19:17:02 | Freitag, 9. April 2010
Dem freimaurerischen Ethos fehlt eine entscheidende moralische Dimension. Von Friedrich Romig.

Buchcover „Hinter dem Großen Orient“
(kreuz.net) Lorenz Jäger (58) – Redakteur bei der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ – hat ein Buch über
die Hintergründe der Revolutionen in der Zeit der Moderne geschrieben.
Das Verfassen eines solchen Buches
ist ein Wagnis. Doch mit der Verschwörungskeule läßt sich der renommierte Feuilleton-Redakteur der
weltbekannten Frankfurter Allgemeinen Zeitung nicht erschlagen.
Er ist ein ausgewiesener Kenner der Ideengeschichte
der Moderne, der unter anderem an so anerkannten Universitäten wie jener von Stanford lehrte.
Ein explosives
GemischJägers Buch über die „Freimaurerei und die Revolutionsbewegungen“ mit dem Obertitel: „Hinter
dem Großen Orient“ besticht durch die Zusammenschau und die klaren Schlußfolgerungen.
Für den Autor
bilden von ihrem Glauben abgefallene Juden, antiklerikale Aufklärer und Freimaurer jenes explosive Gemisch,
aus dem alle großen Revolutionen seit gut zweihundert Jahren hervorgegangen sind.
Diese Kreise verfügen
über jene ineinander verzahnten Netzwerke, in denen sich praktisch alle politischen Strömungen verfangen –
gleichgültig ob konservativ, liberal, national, zionistisch, sozialistisch, kommunistisch, faschistisch-autoritär,
demokratisch, zivilgesellschaftlich-grün oder anarchistisch.
Angeblicher „Tempel der Vernunft“Die
französische Großloge „Grand Orient“ war die erste Gruppierung von Freimaurern, die ihre Türen Juden
öffnete und deshalb die Anerkennung durch die im angelsächsischen Bereich tätigen Logen verlor.
Die
schottischen Freimaurer leisteten ihren Treueschwur auf das aufgeschlagene Johannes-Evangelium. Dagegen
war und ist die religiöse Orientierung für den Grand Orient gleichgültig.
Der Grand Orient versteht
sich als „Tempel der Vernunft“, als moralische Instanz einer Ethik, mit der alle übereinstimmen können.
Ihrem Logen-Ideal der „Humanität“ werden alle Religionen untergeordnet, säkulare „Menschenrechte“ erhalten
den Vorrang vor Gottesrechten.
Einer geheimen Leitung unterworfenSeine radikale Laizität macht den
Grand Orient zu einer Art „Kirche der Republik“.
In ihrer verwirrenden Vielfalt kommen alle von den Logen
bestimmten geistigen Tendenzen im Begriff der „Emanzipation“ oder Befreiung überein.
Diese angebliche
Befreiung bezieht sich in erster Linie auf ein Loswerden von Kirche, Glaubenssätzen und den Zwängen
einer religiös geprägten Sittenlehre.
„Zieht man die Linie der freimaurerischen Gedanken aus, dann
steht am Ende die völlig autonome Menschheit“ – heißt es bei Jäger auf Seite 136 seines Werkes:
Diese
aber ist, weil autonome, isolierte Menschenatome sich nicht selbst regieren können, „unausweichlich einer
geheimen Leitung unterworfen, einem verschwiegenen Kreis“.
Der Schwur ist erfülltNach der Auflösung
der gesellschaftlichen Bindungen in Familie, Kirche, Volk und Staat kommt ein „Völkerbund“ auf die Menschheit
zu.
Er wird die Souveränität der einzelnen Staaten aufheben, den kirchlichen Einfluß auf die Gesellschaft
ausschalten und jeden Widerstand gegen die Diktatur einer Neuen Weltordnung ersticken.
Gegen diese logenabhängige
neue Weltdiktatur werden die uns bekannten historischen Totalitarismen verblassen.
Mit dieser Herrschaftsform
hat „die Dialektik der Aufklärung ihr höchstes Stadium erreicht“ – so Jäger auf Seite 136.
Der Schwur
des Ritters Kadosch im dreißigsten Maurergrad, Thron und Altar zu vernichten sowie Priester und Könige
symbolisch zu „erdolchen“ ist dann erfüllt.
