Am Tag der Krönungsmesse des neuen Papstes führte die Monatszeitschrift ‘Inside the Vatican’ ein nach eigenen Angaben historisches Interview mit dem russisch-orthodoxen Bischof Hilarion Alfeyev, der in Wien residiert.
(kreuz.net, Vatikan) Der orthodoxe Bischof Hilarion Alfeyev äußert sich zunächst über seine Erwartungen
für das neue Pontifikat. Er hoffe vor allem auf einen Durchbruch in den Beziehungen zwischen der Katholischen
Kirche und der russisch-orthodoxen Gemeinschaft und wünsche sich ein baldiges Treffen zwischen dem Papst
und dem Patriarchen von Moskau.
Für die Katholische Kirche hoffe er – so der Bischof weiter –, daß
sie ihre traditionelle Sozial- und Morallehre weiterhin bewahre, ohne sich dem Druck jener Kreise zu beugen,
welche die Weihe von Frauenpriesterinnen, die Anerkennung eines Homo-Konkubinats, die Kinderabtreibung,
die Verhütung und Krankentötung fordern.
„Ich hoffe außerdem“ – so Bischof Hilarion –, „daß die Katholische
Kirche weiterhin den Liberalismus, die Entkirchlichung der Gesellschaft und den Relativismus bekämpft.“
Nur zwei Tage vor seiner Wahl habe der damalige Kardinal Ratzinger vor dem Kardinalskollegium deutliche
Worte gefunden. Wir würden uns auf eine „Diktatur des Relativismus“ zubewegen, habe der Kardinal erklärt.
Der Relativismus anerkenne nichts Definitives und lasse als letzten Maßstab nur das eigene Ich und die
eigenen Wünsche übrig.
Bischof Hilarion erwähnt, daß er kürzlich auch die Gründung einer europäischen
Katholisch-Orthodoxen Allianz vorgeschlagen habe, um die gegenwärtige Misere zu bekämpfen.
Auf die
Frage, warum er die Protestanten nicht in diese Allianz einbeziehen wolle, erklärt der russische Bischof:
„Im Kampf gegen den Relativismus nimmt die Römisch-Katholische Kirche einen eindeutigen Standpunkt ein.“
Dadurch distanziere sie sich von den Protestanten, die sich weitgehend am Zeitgeist orientierten. Die
Protestanten seien deshalb ein unwahrscheinlicher Verbündeter in diesem Kampf.
„Warum schlagen Sie eine
europäische Allianz und nicht eine weltweite vor?“ wird der Bischof weiter gefragt.
Weil – so die Antwort –
der Hauptkampf zwischen dem Christentum und dem Relativismus in Europa ausgetragen werde. In Europa seien
die Angriffe gegen die Religion am heftigsten, weil Europa sein christliches Erbe am offensten verleugne:
„Es ist in Europa, wo Kruzifixe aus Schulen entfernt und religiöse Symbole von öffentlichen Plätzen
verbannt werden, wo das Christentum Objekt einer beständigen Kritik, Entrüstung und Verspottung ist.“
Die vorgeschlagene Allianz solle sich darum mit Fragen der Entkirchlichung der Gesellschaft, des Liberalismus
und des Relativismus befassen. Außerdem seien Problem um die Familie, die Sexualität und die Bioethik
anzugehen.
Er glaube – so der Bischof – , daß der Kampf der traditionellen Christenheit – das heißt,
die Katholische Kirche und die orthodoxe Gemeinschaft – sich auf die Frage nach Werten konzentrieren müsse.
Es gehe darum nicht in erster Linie um theologische Argumente. Gegenwärtig werde die Existenz einer
absoluten moralischen Norm, auf der das menschliche Leben gegründet sein müsse, in Frage gestellt. Die
Auseinandersetzung habe deshalb einen anthropologischen Charakter.
Bischof Hilarion beendet seine Stellungnahme
mit einem Appell: „Vereinen wir unsere Anstrengungen und bilden wir eine gemeinsame Front der traditionellen
Christenheit, um Europa davor zu schützen, unwiderruflich von der Entkirchlichung der Gesellschaft, dem
Liberalismus und dem Relativismus verschlungen zu werden.“
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