13:27:41 | Mittwoch, 4. Mai 2005
Am kommenden Weltjugendtag wird eine höchst ungewöhnliche internationale Delegation von 2000 Jugendlichen teilnehmen. Was schweißt die Mitglieder dieser Gruppe zusammen? Die Liebe zur tridentinischen Liturgie und Spiritualität. Ein Interview.
(kreuz.net) „Juventutem“ ist der Name einer offiziellen Delegation, die am nächsten Weltjugendtag in
Köln teilnehmen wird. Obwohl die Jugendlichen von „Juventutem“ aus aller Welt kommen, singen sie während
der Messe mit einer Stimme – auf Lateinisch.
Sebastian Auer, Student der Theologie und der Rechtswissenschaften
in Innsbruck, ist der österreichische Koordinator von „Juventutem“. Er stellte sich einigen Fragen von
kreuz.net.
Frage: Wie kam es dazu, die Teilnahme von traditionellen Gemeinschaften am Weltjugendtag in
Köln zu organisieren?
Sebastian Auer: Der Anstoß zu dieser Initiative kam im wesentlichen aus Frankreich.
Das ist ein erneutes Beispiel dafür, daß sich die katholische Tradition in diesem Land gerade im Widerstand
gegen den noch präsenten revolutionären Gedanken in eindrucksvoller Weise erhalten hat.
Nach und nach
sammelten sich um diesen Kreis die verschiedensten traditionellen Gemeinschaften: die Priesterbruderschaft
St. Petrus, das Institut Christus König und Hohepriester, die Personaldiözese St. Jean Vianney von Campos
in Brasilien – um die drei größten zu nennen – aber auch Laienorganisationen wie die Internationale
Una Voce Föderation. Es war also weniger ein punktueller Entschluß, als vielmehr ein Prozeß, der zu
dieser beachtlichen Einheit unter den Gemeinschaften geführt hat.
Frage: Warum wählte man den Namen
„Juventutem“ und was bedeutet er?
Sebastian Auer: Der Name „Juventutem“ stammt in dieser Form aus dem
Psalm, der zu Beginn der heiligen Messe am Fuße des Altares gebetet wird. Dort heißt es: „Introibo ad
altare Dei, ad Deum qui laetificat juventutem meam“ – „Zum Altare Gottes will ich treten, zu Gott, der
meine Jugend erfreut.“ „Juventutem“ kommt vom lateinischen Wort „Juventus“ und bedeutet „Jugend.“
Frage:
Es hat manche erstaunt, daß die dem klassischen Ritus verbundene Gemeinschaften am Weltjugendtag teilnehmen,
obwohl dieser häufig sehr zeitgebundenen Formen verpflichtet ist. Kann man diesbezüglich von einem Gesinnungswandel
sprechen?
Sebastian Auer: Nein, sicherlich nicht. Wir haben weder unsere Gesinnung geändert noch unsere
Bedenken abgelegt. Wir sind uns der Mißbräuche und der zum Teil katastrophalen Umstände, die den Rahmen
solcher Veranstaltungen bilden, durchaus bewußt. Dennoch – oder gerade deshalb – haben wir uns entschlossen,
dem klar entgegenzutreten.
Wir haben die Erfahrung gemacht, daß die diesbezüglich geäußerten Warnungen
wie Kassandrarufe verhallten. Darum wollen wir jetzt den anderen Weg versuchen. Durch unser Beispiel und
durch das Gespräch mit den Jugendlichen, die doch alle guten Willens sind, soll sich ein Umdenken ereignen.
Mit Bezug auf den Leitsatz des Weltjugendtages „Venimus adorare eum“ – „Wir sind gekommen, um ihn anzubeten“ –
wollen wir den Schatz der traditionellen Liturgie und Spiritualität, welcher der Kirche geschenkt ist,
teilen: eucharistische Frömmigkeit anstelle von anthropozentrischer Fröhlichkeit.
Frage: Wie viele
Personen erwarten die Verantwortlichen von „Juventutem“?
Sebastian Auer: Wir rechnen mit mindestens 2000
Jugendlichen aus aller Welt. Sie werden jenen, die glauben, daß die überlieferte Liturgie ein Relikt
aus vergangenen Zeiten sei, sichtbar machen, wie lebendig die Tradition ist.
Frage: Welches Programm
erwartet die Jugendlichen von „Juventutem“ beim Vorbereitungstreffen in Bayern und am Weltjugendtag in
Köln?
Sebastian Auer: Das Vorbereitungstreffen beginnt am 10. August 2005 gleich mit einem Höhepunkt.
