Buchbesprechung
Immerhin ein Anfang
Ein atheistischer deutscher Schriftsteller ist kürzlich auf Erkenntnisse gekommen, die andere vor ihm besser und schärfer formuliert haben. Von Timo Kaiser.
Stillleben über die Unmäßigkeit des Schweizer Malers Albert Anker (†1910)
Stillleben über die Unmäßigkeit des Schweizer Malers Albert Anker († 1910)
(kreuz.net) Die beiden Tageszeitungen ‘Münchner Merkur’ und ‘Oberbayerisches Volksblatt’ veröffentlichten kürzlich die „Rede an die Jugend“ des gottlosen deutschen Schriftstellers Sten Nadolny (67).

Der dem linken Lager zuneigende Schriftsteller bezeichnet sich darin als „ungläubigen Thomas“, obwohl er protestantisch erzogen wurde.

Nadolny erklärt, daß ihm die katholischen Todsünden immer „herzlich schnuppe“ gewesen seien, bis er sich einmal aus literarischen Gründen mit ihnen beschäftigte.

Er fand sie dann doch sehr interessant und kam zur Erkenntnis, sie würden nur „fälschlicherweise“ Todsünden heißen:

„Denn korrekter wäre in diesem Fall Hauptsünden oder auch Charaktersünden.“

Todsünden – Holzstiche von Hieronymus Cock
Superbia - StolzInvidia - NeidIra - Zorn

Der Schriftsteller gesteht ein, daß sie seelisch, geistig oder sogar körperlich zum Tode führen können – „wenn man es mit ihnen übertreibe“. Darum möchte er sie „Übertreibungssünden“ nennen.

Verfällt man ihnen, ist das übel – erkennt Nadolny.

Begeht man sie aber ganz und gar nicht, würde man wohl auch krank, trübsinnig oder auf irgendeine Weise ein Verlierer werden:

„Ein bißchen mit Geld umgehen zu können, nachzurechnen und zu schauen, wo man bleibt, ist nur nützlich und noch nicht Habsucht.“

Ein bißchen neidisch zu werden darauf, was andere können und erreichen, sei noch kein Haß, sondern sporne eher an.

„Essen muß jeder, aber bitte nicht so, daß irgendwann der Arzt kommen muß“ – fährt er weiter:

„Gegen Sex ist gar nichts einzuwenden, fatal nur, wenn man rein gar nichts anderes mehr im Kopf hat.“

Zum Zorn müsse man hin und wieder fähig sein, um uns für Gerechtigkeit einzusetzen – „wenn er aber rasend wird, verdirbt er alles, und auch uns selber.“

Die menschliche Würde brauche durchaus ein wenig Stolz: „Es sollten aber keine zu hohen Stelzen daraus werden, von denen wir aus wir auf andere herunterschauen, kein Dünkel, keine Überheblichkeit.“

„Nur einer Trägheit des Herzens – nehme ich an – können wir ganz aus dem Weg gehen. Oder brauchen wir sie doch manchmal? Ich wüßte nicht so recht, wo.“

Schließlich erkennt der Schriftsteller: „Alles, was im Leben nützlich ist, wichtig und angenehm ist, kann in irgendeine Unfreiheit oder Sucht ausarten, und die kann sogar das Leben kosten.“

Kommt hier vielleicht doch ein Glaube durch, den er heute noch ablehnt?

Nadolnys Erkenntnisse sind zweifellos ein netter Anfang.

Würde er sich mit den Ausführungen des Heiligen Thomas von Aquin († 1274) zu dem Thema befassen, könnte er zweifellos sehr davon profitieren.
      
