11:19:12 | Dienstag, 20. April 2010
Behauptung gegen Behauptung: Ist die Dschungel-Justiz der Journalisten in Deutschland für die Rechtssprechung zuständig? Oder: Ist der Pater jetzt schuldig oder nicht?

Pater Damian Mai auf der Webseite der ‘Main Post’
(kreuz.net) Am 22. Februar titelte die antikirchliche deutsche Tageszeitung ‘Main-Post’: „Auch Würzburger
Pater unter Verdacht“.
Die Einleitung ist ein Paukenschlag: „Neue Vorwürfe des Mißbrauchs Jugendlicher
durch Geistliche erschüttern die katholische Kirche.“
Die Zeitung berichtet, daß Bischof Friedhelm
Hofmann von Würzburg einen Geistlichen in seinem Bistum beurlaubt hat, „obwohl die Vorwürfe durch Selbstanzeige
des Paters angeblich bekannt sind und sich als nicht relevant herausgestellt hatten.“
Ein – erwartungsgemäß –
anonymer Ankläger unterstellte dem Geistlichen dreißig Jahre alte Mißbräuche am Bonner Internat Sankt-Ludwigs-Kolleg.
Zeitung geilt sich an Mißbrauchs-Phantasie hochDie ‘Main Post’ breitet die Behauptungen genüßlich
aus:
„Der damalige Rektor habe ihn einmal ins Arbeitszimmer befohlen und auf den Mund geküßt.
Der
Pater habe auch in seinem Schlafzimmer mit Schülern auf dem Bett »Ringkämpfchen« gemacht. 10- bis
13-jährige Jungen hätten dabei nur Unterwäsche getragen.
Der Mann habe die Jungen »angeschrieen«
und »geprügelt«. Bei Waldläufen habe er »Mutproben« von den Schülern verlangt und sie allein »nachts
im Wald ausgesetzt«.
Die Knaben sollten »hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, flink wie Windhunde«
werden, habe er gesagt – ein Erziehungsziel der Hitlerjugend.“Die ‘Main Post’ berichtete, daß der Pater
des Franziskaner-Minoriten-Ordens im Jahr 1976 nach Würzburg versetzt wurde und dort mit Jugendlichen
gearbeitet habe.
Keine Spur von VertuschungDer Geistliche reagierte auf den Vorwurf mit einer Selbstanzeige.
Die Staatsanwalt untersuchte und kam zum Ergebnis, daß gegen ihn kein strafrechtlich relevanter Vorwurf
erhoben werden konnte.
Dennoch entband der Bischof den Geistlichen von der Tätigkeit als Kaplan der
‘Katholischen Studierenden Jugend’, als Geistlicher Begleiter der ‘Arbeitsgemeinschaft Kirche und Sport’
und des Ortsverbands der ‘Deutschen Jugendkraft’.
„Die Schwere der Vorwürfe und die damit verbundene
Verantwortung machen dies erforderlich“ – hieß es in einer Pressemitteilung der Diözese.
Der beschuldigte
Pater läßt die Vorwürfe nicht auf sich sitzen.
Damals hieß es, die Kirche sei körperfeindlichAm
28. Februar publizierte die ‘Main Post’ einen weiteren Artikel. Darin wird der Geistliche, Pater Damian
Mai (76), mit vollem Namen genannt.
Der Name seines anonymen Verleumders ist immer noch unbekannt.
„Die
Vorwürfe gegen mich sind absurd, ich habe mich nie einem Kind oder Jugendlichen in sexueller Absicht
genähert“ – wird er von der Zeitung zitiert.
Er sei in die Öffentlichkeit getreten, „da ich sonst keine
Chance habe.“ Pater Damian bestreitet die Darstellung seiner Verleumder:
„Ich habe einen Jungen bestimmt
einmal in den Arm genommen. Gerade in den 70er Jahren sollten die Kirchen ja ihre Körperfeindlichkeit
ablegen. Aber Küsse auf den Mund gab es nicht.“
Die Staatsanwaltschaft ermittelte eine Woche im Internat
Die Anschuldigungen in den 70er Jahren bezeichnet Pater Damian als Intrige:
„Ich hörte im Jahr 1976
das Gerücht, daß ich zudringlich geworden sein soll und habe mich sofort selbst angezeigt.“
Danach
habe die Staatsanwaltschaft eine Woche lang im Internat ermittelt und ihm mündlich mitgeteilt, daß sie
keine Hinweise auf Tatbestände feststellen konnte.
Auch die geschilderten körperlichen Mißhandlungen
weist der Pater zurück: „Eine Backpfeife habe ich mal ausgeteilt, aber ich bin kein Schläger. Das ist
nicht mein Erziehungsstil“.
In keinster Weise sexuelle ÜbergriffeWie Medien und Diözesanleitung mit
dem Pater umgegangen sind, empört ehemalige und aktive Mitglieder der ‘Katholischen Studentischen Jugend’.
