09:27:30 | Montag, 31. Mai 2010
Erst bringt ein deutscher Genosse die Piusbruderschaft mit den Volksgenossen in Verbindung. Dann protestiert er dagegen. Verleumdung als Maßstab der Beurteilung.

Genosse Stephan Braun auf einem Pressebild
(kreuz.net) Am 10. Mai stellte Genosse Stephan Braun (50) – sozialistischer Landtagsabgeordnete von Baden-Württemberg –
in seinem Lokalparlament einen Antrag gegen die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. Genosse Braun ist Protestant.
Der Genosse ist ein ehemaliger Student der evangelischen Theologie. Bereits im Dezember 2007 deckte die
Berliner Wochenzeitung ‘Junge Freiheit’ Brauns Verbindungen mit linksradikalen Gruppierungen auf.
Sogar
das Straßenmagazin ‘Focus’ sagte über Braun: „Wer die Dinge von soweit links betrachtet, dem kommt einiges
Rechte extrem vor“.
Brauns Antrag gegen die Bruderschaft enthält zehn Punkte.
Doch seine wirren Ausführungen
waren der Gedankenschärfe des Diplommathematikers und deutschen Distriktsoberen der Piusbruderschaft,
Pater Franz Schmidberger, nicht gewachsen.
Gnadenlos zerpflückte der Geistliche das Pamphlet von Genosse
Braun in einem Schreiben Punkt für Punkt.
Landtag als Spielplatz eines LinksextremistenIm ersten Punkt
fordert Braun den Landtag auf, die angebliche Einladung eines angeblich rechtsextremen Vortragenden bei
der Bruderschaft im Jahre 2008 zu beurteilen.
Genosse Braun kann gegen den Referenten nur Beziehungen
zu der in Deutschland legalen Partei ‘NPD’ nachweisen.
Pater Schmidberger erklärt dazu, daß der Referent
nach Bekanntwerden seiner politischen Verbindungen wieder ausgeladen wurde.
Als zweites bringt Genosse
Braun die Einladung des österreichischen Publizisten
Walter Marinovic (80) zu einem Vortrag ins Spiel.
Doch auch diese Einladung hat die Bruderschaft noch vor dem Referat zurückgezogen.
Marinovic hat in
der Vergangenheit im österreichischen Parlament und vor zahlreichen christlichen Gruppierungen referiert.
Pater Schmidberger versichert dem Landtag, künftig Referenten auch durch Internetrecherchen noch genauer
zu durchleuchten:
„Wir wehren uns aber dagegen, daß uns strengere Maßstäbe für Einladungen auferlegt
werden, als dem österreichischen Parlament.“
Im dritten Punkt möchte Genosse Braun wissen, ob der Landtag
weitere Referenten oder Autoren der Bruderschaft kennt, die von Linksextremen als rechtsextrem eingestuft
würden.
Pater Schmidberger erklärt, daß bei der Bruderschaft gewöhnlich keine Politiker, sondern
Geistliche oder Gläubige referieren.
Die Bruderschaft besitze als „ultramontan ausgerichtete Glaubensgemeinschaft
keine ideologische Schnittmenge mit deutschem Neonazismus“.
Im übrigen ist der Generalobere der Bruderschaft
ein französisch-sprechender Schweizer.
Der Inhalt wurde nicht beanstandetAls nächstes fragte Genosse
Braun nach der Meinung seines Landtages darüber, daß der Pius-Generalobere, Bischof Bernard Fellay,
der österreichischen Monatszeitschrift ‘Die Aula’ im Januar 2010 ein Interview gab.
Zu dem Interview
erklärte Bischof Fellay selber:
„Mit Interesse habe ich von einem angeblichen Interview gelesen, an
das ich mich freilich gar nicht erinnere. Im Internet finde ich es auch nicht. Ich habe auch keine Freigabe
erklärt. Ein Belegexemplar fehlt ebenso in meinem Archiv.
