Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem ist vertrieben worden. Der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte, waren umstrittene Immobiliengeschäfte.
(kreuz.net, Jerusalem) Patriarch Irenaios I. (65) hat den Laufpaß bekommen. Gestern Freitag wurde er
von der Heiligen Synode des Jerusalemer Patriarchates seines Amtes enthoben.
Die Heilige Synode besteht
aus 18 Mitgliedern und besitzt das Recht, einen Patriarchen abzusetzen. Nach der Entscheidung sei Irenaios
I. verschwunden. Man wisse nicht, wo er sich zur Zeit befinde, hieß es aus dem Patriarchat.
Der Absetzung
des Patriarchen ging eine Palastrevolution voraus. Letzten Donnerstag erklärten 38 Mitglieder des Patriarchates
den Patriarchen zur Persona non grata. Das berichtete die in Athen publizierte griechische Tageszeitung
Kathimerini.
In ihrem Schreiben sagten die 13 Bischöfe und 25 Archimandriten, daß sie jeden Kontakt
mit Irenaios abbrechen und ihn nicht mehr als Oberhaupt der Kirche betrachten würden.
Archimandrit ist
ein Ehrentitel. Er wird unverheirateten Priestern verliehen und entspricht in der katholischen Kirche
dem Titel des „Monsignore“.
In der Stellungnahme der 38 Dissidenten heißt es, daß Irenaios I. „unverbesserlich
in einem Syndrom von Lügen, religiösen Verdrehungen sowie in der Herabwürdigung des Patriarchenamts
und im verantwortungslosen Umgang mit Patriarchatsbesitz verstrickt“ sei.
Erzbischof Aristarchos, der
Exekutivsekretär des Patriarchats, sagte am Donnerstag, daß der Protestbrief notwendig gewesen sei,
um das Patriarchat aus der gegenwärtigen Sackgasse herauszuholen. Aristarchos ist ein hochgebildeter
Mönch von tadelloser persönlicher Integrität. Neben Griechisch und Englisch, spricht er auch Hebräisch,
Arabisch und Deutsch.
Irenaios I. antwortete, daß sich die Verfasser der Erklärung „automatisch außerhalb
der Gemeinschaft“ gestellt hätten. Er klagte die Dissidenten an, den „Weg des Verrates, der kanonischen
Irregularität und der Illegalität“ beschritten zu haben.
Der jüngste Protest gegen Irenaios entzündete
sich an umstrittenen Pachtzinsverträgen. Sie wurden von einer israelischen Zeitung publik gemacht. Der
Artikel erregte den Zorn der einheimischen Orthodoxen und palästinensischen Politiker.
Irenaios I. soll
erstklassigen Kirchenbesitz für 198 Jahre an jüdische Spekulanten verschachert haben. Die Immobilien
befinden sich an erstklassiger Lage in der Jerusalemer Altstadt. Das griechisch-orthodoxe Patriarchat
ist einer der größten Landbesitzer im Heiligen Land.
Die Verträge wurden von einem griechischen Vertrauten
von Irenaios unterschrieben. Der Betreffende ist seit drei Monaten untergetaucht und wird – ebenso wie
seine Ehefrau – steckbrieflich gesucht. Ihm wird vorgeworfen, über 600.000 Euro Kirchengelder unterschlagen
zu haben.
Während der byzantinischen Palmsonntagsprozession vor fast drei Wochen wurde Irenaios von
wütenden arabischen Orthodoxen beschimpft: „Schäm dich!“ riefen sie, als Irenaios I. die Grabeskirche
verließ. Ein Protestierer überschüttete den Patriarchen sogar mit Wasser.
Der griechische Vize-Außenminister
Panayiotis Skandalakis hatte darauf seine „tiefe Sorge“ um die Zustände im Jerusalemer Patriarchat ausgedrückt.
Das Patriarchat reagierte gereizt. Man bedaure die Aussagen des Vizeministers. Dieser habe den Unterstützungsbrief
von 55 Klerikern übersehen, der an den griechischen Premierminister geschickt wurde.
Irenaios widersprach
den jüngsten Anklagen und bezeichnete seine Ankläger als „Würmer“ und „Kehricht“: „Mögen sie meine
Hände abhacken, wenn ich etwas gestohlen habe. Der Schlamm, mit dem sie mich beworfen haben, ist immer
noch frisch. Aber er wird trocknen und abfallen.“
Schon beim Amtsantritt von Irenaios I. im Jahr 2001
standen die Zeichen auf Sturm. Bei seiner Wahl soll – wie Irenaios I. selber erklärte – ein verurteilter
Drogenhändler seine Hände im Spiel gehabt haben.
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