Benedikt XVI.
Ich war wie in Ekstase
Die US-Wochenzeitung ‘National Catholic Register’ veröffentlichte ein Interview mit Pater Augustine DiNoia OP, einem langjährigen Mitarbeiter der Glaubenskongregation: „Seine Predigt vor dem Konklave war alles andere als eine Wahlwerbung. Er sagte, ‘Das bekommt ihr, wenn ihr mich wählt’“.
Frage: Was war Ihre persönliche Reaktion auf die Papstwahl?

P. Augustine DiNoia: Ich war wie in Ekstase. Bereits bei der Begräbnismesse für Johannes Paul II. und bei der Messe zu Beginn des Konklave wurde klar, daß Kardinal Ratzinger in eine andere Rolle geschlüpft war. Es war eine sehr schnelle Wahl. Dies zeigt vielleicht, daß die Kardinäle etwas Ähnliches wahrgenommen haben.

Frage: Sie kennen den Papst, von Ihrer Arbeit in der Glaubenskongregation. Können Sie uns einige Einblicke in seine Persönlichkeit geben?

P. Augustine DiNoia: Er hat eine wunderbare Persönlichkeit. Wenn das durchdringt und offensichtlich wird, dann werden ihn die Menschen lieben. 100% der Mitarbeiter der Glaubenskongregation – auch die Türhüter – sind über die Wahl hocherfreut. Er ist freundlich, äußerst demütig und ausgesprochen menschlich. Er ist aber auch lustig – mit einem ausgeprägten Sinn für Humor. Wir werden ihn vermissen. Er ist ein Heiliger. Er weiß wie die Kirche funktioniert und wie man sie führt. Ich habe dafür gebetet, daß er Papst werde – wie viele von uns. Ich habe selten zuvor mehr gebetet.

Frage: Jeder weiß, daß der Papst in der Glaubenslehre absolut katholisch ist. Wie wird sein Pontifikat ihrer Meinung nach aussehen?

P. Augustine DiNoia: Er hat 24 Stunden am Tag für den Papst gearbeitet. Deshalb weiß er, was die Kirche braucht. Auch wenn es seine erste Aufgabe war, sich um die Lehre der Kirche zu kümmern, personifiziert er neben der Rechtgläubigkeit auch zwei andere christliche Qualitäten: Wahrheit und Liebe. Seine Predigt vor dem Konklave war alles andere als eine Wahlwerbung. Er sagte, ‘Das bekommt ihr, wenn ihr mich wählt’ – aber offensichtlich war es genau das, was die Mehrheit des Kardinalskollegiums wollte.

Frage: Warum wählte er den Namen Benedikt?

P. Augustine DiNoia: Ich habe gewußt, daß er sich nach einer allfälligen Wahl zum Papst Benedikt nennen würde. Er schätzt die Benediktiner sehr, die gerade in Deutschland sehr verbreitet sind. Wenn ich etwas ergänzen darf: Ich war über die Beifallrufe „Be-ne-detto“ nach seiner Wahl erstaunt. Die Italiener lieben ihn. Er kennt die Italiener sehr gut und spricht selbstverständlich perfekt Italienisch.

Frage: Glauben Sie, daß sich alle Menschen mit dem neuen Papst anfreunden können?

P. Augustine DiNoia: Sobald die Leute die Gelegenheit haben, ihn zu sehen, werden sie ihn schätzen. Er hat eine schwierige Aufgabe. Aber ich bin sicher, er wird sie ausgezeichnet erfüllen.

Frage: Es wurde oft davon gesprochen, daß die Kirche besser verwaltet werden müsse. Wie wird der Papst als Organisator sein?

P. Augustine DiNoia: Er ist sehr entschieden und fürchtet sich – als Deutscher – nicht, anzuecken und Dinge zurechtzubiegen. Die Glaubenskongregation lief unter seinen Händen reibungslos, weil er so entschieden war.

Frage: Der Papst war in liturgischen Angelegenheiten und Fragen der Glaubenslehre sehr standfest. Sollten Priester jetzt in dem, was sie tun, besser aufpassen?

P. Augustine DiNoia: So kann man das nicht sagen. Der neue Papst wird die Arbeit von Johannes Paul II. fortsetzen. Er hat 25 Jahre unter ihm gearbeitet.

Frage: Es gibt viele Sorgenkinder der Kirche. Was werden ihrer Meinung nach die Prioritäten des Papstes sein?

P. Augustine DiNoia: Ich glaube sein Schwerpunkt wird es sein, die Missionstätigkeit von Johannes Paul II. fortzusetzen. Er wird sich besonders für die Neuevangelisierung Europas einsetzen.

Frage: Wie wird er das machen?

P. Augustine DiNoia: Durch Reisen und Pastoralbesuche nach dem Vorbild von Johannes Paul II.

Frage: Also sind wir in guten Händen?

P. Augustine DiNoia: Ich habe keinen Zweifel, daß wir am Beginn eines großartigen Pontifikates stehen.
      
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