11 Lesermeinungen
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#11   biomilch   13:46:55 | Freitag, 26. Februar 2010
@Doofi
Weil jeder ständig lügt, meist kleinere Lügen, die das Zusammenleben erleichtern.
Ist eine ganz praktikable Lösung.
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#10   Genoveva   11:34:01 | Freitag, 26. Februar 2010
@Navon: Wenn ich das richtig verstehe, …
… dann hast Du Deine Thomas-Zitate bei Herrn Deschner gelesen, einem sicher ausgewiesenen Experten für die Übersetzung und Interpretation mittelalterlicher theologischer Texte.
Kannst Du mir wenigstens die Fundstellen bei Deschner nennen?
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#9   Dolfi   11:16:20 | Freitag, 26. Februar 2010
!!!!!
Bezeichnender Weise zählt die Lüge für die Christen nicht zu den Todsünden.
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#8   Freya.   01:21:11 | Freitag, 26. Februar 2010
mal ehrlich
So jetzt mal ehrlich ,ich bezweifle stark dass dieser Schriftsteller zum Glauben finden wird (das hoffe ich zumindest) Er gibt jediglich zu das in der Bibel nicht nur Schwachsinn steht sondern auch hier und da was Nützliches , jedoch ist es auch eine Sache der Interpretation denn wenn man es einfach so hinnimmt bedeutet es : TU DAS JA NICHT!!!!!!!! In diesem Artikel steht jedoch das man das alles bitte tun soll aber nicht übertreiben ! Das ist schon ein gehöriger Unterschied.
Ach und ich finde es sehr eigenartig dass diese frauenfeindlichen Aussagen hier unterstützt werden, es wurde zwar angeführt dass diese Verse aus dem Zusammenhang gerissen wurden aber ich bezweifle dass der Rest des Geschreibsel die Aussage besser macht. Ich glaube auch Gläubige dürfen ruhig zugeben dass nicht jeder der meint im Namen Gottes zu handeln ,es auch tatsächlich tut also mal ehrlich, das ist doch nicht euer Ernst ?!
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#7   Navon   23:35:37 | Donnerstag, 25. Februar 2010
@ Chrysanthus:
Kann ja sein dass Dir die chauvinistischen und dämlichen Aussagen deines Kirchenleerers unangenehm sind, nichts desto trotz stammen sie von Thomas von Aquin. Und ja, ich habe dessen Machwerke gelesen (ok, in der Übersetzung, aber die war von einem Katholiken).
Herr Deschner gibt immer seine Quellen an und noch nie ist er da widerlegt worden. Lerne damit leben, dass Euer Kult auch seine dunklen Seiten hat. Dank der allgemeinen Bildung lässt sich das kaum mehr werretuschieren.
von den antikirchlichen Schmierfinken kolportiert
Ich weiß ja, dass Katholiken sich immer für edler, moralischer und generell besser halten und Deine herablassenden Äußerungen bestätigen mich voll in der Meinung. Siehst du mich so über Dich schreiben?
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#6   Chrysanthus   20:09:58 | Donnerstag, 25. Februar 2010
Genoveva.
Es sind immer dieselben paar Zitate, die von den antikirchlichen Schmierfinken kolportiert werden. Stellenangaben können die höchstens aus dem Spiegel oder aus Deschner bringen. Von Thomas von Aquin haben die nie etwas anderes gelesen.
In der Bibel steht ja auch drin: „Es gibt keinen Gott“.
Allerdings heißt es dort weiter: „Spricht der Tor in seinem Herzen.“
Thomas von Aquin führt bei seiner scholastischen Methode, wenn er eine Quaestio behandelt, oft gegnerische Argumente an. Vielleicht sind die Zitate von dort genommen?
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#5   Izmet Necist   18:54:23 | Donnerstag, 25. Februar 2010
Immerhin ein Anfang
Stillleben über die Unmäßigkeit des Schweizer Malers Albert Anker († 1910)
Was hat dieses Bild mit dem Inhalt zu tun?
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#4   Genoveva   18:40:02 | Donnerstag, 25. Februar 2010
@Navon: Kannst Du mir …
… bei Gelegenheit einmal die Fundstellen Deiner Thomas-Zitate nennen?
Vielen Dank im voraus …
Mary Cruz: Der „ungläubige Thomas“ ist ein Apostel und hat mit dem mittelalterlichen Kirchenlehrer nur den Namen gemeinsam ;-)
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#3   Mary Cruz   18:21:16 | Donnerstag, 25. Februar 2010
Thomas v. Aquin
Solche Aussagen können nur ihn selber disqualifizieren – nicht die Frau.
Wie man bei diesen bösartigen Aussagen von einer Bekehrung dieses Antichristen sprechen kann, ist mir ein Rätsel.
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#2   Navon   16:57:02 | Donnerstag, 25. Februar 2010
Interpretration
Schließlich erkennt der Schriftsteller: „Alles, was im Leben nützlich ist, wichtig und angenehm ist, kann in irgendeine Unfreiheit oder Sucht ausarten, und die kann sogar das Leben kosten.“ Kommt hier vielleicht doch ein Glaube durch, den er heute noch ablehnt?
Nein, auch wenn der „Autor“ denkt, hier eine große kultistische Interpretation vorgenommen zu haben. Aus der zitierten Arbeit des Mannes lässt sich heraus lesen, dass er sich eingehender mit den Menschen beschäftigt hat als die Erfinder der Bibel
Nadolnys Erkenntnisse sind zweifellos ein netter Anfang.
Sie sind kein Anfang, sie sind durchdachter und differenzierter als die sture Einhaltung von Geboten und das undifferenzierte Betrachten von „Todsünden“.
Thomas von Aquin
Was will man von dem denn relevantes lernen?
So elementare Dummheiten wie:
„Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen.“
„Ein männlicher Fötus wird nach 40 Tagen, ein weiblicher nach 80 Tagen ein Mensch. Mädchen entstehen durch schadhaften Samen oder feuchte Winde.“
„Die Frau ist ein Mißgriff der Natur… mit ihrem Feuchtigkeits-Überschuß und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger…eine Art verstümmelter, verfehlter, mißlungener Mann…die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann.“
„Auch darin begeht die Kirche kein Unrecht, daß sie, da die Juden Sklaven der Kirche sind, über deren Güter verfügen kann.“
Hasserfüllter Kultist wegen Sexmangel!
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#1   Waldemar Michael   16:51:52 | Donnerstag, 25. Februar 2010
was soll dieser Artikel hier ???
Hier geht es doch nicht um „Homoverbrechen“, was soll dann dieser Artikel hier?
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