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Freitag, 6. Mai 2005 11:03
Splitternackte Wahrheit
Wären die völlig ungenügend bekleideten Damen nicht gewesen, hätten die meistens von uns nie erfahren, wo sich die „Erde der Ottonen“ befindet und was der evangelische Domprediger von Magdeburg über entblößte Schamhaare denkt.
Innenansicht des Magdeburger Doms
Innenansicht des Magdeburger Doms
(kreuz.net, Magdeburg) Vom Dom zu Magdeburg hört man gewöhnlich nicht viel – von den Predigten, die dort das Wort Gottes mit lutherischer Kraft verkündigen, schon gar nicht. Doch das hat sich jetzt geändert.

Seit dem letzten Sonntag findet im Dom, der seit 1567 evangelisch ist, eine sogenannte Kunstausstellung statt. Und schon interessieren sich die Journalisten für das Gotteshaus? oder für die Kunstausstellung? oder vielleicht für die Kombination beider?

Im Dom sind – oder waren – trotz protestantischem Bildersturm riesige Darstellungen unbekleideter Damen zu sehen.

Mit Nacktbildern alleine kommt man heute nicht mehr ins Geschäft. Es gibt davon zu viele. Darum muß man für sie zusätzlich ein passendes Umfeld finden – eine Kathedrale oder ein Frauenkloster sind ideal. Dann bekommt man wenigstens ein Feedback von mißbrauchten Kirchgängern. Dieses Kunststück ist offensichtlich dem Produzenten der Magdeburger Nacktbilder gelungen.

Er heißt Dieter M. Weidenbach. Seine Bilder sind Teil einer Ausstellung, die unter dem relativ publikumsunwirksamen Titel „Terra Ottonum“ – „Die Erde der Ottonen“ daherkommt.

Weidenbachs lebensgroße Nacktbilder sind mittlerweile zwar wieder abgehängt. Aber das macht nichts. Die Veranstalter freuen sich, daß sie in der Kirche waren und den Staub, der sich seit längerem auf Kirche und Kunst gelegt hat, etwas aufwirbelten.

Der für den Skandal zuständige Domprediger Giselher Quast, der gegen die Pornobilder nichts einzuwenden hatte, zeigt auch für deren Entfernung Verständnis: Manche Selbstreflexion des Künstlers passe nicht in die Kirche, gab der Prediger fachkundig von sich. Das sei alles zuviel gewesen.

Die Menschen hätten ihren Dom nicht mehr erkannt, zitiert die Tageszeitung „Magdeburger Volksstimme“ den verständnisvollen Prädikanten weiter: Dennoch sei grundsätzlich nichts gegen „ein entblößtes Schamhaar im Dom“ einzuwenden.

Das habe es bei Eva im Paradies auch gegeben, verteidigte der Theologe die Nacktdarstellungen mit soliden biblischen Argumenten.

Auch Maler Weidenbach zeigt sich teilweise von seiner verständnisvollen Seite. Er akzeptiere die Entfernung einiger seiner Werke aus der Ausstellung. Die Kompromißlösung sei in Ordnung und er wolle das neue Konzept mittragen.

Dennoch versteht er das schnelle Aus für seine nackten Damen nicht. Er habe nicht erwartet, auf Händen durch Magdeburg getragen zu werden, aber auch nicht, daß man ihn hinrichte“, zitiert das zitierte Lokalblatt einen vielleicht etwas wehleidigen Kommentar des Künstlers.

„Hinrichtung“ sei wohl ein starker Ausdruck, meinten auch andere. Nachdem die Ausstellung ja weiterlaufe, könne der beschnittene Künstler höchstens von einer „Amputierung“ sprechen.

Eine Journalistin bezeichnete die Nacktausstellung als „unsensibel“. Daß sich eine Mehrheit der Dombesucher von den Nacktbildern beleidigt fühlen würden, sei von Anfang an sonnenklar gewesen. Mit dem absehbaren Eklat habe der Dom sich selbst und der Kunst keinen Gefallen getan.

Der Rest der Ausstellung, die den Magdeburger Dom bis Anfang August zieren soll, besteht aus farbigen Figurengruppen aus Ton, sowie aus großflächigen Gemälden. Die Plastiken wollen Erinnerungen an den ersten deutsch-römischen Kaiser wachrufen.

Die großflächigen Malereien beschäftigen sich dagegen mit Themen wie Krieg, Religion, Gesellschaft, Liebe, Versuchung oder Verachtung.

Von den sechs Themen sind in der Zwischenzeit nur noch vier übriggeblieben. Die beiden letzten wurden zusammen mit den Nacktbildern aus der Ausstellung entfernt.
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1 Lesermeinung:
Samstag, 7. Mai 2005 09:07
Filia Stephania †: Von der Redaktion entfernt
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