Klerus
Warum ist Verdinglichung schlecht?
Was ist heute vom Priesterbild übriggeblieben, nachdem es durch das Zweite Vatikanum von seiner „Engführung“ befreit wurde? Von Hw. Hendrick Jolie.
Priester auf ewig
Priester auf ewig
© M.Mazur/CCN, CC
(kreuz.net) Letztes Jahr publizierte der deutsche Kurienkardinal Paul Joseph Cordes ein Buch unter dem Titel „Warum Priester? Fällige Antworten mit Benedikt XVI.“.

Eines der Anliegen des Autors, das sich durch das gesamte Buch ziehen, ist das Bemühen, bei der Rezeption des Zweiten Vatikanums die „Hermeneutik der Kontinuität“ einer „Hermeneutik des Bruches“ gegenüberzustellen.

Papst Benedikt XVI. hat dies im Dezember 2005 in seiner Weihnachtsansprache an das Kardinalskollegium und die Mitarbeiter der römischen Kurie zum Ausdruck gebracht.

Graben zugeschüttet?

Mehrfach stellt sich der Autor gegen den Versuch, die Lehre über das Priestertum, wie sie im Zweiten Vatikanum dargelegt worden ist, als „radikalen theologischen Neuanfang“ zu mißdeuten.

An vielen Stellen verteidigt Cordes das Zweite Vatikanum gegen jene, die es in Gegnerschaft zur kirchlichen Tradition für ihre eigenen Ideen mißbrauchen.

Vielmehr versuche das Zweite Vatikanum, eine „Engführung“ des tridentinischen Priesterbildes zu korrigieren, erklärt der Verfasser auf Seite 126.

Die erwähnte „Engführung“ des Priesterbildes durch Trient besteht – so der Kardinal – in einer Überbetonung der kultischen Aufgabe sowie in einer „Isolierung des Geweihten“ von den übrigen Getauften im Sinne eines statisch-objektivistischen Verständnisses von Christusrepräsentanz im Priester.

Demgegenüber stellt der Autor mit Blick auf das Zweite Vatikanum fest: „Der Graben zwischen der alleinverantwortlichen Kirchenleitung und einer ‘Herde’, die passiv bleibt, wurde zugeschüttet – ganz im Sinn des Evangeliums.“

Hier bleibt allerdings zu fragen, ob diese Einschätzung von der kirchlichen Wirklichkeit gedeckt ist.

Mehr als nur theologische Theorie?

Das Zweite Vatikanum habe die Christusrepräsentanz in allen Getauften stärker in den Blick genommen.

Zudem ergebe sich durch die im Zweite Vatikanum verwendete Formulierung, der Amtsträger handle in der Person Jesu Christi – und weniger als sein „Repräsentant“ –, ein stärker dynamisches, auf den konkreten Vollzug ausgerichtetes Repräsentationsmodell.

Dementsprechend wird im Priesterdekret des Konzils nach Angaben von Kardinal Cordes der Ausdruck „repraesentare“ nicht mehr verwendet und somit die Gefahr des Mißverständnisses vermieden, die Gegenwart Christi im Priester bedeute eine „Auszeichnung“, die den Geweihten dem Gottesvolk entfremde.

Statt dessen unterstreiche der Ausdruck „der Priester handelt in der Person Jesu Christi“ eine stärkere „Verwiesenheit und Gebundenheit an den allein wirksamen Christus“.

Die Moderne hat den Blick auf das Sein verloren

Auch hier hätte man aus der Feder des Kardinals gerne Systematischeres gelesen.

Mag sein, daß eine übersteigerte Vorstellung von Christusrepräsentanz die Gefahr des Standesdünkels in sich birgt.

Dagegen ist nicht von der Hand zu weisen, daß ein dynamisches, nur auf die Handlungen des Priesters bezogenes Verständnis seiner Christusrepräsentanz in Gefahr gerät, die seinshafte Verbindung des Geweihten mit Christus abzuschwächen oder zu verdunkeln.

Kritische Anfragen

In diesem Sinne ist auch die Warnung des Autors vor einer „Verdinglichung“ des unauslöschlichen priesterlichen Charakters kritisch zu befragen.

