Wird heute der Nachfolger von Kardinal Ratzinger bekanntgegeben?
Im Vatikan kursieren Gerüchte, wonach Papst Benedikt XVI. angeblich heute seinen eigenen Nachfolger als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre bekanntgeben wird.
(kreuz.net, Vatikan) Der Name des nächsten Vorstehers der Glaubenskongregation ist dem Papst schon länger
bekannt. Das erklärte einer, der es eigentlich wissen müßte, der Erzbischof von Genua, Tarcisio Kardinal
Bertone (70).
Kardinal Bertone war als Kurienerzbischof jahrelang der zweite Mann in der Glaubenskongregation
und der engste Mitarbeiter von Kardinal Ratzinger. Im Jahr 2002 wurde der Salesianerpater zum Erzbischof
von Genua und 2003 zum Kardinal ernannt.
Genua ist eine Hafenstadt im Nordwesten Italiens.
Am 21. April
hatte Papst Benedikt XVI. alle Mitarbeiter der römischen Kurie in ihrem Amt bestätigt – bis auf einen:
den Präfekten der Glaubenskongregation.
Der Nachfolger von Kardinal Ratzinger tritt ein schweres Amt
an. Im Augenblick ist kein Kandidat in Sicht, der dem alten Amtsinhaber an Statur und theologischer Bildung
ebenbürtig wäre.
Wann wird der neue Oberste Glaubenshüter offiziell ernannt? „Man hat mir gesagt,
daß der Name am Montag oder Dienstag bekanntgegeben wird“, erklärte Kardinal Bertone.
Das wäre gestern
oder – besser gesagt – heute. Kardinal Bertone fügte hinzu: „Ich werde es nicht sein. Es geht mir in
Genua sehr gut.“
Namen werden viele herumgeboten.
Zuoberst auf der Liste steht Kardinal Christoph Schönborn
von Wien (60). Er arbeitete unter der Führung von Kardinal Ratzinger als Sekretär der Kommission, die
den „Katechismus der Katholischen Kirche“ veröffentlichte. Bis zu seiner Ernennung zum Weihbischof von
Wien im Jahre 1991 war er Professor für Dogmatik an der Universität Fribourg in der Schweiz. Die Führung
der dortigen zweisprachigen Theologischen Fakultät ist dem Dominikanerorden anvertraut.
Die Journalisten
nennen noch anderen Kandidaten. Einer ist der Erzbischof von San Francisco, Mons. William Joseph Levada
(59). Mons. Levada ist ein ehemaliger Mitarbeiter der Glaubenskongregation.
Als Diözesanbischof hat
er sich nicht besonders hervorgetan. San Francisco befindet sich an der Westküste der USA.
Genannt wird
auch der Erzbischof von Toledo in Spanien, Mons. Antonio Cañizares Llovera (59). Toledo befindet sich
in Zentralspanien rund 70 km südöstlich von Madrid.
Im Gespräch ist auch der Erzbischof von Chieti-Vasto
in Italien, Mons. Bruno Forte (55). Chieti liegt 200 km östlich von Rom. Die Stadt befindet sich rund
15 km von der Adria entfernt in der Region Abruzzen.
Mons. Forte war lange Zeit Dogmatikprofessor in
Neapel und hat viel publiziert. Er ist einer der bekanntesten italienischen Theologen und gilt als Vertreter
einer zeitangepaßten Theologie.
Mons. Forte wird manchmal als „italienischer Walter Kasper“ bezeichnet.
Ein Ausgleich zum Dogmatiker im Papstamt könnte der Erzbischof von Bologna, Mons. Carlo Caffarra (66),
sein.
Mons. Caffarra ist ein bekannter konservativer Moraltheologe. Er war wesentlich am Aufbau des weltweiten
Netzes von Johannes-Paul II.-Instituten beteiligt.
Diese Institute beschäftigen sich im Sinne des verstorbenen
Papstes mit der Theologie der Ehe und Familie. Als Professor war Mons. Caffarra immer wieder heftigen
Angriffen aus linkskatholischer Ecke ausgesetzt.
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