Jugendkirche
Kreuzung zwischen einem Zebra und einem Parkhaus
Die Erzdiözese Wien zeigt sich jugendfreundlich. Halbwüchsigen wird eine eigene Kirche mit vier Angestellten zur Verfügung gestellt. Diesen Sommer soll umgebaut werden. Nach so vielen Investitionen kann der Geist ab Herbst wehen, wie sie wollen.
(kreuz.net, Wien) In Wien öffnet im Oktober die erste Jugendkirche Österreichs ihre Pforten. Das Projekt der „Katholischen Jugend“ findet in der Pfarrei St. Florian Unterschlupf. Die Kirche ist im Stil der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gestaltete und wird von den Projektleitern als „modern“ bezeichnet.

Von Außen sieht das Gotteshaus aus wie eine Kreuzung zwischen einem Parkhaus und einem Zebra. Das Projekt nennt sich internethaft – man geht mit der Zeit – „jugend.kirche.wien“.

Entsprechend gibt es auch eine eigene Homepage. Dort wird berichtet, daß man die Pfarrei St. Florian schon in der Vergangenheit als „extrem aufgeschlossen und kooperativ“ erlebt habe. Darum war das aus schweren Betonbalken und buntem Glas zusammengezimmerte rechteckige Gotteshaus schon im Januar Ort einer Jugend-Disko-Messe.

Der Konzertgottesdienst fand im Rahmen einer Projektreihe statt, die sich „find-fight-follow“ nennt. Die Kirchensprache wurde offensichtlich vom Angelsächsischen abgelöst. Als Titel für den Unterhaltungsabend in der St. Florianskirche wählte man den jugendgerechten Titel „Geist ist geil“.

Das „Team“ der Jugendkirche Wien ist gut bestückt. Es besteht aus einer Sozialarbeiterin, einem Jugendleiter, einer Jugendleiterin und einem Priester. Bei letzterem handelt sich um den Vikariatsjugendseelsorger der Erzdiözese Wien, Gregor Jansen (34). Jansen ist gebürtiger Deutscher und seit 2002 Priester.

Sein Weg, um die jungen Menschen zur Nachfolge Christi zu führen, formuliert er etwas unsicher als „(m)ein Grundsatz für das Projekt jugend.kirche.wien“. Die Initiative wolle es Jugendlichen ermöglichen „Kirche als Lebens-Raum für sich zu entdecken und immer wieder neu zu gestalten“. Die Jugendlichen sollten „Kirche einmal anders“ erleben können.

Dann folgen die üblichen Formulierungen und Strategien, mit denen heute Jugendliche in vielen westeuropäischen Pfarreien bearbeitet werden. Aus ihnen läßt sich auch ableiten, welches Bild über „die“ Jugendlichen gegenwärtig in der Amtskirche vorherrscht.

Ein Schwerpunkt seien „persönliche Begegnungen“, meint der Jugendvikar weiter. Er wolle „offen“ sein für Anfragen und Lebenssituationen, mit den Jugendlichen ein „Lernender“ sein, „da sein“, „Zeit haben“, „zuhören“, „Fragen stellen, ohne gleich eine Antwort geben zu müssen“. Er wolle „immer neue Wege einschlagen“, Ungewohntes wagen, ausgetretene Pfade meiden“.

Das Übliche halt.

Der Jugendvikar scheint es selber gemerkt zu haben und setzt am Ende des Textes das Zeichen ‘;-)’. Das war – alles in allem – vielleicht doch etwas viel Kirchenchinesisch.

Von Gott, Christus oder den heiligen Sakramenten ist natürlich im Wort des Priesters keine Rede. Das versteht jeder, der noch einen Funken pastoraler Sensibilität in sich verspürt und um die abgrundtiefe Gottlosigkeit des Wiener Durchschnittsjugendlichen weiß.

Der direkte Zugang zu Gott bleibt darum den Jugendlichen überlassen. Sie sollen – nach Angaben der Homepage – in der Jugendkirche selber entdecken können, „wo ihr Leben mit Gott zu tun hat“. Aber um niemanden mit dem einsilbigen Unwort abzuschrecken, wird gleich hinzugefügt: Sie selbst sollten dort erfahren, daß „die Beziehung zu Gott auch Spaß machen darf“. Spaßig statt spießig – wie die Jugendlichen sagen würden.

Am Spaß mit Gott wird auch der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn, im kommenden Herbst teilnehmen. Der Kardinal hat nämlich seine Anwesenheit beim Eröffnungswochenende von „jugend.kirche.wien“ angekündigt.

Ob es bei dieser Gelegenheit auch ein jugendgerechtes experimentell-spaßiges-„find-fight-follow-Geist-ist-geil-Pontifikalamt“ geben wird?
      
