Weltjugendtag
Auf Lateinisch
Am kommenden Weltjugendtag wird eine höchst ungewöhnliche internationale Delegation von 2000 Jugendlichen teilnehmen. Was schweißt die Mitglieder dieser Gruppe zusammen? Die Liebe zur tridentinischen Liturgie und Spiritualität. Ein Interview.
(kreuz.net) „Juventutem“ ist der Name einer offiziellen Delegation, die am nächsten Weltjugendtag in Köln teilnehmen wird. Obwohl die Jugendlichen von „Juventutem“ aus aller Welt kommen, singen sie während der Messe mit einer Stimme – auf Lateinisch.

Sebastian Auer, Student der Theologie und der Rechtswissenschaften in Innsbruck, ist der österreichische Koordinator von „Juventutem“. Er stellte sich einigen Fragen von kreuz.net.

Frage: Wie kam es dazu, die Teilnahme von traditionellen Gemeinschaften am Weltjugendtag in Köln zu organisieren?

Sebastian Auer: Der Anstoß zu dieser Initiative kam im wesentlichen aus Frankreich. Das ist ein erneutes Beispiel dafür, daß sich die katholische Tradition in diesem Land gerade im Widerstand gegen den noch präsenten revolutionären Gedanken in eindrucksvoller Weise erhalten hat.

Nach und nach sammelten sich um diesen Kreis die verschiedensten traditionellen Gemeinschaften: die Priesterbruderschaft St. Petrus, das Institut Christus König und Hohepriester, die Personaldiözese St. Jean Vianney von Campos in Brasilien – um die drei größten zu nennen – aber auch Laienorganisationen wie die Internationale Una Voce Föderation. Es war also weniger ein punktueller Entschluß, als vielmehr ein Prozeß, der zu dieser beachtlichen Einheit unter den Gemeinschaften geführt hat.

Frage: Warum wählte man den Namen „Juventutem“ und was bedeutet er?

Sebastian Auer: Der Name „Juventutem“ stammt in dieser Form aus dem Psalm, der zu Beginn der heiligen Messe am Fuße des Altares gebetet wird. Dort heißt es: „Introibo ad altare Dei, ad Deum qui laetificat juventutem meam“ – „Zum Altare Gottes will ich treten, zu Gott, der meine Jugend erfreut.“ „Juventutem“ kommt vom lateinischen Wort „Juventus“ und bedeutet „Jugend.“

Frage: Es hat manche erstaunt, daß die dem klassischen Ritus verbundene Gemeinschaften am Weltjugendtag teilnehmen, obwohl dieser häufig sehr zeitgebundenen Formen verpflichtet ist. Kann man diesbezüglich von einem Gesinnungswandel sprechen?

Sebastian Auer: Nein, sicherlich nicht. Wir haben weder unsere Gesinnung geändert noch unsere Bedenken abgelegt. Wir sind uns der Mißbräuche und der zum Teil katastrophalen Umstände, die den Rahmen solcher Veranstaltungen bilden, durchaus bewußt. Dennoch – oder gerade deshalb – haben wir uns entschlossen, dem klar entgegenzutreten.

Wir haben die Erfahrung gemacht, daß die diesbezüglich geäußerten Warnungen wie Kassandrarufe verhallten. Darum wollen wir jetzt den anderen Weg versuchen. Durch unser Beispiel und durch das Gespräch mit den Jugendlichen, die doch alle guten Willens sind, soll sich ein Umdenken ereignen. Mit Bezug auf den Leitsatz des Weltjugendtages „Venimus adorare eum“ – „Wir sind gekommen, um ihn anzubeten“ – wollen wir den Schatz der traditionellen Liturgie und Spiritualität, welcher der Kirche geschenkt ist, teilen: eucharistische Frömmigkeit anstelle von anthropozentrischer Fröhlichkeit.

Frage: Wie viele Personen erwarten die Verantwortlichen von „Juventutem“?

