Ökumene
Dominikaner wird Vikar in einer reformierten Pfarrei
Die Meinungen zur letzten ökumenischen Initiative in der Stadt Zürich sind gespalten: „Ein prophetischer Akt“ meinen die einen – „prophetische Sandkastenspiele im Altersheim“ die anderen. Es sei an der Zeit, zu den über 95% von Zürcher Jugendlichen zu predigen, die nie eine Kirche von Innen sehen.
(kreuz.net, Zürich) Ein katholischer Priester ist seit letzten Freitag offiziell in der reformierten Predigerkirche in Zürich als Seelsorger tätig. P. Franz Müller, Provinzial der Schweizer Dominikaner, wurde vergangene Woche nach der in der Kirche abgehaltenen ökumenischen Freitagsvesper offiziell als Pfarrvikar begrüßt.

Die reformierte Predigerkirche war vor der Reformation die Klosterkirche der Dominikaner in Zürich. Die Dominikaner werden auch „Predigerorden“ genannt. Während der Wirren der Reformationszeit wurde die Predigerkirche in eine reformierte Kirche umgewandelt.

Seit 1999 gibt es eine Zusammenarbeit zwischen der reformierten Kirche und dem Dominikanerorden. Diese Zusammenarbeit wurde jetzt durch die Initiative der Reformierten institutionalisiert.

Die Schweizer Dominikaner haben ihre spezifische Lebensform fast ganz aufgegeben und sind sehr nach links abgedriftet. Entsprechend haben sie kaum mehr Nachwuchs.

Das Bistum Chur – Zürich gehört dazu – legte dem Vorhaben keine Steine in den Weg. Im Gegenteil. Nach Aussagen von Pater Müller auf ‘Radio kath.ch’ habe der Churer Bischof, Mons. Amadée Grab, sofort sein Einverständnis erteilt.

Der Dominikanerprovinzial glaubt, daß seine Anstellung bei den Reformierten „einen prophetischen Charakter“ habe: „Meiner Meinung nach befinden wir uns schon seit längerem in einer post-christlichen oder post-konfessionellen Zeit“, erklärte Pater Müller. Aus diesem Grund könnten sich die verschiedenen Konfessionen keine internen Grabenkämpfe mehr leisten.

Die Diözese Chur und insbesondere die Zürcher Pfarreien leiden immer noch an einer lähmenden inneren Zerrissenheit, die sich vor allem während des Widerstandes gegen den früheren Bischof von Chur, Wolfgang Haas, manifestiert hat. Klöster und Mitglieder des Dominikanerordens waren damals an vorderster Front gegen Bischof Haas aktiv. Mons. Haas wurde später von Rom nach Liechtenstein abgeschoben. Die Probleme blieben ungelöst.

Ganz ohne Schwierigkeiten war die ökumenische Institutionalisierung des neuen Vikars in Zürich dennoch nicht. So stellte sich die Frage, wie man diese „prophetische“ Art der Seelsorge mit dem geltenden Kirchenrecht in Einklang bringen könnte. Doch man habe schnell eine Lösung gefunden. Offiziell sei die katholische Seelsorge in der reformierten Gemeinde an die katholische Pfarrei Liebfrauen angebunden, auf dessen Gebiet sich die reformierte Predigerkirche befindet.

Die ökumenische Arbeit werde auch nach der offiziellen Anstellung wie seit 1999 fortgesetzt. Doch gibt es einige beachtliche Neuerungen. Jeden ersten Samstag im Monat wird zum Beispiel in der reformierten Predigerkirche eine Heilige Messe zelebriert. Aus den Mitteilungen wurde nicht klar, für wen die Messe gehalten wird. Außerdem würden in den nächsten Wochen – so der Dominikanerpater – sicher noch andere neue Ideen auftauchen, die man in der ökumenischen Seelsorge umsetzen könne.

Pater Müller wird seine Aufgabe in der reformierten Predigerkirche vorerst in einem 30% Pensum wahrnehmen. Seine Beauftragung ist von der katholischen Kirche her auf eine – wie es heißt – „Pilotphase“ von zwei Jahren beschränkt.

Die Reformierten stehen in der Schweiz – vor allem in Zürich – unmittelbar vor dem Aussterben. Ähnlich geht es den Dominikanern. In der Stadt Zürich kämpfen auch die katholischen Pfarreien mit einem starken Mitgliederschwund und einer massiven Überalterung der Kirchgänger.
      
1 Lesermeinung
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#1   Pelagius   15:33:19 | Mittwoch, 27. April 2005
Schweizer Sonderwege
Augenscheinlich ist dem Orden der heiligen Inquisition sehr daran gelegen, sein Image zu reinigen. Und den Reformierten, die ja in illo tempore mit den „Papisten“ nicht gerade zimperlich umgingen, ebenso.
Es ist nicht das erste Mal, daß sich traditionslos gewordene Nachgeburten auf einem schwindelerregend niedrigen Niveau treffen. Doch spürt man die Absicht und ist verstimmt: Hier sollen ganz offensichtlich, gedeckt von den zuständigen Hirten, Fakten geschaffen werden, mit denen aufzuräumen es eines Papstes vom Kaliber eines Sixtus V. bedürfte.
Und da – entgegen allen Einstufungen S.H. als Großinquisitor und Rottweiler-Papst – ein solcher für die nächsten Jahrzehnte wohl nicht aussteht, wird man wieder einmal viel römisches Verständnis für Schweizer Sonderwege zu erwarten haben.
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