Der Erzbischof von Köln, Josef Kardinal Frings, war eine führende Gestalt am Zweiten Vatikanum. Doch im Alter quälte ihn der Gedanke an die zerstörerische Lawine, die das Pastoralkonzil losgetreten hatte. Der theologische Berater von Kardinal Frings am Konzil war der junge Professor Joseph Ratzinger.
(kreuz.net, Köln) Vor einiger Zeit unterhielt sich der ‘Kölner Stadtanzeiger’ mit dem Domkapitular und
Professor der Kirchengeschichte Mons. Norbert Trippen über den ehemaligen Erzbischof von Köln, Josef
Kardinal Frings.
Kardinal Frings war ein führender Vertreter der liberalen Fraktion am Zweiten Vatikanum.
Er starb 1978 im hohen Alter von 91 Jahren.
Nach seinem Amtsverzicht als Kölner Erzbischof habe Kardinal
Frings – so erzählt Mons. Trippen – einmal bei ihm angerufen. Der erblindete Kirchenfürst bat den Professor
der Kirchengeschichte, ihm bei der Abfassung seiner Memoiren zu helfen: „Seit ich nicht mehr sehen kann,
kann ich auch nicht mehr schreiben. Das kann kein Mensch mehr lesen.“
Darauf habe er, Trippen, erwidert:
„Eminenz, das war aber schon immer so, daß wir Ihre Schriftstücke in die Apotheke zum Entziffern gegeben
haben.“ Nach einer kurzen Stille fügt er hinzu: „War das jetzt ungehörig, Herr Kardinal?“
„Ja. Aber
es ist trotzdem wahr“, antwortete Kardinal Frings.
Nach dem Zeugnis von Professor Trippen setzte sich
Kardinal Frings nach dem Krieg sehr für die katholischen Hilfswerke ein: „Kardinal Frings hatte vor der
ersten Misereor-Kollekte 1959 gesagt: ‘Wenn es nicht zwei Millionen Dollar – acht Millionen Mark – werden,
haben wir uns blamiert.’ Tatsächlich waren es 32 Millionen. So viel hatte eine Kollekte noch nie erbracht.“
Dieser Einsatz für die Entwicklungshilfe zahlte sich auch kirchenpolitisch aus.
Prof. Trippen: „Als
Kardinal Frings auf dem II. Vatikanischen Konzil Reformen propagierte, beruhte sein Erfolg auch auf dem
Ansehen, das er bei den Bischöfen aus der Dritten Welt genoß. Diese Prälaten hatten mit theologischen
Spitzfindigkeiten wenig am Bischofshut und schlossen sich im Zweifel eher Frings an als der römischen
Kurie: ‘Ihr Deutsche habt uns geholfen, euch vertrauen wir.’“
Der Erzbischof von Köln erregte am Konzil
immer wieder Aufsehen. So übte er angesichts der Fülle der zu verhandelnden Materie scharfe Kritik am
ursprünglich engen Zeitplan. Kardinal Frings kritisierte auch die vielen Bischöfe in der Römischen
Kurie oder er beschwerte sich über das geplante Verfahren bei der Wahl der Konzilskommissionen, weil
sich die Bischöfe untereinander kaum kannten.
Kardinal Frings ging während des Konzils mit deutscher
Gründlichkeit ans Werk. Berühmt wurden die Lagebesprechungen der deutschen Konzilsväter, die jeden
Montag in der römischen Wohnung des Kardinals stattfanden. Der Kardinal pflegte auch gute Beziehungen
zu Theologen. So agierte er zusammen mit dem später sehr umstrittenen belgischen Dominikanerpater Edward
Schillebeeckx gegen die ursprüngliche Fassung der Offenbarungskonstitution. Den deutschen Theologen und
Jesuitenpater Karl Rahner († 1984), bezeichnete er als den „größten Theologen des Jahrhunderts“.
Doch
im Grunde seines Herzens sei Kardinal Frings ein „konservativer Theologe“ gewesen, analysiert Prof. Trippen.
Er hätte es nie gewagt, öffentlich gegen den Papst aufzubegehren. Für den Kardinal sei aber das vom
Papst einberufene Konzil eine legitime Gelegenheit gewesen, über Reformen in der Kirche nachzudenken.
Kardinal Frings sei zugleich äußerst stilbewußt gewesen: „Deshalb entsetzte ihn vieles, was nach dem
Konzil in den Gottesdiensten passierte. Ebenso der rasante Autoritätsverlust der Kirchenleitung, der
die innerkirchliche Ausprägung der Institutionen-Kritik war, die in der 68er-Zeit die ganze Gesellschaft
erfaßt hatte.“
Im hohen Alter habe ihn die Frage gequält, ob er sich vor dem göttlichen Richter dafür
werde verantworten müssen, eine solche Lawine losgetreten zu haben.
Norbert Trippen: Josef Kardinal
Frings, BandII, 588 Seiten, 46 Fotos, Ferdinand Schöningh Verlag, 32,90 Euro.
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4 Lesermeinungen
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#4 thaumaturgos 18:35:36 | Freitag, 29. April 2005
@tradiland es ist schon eine ziemliche anmaßung zu sagen wer oder wer nicht *fehlerfrei* ist / war aber,
das ist wahrscheinlich echte christliche tugend …
Selbstquälerisches Sichinfragestellen udgl. war seitens des Cardinals wohl zu wenig, er hätte sich öffentlich
von seinen eigenen falschen Handlungen, Unterlassungen und Worten (seinen Werken) distanzieren müssen,
dann hätte man wenigstens Material für die Kirchengeschichte, insb. diejenige von V2 gehabt. Wahnsinn,
P. Karl Rahner SJ als „größten Theologen“ des 20. Jahrhunderts zu bezeichnen! Auch das 20. Jahrhundert
hatte noch große Theologen, hier ist z.B. an Garrigue-Lagrange (ich hoffe, die Schreibweise stimmt) und
andere herausragende Theologen, die an den vorbereitenden Schemata für V2 oder am Lexikon für Theologie
und Kirche (Ausgabe dreißiger Jahre des 20. Jh.) gearbeitet haben, zu denken, wohl auch an Cardinal Ottaviani
und die Päpste Pius X. und Pius XII. (wobei letzterer schon nicht fehlerfrei war). Ich persönlich halte
auch Egon v. Petersdorff, obwohl er nicht fehlerfrei war, für einen großen Theologen.
Diesen Beistand wird er brauchen, gerade biem WJT in Köln. Hoffen wir, dass er dort kraftvoll die Stellung
der Kirche vertritt und sich nicht dazu verleiten läßt, der Jugend nach dem Mund zu reden…