Benedikt XVI.
Streng – und manchmal sehr streng
„Wie ein Großvater seine Enkel, weihte er uns in die Wunderwelten des musikalischen Lebens ein, und den meisten von uns war bewußt, daß wir einen der besten Lehrer hatten, die man sich denken konnte.“
Prälat Georg Ratzinger
Prälat Georg Ratzinger
© Roland Noé, Creative Commons Lizenz
(kreuz.net) Am 9. März berichtete der bayrische Musiker und Publizist Tobias Weber (43) auf seinem Blog ‘Musica in tempore’ über seine Erfahrungen bei den Regensburger Domspatzen unter Prälat Georg Ratzinger.

Weber ist ein ehemaliges Mitglied der Domspatzen und heutiger Leiter des ‘Tobias Weber Musik & Buch Verlages’ in Hofkirchen. Er ist seit 33 Jahren eng mit den Domspatzen verbunden.

Eine Feldherrenrede

„Unter Domkapellmeister Ratzinger ging es streng zu, manchmal auch sehr streng“ – erinnert er sich.

Weber berichtet über seine erste Männerchorprobe bei den Domspatzen im Januar 1984. Der Kapellmeister eröffnete die Probe mit einer „Feldherrnrede“:

„Für einen Chor, der ein Spitzenniveau haben und halten will, gibt es nur eine denkbare Regierungsform: die uneingeschränkte Diktatur des Chorleiters“ – erklärte der Prälat.

Weber kommentiert: „Die Autorität des »Cheefs« in musikalischen Belangen war für uns unantastbar, jeder ordnete sich seinen Wünschen unter.“

Doch Prälat Ratzinger mußte seine Autorität nie mit zweifelhaften Mitteln aufrechterhalten:

„Allerdings hatten einige wenige Mitschüler ihre liebe Not mit ihm, das sei auch nicht verschwiegen: zumeist solche, die nicht die aus seiner Sicht unabdingbare Disziplin für den Chor mitbrachten.“

Wenn die charakterliche Zuverlässigkeit eines Sängers bei Prälat Ratzinger nicht zweifelsfrei feststand, wurden sogar gute Sänger nicht auf Konzertreisen mitgenommen:

„Sich mit seinen Sängern bei den Konzerten oder in den Gastfamilien zu blamieren, weil es an Anstand und Benehmen fehlte – dem wollte sich Georg Ratzinger ungern aussetzen“ – kommentiert Weber.

Geliebt – fast wie ein Opa

Doch außerhalb des Probensaales oder der musikalischen Verpflichtungen gab es noch einen anderen Prälaten Ratzinger:

„Und diesen »Cheef« haben wir – wenigstens die meisten von uns – tatsächlich geliebt fast wie einen Opa.“

Vor den Proben drängten sich Scharen kleiner Sänger vor der Wohnung des Dirigenten, um ein Bonbon oder einen Keks zu ergattern, die er stets vorrätig hatte und großzügig verteilte.

Er legte zwar stets Wert auf eine anständige Begrüßung, „bubenhafte Frechheiten wie ein »Servus Cheef« überhörte er manchmal geflissentlich“ – schreibt Weber.

Prälat Ratzinger war von einer ungekünstelten Freundlichkeit und hatte für jedes Anliegen ein offenes Ohr:

„Wenn er von Sängern, sei es Knaben- oder Männerstimmen, während oder nach den Proben auf musikalische Probleme angesprochen wurde, war er trotz aller beanspruchten Richtlinienkompetenz bereit, auf konstruktive Vorschläge einzugehen.“

Weber verrät das Geheimnis des Erfolges des Geistlichen: „Ohne die wechselseitige herzliche Zuneigung zwischen uns Sängern und unserem Domkapellmeister wären die großartigen Erlebnisse dieser Jahre nicht möglich gewesen.“

Und: „Wie ein Großvater seine Enkel, weihte er uns in die Wunderwelten des musikalischen Lebens ein, und den meisten von uns war bewußt, daß wir einen der besten Lehrer hatten, die man sich denken konnte.“

Für das eine geachtet – für das andere geliebt

Weber erlebte den Prälaten seit früher Kindheit auch privat:

„Humorvoll und geistreich erzählte er Anekdoten aus seinem Leben, und stets klang dabei die tiefe Liebe zur Musik und zu »seinen« Domspatzen durch, die sein Leben prägte“.

Allerdings bekannte er einmal, daß ein Jahr als Leiter eines solchen Knabenchores von der körperlichen und geistigen Beanspruchung her mindestens wie drei normale Lebensjahre zähle.