Richtig ist, daß ich mich Ende letzten Jahres
zu einer Kirchweihe in Graz aufgehalten, habe. Es ist bei solchen Anlässen üblich, daß verschiedene
Gäste Fragen an mich reichten. Ob darunter auch ein ‘Aula’-Reporter war, weiß ich nicht mehr. Ich kenne
die Zeitung nicht.
Ich glaube auch nicht, als frankophoner Schweizer jede österreichische Publikation
nebst deren politischer Ausrichtung kennen zu müssen. Mir kommt es vor allem darauf, was ich sage, erst
in zweiter Linie, wem ich es sage.
Als Bischof dürfte ich es übrigens gar nicht anders halten, wenn
ich die Nachfolge Christi ernstnehme. Denn Jesus Christus hat bekanntlich zum Entsetzen der politisch
Korrekten seiner Zeit auch mit Zöllnern zu Tisch gesessen.
Sofern ich eine Zeitung als eindeutig politisch
extrem erkenne – sei es wegen der Personen, der Sprache, des Titels – verweigere ich Stellungnahmen.
Vermag ich eine Tendenz nicht zu erkennen, erkläre ich mich zu religiösen und moralischen Fragen, was
meine Pflicht ist. Es ist bezeichnend, daß die Antragsteller ausschließlich den Fakt, daß ich mich
erklärt habe, aber nicht den Inhalt meiner Stellungnahme angreifen.“Bischof Fellay kritisiert den Nationalismus
Als fünftes zitiert Genosse Braun eine Aussage von Mons. Fellay, die er auf das Jahr 1994 datiert:
„Der Katholik […] sieht sich einer ganzen Front von Feinden gegenüber – die Welt ist voller Teufel.
Sie sprechen von alten und neuen Ketzern; ich sehe insbesondere den Neoprotestantismus bis hin zu den
fundamentalistischen Sekten; die Freimaurer, nicht zuletzt vom
internationalen Zionismus beeinflußt und
gesteuert“.
Der Ausdruck Zionismus bezeichnet den rechtsradikalen, jüdischen Nationalismus, der für
den anhaltenden Völkermord in Gaza verantwortlich ist.
Genosse Braun möchte vom Landtag wissen, ob
er diese Aussage als „antisemitisch“ werte.
Dazu erklärte Bischof Fellay, daß der Text in Wahrheit
aus dem Jahr 1988 stammt.
Frage und Antwort des Interviews würden in Brauns Zitat „in unzulässiger
Weise“ vermischt.
Ferner weist Mons. Fellay darauf hin, daß Menschen nach über zwei Jahrzehnten auch
ihre Meinung ändern können.
Im selben fünften Punkt zitiert Braun auch eine Aussage von Pater Schmidberger
über Juden als Gottesmörder.
Pater Schmidberger hält dem Linksextremen zugute, daß er richtig zitiert
habe. Doch wenn er besser recherchiert hätte, wäre er auf eine
Korrektur der Aussage vom Januar 2009
gestoßen.
Die Schulen sind materialistisch verseuchtIm sechsten Punkt zitiert Genosse Braun eine Aussage
von Pater Schmidberger in einer Broschüre der Bruderschaft von 2005.
Pater Schmidberger kritisierte
damals „die staatliche Zwangsschule“ als „Raub am Eltern- und Kirchenrecht“.
Die gegenwärtigen Schulen
beschrieb Pater Schmidberger damals treffend als „vom materialistischen, revolutionären und interreligiösen
Geist verseucht“.
Dazu erklärt Pater Schmidberger heute:
„Tatsächlich liegt der erste Erziehungsauftrag
bei den Eltern, die dem Kind das natürliche Leben, und bei der Kirche, die dem Kind das übernatürliche
Leben geschenkt hat.
Das Zitat bezieht sich in erster Linie auf den Schulbetrieb in totalitären Regimes.
Da in Deutschland das Recht auf die konfessionelle Ersatzschule in der Verfassung festgeschrieben ist
und es folglich Privatschulen geben kann und auch tatsächlich gibt, trifft es für Deutschland dem Prinzip
nach nicht zu.
