Den Gläubigen, die an einer Papstliturgie teilgenommen oder sie im Fernsehen mitverfolgt haben, ist er vertraut: der Kreuzstab des Papstes. Seit wann gibt es ihn? Was bedeutet er? Von Ulrich Nersinger, Vatikanspezialist.
(kreuz.net) Nur wenige Tage nach der Wahl und Krönung Pauls VI. im Jahre 1963 rief der Privatsekretär
des Papstes den italienischen Bildhauer Lello Scorzelli an.
Monsignore Pasquale Macchi bat den Künstler,
einen Hirtenstab für Paul VI. zu schaffen.
Kein Papst habe bisher einen benutzt. Der Heilige Vater wünsche
aber einen zu besitzen. Der Künstler möge sich an dem Stab der Bischöfe orientieren, aber auch von
der einzigartigen Stellung des Stellvertreters Christi Zeugnis geben.
Schon kurze Zeit später zeigte
sich Paul VI. mit der neuen Insignie auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In der Hand hielt der Papst
einen aufrechten Stab, an dessen oberem Ende ein Kruzifix angebracht war.
Der Kreuzstab war dem Hirtenstab
der Bischöfe und Äbte nachempfunden. Das Fehlen einer Krümme wies jedoch symbolisch darauf hin, daß
die Hirtengewalt des Papstes durch keine andere Gewalt auf Erden begrenzt ist.
Johannes Paul I. und Johannes
Paul II. übernahmen wie selbstverständlich den Kreuzstab von ihrem jeweiligen Vorgänger. Auch Papst
Benedikt XVI. setzte diese Tradition fort.
Der neue Papst benutzte den Stab bereits bei der heiligen
Messe, die er am Tag nach seiner Wahl mit den Kardinälen in der Sixtinischen Kapelle zelebrierte.
1993
schrieb Lello Scorzelli: „Dreißig Jahre ist mein Werk um den ganzen Erdkreis gereist; Menschen aller
Völker haben es gesehen und verehrt, es befand sich in den Händen Pauls VI. und Johannes Pauls I., und
ist nun in jenen Johannes Pauls II.
Es ist zum Zeichen der universellen Kirche Christi geworden.“
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