Webers Zeit bei den Domspatzen war von Strenge und Disziplin im Chorbereich und gleichzeitig von großer Menschlichkeit und Warmherzigkeit des Domkapellmeisters gekennzeichnet:

„Für das eine haben wir ihn geachtet, für das andere aber geliebt – und die allermeisten seiner ehemaligen Schüler achten und lieben ihn dafür auch heute noch.“
      
12 Lesermeinungen
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#15   Heidenspaß   01:08:05 | Dienstag, 23. März 2010
Eine Grabesrede und keine Feldherrenrede
Wer sein Kind liebt der Züchtige es mit der Peitsche, das ist das Ziel der Aufsichtsklerikers im Chor. Da bekommt Nächstenliebe eine ganz neue Definition.
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#14   Czibo   23:06:56 | Montag, 22. März 2010
@StAnton
Soll unser Hl. Vater die gleiche Strenge auch gegenüber Herrn Küng oder der „Kirche von unten“ anwenden? Dann gäbe es ja ganze Massenexkommunikationen. Die Kirche ist insgesamt im Vergleich zu früheren Jahrhunderten sehr viel milder geworden. Und davon profitieren gewissermaßen rechte wie linke Extremisten.
Von daher überrascht es mich, wenn gerade eher sich liberale dünkende Kräfte nach strengen Sanktionen rufen… Wer im Glashaus sitzt…
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#13   timpressum †   22:59:39 | Montag, 22. März 2010
@St. Anton
Du meinst, wenn ein paar Watschen noch keinem geschadet haben, dann sollte x.net und sein Chefredakteur Schmidtberger mal richtig den Arsch versohlt bekommen?
Ganz Deiner Meinung!
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#10   kristall   18:59:51 | Montag, 22. März 2010
puchi!!!
frag ihn doch!!!
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#9   Puchil2 †   18:53:32 | Montag, 22. März 2010
Transparen und Aufklärung
Volle Aufrichtigkeit und Transparenz bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle fordert und verspricht der Papst in seinem Brief.
Dieser Maßstab hat auch für ihn selber zu gelten. Daher ist von ihm eine persönliche Stellungnahme zu folgenden Fragen zu fordern:
Was hat er von der seelsorglichen Tätigkeit eines aus Essen kommenden des Kindesmissbrauchs verdächtigen Priesters in der Erzdiözese München gewusst.
Was war ihm von den Missbrauchsfällen bei den Regensburger Domspatzen bekannt?
Welche schwerwiegende Fälle sexuellen Missbrauchs sind in seiner Funktion als Präfekt der Glaubenskongregation über seinen Schreibtisch gegangen und wie wurde in all diesen Fällen entschieden?
Was war ihm von den strafrechtlich relevanten Tatbeständen bezüglich sexuellen Missbrauchs rund um den Gründer der Legionäre Christi P. Maciel bekannt und welche Maßnahmen hat er in diesem Fall gesetzt?
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#8   Meinerven   17:42:18 | Montag, 22. März 2010
Frag mich auch eben…
was Brandenburgis gerade für einen Artikel gelesen hat. :-P
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#7   Vogel   16:31:11 | Montag, 22. März 2010
braucht Ihr Brillenputztücher?
Der Herr oben auf dem Bild ist Georg Ratzinger, der große Bruder vom jetzigen Papst.
In dem Artikel wird beschrieben, wie Georg Ratzinger als
Dirigent gearbeitet, daß er streng war und trotzdem beliebt – fast wie ein Opa.
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#6   unbestechlicher   15:32:51 | Montag, 22. März 2010
Der Prälat
hat auch gelegentlich Sitzmöbel speditiert. Das war aber schon sehr streng, oder?
Gottes Segen für alle Sitzmöbel-Speditöre
Der Unbestechliche :-D :-D :-D
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#5   Brandenburgis   15:00:56 | Montag, 22. März 2010
ICh erinner mich noch gut daran,
wie weiland Ratzinger als Chef der GK in Weimar eine Alte Messe feierte, ich glaube für PMT, und die Seminaristen aus Erfurt durften nicht hinfahren.
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#4   mikefiss †   13:59:28 | Montag, 22. März 2010
Häh, Skandal??
Der Papst hat doch gar keinen Gottesdienst bei und mit den Piusbrüdern gefeiert!! Oder hab ich was verpasst??
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#3   Brandenburgis   13:57:14 | Montag, 22. März 2010
Es ist ein Skandal,
daß der Papst an Gottesdiensten der Schismatiker und Häretiker teilnimmt und gleich noch (natürlich nicht katholisch) predigt.
Dies ist eindeutiger GLAUBENSABFALL und eine öffentliche Schande der schlimmsten, übelsten Art.
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#1   Vogel   12:53:31 | Montag, 22. März 2010
Herzlichen Glückwunsch
Seht Ihr, es geht doch.
Man kann auf positive Dinge erzählen, die die Menschen motivieren.
(Natürlich darf man die Augen nicht vor den negativen Ereinissen dieser Welt verschließen)
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Es wurden 3 Lesermeinungen von der Redaktion entfernt
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