Die Zustandsbeschreibung öffentlicher Schulen ist eine polemische Auslassung, die sich
leider an vielen Schulen zu verwirklichen beginnt. Abgesehen davon verwundert es sehr, wie gering die
Antragsteller offenbar das Recht auf freie Meinungsäußerung achten. Inwieweit dieses Zitat eine Nähe
zu ‘Rechtsextremisten und Antisemiten’ nahelegt, was aber Zweck des Antrages sein soll, erschließt sich
mir auch nicht.“Braune Reizwort-PolitikAls siebtes möchte Genosse Braun wissen, wie viel staatliche
Zuschüsse die Schulen der Bruderschaft in Baden-Württemberg bekommen.
Die Antwort erhält er von Pater
Schmidberger: „Die Bruderschaft unterhält in Baden-Württemberg seit 2006 eine Grundschule in Riedlingen/Donau
und seit 2008 eine Grundschule in Haslach bei Memmingen.
Letztere erhielt im Jahre 2009 keine staatliche
Förderung, erstere den Betrag von 14.189,08 Euro. Das entspricht genau den gesetzlichen Vorschriften.“
Dann möchte Genosse Braun wissen, wie sichergestellt wird, daß in den Pius-Schulen keine „verfassungsfeindlichen“
und „antisemitischen“ Inhalte vermittelt würden.
Pater Schmidberger erklärt ihm, daß die Schulen der
Bruderschaft der staatlichen Schulaufsicht unterliegen. Diese prüfe die Schulen regelmäßig.
Es gebe
keine Beanstandungen. Die Kontrollen bewiesen, daß die Bildungsarbeit der Bruderschaft vorbildlich ist.
Der braune Vorschlag: Diskriminierung AndersdenkenderAls neuntes fragt Genosse Braun, ob die Bruderschaft
in Deutschland mit Steuergeldern oder Landesgeldern gefördert werde.
Dazu bemerkt Pater Schmidberger,
daß die Bruderschaft – im Gegensatz zu Brauns politischer Partei – nur von Spenden lebt.
Im letzten
Punkt fragt der Genosse, ob die Bruderschaft „durch den Verfassungsschutz beobachtet“ werde.
Pater Schmidberger
hat davon keine Kenntnisse. Die Bruderschaft würde gegen solche Maßnahmen auch gerichtlich vorgehen.
Die letzte braune Forderung besteht darin, daß das Land Baden-Würtemberg die eigenen Gesetze brechen
und staatliche Zuschüsse für Pius-Schulen streichen solle.
Pater Schmidberger weist auf die Komik hin,
„daß die Antragsteller, die vorgeben, die Verfassung schützen zu wollen, hier dem Parlament einen verfassungswidrigen
Antrag unterbreiten“.
Die Verfassung der Landesverfassung genehmige ausdrücklich die Führung von Ersatzschulen.
Das Grundgesetz sichere den Anspruch auf staatliche Unterstützung:
„Eine Ungleichbehandlung verstieße
gegen das Gleichheitsgebot. Würde der Landtag dem Antrag zustimmen, so würden wir uns gezwungen sehen,
beim Landes- und Bundesverfassungsgericht Klage zu erheben.“
Braune Verleumdung zum SchlußNach seiner
Unterschrift begründet Genosse Braun in einem Post Scriptum seine Forderung mit üblichen, linksextremen
Verleumdungs-Litanei.
Führende Persönlichkeiten der Bruderschaft würden mit antisemitischen, extremistischen
und antidemokratischen Äußerungen und Schriften „in Verbindung gebracht“ – benützt Braun braunes Unterstellungsvokabular.
Pater Schmidberger hält dagegen, daß dies falsch sei.
Er weist darauf hin, daß der britische Märtyrer-Bischof
Richard Williamson in Deutschland noch nicht rechtskräftig verurteilt ist. Er gehöre auch nicht zum
Personenkreis der führenden Personen der Bruderschaft – so Pater Schmidberger.
„Da die Antragsteller
hier im Plural schreiben, mögen sie zumindest zwei führende Mitglieder der Bruderschaft nennen, auf
die ihre Unterstellung zutrifft.“
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