Benedikt XVI.
Das Aggiornamento- Experiment ist in Peinlichkeit versunken
Der deutsche Schriftsteller Martin Mosebach: „Die Stärke dieses sanften und behutsamen Mannes, der für sich selbst die Anwendung von Machtmitteln ablehnt, besteht darin, daß er eben kein Politiker ist.“
(kreuz.net) Gestern erinnerte sich der deutsche Schriftsteller Martin Mosebach in der antikirchlichen Zeitung ‘Welt am Sonntag’ die Aussage von Papst Benedikt XVI. nach seiner Wahl: „Ich sah die Guillotine auf mich zukommen.“

Der Schriftsteller kommentiert: „Niemand überblickte genauer als er die vier Jahrzehnte, die seit dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils vergangen waren.“

Dieses Konzil eröffnete – so Mosebach – „eine Zeit der theologischen Kontroverse, der Unsicherheit, des Substanzverlustes und der manifesten Traditionsbrüche.“

Man habe eine „Öffnung zur Welt“ einleiten wollen: „Aber nach vierzig Jahren mußte man sich eingestehen, daß die Kirche ihre ureigenen Anliegen weniger denn je verständlich machen konnte“.

Theologisches Chaos hatte zur Folge, daß in vielen Ländern kein nennenswerter Religionsunterricht mehr stattfand: „In Deutschland ist das katholische Christentum gerade auch unter Katholiken zur unbekannten Religion geworden.“

Doch diese „schwarze Bilanz“ habe Benedikt XVI. nicht entmutigt. Der Schriftsteller sieht den Papst als Wanderer zwischen Revolution und Reaktion:

„Besonders deutlich wird dieser Weg in seinem Jesus-Buch, das die Erkenntnisse der neuzeitlichen kritischen Lektüre mit der Überzeugung verbindet, daß die Märtyrer der jungen Christenheit nicht für eine philologische Chimäre gestorben sind.“

Zeitgeist-Kirche beeindruckt historisch keinen

Mosebach stellt harte Fragen: „Wieso empfindet eigentlich keiner der kritischen Köpfe Unbehagen bei der Forderung, die Kirche müsse sich der Gegenwart und ihren gesellschaftlichen Tagesvorstellungen vorbehaltlos unterwerfen?“

„Wieso soll es nur die säkulare Zivilgesellschaft sein, die allen und damit auch der Kirche ihre Maßstäbe vorgeben darf?“

Die Antwort: „Kirchenhistorisch gesehen hat die Kirche im nachhinein immer schlecht dagestanden, wo sie sich der Zeit allzu widerstandslos anbequemt hat.“

„Ich bin ja nur der Papst“

Der Schriftsteller erinnert an den Heiligen Papst Pius X. († 1914). Eifrige Fromme baten ihn, den Heiligen Joseph in den Meßkanon einzufügen.

Das könne er nicht, war die Antwort von Pius: „Ich bin ja nur der Papst.“

Für Mosebach gibt es kein besseres Wort, um das Selbstverständnis Benedikts XVI. von seinem Amt zu charakterisieren.

In diesem Sinn habe er als Kardinal die päpstliche Unfehlbarkeit als Unterwerfung des Papstes unter die Tradition definiert:

„Wahrscheinlich hat ihm, als er bei seiner Wahl den Namen Benedikt annahm, neben den mit diesem Namen verbundenen Assoziationen auch die hohe Ordinalzahl gefallen, die ihn zum sechzehnten der Benedikte machte, einen in einer Reihe von vielen.“

Heiden haben keine Bedenken gegen Pädophilie

In der Diskussion um hochgespielte Sittlichkeits-Delikte stellt Mosebach fest, „daß es sich beim Kindesmißbrauch um Verbrechen handelt, die in der ganzen Gegenwartsgesellschaft weit verbreitet und keineswegs für den Klerus der katholischen Kirche besonders bezeichnend sind“.

Der Papst nehme die Taten einzelner Priester „wohl durchaus als schlimmes Symptom für den Zustand der Kirche, die in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in die 68er-Bewegung geriet und dabei weithin ihre bis dahin über alle Umwälzungen bewahrte Identität über Bord warf.“

Mosebach weist darauf hin, daß das Neue Testament den Schutz der Kinder vor geschlechtlichem Mißbrauch in einer Welt verkündigte, „die Bedenken gegen erotische Beziehungen mit Kindern nicht kannte“.

