16:56:24 | Mittwoch, 10. März 2010
Im Firmunterricht benutzt der neue Churer Weihbischof die Sprache der Jugendlichen: Das Gebet erklärt er als „online sein mit Gott und Christus“. Ferner mahnt er die Jugendlichen, nicht ständig im Standby-Modus zu leben.

Pressebild von Weihbischof Eleganti des Bistums Chur
(kreuz.net, Chur) Alle Institutionen, die mit Kindern arbeiten, ziehen manchmal auch Personen mit der
Neigung zur Kinderschänderei an.
Das sagte der neue Weihbischof von Chur, Mons. Marian Eleganti, Ende
Februar im Interview mit der Schweizer katholischen Nachrichtenagentur ‘Kipa’.
„Im außerkirchlichen
Bereich ist das sogar noch viel häufiger als in der Kirche.“
Die Kinderschänderei ist nur für Katholiken
ein VerbrechenMons. Eleganti fordert, alle gesellschaftlichen Bereiche in den Blick zu nehmen und nach
dem gleichen Maß zu messen.
Als Beispiel nennt er den Fall des Kinderschänders
Roman Polanski: „Es
war doch erstaunlich, daß sogar die liberale Seite und die Kunstwelt sein Vergehen heruntergespielt haben.“
Der Weihbischof betonte ferner, daß es zwischen dem Zölibat und der Kinderschänderei „erwiesenermaßen
keinen Zusammenhang“ gibt.
Mitglied bei der inzwischen regulierten „Familie Mariens“Im Interview erzählte
der Weihbischof auch über seine Zeit bei der damals kirchlich noch nicht anerkannten Gemeinschaft ‘Familie
Mariens’.
Mons. Eleganti war von Ende 1977 bis Mitte 1990 Mitglied der Gemeinschaft.
Diese Zeit betrachtet
der Weihbischof als „große Lebensschule“.
Die religiöse Welt könne zu einem Dschungel werden: „Wer
im Dschungel nicht selber ums Leben gekämpft hat, der kann auch nicht die Rolle eines sicheren Führers
übernehmen.“
Als Problem der ‘Familie Mariens’ beschreibt Mons. Eleganti das Selbstverständnis des
Gründers und seiner Privatoffenbarungen.
„Da gab es nur noch die eigene religiöse Subjektivität: Der
Einzelne fühlt sich dann immer ganz gott-unmittelbar.“
Die Kirche mußte den Gründer schließlich vom
Priesteramt suspendieren und die Gemeinschaft geriet – so Mons. Eleganti – „an den Rand der Kirche“.
Der Weihbischof selber hatte von Anfang an Schwierigkeiten mit dem Gründer.
Inzwischen ist die Gemeinschaft
kirchlich anerkannt worden.
Ein Funktionär in den GremienIn seinem neuen Amt als Weihbischof für
die Bistumskantone Zürich und Glarus hat Mons. Eleganti bereits mehrere Dienststellen besucht.
Er arbeitet
gemeinsam mit dem Generalvikar, Kanonikus Josef Annen, der ihn auch in der Unterschrift vertreten kann.
Hw. Annen ist für das gesamte Personalwesen, Moderation und die Leitung des Generalvikariates zuständig.
Mons. Eleganti könnte diesen Bereich nach eigenen Angaben nicht zusätzlich übernehmen.
„Ich bin zuständig
für den Kontakt zu den circa achtzehn Dienststellen und den Pfarreien, für die seelsorglichen Bereiche,
Leitbilder und Strategien, die Vertretung nach außen.“
Dafür sitzt er rund zehn regelmäßig tagende
Konferenzen ab: die Bischofskonferenzen, Dekanenkonferenzen, Priesterrat, Seelsorgerat et cetera.
Trotzdem
sieht sich der Weihbischof „nicht als reinen Funktionär“:
„Wenn man festlegt, wie der Oberstufenunterricht
gestaltet wird, wie Katechetinnen ausgebildet werden oder an welchen Leitbildern sich die Bahnhofsseelsorge
oder das Aidspfarramt orientieren sollen, hat das sehr viel mit Seelsorge zu tun und mit Feinfühligkeit:
Was braucht es? Wo liegen die Probleme? Was sind das für Menschen, und wie kann man sie abholen?“
Sport
und Freizeit kommen bei den neuen Aufgaben zu kurz – so der frühere Benediktinerabt.
Online mit Gott
Im Interview bedauert Mons. Eleganti auch ein „Christentum ohne Christus“:
„Christus ist noch viel mehr
als eine Gründergestalt, eine moralische Größe und ein Vorbild: Er ist Gott und Mensch.“
Im Firmunterricht
benutzt der Weihbischof die Sprache der Jugendlichen. Er erklärt das Gebet als „online sein mit Gott
und Christus“.
Ferner mahnt er die Jugendlichen, nicht ständig im Standby-Modus zu leben.
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wort 14:02:14 | Donnerstag, 11. März 2010