14:34:50 | Mittwoch, 26. Mai 2010
Was ist heute vom Priesterbild übriggeblieben, nachdem es durch das Zweite Vatikanum von seiner „Engführung“ befreit wurde? Von Hw. Hendrick Jolie.
(kreuz.net) Letztes Jahr publizierte der deutsche Kurienkardinal Paul Joseph Cordes ein Buch unter dem
Titel „Warum Priester? Fällige Antworten mit Benedikt XVI.“.
Eines der Anliegen des Autors, das sich
durch das gesamte Buch ziehen, ist das Bemühen, bei der Rezeption des Zweiten Vatikanums die „Hermeneutik
der Kontinuität“ einer „Hermeneutik des Bruches“ gegenüberzustellen.
Papst Benedikt XVI. hat dies im
Dezember 2005 in seiner
Weihnachtsansprache an das Kardinalskollegium und die Mitarbeiter der römischen
Kurie zum Ausdruck gebracht.
Graben zugeschüttet?Mehrfach stellt sich der Autor gegen den Versuch,
die Lehre über das Priestertum, wie sie im Zweiten Vatikanum dargelegt worden ist, als „radikalen theologischen
Neuanfang“ zu mißdeuten.
An vielen Stellen verteidigt Cordes das Zweite Vatikanum gegen jene, die es
in Gegnerschaft zur kirchlichen Tradition für ihre eigenen Ideen mißbrauchen.
Vielmehr versuche das
Zweite Vatikanum, eine „Engführung“ des tridentinischen Priesterbildes zu korrigieren, erklärt der Verfasser
auf Seite 126.
Die erwähnte „Engführung“ des Priesterbildes durch Trient besteht – so der Kardinal –
in einer Überbetonung der kultischen Aufgabe sowie in einer „Isolierung des Geweihten“ von den übrigen
Getauften im Sinne eines statisch-objektivistischen Verständnisses von Christusrepräsentanz im Priester.
Demgegenüber stellt der Autor mit Blick auf das Zweite Vatikanum fest: „Der Graben zwischen der alleinverantwortlichen
Kirchenleitung und einer ‘Herde’, die passiv bleibt, wurde zugeschüttet – ganz im Sinn des Evangeliums.“
Hier bleibt allerdings zu fragen, ob diese Einschätzung von der kirchlichen Wirklichkeit gedeckt ist.
Mehr als nur theologische Theorie?Das Zweite Vatikanum habe die Christusrepräsentanz in allen Getauften
stärker in den Blick genommen.
Zudem ergebe sich durch die im Zweite Vatikanum verwendete Formulierung,
der Amtsträger handle in der Person Jesu Christi – und weniger als sein „Repräsentant“ –, ein stärker
dynamisches, auf den konkreten Vollzug ausgerichtetes Repräsentationsmodell.
Dementsprechend wird im
Priesterdekret des Konzils nach Angaben von Kardinal Cordes der Ausdruck „repraesentare“ nicht mehr verwendet
und somit die Gefahr des Mißverständnisses vermieden, die Gegenwart Christi im Priester bedeute eine
„Auszeichnung“, die den Geweihten dem Gottesvolk entfremde.
Statt dessen unterstreiche der Ausdruck „der
Priester handelt in der Person Jesu Christi“ eine stärkere „Verwiesenheit und Gebundenheit an den allein
wirksamen Christus“.
Die Moderne hat den Blick auf das Sein verlorenAuch hier hätte man aus der Feder
des Kardinals gerne Systematischeres gelesen.
Mag sein, daß eine übersteigerte Vorstellung von Christusrepräsentanz
die Gefahr des Standesdünkels in sich birgt.
Dagegen ist nicht von der Hand zu weisen, daß ein dynamisches,
nur auf die Handlungen des Priesters bezogenes Verständnis seiner Christusrepräsentanz in Gefahr gerät,
die seinshafte Verbindung des Geweihten mit Christus abzuschwächen oder zu verdunkeln.
Kritische Anfragen
In diesem Sinne ist auch die Warnung des Autors vor einer „Verdinglichung“ des unauslöschlichen priesterlichen
Charakters kritisch zu befragen.
Der Kardinal ist der Auffassung, das Zweite Vatikanum habe die „dinghafte
Ontologie“ des Tridentinums – die aufgrund des Zeitumstände in Abgrenzung zu Luther verständlich gewesen
sei – pneumatisch-dynamisch erweitert.
Der „character indelebilis“ – der unauslöschliche Charakter des
Priestertums in der Seele des Geweihten – stärker in seiner „Zeichenhaftigkeit“ und „wesensgemäßen
Verwiesenheit“ gesehen.
Es stellt sich aber die Frage, ob diese Versuche des Autors gerade in unserer
Zeit nicht auch mißverstanden werden kann.
So könnten die Formulierungen einer Relativierung der seinshaft
umgeformten Wirklichkeit des Priesters Vorschub leisten.
Sicher liegt das nicht in der Absicht des Autors.
Weil das Buch die erwähnten Probleme aber jeweils nur kurz anreißt und in eine zuweilen schwer lesbare
Begrifflichkeit hüllt, sind Mißverständnisse nicht ausgeschlossen.
Nächstes Mal: Altes und Neues
Paul Josef Cordes, Warum Priester? Fällige Antworten mit Benedikt XVI., Sankt Ulrich Verlag, Augsburg
2009.Der Text erschien kürzlich auf der Webseite ‘katholisches.org’.
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monens 10:43:59 | Donnerstag, 27. Mai 2010
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Sinah 18:43:55 | Mittwoch, 26. Mai 2010
#1
monens 17:11:00 | Mittwoch, 26. Mai 2010