Er fügt hinzu: „Für die katholische Kirche ist der Mißbrauchsskandal der triste Höhepunkt der nachkonziliären Entwicklung“.

Der Priester ist kein Bürger

In den Jahrzehnten nach dem Konzil ist – so Mosebach – von der überlieferte Theologie des Priestertums wenig übrig geblieben.

Es sei vergessen worden, „daß das katholische Priestertum ist seinem Wesen nach eine zutiefst unbürgerliche Institution, die den bürgerlichen Werten Autonomie und Selbstverwirklichung scharf entgegengesetzt ist“.

Jede Gegenbewegung war nach Angaben von Mosebach aussichtslos, „solange sich die Aggiornamento-Kirche, in Deutschland durch den langjährigen Vorsitzenden der Bischofskonferenz Kardinal Lehmann und durch die Funktionäre des ‘Zentralkomitees der deutschen Katholiken’ repräsentiert, sich in der Sonne der gesellschaftlichen Zustimmung wärmen konnten“.

Doch jetzt sieht Mosebach Land in Sicht:

„Nachdem der intellektuelle und moralische Glanz des Aggiornamento- Experiments in Peinlichkeit versunken ist, wird es eher möglich sein, an die Grundlagen des katholischen Priesterbildes zu erinnern und zu den tradierten Prinzipien zurückzukehren.“

Liturgische Orientierungslosigkeit

Der Schriftsteller betont, daß die große Orientierungslosigkeit weiter Kreise der Kirche nach dem Konzil den eigentlichen Schaden angerichtet hat:

„So wurde die Krise der nachkonziliären Liturgie selbst von denen – die den Einbruch der Banalität und der Traditionsvergessenheit in die liturgischen Feiern erkannten und gar beklagten – als ein Randproblem von bloß ästhetischer Bedeutung angesehen.“

Was die Liturgie für die Kirche wirklich bedeutet, sei weithin sogar bei Katholiken in Vergessenheit geraten:

„Dabei hätte auch den unbeteiligten Beobachter nachdenklich machen müssen, daß die Kirche bis zum Eingreifen Papst Pauls VI. über die Jahrtausende hinweg an der überlieferten Gestalt der Liturgie festgehalten hatte.“

Der Schriftsteller weist darauf hin, daß die Treue zur Überlieferung in dem Wissen wurzelt, daß sich in der Lehre Jesu Christi der Inhalt nicht von der Form trennen läßt:

„In der Religion der göttlichen Inkarnation kann es im Prinzip keine bloßen Äußerlichkeiten geben.“

Mosebach weist darauf hin, daß „einer rebellischen Priestergruppe um den französischen Erzbischof Lefebvre, der Priesterbruderschaft S. Pius X., eine entscheidende Rolle zugefallen“ sei, um die Liturgie zu retten.

Heilung kommt nur langsam

Mosebach weist darauf hin, daß die Kirche keine Partei ist, die ideologischen Ballast abwerfen kann, wenn er ihrem Machterhalt nicht mehr opportun ist.

Ihr Ziel sei Universalität, aber nicht um den Preis der Aufgabe ihrer Wahrheit: „Wenn diese Wahrheit nicht mehr mehrheitsfähig ist, um so bedauerlicher für die Mehrheit.“

Der Papst will – so der Schriftsteller – trotzdem schroffe Kurswechsel vermeiden:

„Die Heilung der Wunden, welche die innerkirchlichen Unruhen gerissen haben, kann nur allmählich geschehen“.

Eben kein Politiker

„Bei Benedikt spürt man den beinahe schon vergessenen Wahrheitsanspruch der Kirche zurückkehren“ – analysiert der Schriftsteller:

„Es wird deutlich, daß der Papst es mit seinem Kampf gegen den Relativismus ernst meint und daß er vor allem die Katholiken dafür gewinnen will, wieder katholisch zu sein.“

Das begreife ein einflußreicher Teil der veröffentlichten Meinung als Kriegserklärung:

„Ihre Antwort darauf ist: Dieser Papst darf keinen Fuß auf den Boden bekommen.“

Mosebach kommentiert: „Wäre er ein Politiker, er müßte nervös werden.“

„Aber die Stärke dieses sanften und behutsamen Mannes, der für sich selbst die Anwendung von Machtmitteln ablehnt, besteht darin, daß er eben kein Politiker ist.“
      