Sebastian Auer: Wir rechnen mit mindestens 2000 Jugendlichen aus aller Welt. Sie werden jenen, die glauben, daß die überlieferte Liturgie ein Relikt aus vergangenen Zeiten sei, sichtbar machen, wie lebendig die Tradition ist.

Frage: Welches Programm erwartet die Jugendlichen von „Juventutem“ beim Vorbereitungstreffen in Bayern und am Weltjugendtag in Köln?

Sebastian Auer: Das Vorbereitungstreffen beginnt am 10. August 2005 gleich mit einem Höhepunkt. Nach der Besichtigung von Schloß Neuschwanstein wird der emeritierte Erzbischof von Salzburg S.E. Dr. Georg Eder in der Basilika von Ottobeuren ein Pontifikalhochamt im überlieferten Ritus zelebrieren. Danach schlagen wir auf einem riesigen Areal in der Nähe des Seminars der Priesterbruderschaft St. Petrus in Wigratzbad unser Lager auf.

Im Herzen Bayerns, das von barocker Frömmigkeit geprägt ist, soll die Jugend das geistige Rüstzeug dafür erhalten, um am eigentlichen Weltjugendtag in Köln selber Missionar zu sein. Die täglich in einer der umliegenden Kirchen zelebrierte Hl. Messe nach dem Missale von 1962, die Ewige Anbetungen des Allerheiligsten Altarsakramentes, Unterricht und persönliche Gespräche mit den Priestern werden die Jugend geistig auf den Weltjugendtag vorbereiten. Natürlich gibt es auch Ausflüge, zum Beispiel in die barocke Abtei Weingarten, die wegen ihrer Heilige Blut Reliquie für Pilger von großer Bedeutung ist.

Auch in Köln wird die Hl. Messe im Alten Ritus natürlich täglich für die Jugendlichen zelebriert. Daneben werden wir an den offiziellen Veranstaltungen teilnehmen, um mit der Jugend anderer Delegationen ins Gespräch zu kommen und unser Apostolat für die Tradition durchzuführen.

Frage: Juventutem fehlt es nicht an Unterstützung durch die hohe Geistlichkeit. Welche Bischöfe sind „Juventutem“ besonders verbunden?

Sebastian Auer: Die Liste unserer bischöflichen Freunde ist lang. Sie beginnt mit dem Apostolischen Administrator von Campos in Brasilien, S.E. Bischof Fernando Rifan. Er ist der offizielle Leiter unserer Delegation. Der österreichische Kurienkardinal Alfons Stickler, emeritierter Präfekt der Apostolischen Bibliothek, hat uns seine Unterstützung bekundet, ebenso Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos, der Präfekt der Kleruskongregation und Präsident der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei.

In Bayern und Köln erwarten wir Besuche von Kardinälen und Bischöfen aus der ganzen Welt. Unter ihnen befinden sich der Erzbischof von Chicago, Francis Kardinal George, der Erzbischof von Sidney, George Kardinal Pell, der Kurienkardinal Francis Arinze, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst. Auch eine ganze Reihe von Erzbischöfen und Bischöfen hat uns ihr Kommen zugesagt. Neben dem emeritierten Erzbischof von Salzburg, S.E. Dr. Georg Eder, erwarten wir – um nur einige zu nennen – auch den Erzbischof von Vaduz, S.E. Wolfgang Haas, und S.E. George Alencherry, Bischof von Thuckalay, Indien.

Frage: Wie werden die Begegnungen zwischen den Jugendlichen und den Prälaten aussehen?

Sebastian Auer: Das hängt ganz von den einzelnen Würdenträgern ab. Erzbischof Haas wird in Bayern ein Pontifikalhochamt im Alten Ritus zelebrieren und einen Vortrag für die deutschsprachigen Pilger halten. Auch in Köln wird er uns wieder treffen. Andere Bischöfe, wie S.E. Bischof Alencherry, werden mehrere Tag mit uns verbringen, Vorträge, Andachten und Vespern abhalten. Auch für persönliche Gespräche wird es Möglichkeiten geben, besonders für Begegnungen zwischen den Pilgern und den Prälaten aus denselben Herkunftsländern.

