12:32:32 | Montag, 15. März 2010
Unschuldige Opfer der deutschen Mißbrauchs-Hysterie: Der Abt von Ettal und der Leiter der dortigen Schule sind sofort öffentlich zu rehabilitieren und gehören wieder in ihre Ämter eingesetzt.

Der zurückgetretene Abt der Benediktinerabtei Ettal, Barnabas Bögle OSB
© Pressefoto Abtei Ettal(kreuz.net) Ein externer Ermittler im Benediktinerkloster Ettal hat den bisherigen Abt Barnabas und den
amtierenden Leiter der dortigen Schule, Pater Maurus, gelobt.
Das erklärte der Kölner Psychiater Manfred
Lütz in einem Artikel für die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’.
Der Abt war seit 2005 und der Schulleiter
seit 1997 im Amt.
Ende Februar wurde Abt Barnabas in einer undurchsichtigen Nacht- und Nebelaktion vom
Erzbistums München und Freising
zum Rücktritt gedrängt.
Der Schulleiter mußte ihm kurz darauf folgen.
Man hatte ihm gedroht, andernfalls die Klosterschule zu schließen.
Kloster Ettal

© Gemeinfrei

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Keine Mißbräuche
„Ausgerechnet die hatte es aber zuerst getroffen“ – kritisiert Lütz jetzt:
„Mittlerweile liegen schriftliche
Beweise vor, daß beide in der Aufregung der ersten Stunden zu Unrecht zum Rücktritt gedrängt wurden.“
Lütz weiß wovon er spricht. Denn im Jahre 2005 sprach ihn der damals gerade neugewählte Abt auf einen
Pater an, der bei einem Schüler Grenzen überschritten hatte:
„Abt und Schulleiter schilderten mir in
aller Offenheit und geradezu mit Akribie, daß dieser Pater einen auf dem Bauch im Bett liegenden weinenden
Jungen aus der 7. Klasse unter dem T-Shirt auf dem Rücken gestreichelt und massiert hatte.“
Es gab deswegen
Beschwerden. Andere ähnliche Grenzüberschreitungen wurden bekannt.
Der Abt entband den Pater daraufhin
sofort von jeder pädagogischen Tätigkeit. Die Eltern wurden informiert.
Anhaltspunkte auf einen sexuellen
Mißbrauch lagen keine vor.
Keine BedenkenTrotzdem riet Lütz „zur letzten Sicherheit und angesichts
der Brisanz bei einem katholischen Gymnasium“ zu einem Gutachten bei Professor Friedemann Pfäfflin in
Ulm.
Pfäfflin gehört zur Sektion Forensische Psychotherapie an der Universitätsklinikum Ulm.
Er gilt
als einer der international renommiertesten Experten auf dem Gebiet der Risikoabschätzung und wird von
der Deutschen Bischofskonferenz in entsprechenden Fällen eingeschaltet.
Das Gutachten war eindeutig:
„Der Pater habe seine Probleme mit Nähe und Distanz bereits gut reflektiert und könne in der Seelsorge,
sogar langfristig in der Jugendarbeit, selbst ohne Teameinbindung eingesetzt werden“ – berichtet Lütz.
Bei dem Pater wurden auch keine Homo-Neurosen festgestellt.
Der Geistliche wurde anschließend in das
zu Ettal gehörende Priorat ins sächsische Wechselburg versetzt. Dort arbeitete er zuerst in der Verwaltung
und jetzt in der Seelsorge und Jugendarbeit:
„Es gibt bis heute aus dieser Zeit keine einzige Klage über
Fehlverhalten“ – fügt Lütz an.
Die Erzdiözese München kommt mit dem BrecheisenIn diese Situation
griff das Erzbistum München und Freising am 23. Februar mit dem Brecheisen ein:
„Der Ansprechpartner
der Erzdiözese für Mißbrauchsopfer, Monsignore Siegfried Kneißl, las in der Aufregung offensichtlich
das Gutachten falsch“ – stellt Lütz fest.
Plötzlich sei von einem angeblichen „sexuellen Mißbrauch“
die Rede gewesen, den das Kloster dem Erzbistum hätte melden müssen.
Der Abt trat sofort zurück. Dem
Schulleiter drohte man eine Schließung der Schule, um seinen Rücktritt zu erzwingen.
Lütz zitiert
aus einem Schreiben von Professor Pfäfflin, dem der Abt die Vorgehensweise bei dem besagten Pater präzise
erklärt hatte.Pfäfflin antwortete dem Abt am 1. März:
„Der Vorwurf des sexuellen Mißbrauchs war damals
von keiner Seite erhoben worden.
Auch bei der Begutachtung durch mich fanden sich diesbezüglich keine
Anhaltspunkte.
Das in Ihrem Fax von gestern geschilderte Vorgehen halte ich, um Ihre Frage zu beantworten,
für angemessen und in Übereinstimmung mit den Vorschlägen in meinem Gutachten.“Lütz kommt zur Schlußfolgerung:
„Damit waren die Gründe für die Rücktritte hinfällig.“
Denn: „Wenn noch nicht einmal der Verdacht
auf sexuellen Mißbrauch vorlag, gab es auch keine Meldepflicht, mithin keine Meldepflichtverletzung.“
Unkompetente Verantwortliche in der Erzdiözese MünchenEin Fehlverhalten kann auch dem Schulleiter
nicht nachgewiesen werden:
„Er hatte sich auch in dem vor der Übernahme der Leitlinien der Deutschen
Bischofskonferenz durch Kloster Ettal aufgetretenen Fall von 2003 korrekt verhalten, als er einen inzwischen
verstorbenen Pater wegen 25 Jahre zurückliegender Anschuldigungen aus dem Unterricht nahm“ – erklärt
Lütz.
Harte Kritik muß der Ansprechpartner der Erzdiözese für Mißbrauchsopfer, Monsignore Siegfried
Kneißl, einstecken.
Lütz gesteht dem rührigen Monsignore einen „guten Wille zur Aufklärung“ ein.
Aber: „Er zieht daraus Schlüsse, die unter professionellem Aspekt zumindest problematisch sind.“
Als
Beispiel zitiert Lütz eine umstrittene Aussagen des Monsignores: „Im Fernsehen sagte er, daß er den
Satz »Das kann ich mir bei dem gar nicht vorstellen« aus seinem Wortschatz streichen würde.“
Lütz
kommentiert: „Diesen aus der Emotion geborenen Satz konsequent zu Ende gedacht, kann man eigentlich niemanden
mehr heiraten.“
Die Erzdiözese muß sich entschuldigenDas traurige Fazit von Lütz: „Im Nachhinein
zeigt sich, daß wohl gerade die Gewissenhaftigkeit des Schulleiters und des Abts, die sich beide höchsten
Ansehens erfreuen – der Abt ist Präses der Bayerischen Benediktinerkongregation, der Schulleiter war
lange Jahre stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung der Schulen aus Ordenstradition –, ihnen zum
Verhängnis geworden ist.“
Er läßt auch keinen Zweifel darüber, daß die beiden Geistlichen wieder
in ihre Ämter eingesetzt werden müssen:
„Diese beiden verantwortungsbewußten Leitungsfiguren, denen
Ettal seinen guten Ruf wesentlich zu verdanken hat, werden wichtig sein, um einen glaubwürdigen Neuaufbruch
zu bewirken.“
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