Der laisierte Ex-Abt über den neuen Papst
Giovanni Franzoni, Konzilsteilnehmer und laisierter Ex-Abt des römischen Benediktinerklosters Sankt Paul vor den Mauern äußerte sich kürzlich in einem Interview über den neuen Papst.
(kreuz.net, Rom) Der ehemalige Benediktinerabt Giovanni Franzoni definiert sich immer noch als „Mönch“.
Während des Konzils war Franzoni der Vorsteher der römischen Benediktinerabtei Sankt Paul vor den Mauern.Sankt Paul vor den Mauern ist eine „Abtei nullius“, die der Diözese gegenüber eine besondere Unabhängigkeit genießt. Der Abt des Klosters besitzt zum Teil den Status eines Bischofs. Deshalb nahm Abt Franzoni auch am Zweiten Vatikanischen Konzil teil.
Franzoni war zu Beginn des Konzils ein „Gemäßigter“ und wurde im Laufe der Beratungen immer radikaler. Nach dem Konzil beauftragte ihn Papst Paul VI. mit ökumenischen Tätigkeiten.
Als Abt besuchte Franzoni auch besetzte Fabriken. Er demonstrierte gegen den Vietnamkrieg und sprach sich – nicht im Sinne von Paul VI. – für die Einführung der Ehescheidung in Italien aus, weil es sich dabei angeblich um eine Frage handelte, die alle betraf, nicht nur die Katholiken. Abt Franzoni zelebrierte Messen, bei denen er die Teilnehmer aufforderte, den Meßkanon zu beten und die Wandlungsworte zu sprechen.
Schließlich verließ Abt Franzoni Kloster und Priestertum und wurde in den Laienstand zurückversetzt. Er sagt von sich selber, daß er ein Mönch geblieben sei, der sein christliches Leben innerhalb der sogenannten „christlichen Basisbewegung“ lebt.
Wie es scheint, hat Franzoni in den letzten Jahren auf Einladung der kirchlichen Oberen wieder damit begonnen, in seinem ehemaligen Kloster die Messe zu lesen.
Mit Giovanni Franzoni sprach das stark linksgerichtete italienische Magazin „Aprile“.
Frage: Kardinal Carlo Maria Martini, der große Gegner von Kardinal Ratzinger, hat mit seinen Glückwünschen an den neuen Papst viel Erstaunen ausgelöst.
Giovanni Franzoni: Wer sich darüber wundert, vergißt, daß der Austausch von Gratulationen auch unter Sportsmännern üblich ist.
Frage: Aber Kardinal Martini hat mehr getan. In einem Interview mit der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ meinte er, daß Papst Ratzinger anders sein werde als Kardinal Ratzinger. Der neue Papst werde uns alle überraschen.
Giovanni Franzoni: Ich bin kein Prophet und warte, bevor ich ein Urteil abgebe. Es ist immer nützlich, solche Wünsche zu hegen. Ich hoffe natürlich, daß dieser Papst eine freiheitliche und befreiende Art entwickeln wird. Aber ich möchte diese Wünsche im Licht seiner zukünftigen Entscheidungen prüfen. Hier gibt es zumindest drei Bereiche.
Der erste: Wie wird sich der neue Papst beim italienischen Referendum über die künstliche Befruchtung verhalten?
Der Kardinalvikar Camillo Ruini von Rom hat einige Katholiken verblüfft als er diese aufrief, nicht an der bevorstehenden Abstimmung teilzunehmen, damit das gesetzlich notwendige Quorum nicht zustande kommt. Eine solche Position ist nicht korrekt.
Die Katholiken können nach ihrem Gewissen abstimmen und zum Beispiel einen ungültigen Stimmzettel abgeben. Nicht zu wählen, bedeutet aber, jene, die gewählt haben, mit Füßen zu treten. Die Aufforderung von Kardinal Ruini widerspricht dem Prinzip der christlichen Linearität und Durchsichtigkeit. Ich erwarte darum, daß Benedikt XVI. diesem Aufruf widerspricht und die Gläubigen auffordert, ihre Überzeugung kundzutun. Deshalb wünsche ich mir vom Papst, daß er Kardinal Ruini zurechtweist.
Frage: Der zweite?
Giovanni Franzoni: Hier geht es um das „Santo subito“, das heißt, um den Aufruf der Massen und den Wunsch einiger Prälaten, Johannes Paul II. sofort seligzusprechen.
Was heißt „santo subito“ – „sofort heilig“? Es bedeutet zu verkennen, daß Wunder bei Heiligsprechungsprozessen alleine nicht genügen.
Es gibt – auch wegen der Tätigkeit von Johannes Paul II. als Wanderprediger, der die Mittel der Massenkommunikation weise einzusetzen wußte – Hunderttausende von Personen, die den verstorbenen Papst gekannt haben und zu ihm beten. Darum ist es leicht, Gläubige zu finden, die bereit sind, eine große Anzahl von Wundern zu bezeugen, die Johannes Paul II. zugeschrieben werden.