Frage: Was möchten Sie unentschlossenen Jugendlichen sagen, die überlegen, den Weltjugendtag mit Juventutem zu erleben?

Sebastian Auer: Kommt mit! Reiht Euch ein in diese Pilgerschar der Tradition hin zu Jesus Christus, um Ihn anzubeten. Unsere Delegation ist ein deutlicher Hinweis auf unsere Anliegen und zugleich ein mahnender Ruf nach Ehrfurcht und Demut im Angesicht des leibhaftig gegenwärtigen Herrn im Allerheiligsten Altarsakrament. Ich möchte diese Fahrt besonders auch jenen, die wenig Erfahrung mit der überlieferten Liturgie der Kirche haben, ans Herz legen.

In Bayern wird sich Euch die Größe und Würde dieses Schatzes erschließen.

Für weitere Informationen möchte ich auf unsere Internetpräsenz www.juventutem.com hinweisen.
      
5 Lesermeinungen
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#5   Gandalf   18:46:55 | Montag, 14. Juli 2008
@ Vorposter
Das will ich meinen!
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#4   No Comment   14:49:10 | Freitag, 11. Juli 2008
@Vorposter
Na, da hat aber mal jemand richtig gelegen!
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#3   Dr. Otterbeck   17:05:05 | Sonntag, 8. Mai 2005
Einheit und Vielfalt zugleich
Bereits im Credo des Gottesvolkes vom 30. Juni 1968, gesprochen zum Schluss des Gedenkjahrs zur 1900. Wiederkehr des Martyriums der Apostel Petrus und Pauls, hat Papst Paul VI. zum Ausdruck gebracht:
In „Ecclesiae sive uberrima liturgicorum rituum varietas sive legitima theologici spiritualisque patrimnonii peculiarumque discilpinarum differentia, nedum eiusdem unitati obsint, eam vel luculentius demonstrant (LG 23).“
An Spekulationen darüber, inwieweit Papst Benedikt nunmehr größere varietas auch zugunsten der Tradition gestatten wird, sollte man sich noch nicht beteiligen. Wenn aber einerseits größere Vielfalt eröffnet wird, sollten zugleich Initiativen zugunsten einer stärkeren Vergegenwärtigung der Einheit nicht fehlen. Ein möglicher Ansatzpunkt könnte sein, dass jene Kirchen, die bislang nur den Ehrentitel „päpstliche Basilika“ tragen, der Verbundenheit mit der Kirche von Rom künftig auch lebendigen Ausdruck verleihen, indem sie etwa das lateinische liturgische Erbe –- einschließlich des Stundengebets od. des Rosenkranzes –- deutlicher pflegen als in den jüngsten 40 Jahren.
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#2   Grebert   21:10:08 | Mittwoch, 4. Mai 2005
tridentinische Messen im deutschsprachigen Raum
kannst Du auf der Seite www.pro-missa-tridentina.org abrufen!
Grüße,
Grebert
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#1   Seminarist   17:21:38 | Mittwoch, 4. Mai 2005
Klassischer Ritus auf dem WJT 2005
Glückwünsch an Juventutem für diesen Schritt!
Papst Benedikt XVI selbst zelebrierte in Deutschland m.W. zuletzt 1997 in Weimar im klassischen Ritus.
Da er ein sehr engagierter Förderer dieser Messe ist, würde es sich anbieten, dass Juventutem ihn einlädt, auch in Köln einmal zu zelebrieren.
Kennt schon jemand die Orte in Köln, wo die Messe im klassisch-römischen Stil gefeiert wird?
Auf der Homepage von Juventutem habe ich dazu noch keine Angaben finden können.
Gruß
Seminarist
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