13:39:54 | Freitag, 6. Mai 2005
Die Erzdiözese Wien zeigt sich jugendfreundlich. Halbwüchsigen wird eine eigene Kirche mit vier Angestellten zur Verfügung gestellt. Diesen Sommer soll umgebaut werden. Nach so vielen Investitionen kann der Geist ab Herbst wehen, wie sie wollen.
(kreuz.net, Wien) In Wien öffnet im Oktober die erste Jugendkirche Österreichs ihre Pforten. Das Projekt
der „Katholischen Jugend“ findet in der Pfarrei St. Florian Unterschlupf. Die Kirche ist im Stil der 60er
Jahre des letzten Jahrhunderts gestaltete und wird von den Projektleitern als „modern“ bezeichnet.
Von
Außen sieht das Gotteshaus aus wie eine Kreuzung zwischen einem Parkhaus und einem Zebra. Das Projekt
nennt sich internethaft – man geht mit der Zeit – „jugend.kirche.wien“.
Entsprechend gibt es auch eine
eigene Homepage. Dort wird berichtet, daß man die Pfarrei St. Florian schon in der Vergangenheit als
„extrem aufgeschlossen und kooperativ“ erlebt habe. Darum war das aus schweren Betonbalken und buntem
Glas zusammengezimmerte rechteckige Gotteshaus schon im Januar Ort einer Jugend-Disko-Messe.
Der Konzertgottesdienst
fand im Rahmen einer Projektreihe statt, die sich „find-fight-follow“ nennt. Die Kirchensprache wurde
offensichtlich vom Angelsächsischen abgelöst. Als Titel für den Unterhaltungsabend in der St. Florianskirche
wählte man den jugendgerechten Titel
„Geist ist geil“.
Das „Team“ der Jugendkirche Wien ist gut bestückt.
Es besteht aus einer Sozialarbeiterin, einem Jugendleiter, einer Jugendleiterin und einem Priester. Bei
letzterem handelt sich um den Vikariatsjugendseelsorger der Erzdiözese Wien, Gregor Jansen (34). Jansen
ist gebürtiger Deutscher und seit 2002 Priester.
Sein Weg, um die jungen Menschen zur Nachfolge Christi
zu führen, formuliert er etwas unsicher als „(m)ein Grundsatz für das Projekt jugend.kirche.wien“. Die
Initiative wolle es Jugendlichen ermöglichen „Kirche als Lebens-Raum für sich zu entdecken und immer
wieder neu zu gestalten“. Die Jugendlichen sollten „Kirche einmal anders“ erleben können.
Dann folgen
die üblichen Formulierungen und Strategien, mit denen heute Jugendliche in vielen westeuropäischen Pfarreien
bearbeitet werden. Aus ihnen läßt sich auch ableiten, welches Bild über „die“ Jugendlichen gegenwärtig
in der Amtskirche vorherrscht.
Ein Schwerpunkt seien „persönliche Begegnungen“, meint der Jugendvikar
weiter. Er wolle „offen“ sein für Anfragen und Lebenssituationen, mit den Jugendlichen ein „Lernender“
sein, „da sein“, „Zeit haben“, „zuhören“, „Fragen stellen, ohne gleich eine Antwort geben zu müssen“.
Er wolle „immer neue Wege einschlagen“, Ungewohntes wagen, ausgetretene Pfade meiden“.
Das Übliche halt.
Der Jugendvikar scheint es selber gemerkt zu haben und setzt am Ende des Textes das Zeichen ‘;-)’. Das
war – alles in allem – vielleicht doch etwas viel Kirchenchinesisch.
Von Gott, Christus oder den heiligen
Sakramenten ist natürlich im Wort des Priesters keine Rede. Das versteht jeder, der noch einen Funken
pastoraler Sensibilität in sich verspürt und um die abgrundtiefe Gottlosigkeit des Wiener Durchschnittsjugendlichen
weiß.
Der direkte Zugang zu Gott bleibt darum den Jugendlichen überlassen. Sie sollen – nach Angaben
der Homepage – in der Jugendkirche selber entdecken können, „wo ihr Leben mit Gott zu tun hat“. Aber
um niemanden mit dem einsilbigen Unwort abzuschrecken, wird gleich hinzugefügt: Sie selbst sollten dort
erfahren, daß „die Beziehung zu Gott auch Spaß machen darf“. Spaßig statt spießig – wie die Jugendlichen
sagen würden.
Am Spaß mit Gott wird auch der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn, im
kommenden Herbst teilnehmen. Der Kardinal hat nämlich seine Anwesenheit beim Eröffnungswochenende von
„jugend.kirche.wien“ angekündigt.
Ob es bei dieser Gelegenheit auch ein jugendgerechtes experimentell-spaßiges-„find-fight-follow-Geist-ist-geil-Pontifikalamt“
geben wird?
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#5
Yersinia 23:49:05 | Freitag, 6. Mai 2005
#3
Niclaas 16:59:24 | Freitag, 6. Mai 2005
#2
Marcel 16:07:20 | Freitag, 6. Mai 2005
#1
famulus dei 15:04:17 | Freitag, 6. Mai 2005