6 Lesermeinungen
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#6   rheno flavia   00:05:56 | Donnerstag, 10. Juni 2010
Na, soramonas,
versuchen’s schon wieder, Ihre kunterbunte Volksaufklärungsseite wie ‘suur Bier unner de Leut’ zu bringen?
(Mal unter uns: Ist Ihre Homepage so schlecht [besucht], daß Sie hier zusätzlich Leser einwerben müssen?)
Redaktion benachrichtigen
#5   Soramonas   00:01:19 | Donnerstag, 10. Juni 2010
Niemals vergessen---
–--wer euch unterwandern will!
www.bilderberg.org
www.luebeck-kunterbunt.de
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#4   Mary Cruz   16:18:20 | Montag, 19. April 2010
Die Frage ist…
ob das die Aggiornamento-Weltkirche das will!
„Nachdem der intellektuelle und moralische Glanz des Aggiornamento- Experiments in Peinlichkeit versunken ist, wird es eher möglich sein, an die Grundlagen des katholischen Priesterbildes zu erinnern und zu den tradierten Prinzipien zurückzukehren.“
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#3   Przybislav Iamesseblo   11:34:34 | Montag, 19. April 2010
leider dem Gedankengut seiner frevelhaften Vorgänger verpflichtet
gegenüber der Tradition zeigt sich Benedikt XVI grosszügiger als seine frevelhaften Vorgänger Roncalli, Montini und Woytila. Dank dieser Grosszügigkeit herrscht Tauwetter in der Konzilssekte. Kritische Stellungnahmen zur Lehre des Konzils wie jene Monsignor Gherardinis oder Romano Amerio erleben einen zweiten Frühling. Dennoch hält sich auch Benedikt XVI die von seinen Vorgängern angeordneten Neuorientierung. Bereits am Tage noch seiner Wahl hat er unmissverständlich erklärt, Konzil und Ökumenismus würden die Schwerpunkte seines Pontifikates bilden, was dazu geführt hat, dass er auf den Spuren seines frevelhaften Vorgängers Woytila bereits drei Mal in einer Synagoge, einmal im Tempel des Apostaten Luthers jedoch seit seinem Amtsantritt keine einzige katholische Messe gelesen hat.
Um wieder katholisch zu werden, müsse jene in der Konzilssekte verbliebenen Katholiken den Mut finden um einen Prozess gegen die drei Frevler Roncalli, Montini und Woytila anzustrengen. Es war der Frevler Roncalli, welcher den Ökumenismus als gleichrangig mit herkömmlichen dogmatischen Disziplinen einstuften und dem von Kardinal Beas traurigen Gedenkens ins Leben gerufenen Einheitszirkus Mitspracherecht bei der Behandlung dogmatischer Fragen einräumte.
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#2   FranzvPaul   10:40:20 | Montag, 19. April 2010
Die Meinungsmacher: „Dieser Papst darf keinen Fuß auf den Boden bekommen.“
Ein guter Artikel aus der Redaktion!
:-)
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#1   Wohlehrwürden †   10:25:21 | Montag, 19. April 2010
Mosebach hat recht
Der Papst darf nicht politisch taktieren. Das ist der höchsten moralischen Instanz in dieser Welt nicht würdig.
Die übernatürliche Moral ist ewig und duldet keine Zugeständnisse.
Taktieren vergeht.
Im Augenblick behalten die antikirchlichen politischen Taktierer in der Tagesmeinung die Oberhand. Auf Dauer verlieren sie aber die Glaubwürdigkeit.
Das milde Vorgehen des Papstes wird die länger anhaltenden Früchte bringen. Offenheit, Ehrlichkeit und ungeheuchelte Reue schaffen tiefe Glaubwürdigkeit.
Die Medien möchten die Autorität des Papstes ankratzen. Auf Dauer schaden sie nur sich selbst.
In Deutschland sind vielen Menschen die Augen aufgegangen über die antikirchlichen Tendenzen in den Medien.
Nicht der Papst hat an Glaubwürdigkeit verloren, sondern die Medien.
Zum Glück geht die Bedeutung der öffentlich-rechtlichen Medien zurück.
Die Krise hat noch einen zweiten Nutzen.
Endlich verlassen unwürdige Gläubige die Kirche, die früher in den kirchlichen Gremien mitgeredet haben.
Jetzt wird die Kiche immer mehr von der richtigen Gläubigen bestimmt, welche Homosexualität und Abtreibung ablehnen.
Papst Benedikt macht hier Vieles richtig, auch wenn liturgisch noch viel im Argen ist.
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