Die Zeitung zitiert Frank Brennfleck (36) aus dem Landkreis Würzburg. Er kennt Pater Damian seit seiner
Jugend:
„Der Pater hat mich durch Höhen und Tiefen begleitet. Seine Schulter war da, wenn ich sie gebraucht
habe. Daraus ist eine Freundschaft entstanden, die bis heute hält.“
„Es gab in keinster Weise sexuelle
Übergriffe.“
Einer so – der andere andersAm 2. März berichtete die ‘Main Post’, daß die Staatsanwaltschaft
ein Ermittlungsverfahren gegen den Pater eingeleitet habe.
Generalvikar Karl Hillenbrand von der Diözese
Würzburg und Pater Leo Beck, Provinzial des Ordens, wiesen in einer gemeinsamen Pressemitteilung außerdem
die Aussage des Paters zurück, daß die Mißbrauchsvorwürfe gegen ihn eine „Intrige“ seien.
„Die bei
Diözese und Orden unabhängig voneinander eingegangenen Vorwürfe sprechen eine andere Sprache und sind
ernst zu nehmen.“
Am gleichen Tag erklärt der Stadtgruppenleiter der KSJ Lohr, Alexander Müssig, in
einem Leserbrief an die ‘Main Post’:
„Zuallererst steht natürlich der Pater im Vordergrund. Er arbeitet
seit über dreißig Jahren mit der ‘Katholischen Studierenden Jugend’ sehr engagiert zusammen.
Sein unermüdlicher
Einsatz für die ‘Katholischen Studierenden Jugend’ war einer der wichtigen Faktoren dafür, daß die
‘Katholischen Studierenden Jugend’ da steht, wo sie heute ist.“
Müssig konstatiert: „Der Imageschaden,
den Pater Damian, ein Mann, der für die wohltätige Sache lebt, erfahren wird – egal wie viele Entschuldigungen
folgen werden – ist unermeßlich.“
Er weist auch auf Fehler in der Gesetzgebung: „Ein solcher Vorwurf
dürfe nicht an die Öffentlichkeit gelangen, falls eine strafrechtliche Relevanz nicht nachgewiesen ist.“
Er sei darum „für eine schnelle Aufklärung der Vorwürfe, damit er so schnell wie möglich wieder für
die Kinder und Jugendlichen da sein kann.“
Zwei wolkige „Betroffene“Müssigs Wunsch ging nicht in Erfüllung.
Am 18. März donnerte der Bonner ‘General-Anzeiger’: „Übergriffe auch am Sankt Ludwig in Endenich“.
Die Zeitung zitiert den Orden, wonach zwei weitere „Betroffene“ auch für die Jahre 2000 und 2001 Übergriffe
des Paters gemeldet hätten.
Man hätte den Pater schon allein aufgrund des Verdachts nicht wieder in
der Jugendarbeit einsetzen dürfen.
Medial HinrichtungAm 23. März nannte Ebba Hagenberg-Miliu den
Pater in einem Artikel für den kirchenfeindlichen ‘Kölner Stadt-Anzeiger’ gar einen „Seelenverderber“.
Die Berichterstattung ist völlig eskalierend: „Weiteres Licht ins dunkelste Kapitel franziskanischer
Präsenz bringen nun betroffene Bonner Zeitzeugen“ – dämonisiert Frau Hagenberg-Miliu.
Nachher folgt
heiße Luft und kaum greifbare, diffuse Behauptungen.
Die Zeitung zitiert einen abgefallenen Franziskaner,
der von 1964 bis 1974 unter Pater Damian in der Leitung der Schule tätig war.
Die Justiz habe Pater
Damian im Jahr 1972 „für sauber erklärt“ – erhebt der Abgefallene indirekte Vorwürfe gegen das Rechtssystem
seines Heimatlandes.
„Ich weiß selbst, Pater Damian war schon in seiner Bonner Zeit völlig uneinsichtig,
wie heute“ – erklärt er weiter.
Franziskanerkordeln als Schlaginstrumente?Ein weiterer Anonymer behauptete,
daß er den Pater in seiner Zeit als Internatsjungen habe „sexuell erregen“ müssen.
Er habe sich „ganz
nah“ vor den Pater stellen sollen, als der am Schreibtisch gesessen und ihn fordernd gefragt habe: „Liebst
du mich?“
Dann habe der Mann ihn links und rechts am Kopf gepackt und „abgeknutscht“.
Es ist unklar,
ob sich zwischen den zweien der Schreibtisch befand und was ohne Anführungszeichen geschehen ist.
Dem
Pater wird auch vorgeworfen, Burschen mit den Knoten der Franziskanerkordel „sadistisch geschlagen“ zu
haben.
In Wahrheit sind Franziskanerkordeln als Schlaginstrumente kaum geeignet.
Dann habe der Pater
den Jungen „immer“ zugeguckt, „wenn sie zum Urinieren an der Rinne standen“.
Beim Schwimm-Unterricht
habe er ihnen permanent „zwischen die Beine“ gegriffen – geht es in diesem Stil weiter.
Dann sagt der
abgefallene Franziskaner plötzlich: „Vieles würde man heute zwar anders einschätzen als vor Jahrzehnten.“
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