11:50:32 | Donnerstag, 15. April 2010
Der Rektor des Berliner Canisius-Kollegs wirft der Römischen Kurie „Weltfremdheit“ vor. Doch wenn man sieht, wie er sich von den Medien aufs Kreuz legen läßt, könnte man Mitleid bekommen. Ein Kommentar.

Der Ziviljesuit Pater Paul Mertes
© Public Domain(kreuz.net) Er hätte besser geschwiegen – Pater Klaus Mertes, Ziviljesuit und Rektor des Berliner Canisius-
Kollegs.
Der Geistliche war bereits im Februar in den Schlagzeilen. Damals spielten die Medien Vorkommnisse
an seiner Schule – von denen man später nichts mehr hörte – als „sexuellen Mißbrauch“ hoch.
Der naive
Pater machte widerspruchslos mit, als Journalisten Dinge wie „Über-den-Kopf-Streicheln“ der Öffentlichkeit
als sexuellen Mißbrauch anpriesen.
In einem für Deutsche typischen Masochismus-Anfall prägte er damals
vor der Berliner Tageszeitung ‘Tagesspiegel’ den denkwürdigen Satz: „Ich vertrete die Täter-Institution“.
Nach diesem Bonmot hatte der gute Pater die Lacher auf seiner Seite.
Drei Monat später ist der Arme
im Umgang mit den Medien noch so hilflos wie damals.
Gestern versuchte er sich bei der deutschen Wochenzeitung
‘Zeit’ mit einem Interview.
Der geduldige Journalist ließ den redseligen Pater lange sprechen.
Dabei
sagte der Geistliche viele schöne und zum Teil sogar tiefe Dinge.
Er warnte vor Pharisäismus und Selbstgerechtigkeit
im Umgang mit Kinderschändern:
„Die Täter sind meine Brüder, das ist die Realität. Das berührt den
Kern meines religiösen Selbstverständnisses.“
Sogar die lateinische Sprache bemühte er, den Gekreuzigten,
den christlichen Umgang mit dem Sünder: „Gott ist zornig auf den Sünder!“ – wagte er sogar auszusprechen.
Dann fügte er richtig hinzu: „Dem reuigen Sünder gebührt dann Mitleid.“
Selbst über den Papst sagt
der Jesuit freundliche Dinge.
Nur eines merkte Pater Merkes nicht: Daß seine erbaulichen Worte niemanden
interessieren – schon gar nicht die ‘Zeit’ und andere Systemmedien.
Das Interessante, das von zahllosen
Medien weiterverbreitet wurde, kam verstohlen ganz am Ende des Interviews. Der Pater war vielleicht schon
etwas müde.
„Was ist Ihre größte Kritik an der Kurie?“ – spannte die ‘Zeit’ dem Armen einen Fallstrick,
über den er erwartungsgemäß wie eine fette Beute plumpste:
„Daß sie ein Raumschiff ist, das den Bodenkontakt
zu verlieren droht“- schulmeisterte der Pater, der sich über seine eigene Bodenhaftung keinen Illusionen
hingeben sollte.
Nächster Fallstrick: „Ihre größte Kritik am Papst?“.
Wieder lag der Pater flach: „
Ich wünsche ihm, daß er in Kritik an der Kirche noch mehr auch Liebe zur Kirche entdecken kann.“
Vorher
hatte er behauptet, daß der Papst „schwerhörig“ dafür sei, daß Gott angeblich auch durch die säkulare
Welt zur Kirche spreche.
Doch vielleicht ist der Pater der Meinung, daß Verleumdung, Sippenhaft, Generalverdächtigung
und Unversöhnlichkeit die Predigt der Welt ist. Dann könnte man ihm zustimmen.
Schließlich fiel der
Pater das dritte Mal: „Ihre größte Kritik an [Bischof] Walter Mixa?“
Wieder hört man einen lauten
Plumpser: „Wir dürfen Opfer nicht diskreditieren, wie er es tat.“
Hier drängt sich eine Zusatzfrage
auf: Warum nennt Pater Mertes lügnerische, anonyme Verleumder „Opfer“?
Das war nicht das erste Mal,
daß der Pater sein blauäugiges und unkritisches Liebesverhältnis zur Welt darlegte.
Bereits am 3.
Februar 2009 veröffentlichte er in der antikirchlichen Berliner Tageszeitung ‘Tagesspiegel’ einen Artikel,
um die Versöhnungsbemühungen des Papstes mit der Piusbruderschaft zu sabotieren.
In einem untergriffigen
Artikel gab er sich redliche Mühe, Pius-Bischof Richard Williamson zu verleumden und zu diskreditieren.
Mittels einer infamen Tränendrüsen-Strategie unterstelle er dem Bischof, er halte einen Schwarzen für
einen Affen oder behaupte, „der Holocaust habe gar nicht stattgefunden“.
Der Ziviljesuit stellte sich
bedingungslos auf die Seite der heulenden Wölfe und kam sich dabei besonders mutig vor.
Dann benützte
er das Wort. Er warf der Kirche, die nicht im Stechschritt des dekadenten spätkapitalistischen Systems
marschiert, „Weltfremdheit“ vor:
„Zu meinen, man könne sich mit Worten, abstrakten Unterscheidungen
und mit Totschweigen des entscheidenden Punktes aus den politischen Kontexten herausbegeben, in den man
steht, ist weltfremd.“
Diese Weltfremdheit ist für den naiven Pater „keineswegs ein kurioser Anachronismus,
sondern gefährlich, so wie ein Geisterfahrer sich und andere gefährdet, gerade dann, wenn er alle entgegenkommenden
Autos für Feinde hält.“
„Es sollte uns zu denken geben, wenn wir meinen, alle Welt sei uns feindlich
gesinnt. Das eigentliche Problem sind vielleicht wir selbst.“
Es ist zu befürchten, daß der weltverliebte
Jesuit im Berlin der 30er und 40er Jahre das gleiche geschrieben hätte.
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