09:38:01 | Donnerstag, 4. März 2010
„Tausende von Geistlichen und Ordensbrüdern“ und „Tausende von kirchlichen Sexualverbrechern“ betrieben „planmäßige die sittliche Vernichtung Tausender von Kindern und Kranken“.

(kreuz.net) Ab Mai 1936 begann das NS-Regime mit einer großangelegten Aufdeckung angeblicher sexueller
Mißbräuche in der Katholischen Kirche.
Das Ziel war es, den sexuellen Mißbrauch systematisch und verallgemeinernd
in den Medien auszuschlachten, um das Kirchenvolk vom Klerus zu entfremden.
Das mußte das antikirchliche,
deutsche Straßenmagazin ‘Spiegel’ am 11. Oktober 1971 zugeben.
Goebbels tritt persönlich aufDen Höhepunkt
des Kirchenkampfes markierte der Propaganda-Minister Joseph Goebbels († 1945) durch einen persönlichen
Auftritt.
Am 28. Mai 1937 sprach er in der vollgetrommelten Berliner Deutschlandhalle und ließ seine
Rede über alle Reichssender übertragen.
Darin behauptete der Propaganda-Minister einen allgemeinen
Sittenverfall im Klerus, „wie er in diesem erschreckenden und empörenden Ausmaß kaum noch einmal in
der gesamten Kulturgeschichte der Menschheit festzustellen ist“.
„Tausende von Geistlichen und Ordensbrüdern“
und „Tausende von kirchlichen Sexualverbrechern“ betrieben „planmäßige sittliche Vernichtung Tausender
von Kindern und Kranken“.
Im Klerus grassiere „herdenmäßige Unzucht“.
Der abgefallene Katholik Goebbels
erklärte in der Rede, darob von „heiligem Zorn“ sowie „maßloser Wut“ übermannt zu werden.
Die Gläubigen
widerstehen der NS-PropagandaDas damals noch gläubige Kirchenvolk wandte sich freilich nicht von seinen
Hirten ab.
„Nie waren die Gotteshäuser voller und die Prozessionen länger gewesen“ – erklärt der ‘Spiegel’.
In Hirtenbriefen und Denkschriften wehrten sich die Bischöfe gegen die staatlich gelenkten Verleumdungen.
Der Bischof von Berlin und spätere Kardinal, Mons. Konrad Graf von Preysing († 1950), wies in einer
Statistik nach, daß die NS-Zahlenangaben maßlos übertrieben waren.
Während der ganzen Sittenkampagne
wurden nach Angaben des ‘Spiegels’ „nur 150 Laienbrüder und 45 Priester verurteilt“.
Von ungezählten
Kanzeln herab warnten Geistliche vor der Propaganda der gleichgeschalteten Zeitung.
Der ‘Spiegel’ zitiert
einen gewissen Franziskaner, Pater Megl, der im Juni 1937 in einer Münchner Predigt sagte:
„Die Jugend
wird heute angelogen, daß sich die Balken biegen, und sogar der Vater hat darüber hinwegzusehen, wie
die Jugend schmutziges Wasser trinken muß.“
Die Propaganda wird unterbrochenNach Angaben des ‘Spiegels’
bremste Reichskanzler Adolf Hitler die Propaganda-Walze seines Propaganda-Ministers, als diese gerade
„optimal rotierte“.
Denn am 7. März 1936 ließ der Führer die Wehrmacht ins entmilitarisierte Rheinland
einrücken. Er wollte dabei nicht von Kirchengezänk gestört werden.
Prozesse und Mißbrauchs-Propaganda
wurden gestoppt. Denn am 29. März benötigte Hitler für eine Volksabstimmung auch die Gunst der Katholiken.
Anschließend – April 1936 – gingen die Prozesse samt Propaganda weiter.
Im August war wieder Schluß.
weil die ausländischen Gäste der Berliner Olympischen Spiele nicht schockiert werden sollten.
Auf die
Spiele folgte der Nürnberger „Parteitag der Ehre“. Auch hier paßte „Anti-Kirchenhetze“ – wie der ‘Spiegel’
schreibt – nicht zur Schau der „inneren Einheit“.
Hitler erpreßt den KardinalDanach versuchte Hitler
den Münchner Kardinal Michael von Faulhaber († 1952) zu überreden, daß die Kirche sich loyal hinter
die NS-Politik stelle.
Dafür werde er „die Klosterprozesse aus der Welt schaffen“.
Die deutschen Bischöfe
zögerten den Handel hinaus.
Doch als der Papst im März 1937 das NS-Regime vor aller Welt in der denkwürdigen
Enzyklika „Mit brennender Sorge“ anprangerte, ließ Hitler die Prozeßwelle wieder anrollen.
Sein Ziel:
Nur noch „alte Weiblein“ sollten vor den Kanzeln hocken.
Doch schon Ende Juli 1937 war plötzlich wieder
Schluß.
Der Reichsjustizminister wurde angewiesen, die Sitten-Prozesse „bis auf weiteres“ auszusetzen.
Bis auf vereinzelte Fälle wurden sie nie wieder aufgenommen.
Denn nach Angaben des Münchner Historikers
Hans Günter Hockerts (65) in seiner im Jahr 1971 erschienenen Studie „Die Sittlichkeitsprozesse gegen
katholische Ordensangehörige und Priester 1936/37“ absorbierte das Kriegsrisiko und der Kriegswille die
Interessen von Adolf Hitler.
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