Sulplicius Severus war ein Rechtsanwalt in Aquitanien (Südwestfrankreich, an der Atlantikküste), bevor er sich bekehrte und Mönch wurde. Er gründete eine Gemeinschaft und lebte darin im Chorherrenstil. Berühmt wurde Sulplicius als Biograph des heiligen Martin von Tours.
von Pater Sulplicius Severus
(kreuz.net) „Martin, der schon lange um den Zeitpunkt seines Todes wußte,
informierte seine Mitbrüder, daß die Zeit der Auflösung seines Körpers gekommen sei.
In der Zwischenzeit
gab es aber einen Vorfall, weswegen Martin eine bestimmte Diözese visitieren mußte. Dort herrschte Streit
unter den Priestern und Martin wollte den Frieden wiederherzustellen. Er war sich des Endes seiner Tage
bewußt. Dennoch lehnte er es nicht ab, sich auf den Weg zu machen. Denn er wollte nicht sterben, bevor
er der Kirche den Frieden wiedergegeben hatte.
Martin verweilte für einige Zeit in der besagten Diözese
und stellte den Frieden wieder her. Als er wieder in sein Kloster zurückkehren wollte, begannen ihn seine
Körperkräfte fast schlagartig zu verlassen. Schnell rief er die Mitbrüder zusammen und teilte ihnen
mit, daß er in Auflösung begriffen sei.
Da begann eine Klage und Trauer. Die Weinenden riefen wie mit
einer Stimme: „Warum verläßt Du uns, Pater? Wem wirst Du uns hinterlassen? Reißende Wölfe dringen
in Deine Herde ein. Wer wird uns vor ihren fletschenden Zähnen schützen, wenn der Hirte niedergestreckt
ist? Wir wissen, daß Du Dich nach Christus sehnst. Doch das eilt nicht, denn Dein Lohn ist Dir gewiß.
Wenn du ihn noch ein bißchen herauszögerst, wird er nicht weniger werden. Erbarme Dich lieber unser,
die Du uns alleine zurückläßt!“
Von ihren Tränen gerührt verbot Martin seinen Brüdern zu weinen
und sprach zum Herrn gewandt: „Mein Herr, wenn ich für Dein Volk noch notwendig bin, verweigere ich mich
der Arbeit nicht. Dein Wille geschehe!“
O außerordentlicher Mensch, der Du das Leben nicht dem Tod und
den Tod nicht dem Leben vorgezogen hast! Weder hast Du den Tod gefürchtet, noch die Mühsal des Lebens
von Dir gewiesen! Du hast Deine Augen und Hände immer zum Himmel gewandt, warst unbesieglich im Gebet,
ungebeugt im Geist.
Als Priester, die ihn damals besuchten, baten, sich auf die Seite zu drehen und ihnen
seinen ausgemergelten Leib zuzuweden, sprach er: „Laßt mich, Brüder! Laßt mich lieber zum Himmel blicken
als zur Erde, damit mein Geist zum Herrn gerichtet sei.“
Als er das gesagt hatte, erblickte er den Teufel
selbst, der danebenstand. Da sprach Martin: „Was stehst Du da, grausame Bestie? Du Greuslicher sollst
in mir nichts finden. Der Schoß Abrahams wird mich aufnehmen.“
Mit diesen Worten gab er seinen Geist
dem Himmel zurück.
Der glückliche Martin wird in den Schoß Abrahams aufgenommen. Der arme und bescheidene
Martin, betritt den Himmel als reicher Mann.“
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