12:38:16 | Montag, 22. März 2010
Benedikt XVI.
„Wie ein Großvater seine Enkel, weihte er uns in die Wunderwelten des musikalischen Lebens ein, und den meisten von uns war bewußt, daß wir einen der besten Lehrer hatten, die man sich denken konnte.“
(kreuz.net) Am 9. März berichtete der bayrische Musiker und Publizist Tobias Weber (43) auf seinem Blog
‘Musica in tempore’ über seine Erfahrungen bei den Regensburger Domspatzen unter Prälat Georg Ratzinger.
Weber ist ein ehemaliges Mitglied der Domspatzen und heutiger Leiter des ‘Tobias Weber Musik & Buch Verlages’
in Hofkirchen. Er ist seit 33 Jahren eng mit den Domspatzen verbunden.
Eine Feldherrenrede„Unter Domkapellmeister
Ratzinger ging es streng zu, manchmal auch sehr streng“ – erinnert er sich.
Weber berichtet über seine
erste Männerchorprobe bei den Domspatzen im Januar 1984. Der Kapellmeister eröffnete die Probe mit einer
„Feldherrnrede“:
„Für einen Chor, der ein Spitzenniveau haben und halten will, gibt es nur eine denkbare
Regierungsform: die uneingeschränkte Diktatur des Chorleiters“ – erklärte der Prälat.
Weber kommentiert:
„Die Autorität des »Cheefs« in musikalischen Belangen war für uns unantastbar, jeder ordnete sich
seinen Wünschen unter.“
Doch Prälat Ratzinger mußte seine Autorität nie mit zweifelhaften Mitteln
aufrechterhalten:
„Allerdings hatten einige wenige Mitschüler ihre liebe Not mit ihm, das sei auch nicht
verschwiegen: zumeist solche, die nicht die aus seiner Sicht unabdingbare Disziplin für den Chor mitbrachten.“
Wenn die charakterliche Zuverlässigkeit eines Sängers bei Prälat Ratzinger nicht zweifelsfrei feststand,
wurden sogar gute Sänger nicht auf Konzertreisen mitgenommen:
„Sich mit seinen Sängern bei den Konzerten
oder in den Gastfamilien zu blamieren, weil es an Anstand und Benehmen fehlte – dem wollte sich Georg
Ratzinger ungern aussetzen“ – kommentiert Weber.
Geliebt – fast wie ein OpaDoch außerhalb des Probensaales
oder der musikalischen Verpflichtungen gab es noch einen anderen Prälaten Ratzinger:
„Und diesen »Cheef«
haben wir – wenigstens die meisten von uns – tatsächlich geliebt fast wie einen Opa.“
Vor den Proben
drängten sich Scharen kleiner Sänger vor der Wohnung des Dirigenten, um ein Bonbon oder einen Keks zu
ergattern, die er stets vorrätig hatte und großzügig verteilte.
Er legte zwar stets Wert auf eine
anständige Begrüßung, „bubenhafte Frechheiten wie ein »Servus Cheef« überhörte er manchmal geflissentlich“ –
schreibt Weber.
Prälat Ratzinger war von einer ungekünstelten Freundlichkeit und hatte für jedes Anliegen
ein offenes Ohr:
„Wenn er von Sängern, sei es Knaben- oder Männerstimmen, während oder nach den Proben
auf musikalische Probleme angesprochen wurde, war er trotz aller beanspruchten Richtlinienkompetenz bereit,
auf konstruktive Vorschläge einzugehen.“
Weber verrät das Geheimnis des Erfolges des Geistlichen: „Ohne
die wechselseitige herzliche Zuneigung zwischen uns Sängern und unserem Domkapellmeister wären die großartigen
Erlebnisse dieser Jahre nicht möglich gewesen.“
Und: „Wie ein Großvater seine Enkel, weihte er uns
in die Wunderwelten des musikalischen Lebens ein, und den meisten von uns war bewußt, daß wir einen
der besten Lehrer hatten, die man sich denken konnte.“
Für das eine geachtet – für das andere geliebt
Weber erlebte den Prälaten seit früher Kindheit auch privat:
„Humorvoll und geistreich erzählte er
Anekdoten aus seinem Leben, und stets klang dabei die tiefe Liebe zur Musik und zu »seinen« Domspatzen
durch, die sein Leben prägte“.
Allerdings bekannte er einmal, daß ein Jahr als Leiter eines solchen
Knabenchores von der körperlichen und geistigen Beanspruchung her mindestens wie drei normale Lebensjahre
zähle.
Webers Zeit bei den Domspatzen war von Strenge und Disziplin im Chorbereich und gleichzeitig
von großer Menschlichkeit und Warmherzigkeit des Domkapellmeisters gekennzeichnet:
„Für das eine haben
wir ihn geachtet, für das andere aber geliebt – und die allermeisten seiner ehemaligen Schüler achten
und lieben ihn dafür auch heute noch.“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#14
Czibo 23:06:56 | Montag, 22. März 2010
#10
kristall 18:59:51 | Montag, 22. März 2010
#7
Vogel 16:31:11 | Montag, 22. März 2010
#1
Vogel 12:53:31 | Montag, 22. März 2010