Palastrevolution in Jerusalem
Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem ist vertrieben worden. Der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte, waren umstrittene Immobiliengeschäfte.

Die Heilige Synode besteht aus 18 Mitgliedern und besitzt das Recht, einen Patriarchen abzusetzen. Nach der Entscheidung sei Irenaios I. verschwunden. Man wisse nicht, wo er sich zur Zeit befinde, hieß es aus dem Patriarchat.
Der Absetzung des Patriarchen ging eine Palastrevolution voraus. Letzten Donnerstag erklärten 38 Mitglieder des Patriarchates den Patriarchen zur Persona non grata. Das berichtete die in Athen publizierte griechische Tageszeitung Kathimerini.
In ihrem Schreiben sagten die 13 Bischöfe und 25 Archimandriten, daß sie jeden Kontakt mit Irenaios abbrechen und ihn nicht mehr als Oberhaupt der Kirche betrachten würden.
Archimandrit ist ein Ehrentitel. Er wird unverheirateten Priestern verliehen und entspricht in der katholischen Kirche dem Titel des „Monsignore“.
In der Stellungnahme der 38 Dissidenten heißt es, daß Irenaios I. „unverbesserlich in einem Syndrom von Lügen, religiösen Verdrehungen sowie in der Herabwürdigung des Patriarchenamts und im verantwortungslosen Umgang mit Patriarchatsbesitz verstrickt“ sei.
Erzbischof Aristarchos, der Exekutivsekretär des Patriarchats, sagte am Donnerstag, daß der Protestbrief notwendig gewesen sei, um das Patriarchat aus der gegenwärtigen Sackgasse herauszuholen. Aristarchos ist ein hochgebildeter Mönch von tadelloser persönlicher Integrität. Neben Griechisch und Englisch, spricht er auch Hebräisch, Arabisch und Deutsch.
Irenaios I. antwortete, daß sich die Verfasser der Erklärung „automatisch außerhalb der Gemeinschaft“ gestellt hätten. Er klagte die Dissidenten an, den „Weg des Verrates, der kanonischen Irregularität und der Illegalität“ beschritten zu haben.
Der jüngste Protest gegen Irenaios entzündete sich an umstrittenen Pachtzinsverträgen. Sie wurden von einer israelischen Zeitung publik gemacht. Der Artikel erregte den Zorn der einheimischen Orthodoxen und palästinensischen Politiker.
Irenaios I. soll erstklassigen Kirchenbesitz für 198 Jahre an jüdische Spekulanten verschachert haben. Die Immobilien befinden sich an erstklassiger Lage in der Jerusalemer Altstadt. Das griechisch-orthodoxe Patriarchat ist einer der größten Landbesitzer im Heiligen Land.
Die Verträge wurden von einem griechischen Vertrauten von Irenaios unterschrieben. Der Betreffende ist seit drei Monaten untergetaucht und wird – ebenso wie seine Ehefrau – steckbrieflich gesucht. Ihm wird vorgeworfen, über 600.000 Euro Kirchengelder unterschlagen zu haben.
Während der byzantinischen Palmsonntagsprozession vor fast drei Wochen wurde Irenaios von wütenden arabischen Orthodoxen beschimpft: „Schäm dich!“ riefen sie, als Irenaios I. die Grabeskirche verließ. Ein Protestierer überschüttete den Patriarchen sogar mit Wasser.
Der griechische Vize-Außenminister Panayiotis Skandalakis hatte darauf seine „tiefe Sorge“ um die Zustände im Jerusalemer Patriarchat ausgedrückt.
Das Patriarchat reagierte gereizt. Man bedaure die Aussagen des Vizeministers. Dieser habe den Unterstützungsbrief von 55 Klerikern übersehen, der an den griechischen Premierminister geschickt wurde.
Irenaios widersprach den jüngsten Anklagen und bezeichnete seine Ankläger als „Würmer“ und „Kehricht“: „Mögen sie meine Hände abhacken, wenn ich etwas gestohlen habe. Der Schlamm, mit dem sie mich beworfen haben, ist immer noch frisch. Aber er wird trocknen und abfallen.“
Schon beim Amtsantritt von Irenaios I. im Jahr 2001 standen die Zeichen auf Sturm. Bei seiner Wahl soll – wie Irenaios I. selber erklärte – ein verurteilter Drogenhändler seine Hände im Spiel gehabt haben.
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