Mit dem Tod von Johannes Paul II. hat sein polnischer Privatsekretär seine Stelle verloren. Stimmen munkeln, daß er der nächste Erzbischof von Krakau werden soll. Wer ist sein Nachfolger auf dem Rücksitz des Papamobil?
(kreuz.net, Vatikan) Die auffälligste Figur im engsten Kreis um den Papst ist der Priester, welcher im
Papamobil hinter dem Heiligen Vater Platz nimmt. Es handelt sich um Monsignore Georg Gänswein (48).
Alles spricht dafür, daß er der neue päpstliche Geheimsekretär ist. Mons. Gänswein ist ein Priester
der Erzdiözese Freiburg. Freiburg ist eine Stadt im Südwesten Deutschlands.
Der deutsche Monsignore
und promovierter Kirchenrechtler ist blond, 1.80 m groß und blauäugig. Er gilt als sportlich und war,
wie berichtet wird, sogar Skilehrer.
Mons. Georg Gänswein ist am 30. Juli 1956 geboren. Seine Kindheit
und Jugend verbrachte er in Riedern am Wald, einem kleinen Dorf im Schwarzwald, das zum Kreis Waldshut
gehört. Riedern zählt 450 Einwohner. Waldshut befindet sich im südlichen Schwarzwald. Die Gegend von
Riedern ist katholisch geprägt.
1976 bestand der Zwanzigjährige sein Abitur am Wirtschaftsgymnasium
in Waldshut.
Anschließend begann er das Theologiestudium an der Universität von Freiburg im Breisgau.
Sechs Semester sollte er dort bleiben. 1979 schickte ihn der damalige Erzbischof Oskar Saier zum Studium
an die von den Jesuiten geführte Päpstliche Universität Gregoriana.
Fünf Jahre später, am 31. Mai
1984, wurde Gänswein in der Erzdiözese Freiburg zum Priester geweiht. Es folgten zwei Kaplansjahre.
1986 zog der junge Priester nach München zum Weiterstudium am Kanonistischen Institut der dortigen Universität.
Sieben Jahre arbeitete er an seiner Doktorarbeit und als Assistent des renommierten Professors Winfried
Aymans. „Er war hervorragend“, schwärmt der mittlerweile emeritierte Aymans noch heute von seinem ehemaligen
Mitarbeiter. „Seine Arbeiten sind ganz ausgezeichnet.“
In seiner Dissertation setzte sich Gänswein mit
den Auswirkungen des Zweiten Vatikanums auf die kirchenrechtliche Bedeutung der Taufe für die Ökumene
auseinander.
1993 promovierte Gänswein als Doktor des Kirchenrechtes. Danach wurde er der persönliche
Referent seines Erzbischofs und gleichzeitig Domvikar in Freiburg. Bereits nach zwei Jahren wechselte
er – inzwischen 39-jährig – nach Rom.
Gänswein arbeitete kurz an der Sakramentenkongregation und wechselte
schon 1996 an die Glaubenskongregation, wo er Sachbearbeiter für deutschsprachige Angelegenheiten war.
Nach fünf Dienstjahren wurde er – wie im Vatikan üblich – im Jahre 2000 zum Monsignore ernannt. 2003
wurde Monsignore Gänswein der Privatsekretär von Kardinal Ratzinger. Nebenbei nahm er auch einen Lehrauftrag
an der römischen Opus-Dei-Universität wahr.
Monsignore Gänswein residierte im deutschen Priesterkolleg
am Campo Santo Teutonico. Das ist eines der seltenen Häuser für Priester und Theologiestudenten, die
sich innerhalb des Vatikans befinden. Zuletzt wohnte er im Domus Sanctae Marthae.
Seinen gegenwärtigen
Vorgesetzten lernte Gänswein im Speisesaal des Campo Santo Teutonico kennen. Der Kardinal pflegte am
Donnerstag morgen dort die heilige Messe zu lesen. Anschließend traf er sich mit den Bewohnern des Hauses
am Frühstückstisch.
Seit dem Tod seiner Schwester Maria wurde Kardinal Ratzinger daheim von Damen der
„Geestelijke Familie Het Werk“ umsorgt, einer in den Niederlanden gegründeten internationalen geistlichen
Gemeinschaft, deren Spiritualität sich der Papst eng verbunden fühlt und die für ihre Kleriker seit
1993 in Rom ein eigenes Priesterseminar, das Collegium Paulinum, unterhält.
So bietet es sich an, daß
Mitglieder des Instituts „Das Werk“ die polnischen Ordensschwestern im päpstlichen Haushalt ersetzen.
Auch ein neuer Privatsekretär wird im „Appartamento“, wie der päpstliche Haushalt kurz genannt wird,
gebraucht.
Hier spricht vieles dafür, daß der neue Papst einen der deutschen Mitarbeiter aus der Glaubenskongregation
beruft, etwa Monsignore Georg Gänswein (48) oder Pater Hermann Geissler, ein Mitglied der oben genannten
Gemeinschaft „Das Werk“.
Nicht ausgeschlossen ist, daß Bischof Josef Clemens (57), der 20 Jahre Privatsekretär
Kardinal Ratzingers war und nun als Sekretär des Päpstlichen Laienrates auch Verantwortung für den
Kölner Weltjugendtag trägt, diese Schlüssel- und Vertrauensposition erhält.
Zur „päpstlichen Familie“
und engsten Umgebung des Papstes gehört auch der Kammerdiener. Johannes Paul II. hatte 1978 Angelo Gugel,
der bereits Johannes Paul I. gedient hatte, als „Aiutante di Camera“ übernommen.
Gugel, ein aus dem
Veneto stammender Laie, der mit seiner Familie im Vatikan lebt, war Johannes Paul II. bis zu dessen Tod
treu zur Seite gestanden. Da sein Nachfolger im Italienischen perfekt zu Hause ist, stünde Gugels Neuverpflichtung
nichts im Wege.
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