Benedikt XVI.
Der Mythos der Millionen des Vatikan
Der neue Papst, der sich bisher vor allem über theologische Werke zu beugen pflegte, wird in Zukunft auch ein Interesse für Bilanzen, Buchhaltungen und – rote – Zahlen entwickeln müssen.
(kreuz.net, Vatikan) Die vatikanische Finanzverwaltung durchlebt sorgenvolle Tage. Grund dafür sind die schleppende Ökonomie in Europa, das schlechte Investitionsklima, der fallende Dollar und die kostspieligen Apostolischen Nuntiaturen.

Am meisten macht dem Vatikan der schwache Dollar zu schaffen. Viele vatikanische Geldanlagen sind in Dollar investiert und viele Geldspenden – nicht nur aus den USA – erreichen den Kirchenstaat in dieser Währung. Doch seine Rechnungen muß der Vatikan mit Euros begleichen.

Bis zum Jahr 1993 lebte der Vatikan 23 lange Jahre im Defizit. Dieser konnte durch einen größeren Beitrag der Diözesen in der ganzen Welt gestoppt werden. Doch in den letzten drei Jahren des Pontifikates von Johannes Paul II. ist der Heilige Stuhl wieder in die roten Zahlen gerutscht.

Trotz der wackligen Finanzlage des Vatikan macht das Märchen vom angeblichen „immensen Reichtum“ des Heiligen Stuhls immer noch eifrig die Runde. Selbst Johannes Paul II. nannte dieses Gerede einmal „einen Mythos“. Um ihn zu zerstreuen, beschloß der verstorbene Papst schon im Jahre 1981 eine jährliche Veröffentlichung der tatsächlichen finanziellen Lage des Vatikan.

Die letzte Auflistung von vatikanischen Besitztümern im Juni 2004 beziffert den Wert der vatikanischen Immobilien auf ungefähr 700 Millionen Euro. Gemessen an der weltumspannenden Aufgabe des Vatikan, ist das eher bescheiden. Unbezahlbare Besitztümer wie die Peterskirche oder die Sixtinische Kapelle sind in der vatikanischen Buchhaltung symbolisch mit einem Euro eingetragen.

Wie steht es mit den Finanzeinnahmen? Die jüngsten Zahlen aus dem Jahre 2003 sind nicht sehr ermutigend. Einnahmen von 203.6 Millionen Euro standen Ausgaben von 213.2 Millionen Euro gegenüber. Das ergibt ein Defizit von 9.6 Millionen Euro.

Am meisten kostet dem Vatikan das Personal. 2,674 Angestellte arbeiten für den Heiligen Stuhl. Davon sind über die Hälfte Laien. Der Vatikan hat während des Pontifikats von Johannes Paul II. auch den diplomatischen Dienst sehr ausgeweitet. Zur Zeit unterhält er Beziehungen zu 174 Staaten – ein teurer Spaß.

Die US-Katholiken sind der größte Geldgeber des Vatikan. Sie werden von den deutschen Diözesen gefolgt. Wegen der Dollarschwäche sind die weltweiten Spenden aus den Diözesen von 85.4 Millionen Euro im Jahr 2002 auf 79.6 Millionen Euro im Jahr 2003 zurückgegangen.

Der Peterspfennig brachte im Jahre 2003 55.8 Millionen Dollar ein, 5.7% mehr als im Vorjahr.

Von der Buchhaltung des Heiligen Stuhles ist die davon getrennte Verwaltung des Vatikanstaates zu unterscheiden. Letztere bekommt die Einkünfte der Museen, Briefmarken und von anderen Verkäufen.

Der Vatikan investiert eher konservativ, das heißt, er vermeidet gefährliche Finanzspekulationen. Das Geld ist meistens in staatlichen Obligationen angelegt. Das ist zwar sehr sicher, bringt aber geringe Erträge.

Bei Aktienanlagen bemüht sich der Vatikan, daß kein Geld der Kirche in die Waffen- oder Verhütungsindustrie fließt.
      
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