11:06:22 | Freitag, 26. März 2010
Die in der Kirche beispiellose Zerstörung der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanum feiert ein himmeltrauriges Jubiläum. Ein Ende des Zusammenbruchs ist nicht in Sicht.

Das Meßbuch des Neuen Ritus.
© Lima, CC(kreuz.net) Heute vor vierzig Jahren erschien die offizielle Ausgabe des Neuen Meßbuches.
Darauf wies
der Freiburger Liturgiker, Diakon Helmut Hoping, in einem Artikel für die katholische Zeitung ‘Tagespost’
hin.
Hoping ist ein verheirateter Diakon des Erzbistums Freiburg und Vater zweier Kinder.
„Das neue
Meßbuch war das Ergebnis einer Ritusreform, wie es sie zuvor in der Geschichte der katholischen Kirche
noch nicht gegeben hatte“ – stellt er fest.
Eine Reform des BruchesDie Alte Messe beschreibt Hoping
als „in ihrer Substanz mehr als 1.500 Jahre alt ist“.
Denn: „Das Missale von 1570, das im Auftrag des
Konzils von Trient erschien, brachte insgesamt nur wenig Änderungen.“
Die Eingriffe in die römische
Messe im 20. Jahrhundert hätten die Messe dagegen stark verändert – erklärt der Liturgiker dann.
Hoping
fällt es „auf den ersten Blick“ schwer, die Einheit der beiden Riten zu erkennen:
„Von einem Bruch mit
der ‘tridentinischen’ Messe sprechen nicht nur traditionalistische Kreise wie die Piusbruderschaft, sondern
auch jene, die in der nachkonziliaren Reform eine Befreiung vom ungeliebten alten Ritus sahen.“
Der Liturgiker
beruft sich auf ein Mitglied des Rates zur Durchführung der Liturgiereform, Pater Joseph Gelineau SJ
(† 2008).
Dieser schrieb im Jahr 1979:
„Man muß es ohne Umschweife sagen: Der römische Ritus, so wie
wir ihn gekannt haben, existiert nicht mehr. Er ist zerstört.
Mauern aus dem ursprünglichen Gebäude
sind gestürzt, während andere ihr Aussehen so sehr verändert haben, daß dieses heute entweder als
Ruine erscheint oder als bruchstückhafter Unterbau eines anderen Gebäudes.“Die tätige und bewußte
Teilnahme der Gläubigen an der Messe erklärt Hoping als den inneren Mitvollzug der Liturgie.
Es gehe
nicht um „die Verteilung einzelner liturgischer Dienste auf möglichst viele Gläubige“.
Liturgie auf
dem TotenbettHoping vergleicht die Liturgie der Kirche mit einem Organismus, „der nicht beliebig verändert
werden kann, ohne sein Leben zu gefährden“.
Dann saugt er sich angebliche „positive Früchte“ der nachkonziliaren
Liturgiereform aus der Feder.
Er nennt eine deutlich sichtbarere Einheit der Meßfeier zwischen Wortgottesdienst
und Opfermesse.
Ferner betrachtet er das Chaos in der neuen Auswahl der oft unverständlichen Lesungen
als großen Gewinn.
Doch dieser Gewinn sei durch die Möglichkeit, am Sonntag doch nur eine Lesung vorzulesen,
wieder verspielt worden.
Schließlich findet Hoping die Lesungen in der Nationalsprache, die Pflichtpredigt
am Sonntag und die Einführung der Fürbitten positiv.
Sogar die drei traditionslosen Hochgebete, die
den Römischen Kanon de facto ersetzt haben, bewertet Hoping „grundsätzlich“ als Gewinn.
Dann kommt
das große Aber: „Neben Licht gibt es auch Schatten.“
Ein kleines LichtDie Eröffnung der Messe ist
für Hoping wenig überzeugend. Das vom Konzil gewünschte Stufengebet sei „dem immer ungezügelteren
Reformeifer zum Opfer“ gefallen.
Der Introitus fiel für eine „thematische Einführung des Vorstehers“ –
also einer ersten Predigt – weg.
Die drei neuen Formen statt des klassischen Schuldbekenntnisses stehen
für Hoping in einem ungeklärten Verhältnis zum Kyrie.
Ferner wertet Hoping die „fast vollständige
Eliminierung der traditionellen Offertoriumsgebete“ als Verlust:
„Einen ungeheuren kulturellen Bruch
stellt der fast vollständige Verlust der lateinischen Liturgiesprache für die eucharistische Liturgie
dar – gegen den Willen der Konzilsväter.“
Die „Inflation“ der Hochgebete nach 1970 verharmlost Hoping
als „problematisch“:
„Ein gesondertes Problem ist die Abkehr von der traditionellen Gebetsrichtung ad
orientem beziehungsweise ad Dominum, von der die Konzilsväter noch ganz selbstverständlich ausgingen.“
Ein Priester am Mahltisch sei zweitausend Jahre lang „unbekannt“ gewesen.
Die veränderte Position des
Priesters habe erhebliche Auswirkungen auf das Liturgieverständnis.
Nun dominiere der – die Blicke auf
sich ziehende – Priester.
Hoping nennt es eine „Versuchung“, daß der Geistliche „wie ein Moderator die
Gemeinde“ durch die Feier führe.
In Wahrheit ist diese Versuchung längst liturgischer Alltag geworden.
Den „mangelnden Respekt vor der liturgischen Ordnung“ beschreibt Hoping als „weit verbreitetes Phänomen“.
Schuld daran seien auch die „zum Teil radikalen Eingriffen bei der Liturgiereform“.
„Diese mußten fast
zwangsläufig den Eindruck erwecken, als ob man die Liturgie machen könne.“
Seit vierzig Jahren sei
das Resultat eine „fabrizierte Liturgie“.
Hoping plädiert wenigstens für eine „moderate Korrektur“
der Neuen Messe.
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