Der Kardinal ist der Auffassung, das Zweite Vatikanum habe die „dinghafte Ontologie“ des Tridentinums – die aufgrund des Zeitumstände in Abgrenzung zu Luther verständlich gewesen sei – pneumatisch-dynamisch erweitert.

Der „character indelebilis“ – der unauslöschliche Charakter des Priestertums in der Seele des Geweihten – stärker in seiner „Zeichenhaftigkeit“ und „wesensgemäßen Verwiesenheit“ gesehen.

Es stellt sich aber die Frage, ob diese Versuche des Autors gerade in unserer Zeit nicht auch mißverstanden werden kann.

So könnten die Formulierungen einer Relativierung der seinshaft umgeformten Wirklichkeit des Priesters Vorschub leisten.

Sicher liegt das nicht in der Absicht des Autors. Weil das Buch die erwähnten Probleme aber jeweils nur kurz anreißt und in eine zuweilen schwer lesbare Begrifflichkeit hüllt, sind Mißverständnisse nicht ausgeschlossen.

Nächstes Mal: Altes und Neues

Paul Josef Cordes, Warum Priester? Fällige Antworten mit Benedikt XVI., Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2009.

Der Text erschien kürzlich auf der Webseite ‘katholisches.org’.
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
1. Warum Priester? 2. Der Grund der Feindseligkeit gegenüber dem Priester
3. Warum ist Verdinglichung schlecht?
      
