der im Puff starb.
Hurerei, Voellerei, Konkubinen und Kinder waren und sind bei Katholischen Geistlichen doch seit jeher Normalzustand.
Anders als frueher wird das heutzutage aber unter den Teppich gekehrt und geleugnet.
Ich erinnere mal an all die Paepste, die Nachwuchs zeugten und sich darueber nicht mal schaemten.
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#5   Sefirot   11:20:54 | Donnerstag, 11. Februar 2010
hiti: Das ist eine Annahme
…kraft Glaubens können wir das annehmen. Wissen tun
wir es nicht.
Aber tot muss der Kardinal schon sein, sonst könnte
kein neues Leben entstehen.
Denn nur durch den Tod kommt Leben in die Welt und es ist immer das Leben, das den Tod verschlingt… :-)
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#4   Lycos   11:18:56 | Donnerstag, 11. Februar 2010
Es zeigt nur mal wieder das die,
die sich die Presse als unfehlbaren Gott gewählt haben, den Manipulationen des >:) immer mehr auf dem Leimgehen und das ihr gewählter breiter Weg ein Holzweg ist.
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#3   hiti   11:15:50 | Donnerstag, 11. Februar 2010
Er ist nicht tot,
seine Seele ist dort, wo Gott es für gerecht hält.
fg
Hiti
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#2   Sefirot   11:11:44 | Donnerstag, 11. Februar 2010
Ist es wirklich notwendig, die peinliche
Sache nochmals breizutreten. Kardinal Danielou ist tot…
und man sollte das so anerkennen. Er ist der menschlichen Gerichtsbarkeit vpöllig entzogen…
und das ist gut so… :-)
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#1   Domenico Tuttisanti   11:11:13 | Donnerstag, 11. Februar 2010
„DANIÉLOU, Jean“
Artikel im BBK:
>>> hier www.bbkl.de/d/danielou.shtml <<<
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