Nach der Besichtigung von Schloß Neuschwanstein wird der emeritierte Erzbischof von Salzburg S.E. Dr.
Georg Eder in der Basilika von Ottobeuren ein Pontifikalhochamt im überlieferten Ritus zelebrieren. Danach
schlagen wir auf einem riesigen Areal in der Nähe des Seminars der Priesterbruderschaft St. Petrus in
Wigratzbad unser Lager auf.
Im Herzen Bayerns, das von barocker Frömmigkeit geprägt ist, soll die Jugend
das geistige Rüstzeug dafür erhalten, um am eigentlichen Weltjugendtag in Köln selber Missionar zu
sein. Die täglich in einer der umliegenden Kirchen zelebrierte Hl. Messe nach dem Missale von 1962, die
Ewige Anbetungen des Allerheiligsten Altarsakramentes, Unterricht und persönliche Gespräche mit den
Priestern werden die Jugend geistig auf den Weltjugendtag vorbereiten. Natürlich gibt es auch Ausflüge,
zum Beispiel in die barocke Abtei Weingarten, die wegen ihrer Heilige Blut Reliquie für Pilger von großer
Bedeutung ist.
Auch in Köln wird die Hl. Messe im Alten Ritus natürlich täglich für die Jugendlichen
zelebriert. Daneben werden wir an den offiziellen Veranstaltungen teilnehmen, um mit der Jugend anderer
Delegationen ins Gespräch zu kommen und unser Apostolat für die Tradition durchzuführen.
Frage: Juventutem
fehlt es nicht an Unterstützung durch die hohe Geistlichkeit. Welche Bischöfe sind „Juventutem“ besonders
verbunden?
Sebastian Auer: Die Liste unserer bischöflichen Freunde ist lang. Sie beginnt mit dem Apostolischen
Administrator von Campos in Brasilien, S.E. Bischof Fernando Rifan. Er ist der offizielle Leiter unserer
Delegation. Der österreichische Kurienkardinal Alfons Stickler, emeritierter Präfekt der Apostolischen
Bibliothek, hat uns seine Unterstützung bekundet, ebenso Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos, der Präfekt
der Kleruskongregation und Präsident der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei.
In Bayern und Köln erwarten
wir Besuche von Kardinälen und Bischöfen aus der ganzen Welt. Unter ihnen befinden sich der Erzbischof
von Chicago, Francis Kardinal George, der Erzbischof von Sidney, George Kardinal Pell, der Kurienkardinal
Francis Arinze, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst. Auch eine ganze Reihe von Erzbischöfen
und Bischöfen hat uns ihr Kommen zugesagt. Neben dem emeritierten Erzbischof von Salzburg, S.E. Dr. Georg
Eder, erwarten wir – um nur einige zu nennen – auch den Erzbischof von Vaduz, S.E. Wolfgang Haas, und
S.E. George Alencherry, Bischof von Thuckalay, Indien.
Frage: Wie werden die Begegnungen zwischen den
Jugendlichen und den Prälaten aussehen?
Sebastian Auer: Das hängt ganz von den einzelnen Würdenträgern
ab. Erzbischof Haas wird in Bayern ein Pontifikalhochamt im Alten Ritus zelebrieren und einen Vortrag
für die deutschsprachigen Pilger halten. Auch in Köln wird er uns wieder treffen. Andere Bischöfe,
wie S.E. Bischof Alencherry, werden mehrere Tag mit uns verbringen, Vorträge, Andachten und Vespern abhalten.
Auch für persönliche Gespräche wird es Möglichkeiten geben, besonders für Begegnungen zwischen den
Pilgern und den Prälaten aus denselben Herkunftsländern.
Frage: Was möchten Sie unentschlossenen Jugendlichen
sagen, die überlegen, den Weltjugendtag mit Juventutem zu erleben?
Sebastian Auer: Kommt mit! Reiht
Euch ein in diese Pilgerschar der Tradition hin zu Jesus Christus, um Ihn anzubeten. Unsere Delegation
ist ein deutlicher Hinweis auf unsere Anliegen und zugleich ein mahnender Ruf nach Ehrfurcht und Demut
im Angesicht des leibhaftig gegenwärtigen Herrn im Allerheiligsten Altarsakrament. Ich möchte diese
Fahrt besonders auch jenen, die wenig Erfahrung mit der überlieferten Liturgie der Kirche haben, ans
Herz legen.
In Bayern wird sich Euch die Größe und Würde dieses Schatzes erschließen.
Für weitere
Informationen möchte ich auf unsere Internetpräsenz
www.juventutem.com hinweisen.
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