11:00:16 | Sonntag, 18. April 2010
Die Ordensleitung versuchte, der propagandistischen Ausschlachtung des Falles durch die Nationalsozialisten zuvorzukommen und schloß den Pater aus.

Pater Leonhard Roth auf der Webseite der Dominikaner
(kreuz.net) Auf der Webseite der deutschen Dominikaner findet sich ein Artikel über Pater Korbinian Leonhard
Roth OP (1904 -1960).
Pater Korbinian stammte aus der 2000-Seelen-Gemeinde Saldenburg bei Passau.
Er
wurde im August 1931 in Köln als Dominikaner zum Priester geweiht und galt als charismatischer Redner.
Nach seiner Priesterweihe übernahm er die Leitung des „Thomaskreises für Jungakademiker“ im Rahmen
des Katholischen Akademikerverbandes.
Der Akademikerverband wurde im Sommer 1933 von den Nationalsozialisten
aufgelöst.
Pater Korbinian wurde von der Gestapo als „inländischer Gegner“ geführt.
Rätselhaftes
VerschwindenIm November 1935 wurde der 31jährige Pater zum Prior des großen und aufstrebenden Studienkonventes
Walberberg gewählt.
Am 23. Januar 1937 schloß sich Pater Korbinian einer Waldwanderung einiger befreundeter
Dominikaner an.
Von dieser Wanderung kehrte der Pater nicht mehr nach Walberberg zurück.
Die Gestapo
interpretierte das Verschwinden des Paters als Flucht vor einer Verhaftung wegen Vergehen gegen Paragraph
175 des Strafgesetzbuches.
Der Paragraph behandelte die widernatürliche Homo-Unzucht.
Pater Korbinian
floh am 29. Januar 1937 in die Schweiz. Bereits im Juni wurde er aus dem Orden entlassen.
Die Ordensleitung
wollte dadurch einer propagandistischen Ausschlachtung des Falles durch die kirchenfeindlichen Nationalsozialisten
zuvorkommen.
Gefängnis und KonzentrationslagerAm 3. September 1937 verurteilte das Landgericht Bonn
Pater Korbinian wegen Verstoßes gegen den Paragraphen 175 zu zwei Jahren Gefängnis.
Im März 1941 kehrte
der Ex-Dominikaner aus unklaren Gründen nach Deutschland zurück und wurde bei seinem Grenzübertritt
in Konstanz verhaftet und ins Strafgefängnis in Rottenburg/Neckar überführt.
Er verzichtete auf eine
Wiederaufnahme des Verfahrens und nahm die Strafe an.
Nach Abbüßen der Haft wurde Pater Korbinian von
der Gestapo übernommen und ins Konzentrationslager Dachau gebracht.
Dort trug er nicht den rosa Winkel
der Homosexuellen, sondern den schwarzen Winkel, der für „Asoziale“ und katholische Geistliche verwendet
wurde.
Üblicherweise erhielten katholische Priester allerdings den roten Winkel, der politische Vergehen
bezeichnete.
Tätigkeit in DachauIm Konzentrationslager war Pater Korbinian durch Vorträge im engeren
Sinn seelsorgerlich tätig.
Nach der Befreiung des Lagers im April 1945 bemühte er sich vergebens um
die Rückkehr in die Dominikanerprovinz. Pater Korbinian trat darum in die Erzdiözese München ein und
wurde Weltpriester.
Im Auftrag des Erzbistums war er weiterhin in Dachau tätig. Er kümmerte sich um
die Schwerkranken im Lager, dann um die dort internierten SS-Wächter. Bei seinen ehemaligen Peinigern
konnte er sogar Vertrauen gewinnen und wirkte unter ihnen sehr segensreich.
Dann wurden Heimatvertriebene
im Lager einquartiert, die Opfer ethnischer Säuberungen geworden waren.
Hw. Roth wurde für sie auch
in der Kommunalpolitik aktiv.
Schwere KonflikteDer Geistliche protestierte gegen den Wiederaufstieg
ehemaliger Nationalsozialisten.
Als der CSU-Landrat Heinrich Junker († 1993) forderte, das Konzentrationslager
und Krematorium abzureißen, erreichten Hw. Roths Proteste sogar die europäische Presse.
Hw. Roth griff
Lokalpolitiker und Kirchenleute an. Es kam im März 1960 zu einer Protestversammlung. Hw. Roth schoß
dabei in seiner Leidenschaftlichkeit weit über das Ziel hinaus.
Er verleumdete den Bürgermeister von
Dachau und sogar den verstorbenen Stadtpfarrer, die unter dem NS-Regime leiden mußten – als Kollaborateure.
In der Bevölkerung erhob sich ein Empörungssturm gegen Hw. Roth. Ende März enthob das Erzbistum Hw.
Roth seines Amtes.
Rätselhafter TodHw. Roth wurde für drei Monate beurlaubt und ging nach Landeck
in Tirol.
Am 15. August wurde seine bereits in Verwesung befindliche Leiche in den Klostertaler Alpen
bei Braz im Vorarlberg gefunden.
Die Todesursachen sind bis heute im dunkeln.
Freunde forderten später
eine Exhumierung und Obduktion der Leiche. Dabei wurde im Beisein von Kriminalbeamten Gift im Körper
entdeckt.
Am 12. Mai 1997 gab die Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats München eine Erklärung
zu Hw. Roth ab.
Die Erklärung bezieht sich auf eine Feststellung des Münchner Weihbischofs Johannes
Neuhäusler († 1973) im ‘Klerusblatt’ Nr. 7 vom 1. April 1962.
Der spätere Weihbischof war ein Mithäftling
von Hw. Roth in Dachau.
Mons. Neuhäusler erklärte, daß Hw. Roth nicht wegen Widerstandes gegen Hitler,
sondern wegen betrüblicher gesetzwidriger Verfehlungen inhaftiert gewesen sei.
Er wies darauf hin, daß
die Hw. Roths Verurteilung auch auf der Grundlage handschriftlicher Briefe mit eindeutigem Inhalt erfolgt
sei.
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