Die Namen werden genanntJägers Buch ist besonders darum
lehrreich und lesenswert, weil der Autor die konkreten Namen jener nicht verschweigt, die als hochrangige
Mitglieder des Grand Orient seit der Französischen Revolution jede «radikale, republikanische, demokratische
und sozialistische Bewegung» führend beeinflußten.
Jäger behandelt u.a. die frühkommunistischen
Agitationen, die sogenannten Freiheits-Bewegungen von 1848, die Erste Internationale, die Pariser Commune,
die jungtürkische Revolution, die russische Februarrevolution.
Unter der Fahne der Freimaurer versammeln
sich Jakobiner, Terroristen, Königsmörder, Vaterlandsverräter, Betrüger, Bankiers, Buchfälscher,
Journalisten, Politberater, Parteiführer, Staatsoberhäupter, Minister, EU- und Sowjetkommissare, Parlamentsabgeordnete,
aber auch Zierden der Aufklärung und der Wissenschaft
Immer agieren sie als Zersetzer der traditionellen
gesellschaftlichen Ordnung und Förderern des Chaos.
Der isolierte Mensch„Ordo ab chao“ war bereits
das Motto eines der ersten Jakobiner auf deutschem Boden.
Auf den ersten Seiten seines Buches beschreibt
Jäger das Leben und Wirken des deutschen Naturforschers, Revolutionärs und Freimaurers Georg Forster
(† 1794).
Hier bei ihm kommt die so verhängnisvolle Verbindung von Aufklärung, Freimaurerei und Jakobinertum
musterhaft ans Licht.
Jäger zieht die Linien dieser Verbindung bis hin zu den Umwälzungen durch den
Feminismus, die Legalisierung der Kinderabtreibung und der aktiven Sterbehilfe sowie der Embryonenverwertung
und Stammzellenforschung in unseren Tagen.
Sein Schluß: „Es fehlt dem freimaurerischen Ethos eine entscheidende
moralische Dimension“.
Herausgelöst aus der Gemeinschaft, „wird das Individuum zum Atom“ (Seite 135) –
ausgeliefert der „Kultur des Todes“. Sein Leben ist verfügbar.
Freimaurer sind exkommuniziert!Verdienstvoll
und unmißverständlich streicht Jäger auf den ersten Seiten seines Buches die Unvereinbarkeit von Freimaurerei
und katholischer Kirche heraus:
„Eine Organisation aber, die sich als ‘Tempel’ ausgab, einen überkonfessionellen
Gott statuierte, einen anderen als den christlichen Kalender einführte und eine eigene Weihe erteilte,
mußte an sich schon in einen Widerspruch zur Kirche geraten“ – „Eine Art Kirche der Republik kann per
definitionem nicht die Kirche Christi sein.“
Jäger zitiert in diesem Zusammenhang unter genauer Quellenangabe
die noch heute gültige vatikanische Erklärung zur Freimaurerei vom 26. November 1983.
Sie erklärt,
daß „die Gläubigen, die freimaurerischen Vereinigungen angehören, sich im Stande der schweren Sünde
befinden und nicht die heilige Kommunion empfangen können“.
Die Herrschaft des Antichristen wird vorbereitet
Manchen Äbten und sogar Kardinälen scheint diese Erklärung nicht bekannt zu sein. Jedenfalls halten
sich viele nicht daran.
Dabei entspricht sie der fast zwei Jahrhunderte lang immer festgehaltenen Verurteilung
der Freimaurerei durch die Kirche.
In dieser Verurteilung drückt sich – wie Jäger betont – nicht Verschwörungswahn
oder mangelnde Toleranz der Kirche aus.
Sie ist vielmehr der Reflex auf die Zielsetzung der Logen, durch
Relativierung der christlichen Religion oder – wie im Falle des Grand Orient – durch die radikale Emanzipation
oder Loslösung von Gott den Boden für die Herrschaft des Antichrist aufzubereiten.
Wer sich noch tiefer
mit den Hintergründen von Revolutionen befassen will, dem sei das Buch von Louis Israel Newman († 1975)
über den „Jewish Influence on Christian Reform Movements“ angeraten.
Empfehlenswert ist auch das jüngst
erschienene, leider noch nicht ins Deutsche übersetzte Standardwerk von E. Michael Jones „The Jewish
Revolutionary Spirit and Its Impact on World History“.
Lorenz Jäger: Hinter dem Großen Orient. Freimaurerei
und Revolutionsbewegungen. Karolinger-Verlag, Wien 2009. 141 Seiten, ISBN 978385418 1347, 20,46 EURO.
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