6 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#6   SignumSalutis †   01:03:46 | Freitag, 28. Mai 2010
Erneuert das Priesteramt: vs. vorkonziliare Engführung: Konzilstextääää!
KAPITEL V
DAS NEUE TESTAMENT
17. Das Wort Gottes, Gottes Kraft zum Heil für jeden, der glaubt (vgl. Röm 1,16), kommt zu einzigartiger Darstellung und Kraftentfaltung in den Schriften des Neuen Bundes; denn als die Fülle der Zeit kam (vgl. Gal 4,4), ist das Wort Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, voll Gnade und Wahrheit (vgl. Joh 1,14). Christus hat das Reich Gottes auf Erden wiederhergestellt, in Tat und Wort seinen Vater und sich selbst geoffenbart und sein Werk durch Tod, Auferstehung, herrliche Himmelfahrt und Sendung des Heiligen Geistes vollendet. Von der Erde erhöht zieht er alle an sich (vgl. Joh 12,32 griech.); denn er allein hat Worte des ewigen Lebens (vgl. Joh 6,68). Anderen Geschlechtern ward dieses Geheimnis nicht kundgetan, wie es nun geoffenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Heiligen Geist (vgl. Eph 3,4-6 griech.), damit sie das Evangelium verkünden, den Glauben an Jesus als Christus und Herrn wecken und die Kirche sammeln. Dafür sind die Schriften des Neuen Bundes das unvergängliche und göttliche Zeugnis.
18. Niemandem kann es entgehen, daß unter allen Schriften, auch unter denen des Neuen Bundes, den Evangelien mit Recht ein Vorrang zukommt. Denn sie sind das Hauptzeugnis für Leben und Lehre des fleischgewordenen Wortes, unseres Erlösers. Am apostolischen Ursprung der vier Evangelien hat die Kirche immer und überall festgehalten und hält daran fest; denn was die Apostel nach Christi Gebot gepredigt haben, das haben später u…
Redaktion benachrichtigen
#5   monens   10:43:59 | Donnerstag, 27. Mai 2010
Gottes Ordnung ist nicht verhandelbar
Es ist stets äusserste Vorsicht geboten, wenn versucht wird die Würde des Priesteramtes in ein „passenderes Bild“ des Weltgeistes zu pressen. Dieses Vorhaben kann nicht gelingen
www.razyboard.com/…07697-5914191-0.html
Vorsicht also vor einer schleichenden „Relativierung“ der Priesterwürde.
www.razyboard.com/…07691-5822810-0.html
Redaktion benachrichtigen
#4   CarloBorromaeo   09:22:47 | Donnerstag, 27. Mai 2010
Welch ein Gejammer wieder mal…
Karl Rahner SJ hat das in der Priesterweihe verliehene unauslöschliche Zeichen („character indelebilis“) nicht als seinshaft (ontologisch), sondern funktional als „bleibende Inanspruchnahme eines Menschen für einen bestimmten Dienst“ an Gottes Wort und Sakrament interpretiert. Das ist keine theologische Spitzfindigkeit. Priesterliche Existenz wird damit in Kategorien von Wahrhaftigkeit und Integrität statt in moralischer Überhöhung gesehen. O:)
Redaktion benachrichtigen
#3   bejorommer   22:02:09 | Mittwoch, 26. Mai 2010
Sinah – Rückbesinnung auf Jesus und das Evangelium nötig
Amtskirchlich hat man sich doch selbstherrlich und rechthaberisch unendlich weit von Gott, Jesus und dem Evangelium entfernt und der heilige Geist dürfte längst durch die Basis der Christen wirken.
Josef Berens
(als einfacher, selbst denkender Katholik
Redaktion benachrichtigen
#2   Sinah   18:43:55 | Mittwoch, 26. Mai 2010
„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“
Vielmehr versuche das Zweite Vatikanum, eine „Engführung“ des tridentinischen Priesterbildes zu korrigieren“
Nein! Vielmehr versuchte das Zweite Vatikanum nichts anderes als in die Irre zu führen. Der Anwesenheit des Heiligen Geistes bedurfte es nicht und Maria war auch nicht erwünscht. So mußte das Konzil scheitern.
Cordes war auch schon mal ein anderer!
Die Kirche kann nur wieder gesunden, wenn ihr der Heilige Geist wieder Priester schenkt…
Das funktioniert nicht, werter monens, da ist zu viel Schuld offen. Zuerst muß Genugtuung geleistet werden für die zahllosen Frevel. Und weil die Kirche dies nicht tut, wird es die strafende Hand Gottes tun durch ein Strafgericht, das alles andere in den Schatten stellt. Ohne Reinigung und Läuterung des Erdballs wird es keine Gesundung geben!
Denn die Hüter und Wächter des Glaubens „sind in ihrem Denken verfinstert, entfremdet einem Leben in Gott; Unwissenheit hält sie umfangen, weil ihr Herz verhärtet ist.“
Es sind jene, „die sich schaukeln und tragen lassen durch jeden Windhauch irgendeiner Lehre, durch der Menschen Trugspiel und durch die Arglist in der Kunst der Irreführung.“ (Epheser, 4)
Redaktion benachrichtigen
#1   monens   17:11:00 | Mittwoch, 26. Mai 2010
Priester mit brennendem Herzen alleine für die Wahrheit Jesus Christus
Die Kirche kann nur wieder gesunden, wenn ihr der Heilige Geist wieder Priester schenkt, die ihre Würde nicht als „Dekoration“ sehen, die je nach Bedarf in der Welt abgelegt werden kann, sondern die ihre hohe Würde des Priesterseins auf ewig wieder mit brennender Liebe alleine zur Wahrheit Jesus Christus immer und überall bekennen und leben.
www.razyboard.com/…07691-5822810-0.html
Nur so werden sie wieder zu jenen Hirten
www.razyboard.com/…07887-5896399-0.html
denen nicht der „Gleichschritt“ mit der Welt am Herzen liegt sondern alleine das Seelenheil der ihnen anvertrauten Seelen.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
KlerusDer Grund der Feindseligkeit gegenüber dem Priester KlerusKardinal stößt mit Frauendiakon in Soutane an KlerusWarum Priester? KlerusFaschingsnachlese im Augsburger Priesterseminar KlerusMan will Stimmen einer konstruktiven Kritik nicht hören KlerusEin Berufungskiller ersten Ranges KlerusMal sehen, was die Saudis sagen KlerusRätselhafter Abschied KlerusDoch kein Skandal KlerusIm Endstadium KlerusNach Gott ist der Priester alles KlerusSchon winzige Reformen verursachen harte Kämpfe KlerusPiusbrüder am Morgen – Sellschwestern am Nachmittag? KlerusEin Engel, der zum Teufel wurde KlerusAbfall-Priester beichtet öffentlich
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net