13:32:44 | Dienstag, 27. Juli 2010
Die 18 Jahre von Maria Jepsen als Laienbischöfin waren durch theologischen Kitsch und durch Politisieren im eigenen Namen und auf Kosten der Botschaft gekennzeichnet.
(kreuz.net) „Wo Betroffenheit und Subjektivität dominieren, wird Glaube zum Kitsch.“
Das stellte der
deutsche Kulturjournalist Alexander Kissler in einem zum Rücktritt der Hamburger Laienbischöfin Maria
Jepsen verfaßten Kommentar fest.
Der Text erschien am 20. Juli in dem deutschen Internet-Magazin
‘theeuropean.de’
Kitsch deutet auf UnreifeKissler geht von der Kitschwelt des Filmes aus, die er so charakterisiert:„Das
Oberstübchen darf sich wohlig zurückziehen, die Gedanken haben Pause, der Effekt triumphiert“.
Und:
„Ach, wie schön sind die Freuden der Subjektivität; wie herrlich läßt sich’s baden im Tümpel der
Allgemeinplätze!“
Außerhalb des Films deutet Kitsch nach Kisslers Urteil fast immer auf Unreife hin:
„Denn wer ganz auf die Mittel setzt, geht des Zweckes meist verlustig.“
Liturgie als clownhafte Selbstdarstellung
Kissler erinnert in diesem Zusammenhang an den
Rücktritt der Hamburger Laienbischöfin Maria Jepsen
und an die
Suspendierung von Hw. Paul Vlaar im Gefolge einer sakrilegischen Fußball-Messe.
Er vermutet,
daß sich der Geistliche bei dem Anlaß „aus vermutlich wohlmeinender Absicht“ in einen Clown verwandelt
hat.
Aber: „Hw. Vlaar machte sich des liturgischen Kitsches schuldig.“
Er stellte die eigene Subjektivität
und den Effekt – lachen, grölen, lustig sein – über die Essenz.
Einige wenigge Themen im melodramatischen
TonfallÄhnliche Probleme ortet Kissler bei Frau Jepsen:
„Dem Publikum zugewandt, subjektiv, plakativ,
effektvoll präsentierte sich auch die erste Frau an der Spitze einer protestantischen deutschen Landeskirche,
Maria Jepsen.“
Ihre 18 Jahre als Laienbischöfin sieht er „gekennzeichnet durch eine spezielle Form theologischen
Kitsches, das Politisieren im ausschließlich eigenen Namen.“
Kissler erklärt: „Kitsch ist dergleichen,
weil einige wenige Themen im melodramatischen Tonfall der Betroffenheit aus programmatisch subjektiver
Perspektive wieder und wieder dem Publikum dargeboten werden.“
Darstellung auf Kosten der InhalteDer
Kulturjournalist gibt Beispiele:
• Maria Jepsen wünschte sich die Krippe („ein so freundliches Zeichen“)
statt des Kreuzes als christliches Symbol.
• Sie befürwortete den Muezzin-Ruf, aber auch die Anerkennung
der Prostitution als Beruf.
• Sie lehnte die Jungfrauengeburt Mariens und den Sühnetod Christi ab.
• Sie forderte die Gleichberechtigung des Homo-Konkubinates im Kirchenrecht und die Verankerung der
„sexuellen Identität“ im deutschen Grundgesetz.
• Jesus nannte sie einen „besonderen Menschen“.
• Ein
innerprotestantischer Kritiker, Pastor Jens Motschmann, warf ihr vor, Irrlehren zu verbreiten.
Kissler
zweifelt nicht an der vollen Daseinsberechtigung der Meinungen von Frau Jepsen in der zivilen Gesellschaft.
Aber: „Meinungsproduktion ist kein bischöfliches Kerngeschäft.“
Das Trommelfeuer der ewiggleichen,
eng bemessenen Ansichten wird nach Kissler zum Kitsch, wenn dadurch zwar deren Darstellerin bekannt, die
Botschaft aber ununterscheidbar wird.
Die Rückseite der Jepsen-MedailleKissler verweist auf die in
Schleswig-Holstein erscheinende ‘Dithmarscher Landeszeitung’. Diese hielt der Ex-Laienbischöfin die Quittung
für „soviel subjektiven Kitsch“ vor die Augen:
„Während Frau Jepsens Amtszeit haben 300.000 Protestanten
ihrer Kirche den Rücken gekehrt“.
Nun sei eine „Abkehr von Positionen nötig, die der feministischen
Theologin Jepsen besonders am Herzen lagen, die jedoch die schweigende Mehrheit der Protestanten ihrer
Kirche entfremdet hat.“
Damit schließe sich für Kissler der Kreis zu Hw Vlaar: „Er trieb in einem Land
seine Späße, das in den letzten fünfzig Jahren eine Halbierung des christlichen Bevölkerungsanteiles
erlebt hat.“
Sie tragen dazu bei, daß man sich abwendetIn den zwei Selbstdarstellern sieht Kissler
zwar nicht Auslöser, aber Symptom und Katalysator des Glaubensabbruchs.
Der Journalist lotet den Abgrund
aus:
• Ein Bäcker, der betroffen erzählt, wie schlecht es um das Bäckerhandwerk bestellt sei, wie
toll er aber Einrad fahren könne;
• ein Wirt, der den Koch schmäht, den Gast aber mit Witzen in der
Kneipe halten will;
• ein Postbote, der an der Welt leidet und darum nur sporadisch Briefe zustellt,
immer aber für eine Lichterkette zu haben ist:
Die nüchterne Konklusion des Journalisten: „Sie alle
hätten ihren Beruf verfehlt.“
Denn: „Sie alle trügen dazu bei, daß man sich abwendet. Nicht anders
ist es um die kitschgestählten Prediger in eigener Sache bestellt.“
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