18:50:06 | Samstag, 5. Juni 2010
In der von den Bischöfen unterstützten Schlammschlacht gegen die Kirche hat ein Schmiermagazin einen angeblichen Brief des früheren Wiener Kardinals zugespielt bekommen. Doch die Sache reimt sich nicht zusammen.

Grab von Kardinal Groer im Zisterzienserinnenkloster Marienfeld in Niederösterreich
© Herwig Reidlinger,
CC(kreuz.net, Wien) Der frühere Wiener Kardinal Hans Hermann Groër († 2003) sei vom Vatikan „zum Schweigen“
verpflichtet worden.
Mit dieser Behauptung trat heute das österreichische Straßenmagazin ‘profil’ mit
einer Pressemeldung an die Öffentlichkeit.
Das Kirchenkampf-Magazin zitiert aus einem bisher unbekannten
handschriftlichen Privatbrief des Kardinals an einen Freund. Das Schreiben soll angeblich im Mai 1998
verfaßt worden sein und konnte nicht auf seine Echtheit überprüft werden.
Damals befand sich der bereits
emeritierte Kardinal in einem Frauenkloster im deutschen Bundesland Sachsen.
Das Magazin gibt an, den
Brief über den kirchenfeindlichen Verein ‘Wir sind Kirche’ erhalten zu haben. Diese wiederum bekam ihn
angeblich von der Witwe des besagten Freundes des Kardinals.
In dem von ‘profil’ zitierten Text heißt
es mysteriös: „Durch ein heiliges Silentium, ‘secretum’ lange verpflichtet, veröffentlichte ich eine
mir vorgelegte Erklärung, fühlte aber, daß viele sie nicht als genügend finden würden, wie das auch
mit den drei ‘Erklärungen’ von 1995 war.“
In dem Zitat wird der Vatikan nicht erwähnt. Es ist auch
unklar, was mit „heiliges Silentium“ gemeint sein soll.
Das Zitat bezieht sich vermutlich auf Kardinal
Groërs Erklärung aus dem Jahr 1998. Darin bat er um Vergebung, „wenn ich Schuld auf mich geladen habe“.
In seinem Brief erwähnte der Kardinal ferner, „Tausende“ Briefe erhalten zu haben. Er habe Krankheit
und Übersiedlungen sowie das, „was die Medien Fall Groer zu benennen pfleg(t)en“, überstehen müssen.
Bis heute ungeklärtDer sogenannte „Fall Groër“ begann am 27. März 1995 mit Anschuldigungen eines
sozial gestrandeten, ehemaligen Schülers des Kardinals im Schmiermagazin ‘profil’.
Kardinal Groer dementierte
die Vorwürfen und hüllte sich danach in Schweigen.
Am 6. April 1995 trat er als Vorsitzender der Bischofskonferenz
zurück.
Am 13. April ernannte Johannes Paul II. als Koadjutor von Wien den damaligen altliberalen Wiener
Weihbischof Christoph Schönborn.
Am 14. September nahm der Vatikan den Rücktritt von Kardinal Groër
an.
Im Februar 1998 fielen Kardinal Schönborn, der mittlerweile emeritierte Erzbischof von Salzburg,
Mons. Georg Eder, der ebenfalls emeritierte Bischof Johann Weber von Graz-Seckau und der damalige Bischof
Egon Kapellari von Gurk-Klagenfurt dem Wiener Kardinal in den Rücken.
Sie erklärten vor Journalisten,
„zur moralischen Gewißheit“ gekommen zu sein, daß die Vorwürfe gegen Kardinal Groër „im Wesentlichen
zutreffen“.
Allerdings erklärten die vier Anklägerbischöfe nicht, auf welche Vorwürfe sie sich bezogen.
Daraufhin veröffentlichte die Nuntiatur in Wien im April 1998 die in dem Zitat erwähnte öffentliche
Erklärung von Kardinal Groër.
Anonym, nicht nachprüfbar und ein großer HakenDas Magazin publizierte
auch eine anonyme und somit nicht verifizierbare Anschuldigung eines angeblichen „langjährigen Ex-Angestellten
der Erzdiözese Wien“.
Dieser behauptet, daß der Vatikan und die Bischofskonferenz schon vor den Angriffen
gegen Kardinal Groër über bestimmte Vorkommnisse informiert war.
Der rätselhafte Angestellte war –
so ‘profil’ – von 1973 bis 1993 vorwiegend für Seligsprechungsverfahren zuständig.
Ihm wurde angeblich
zu Unrecht eine Abfertigung vorenthalten. Dabei sei er auch genötigt worden, eine Verzichtserklärung
auf sozialrechtliche Ansprüche zu unterschreiben:
„Man hat mir gedroht, daß ich sonst auch die Lehrbefugnis
als Religionslehrer verlieren würde“ – legt das Magazin der anonymen Gestalt in den Mund.
Der Anonyme
habe daraufhin den damaligen Kardinal brieflich erpreßt und ihm gedroht, die „Vorkommnisse in Hollabrun
vor dreißig Jahren“ bekanntzumachen.
Daraufhin sei Geld von dem Privatkonto des Kardinals überwiesen
worden.
Die anonyme Geschichte hat einen fatalen Haken. So erklärt, ‘profil’, daß eine Kopie des Schreibens
damals auch an die Nuntiatur und „an die Glaubenskongregation“ gegangen sei.
Doch diese war damals nicht
für Mißbrauchsfälle zuständig.
Ein langjähriger Mitarbeiter einer erzdiözesanen Kurie hätte gewußt,
daß er die Kopie des Briefes an die Vatikanische Bischofskongregation hätte schicken müssen.
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