Deutschland
Hartnäckige Weigerung
Im vergangenen April entließ Bischof Müller von Regensburg einen Religionslehrer. Grund: Der Katechet wurde vor einem Jahr Präsident einer Sektion des kirchenfeindlichen Vereins „Wir sind Kirche“.
(kreuz.net, Regensburg) Am 12. Mai 2004 erhielt der Religionslehrer Paul Winkler vom Bischöflichen Ordinariat Regensburg einen Brief.

Man habe erfahren, daß er zum Vorsitzenden des Vereins „Wir sind Kirche Regensburg“ gewählt worden sei, hieß es im Brief: „Wie allgemein bekannt und bereits offiziell festgelegt, ist die Mitgliedschaft in der bezeichneten Gruppierung und gleichzeitig die Erteilung des Religionsunterrichts im Auftrag des Bischofs nicht vereinbar.“

Man gehe deshalb davon aus, daß die Ausübung der Missio canonica ruhe und Winkler sich entschlossen habe, die Präsidentschaft beim umstrittenen Verein, seiner Tätigkeit als Religionslehrer vorzuziehen. Der Brief war vom Offizial des Bistums Regensburg unterschrieben.

Die Missio canonica ist die bischöfliche Sendung für kirchliche Mitarbeiter, die in der Glaubensverkündigung stehen. Ohne die Missio kann ein solcher Dienst nicht ausgeübt werden.

Der Offizial ist der Leiter des diözesanen Gerichtes.

„Wir sind Kirche“ ist ein international agierender Zusammenschluß von glaubensfernen und kirchenfeindlichen Katholiken. Der Verein vertritt eine Lehre, die stark auf sexuelle Themen ausgerichtet ist. Er setzt sich unter anderem für die Homo-Ideologie, die Priesterehe und die Frauenpriesterinnen ein.

Nach einigen Tagen antwortete der Religionslehrer auf den Brief des Offizials und erklärte, daß ein „Ruhen“ der kirchlichen Lehrbefugnis im Kirchenrecht nicht vorgesehen sei.

Der Offizial erklärte daraufhin am 6. Juli, daß dieser Hinweis auf formaljuristische Spitzfindigkeiten korrekt sei und fand deshalb deutlichere Worte: „Bei der gegebenen Situation ist die Erteilung des Religionsunterrichts durch Sie nicht erwünscht und angebracht.“

Zwei Wochen später bestätigte der Religionslehrer den Empfang des Schreibens. Über die an ihn gerichtete Aufforderung der Diözese, den Unterricht einzustellen, verlor er in seinem zweizeiligen Antwortbrief kein Wort.

Danach war neun Monate Funkstille.

Am 8. April diesen Jahres flatterte dem Noch-Religionslehrer ein eingeschriebener Brief der Diözese Regensburg ins Haus. Dieses Mal war der Absender der Diözesanbischof höchstpersönlich.

Der Inhalt des Schreibens ist von gebotener Kürze und Klarheit:

„Sehr geehrter Herr Winkler, wegen Ihrer hartnäckigen Weigerung, die volle Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche wiederherzustellen, sehe ich mich gezwungen, Ihnen hiermit die Bevollmächtigung zur Erteilung Katholischen Religionsunterrichtes für den gesamten Geltungsbereich der Missio Canonica, zu entziehen.“

Einige Tage später bekam der Bischof eine dreiseitige Antwort. Darin stellt Winkler den Antrag, die Entscheidung zurückzunehmen. Er sowie sein Verein „Wir sind Kirche“ stünden in vollem Einklang mit der katholischen Lehre.

Am 29. April lehnte der Generalvikar des Bistums in seiner Funktion als Vorsitzender des Missio-Ausschusses, den Antrag ab. Der Missio-Ausschuß ist zuständig für die Prüfung der kirchlichen Sendung von diözesanen Mitarbeitern.

Der Generalvikar erklärt in seiner Antwort, daß Winkler einmal mehr seine Loyalität gegenüber einer kirchenschädigenden Vereinigung ausgedrückt habe. Als Vorsitzender trage Winkler die Verantwortung für die Machenschaften seiner Gruppe.

Offensichtlich sei ihm die Zugehörigkeit zu diesem Verein wichtiger als die Treue zur Kirche.

Der Generalvikar bat den entlassenen Katecheten, das Dokument mit der Lehrerlaubnis an die Diözese zurückzuschicken.

Am letzten Sonntag appellierte Winkler bei der römischen Kleruskongregation gegen den Entzug seiner Missio canonica. Dieser sei kirchen- und staatskirchenrechtlich unzulässig.

Die Chancen dieses Appells werden von Kirchenrechtlern als sehr gering eingestuft.

Die Kleruskongregation hat sich an hierarchische Rekurse aus der Diözese Regensburg gewöhnt. Erst Anfang Mai wurde der Einspruch eines entlassenen Regensburger Diakons und ehemaligen Professors an der Theologischen-Fakultät abgelehnt.

Zuvor wurde der Einspruch eines von Bischof Müller suspendierten Pfarrers zurückgewiesen.
      
3 Lesermeinungen
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#3   Niclaas   12:02:51 | Freitag, 13. Mai 2005
@Klaus Kegebein: Tippfehler
Die Begriffe »glaubensfern« und »kirchenfeindlich« im Zusammenhang mit der Initiative »Wir sind Kirche« sind natürlich Unsinn.
Bei Ihrem Posting kam mir auch der Gedanke, ich sei im falschen Film. In meinem Jesusbild höre ich die Mahnung von »reißenden Wölfen« und einer Kreuzigung, die um der Wahrheit willen erkauft wurde. Denn davor hätte sich Jesus gewissermaßen auch retten können.
Wieso möchte dieser Verein »Wir sind Kirche« im Boote Petri sitzen, doch ein anderes Ziel ansteuern als dieser? Warum kleben sie sich an eine Autorität, die sie nicht anerkennen wollen?
Wenn man ehrlich ist, sind die Standpunkte zu Genüge ausgetauscht. Es gibt ja auch viele Kirchenmodelle, die diese Forderungen eingelöst haben. Es ist an der Zeit für diesen Verein, einen Schritt ins Erwachsenensein zu tun – statt nur in den Armen der Mutter Kirche herumzustrampeln.
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#2   Klaus Kegebein   10:55:43 | Freitag, 13. Mai 2005
Tippfehler
Da sind der Redaktion wohl zwei Tippfehler entgangen. Die Begriffe »glaubensfern« und »kirchenfeindlich« im Zusammenhang mit der Initiative »Wir sind Kirche« sind natürlich Unsinn. Meinten Sie »kirchenkritisch«?
Es wäre für die Kirche zum Segen und sehr zu wünschen, dass mehr Bischöfe (und Katholiken ganz allgemein) ein weites Herz und offene Arme zeigen wie Jesus Christus.
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#1   Berengeria   16:05:58 | Donnerstag, 12. Mai 2005
Das Rückgrat der Bischöfe
Es wäre für die Kirche zum Segen und sehr zu wünschen, daß mehr Bischöfe so viel Rückgrat und Festigkeit zeigen wie Bischof Müller.
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