08:13:16 | Donnerstag, 12. Mai 2005
Im vergangenen April entließ Bischof Müller von Regensburg einen Religionslehrer. Grund: Der Katechet wurde vor einem Jahr Präsident einer Sektion des kirchenfeindlichen Vereins „Wir sind Kirche“.
(kreuz.net, Regensburg) Am 12. Mai 2004 erhielt der Religionslehrer Paul Winkler vom Bischöflichen Ordinariat
Regensburg einen Brief.
Man habe erfahren, daß er zum Vorsitzenden des Vereins „Wir sind Kirche Regensburg“
gewählt worden sei, hieß es im Brief: „Wie allgemein bekannt und bereits offiziell festgelegt, ist die
Mitgliedschaft in der bezeichneten Gruppierung und gleichzeitig die Erteilung des Religionsunterrichts
im Auftrag des Bischofs nicht vereinbar.“
Man gehe deshalb davon aus, daß die Ausübung der Missio canonica
ruhe und Winkler sich entschlossen habe, die Präsidentschaft beim umstrittenen Verein, seiner Tätigkeit
als Religionslehrer vorzuziehen. Der Brief war vom Offizial des Bistums Regensburg unterschrieben.
Die
Missio canonica ist die bischöfliche Sendung für kirchliche Mitarbeiter, die in der Glaubensverkündigung
stehen. Ohne die Missio kann ein solcher Dienst nicht ausgeübt werden.
Der Offizial ist der Leiter des
diözesanen Gerichtes.
„Wir sind Kirche“ ist ein international agierender Zusammenschluß von glaubensfernen
und kirchenfeindlichen Katholiken. Der Verein vertritt eine Lehre, die stark auf sexuelle Themen ausgerichtet
ist. Er setzt sich unter anderem für die Homo-Ideologie, die Priesterehe und die Frauenpriesterinnen
ein.
Nach einigen Tagen antwortete der Religionslehrer auf den Brief des Offizials und erklärte, daß
ein „Ruhen“ der kirchlichen Lehrbefugnis im Kirchenrecht nicht vorgesehen sei.
Der Offizial erklärte
daraufhin am 6. Juli, daß dieser Hinweis auf formaljuristische Spitzfindigkeiten korrekt sei und fand
deshalb deutlichere Worte: „Bei der gegebenen Situation ist die Erteilung des Religionsunterrichts durch
Sie nicht erwünscht und angebracht.“
Zwei Wochen später bestätigte der Religionslehrer den Empfang
des Schreibens. Über die an ihn gerichtete Aufforderung der Diözese, den Unterricht einzustellen, verlor
er in seinem zweizeiligen Antwortbrief kein Wort.
Danach war neun Monate Funkstille.
Am 8. April diesen
Jahres flatterte dem Noch-Religionslehrer ein eingeschriebener Brief der Diözese Regensburg ins Haus.
Dieses Mal war der Absender der Diözesanbischof höchstpersönlich.
Der Inhalt des Schreibens ist von
gebotener Kürze und Klarheit:
„Sehr geehrter Herr Winkler, wegen Ihrer hartnäckigen Weigerung, die
volle Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche wiederherzustellen, sehe ich mich gezwungen, Ihnen hiermit
die Bevollmächtigung zur Erteilung Katholischen Religionsunterrichtes für den gesamten Geltungsbereich
der Missio Canonica, zu entziehen.“
Einige Tage später bekam der Bischof eine dreiseitige Antwort. Darin
stellt Winkler den Antrag, die Entscheidung zurückzunehmen. Er sowie sein Verein „Wir sind Kirche“ stünden
in vollem Einklang mit der katholischen Lehre.
Am 29. April lehnte der Generalvikar des Bistums in seiner
Funktion als Vorsitzender des Missio-Ausschusses, den Antrag ab. Der Missio-Ausschuß ist zuständig für
die Prüfung der kirchlichen Sendung von diözesanen Mitarbeitern.
Der Generalvikar erklärt in seiner
Antwort, daß Winkler einmal mehr seine Loyalität gegenüber einer kirchenschädigenden Vereinigung ausgedrückt
habe. Als Vorsitzender trage Winkler die Verantwortung für die Machenschaften seiner Gruppe.
Offensichtlich
sei ihm die Zugehörigkeit zu diesem Verein wichtiger als die Treue zur Kirche.
Der Generalvikar bat
den entlassenen Katecheten, das Dokument mit der Lehrerlaubnis an die Diözese zurückzuschicken.
Am
letzten Sonntag appellierte Winkler bei der römischen Kleruskongregation gegen den Entzug seiner Missio
canonica. Dieser sei kirchen- und staatskirchenrechtlich unzulässig.
Die Chancen dieses Appells werden
von Kirchenrechtlern als sehr gering eingestuft.
Die Kleruskongregation hat sich an hierarchische Rekurse
aus der Diözese Regensburg gewöhnt. Erst Anfang Mai wurde der
Einspruch eines entlassenen Regensburger
Diakons und ehemaligen Professors an der Theologischen-Fakultät abgelehnt.
Zuvor wurde der Einspruch
eines von Bischof Müller suspendierten Pfarrers zurückgewiesen.
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Niclaas 12:02:51 | Freitag, 13. Mai 2005