15:04:30 | Freitag, 22. April 2005
Benedikt XVI.
Der letzte Vortrag von Kardinals Ratzinger am Ort des heiligen Benedikt wirft ein Licht auf das Pontifikat des neuen Papstes: Das größte Hindernis für ein moralisches Leben ist der politische Moralismus. Von Papst Benedikt XVI.
(kreuz.net) Es gibt heute einen neuen Moralismus, dessen Schlüsselwörter Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung
der Schöpfung sind. Das sind Begriffe, die wesentliche moralische Werte, die wir alle notwendig haben,
zum Ausdruck bringen.
Aber dieser Moralismus bleibt vage und schlittert damit fast unausweichlich in
die Sphäre der Politik und der Parteien. Er ist vor allem eine Hinwendung an andere und zu wenig eine
persönliche Verpflichtung unseres täglichen Lebens.
Was bedeutet „Gerechtigkeit“? Wer definiert sie?
Was dient dem Frieden?
In den letzten Jahrzehnten haben wir auf unseren Straßen und Plätzen zur Genüge
sehen können, wie der Pazifismus in einen zerstörerischen Anarchismus und in den Terror abgleiten kann.
Der politische Moralismus der 60er Jahre, dessen Wurzeln ganz und gar nicht tot sind, war ein Moralismus,
der auch Jugendliche voller Ideale zu faszinieren vermochte.
Aber er war ein fehlgeleiteter Moralismus,
weil ihm eine gelassene Vernünftigkeit fehlte. Er stellte schließlich die politische Utopie über die
Würde des einzelnen Menschen und bewies sogar, dazu fähig zu sein, den Menschen im Namen großer Ziele
zu verachten.
Der politische Moralismus, wie wir ihn erlebt haben und immer noch erleben, öffnet keinen
Weg zu einer Erneuerung, sondern blockiert ihn geradezu.
Das gleiche gilt folglich für ein Christentum
und für eine Theologie, die den Kern der Botschaft Christi – das „Reich Gottes“ – auf die „Werte des
Reiches“ reduzieren, indem sie diese Werte mit den großen Schlachtrufen des politischen Moralismus identifizieren
und diesen Moralismus zugleich als Synthese der Religionen verkünden.
Auf diese Weise gerät Gott in
Vergessenheit, obwohl gerade er das Subjekt und der Grund des Reiches Gottes ist.
An seiner Stelle bleiben
große Worte – und Werte – die sich jeder Art des Mißbrauchs anbieten.
Aus der Rede, die Kardinal Ratzinger
am Vorabend des Todes von Johannes Paul II. in Subiaco anläßlich der Verleihung des „Preises des Heiligen
Benedikt für die Förderung des Lebens und der Familie in Europa“ gehalten hatGroße Worte und Werte
Der Titanenkampf um EuropaWen beleidigen die christlichen Wurzeln Europas?Gehört die Türkei in
die Europäische Union?Hat die Menschheit den Stein der Weisen entdeckt?Zweimal: nein!Ist die Aufklärung
kurzerhand abzulehnen?Warum Benedikt?
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