5 Lesermeinungen
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#5   Yersinia   23:49:05 | Freitag, 6. Mai 2005
jeder Mensch hat seine Glaubensgeschichte
die mal so, mal so gehen kann; und bekanntlich kann man niemanden zwingen, zu glauben – nur „locken“ und Zeugnis geben von der „größeren Hoffnung“.
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#4   Stimme aus dem Tradiland   17:57:01 | Freitag, 6. Mai 2005
Tante Jollesch – Prinzip
„Gott möge abhüten vor dem, was noch ein Glück ist“, war ein Standardsatz der Tante Jollesch nach Friedrich Torberg. Noch ein Glück also, dass es die „Zebra-Kirche“ und nicht eine der alten Kirchen Wiens erwischt hat, mit der „Jugendkirche Wien“ beglückt zu werden. Ursprünglich war nämlich anderes geplant.
Wenn „Geiz ist geil“ die Verharmlosung einer Hauptsünde darstellt, so ist „Geist ist geil“ eine Gotteslästerung. Den Verantwortlichen, zuöberst Cardinal Schönborn, scheint dies egal zu sein. Von Liturgie in ihrem eschatologischen Bezug haben die sowieso keinerlei Ahnung.
@ Marcel: Ich habe bei der gestrigen marianischen Prozession von der FSSPX-Kirche St. Joseph in Wien VII zur Mariensäule Am Hof in Wien I (Innere Stadt) ähnliches empfunden. Wenigstens für die Fiaker-fahrenden und photographierenden Touristen waren wir mit unserer Kaiser-Jager-Musikkapelle vorneweg und den Priestern in ihren Priestergewändern und der feierlich geschulterten Fatima-Madonna eine Attraktion. Für die Mehrheit der Wiener, die nicht (mehr) katholisch ist (nicht einmal auf dem Papier) wohl nicht…
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#3   Niclaas   16:59:24 | Freitag, 6. Mai 2005
Offensichtlich die häßlichste Kirche im Angebot
Angesichts der Heizkosten im Winter ein Anlaß mehr zum Kuscheln.
Wahrscheinlich wurde für die Liegenschaft eine Zwischennutzung vor dem geplanten Abriß gesucht – und gefunden. Wenn sich das Experiment abgenutzt hat, kann (sollte) man schleunigst zur Tat schreiten.
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#2   Marcel   16:07:20 | Freitag, 6. Mai 2005
Eine persönliche Begegnung …
… der ganz besonderen Art gibt es in selten ehrfürchtiger und fast unglaublich würdevoller Art in der äußerlich bescheidenen (sieht aber für jeden klar erkennbar als Kirche aus, keine Zebra-Kreuzung), innerlich aber feinen Kirche der Priesterbruderschaft St. Pius X., die ich besuche, nämlich mit dem Schöpfer des Universums selber, bei der Feier des heiligen Meßopfers, der Wandlung des Brotes und Weines in Christi Leib und Blut durch den (üblicherweise) heiligmäßigen Priester der Bruderschaft.
Durch die „persönliche Begegnung“ mit dem realpräsenten Jesus Christus zieht Er bei den Alten, Mittelalten, Jungen und ganz Jungen (bei diesen dann durch geistliche Kommunion) in ihr Herz ein und erfüllt sie mit dem übermenschlichen Frieden Gottes.
Das ist wesentlich alles, was der Mensch zum geistlichen Leben braucht, und dies „zieht“ auch oder gerade deswegen überproportional viele (für heutige Konzilskirchenverhältnise) Junge und Jugendliche an. „Christus pur“ – das überzeugt eben auf ganz eigene Weise. Seit 2000 Jahren, heute, und bis ans Ende der Zeit – mit oder ohne Räuberkonzilen.
Als Bonus können die Jugendlichen (doch nicht nur sie) in den FSSPX-Predigten noch die bzw. Auszüge aus der 2000 Jahre alte Lehre der Kirche auf vorbildlich unverfälschte Weise hören, und, wie gestern, mit der ganzen Gemeinde bei einer langen Christi-Himmelfahrts-Prozession Rosenzkranz beten, Fatimalieder singen, und anderes mehr.
Prädikat: sehr wehrtvoll. Keine Altersbeschränkung.
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#1   famulus dei   15:04:17 | Freitag, 6. Mai 2005
Man versteht es nicht mehr
wem sollen solche Aktionen nützen?
Meine Erfahrung, die ich in der Beobachtung von Projektwochen, Jugendaktionen, Jugendgottesdiensten etc. gemacht habe ist die, dass man damit keinen einzigen Menschen dauerhaft für Gott gewinnen wird.
Gewiss, es wird zunächst eine Reihe von Jugendlichen geben, die sich davon angezogen fühlen, eben weil es anders ist, cool, nicht „so langweilig“. Doch dann werden die Jugendlichen feststellen, dass ihnen diese entmystifizierte, „jugendgerechte“ Form von Kirche nichts bieten kann und sie werden sich über kurz oder lang wieder abwenden.
Außerdem frage ich mich: Muss Kirche immer „spaßig“ sein, „jugendgerecht“, schrill? Oder hat nicht die Anbetung, die Stille, das aufrichtige Gebet vor Gott einen viel höheren Stellenwert, der durch diese Form jeglicher Faszination beraubt wird?
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