Aber hier braucht es, wie so oft im Leben, einen „Advocatus Diaboli“, der die Grenzen des Wirkens einer Person darlegt, der angeblich unwichtige Fragen stellt und den Zweifel als Untersuchungsmittel anwendet. Johannes Paul II. hat zusammen mit Kardinal Ratzinger viele Theologen verfolgt und andere unterdrückt.
Hat der verstorbene Papst – als er unerwartet in Nassau landete – dies wegen der Vatikanischen Bank getan, die ihrerseits im Tod des italienischen Bankiers Roberto Calvi involviert war?
Wie müssen seine Treffen mit Jean-Claude Duvalier und Roberto D’Aubisson erklärt werden? Den ersten traf der Papst 1986 in Haiti. Sein Regime wurde damals nur vom Vatikan und den USA anerkannt. Der zweite war der Anführer der Diktatur in San Salvador, wo Mons. Arnulfo Romero im Jahre 1980 und sechs Jesuitenpatres der Zentralamerikanischen Universität im Jahr 1989 durch Todessquadrone ermordet wurden.
Diese Dinge muß man wenigstens wissen. Es gibt Heilige, die politische Fehler begehen. Ich wünsche mir, daß es über diese Dinge Transparenz und eine öffentliche Debatte gibt. Sofort heiligsprechen, ohne Transparenz, ohne die Geschichte dieses Papstes zu studieren, ohne zu erklären, warum bestimmte Dinge geschehen sind, wäre selbst in den Augen jener, die ihm nahestanden, eine Selbstheiligsprechung.
Frage: Der dritte?
Giovanni Franzoni: Der dritte betrifft die Bischofssynode, die bis heute nur beratend ist. Ihre Empfehlungen sind nicht verpflichtend. Es wurde verlangt, daß die Bischöfe über einige Themen entscheiden könnten. Auch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil – als man noch über eine kollegiale Verwaltung der Kirche mit den Stimmen der Frauen, Theologen und Prälaten sprach – geschah das nicht. Oft werden kritische Meinungen von Bischöfen nicht bekannt. Sie werden verschwiegen. Nur der Papst weiß um sie. Das widerspricht der Kollegialität. Ich wünsche mir, daß es diesbezüglich eine Richtungsänderung gibt und erwarte konkrete Anhaltspunkte dafür.
Frage: Zusammenfassend?
Giovanni Franzoni: Glückwünsche, Glückwünsche, Glückwünsche an den neuen Papst. Ich bete für eine Richtungsänderungen, aber – ich wiederhole mich – ich fühle mich nicht in der Lage, Vorhersagen zu machen.
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Mittwoch, 19. April 2006 01:57
Jörg Guttenberger, Köln: Ex-Abt Givanni Franzoni
Wieso ist der Exabt Apostat?
Er ist damals odnungsgemäß mit allen dazu gehörigen Dispensen laisiert worden. Damit steht er genauso da, wie Sie und ich und jeder getaufte und gefirmte Christ. Sowohl daß er sich noch als Mönch fühlt, als auch daß die Initiative vom Erzbistum Rom und nicht von ihm ausgegangen ist, zeigt, daß keine Frau dahinter gestanden hat. Der damalige Abtprimas Rembert Weakland OSB hat bekundet, in Amerika wäre Franzoni unbehelligt geblieben.
Die Auffassungen Franzonis sind zwar zum Teil mit dem Verkündigungsauftrag eines Priesters unvereinbar, von einem Laien aber ohne Rechtsfolgen vertretbar.
Er ist damals odnungsgemäß mit allen dazu gehörigen Dispensen laisiert worden. Damit steht er genauso da, wie Sie und ich und jeder getaufte und gefirmte Christ. Sowohl daß er sich noch als Mönch fühlt, als auch daß die Initiative vom Erzbistum Rom und nicht von ihm ausgegangen ist, zeigt, daß keine Frau dahinter gestanden hat. Der damalige Abtprimas Rembert Weakland OSB hat bekundet, in Amerika wäre Franzoni unbehelligt geblieben.
Die Auffassungen Franzonis sind zwar zum Teil mit dem Verkündigungsauftrag eines Priesters unvereinbar, von einem Laien aber ohne Rechtsfolgen vertretbar.
Dienstag, 3. Mai 2005 16:05
Frank: Ex-Abt
Aufschlußreich an diesem Interview ist nur, daß der Massenabfall vom Glauben sogar vor Äbten nicht haltmacht. Wahrscheinlich gilt auch hier: Cherchez la femme!
Dienstag, 3. Mai 2005 12:23
Konrad: Abt??
Warum geben Sie einem derartigen Apostaten derart viel Aufmerksamkeit? Was er sagt ist völlig irrelevant!
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